Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 32 (1915)
- Issue
- 29 (16.7.1915)
- Date
- 1915-07-16
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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Seite 646 Dr. Bloch's Wochenschrift Nr. 29 zwei andere Juden (der Arzt ist entkommen) in schweren Ketten in die Stadt. Beim Verlassen der Judengasse spielten sich herzzerreißende Szenen ab. Die Gasse war voll, alles schrie und weinte, Weiber küßten dem Prediger den Saum seiner Kleider und legten sich aus die Erde, um den Durchgang zu verrammeln. Bor dem Tore wendete sich der Prediger um und sprach zum weinenden Volte: „Ich weiß nicht, ob ich bei meinem Tode zehn Juden haben werde, um den Namen des Ewigen zu heiligen, daher will ich es jetzt tun." Nun sprach er die übliche Formel: „Lobet den Herrn, den Hochgepriesencn!^ worauf die Gemeinde antwortete: „Gelobt sei der Herr, der Hochgepriesene, in Ewigkeit, Amen!" Die Schergen drängten den Mann zum Tore hinaus und bald saßen alle vier Juden im unterirdischen Gefängnis. Am selben Abend wurden alle Vorsteher der Judengenreinde mit eingesperrt. Es begann das Verhör und die Konfrontation. Die Sowinska beharrte bei ihren Behauptungen. Agnes dagegen erklärte, alles sei ersonnen; die Juden wußten überhaupt keinen Bescheid zu geben. Nun sollte die Folter entscheiden. Die Weiber wurden gefoltert, änderten aber nicht im geringsten ihre Aussagen; die Sowinska bejahte, Agnes verneinte das Ganze. Nun kam die Reihe aus den Prediger und auf den Syndikus.. Beide baten ^den Henker, er möge sie nicht rasieren, und der Prediger willigte sogar ein, sich eine halbe Stunde länger foltern zu lassen. Es wurde nicht bewilligt, da man aus Zuchowskis Buch wußte, daß sich der Teufel in den Haaren verstecke. Nun bat der Prediger, man möge ihm eine halbe Stunde Zeit lassen, damit er sich mit Gott urrd der Welt aussöhne, und nachher legte er sich selber auf die Folterbank. Es war bei Nacht, dunkel war es in der Kammer, der Syndikus mußte die Kerze halten und zusehen, wie man dem Prediger die Glieder verrenkte, wie man ihn brannte und mit glühenden Zangen zwickte. Arje Leib Kalahora, dessen Ahnen den Foltern Torquemadas in Spanien entkommen sind, dessen Großonkel Matitjahu im Jahre 1663 den Märtyrertod erlitt, gab keinen Laut von sich und auf alle Fragen wiederholte er monoton: „Ich weiß nicht! Ich weiß nicht!" Der Syndikus war nicht so geduldig und schrie bei der Folter, daß man am ganzen Markt seine Stimme hörte und in der Judengasse die Stimme erkannte. Beide Männer hielten die Folter nicht aus. Der Syndikus starb noch am selben Abend, der Prediger wurde nach drei Tagen zerschlagen und verblutet nach Hause gebracht, wo er am 22. November 1736 nach schweren Leiden verschied. Die Leichen beider Märtyrer wurden auf dem Judenfriedhos in Posen beigesetzt; das Hemd, in dem der Prediger nach Hause gebracht wurde, wird bis heute als kostbare Reliquie bei einer Posener Familie verwahrt und Kindern und Kindeskindern das Gewand gezeigt, in dem ihr Ahn den Tod für sein Volk erlitten. Meratrrr. Die «eue Synagoge in Essen a. d. Ruhr, erbaut von Prof. Edmund Körner. Mit Tert von Dr. Richard Klaphek. Berlin 1915. Ernst Wasmuth A.-G. „Die Synagoge ist in den meisten Orten ein Fremdkörper, der unangenehm auffällt und keinen Anschluß an das Ortshild findet. . . . . Eine „mosaische Moschee" wird unter deutschem Himmel, in der Nachbarschaft norddeutscher Backsteinbauten oder süddeutscher malerischer Fachwerkarchitekturen und Putzbauten, vor allem an vorherrschenden Punkten des Stadtbildes stets als ein aufdringlicher Störenfried sich geltend machen. Der Bau von Edmund Körner hingegen sitzt mit einer absoluten Selbstverständlichkeit im Stadt- und Straßenbilde. Trotzdem dokumentiert sich die Essener Synagoge bei allem Verzicht auf äußerliche Anleihe bei der Kunst des islamitischen Orientes dennoch auf den ersten Blick als einen Judentempel. Man möchte es sagen, daß Edmund Körner aus dem Wesen des Judentums einen ganz neuen und nwdernen, monumentalen und ornamentalen Ausdruck gefunden hat. Das ist die bedeutungsvolle Tat des neuen Bauwerkes." Diese Worte im Tert des vorliegenden stattlichen Bandes, in denen Ausgangspunkt und Ziel des Erbauers des mächtig eindrucksvollen Essener Synagogenbaues klar und präzis wiedergegeben sind, sollten Ausgangspunkt einer gedeihlichen Erörterung werden und könnten auf diesem Wege zum Ziele führen, uns einfür allemal Normen für den Synagogenbau zu schaffen. Es wird sich, wenn auch nicht aus künstlerischem Gesichtspunkte, darüber streiten lassen, ob die Synagoge im orientalischen Stil, wie wir sie zum Beispiel in unserem Leopoldstädter oder im türkischen Tempel besitzen als aufdringlich sich unangenehm von der Umgebung abhebt. Das Gefühl wird da viel mitzureden haben, auf der einen wie auf der anderen Seite. Sicher ist, daß mit dem Körner'schen Bau ein Novum geschaffen ist, an dem Künstler und Auftraggeber nicht mehr achtlos vorüber können. In der Literatur hätten die Arbeiten David Kaufmanns und Grunwalds, der übrigens beratend an dem schönen Werke mitgewirkt hat, erwähnt werden können. Daß nicht der übliche Davidschild, sondern die Monorah — äußerst wirksam — die Fassade ziert, darf auch als nicht unbedeutsame Neuerung gelten. L. K. Jung-Juda. Illustrierte Zeitschrift für unsere Jugend. XVI. Jahrgang. Nr. 13. Prag, den 9. Juli 1915. (27. Thamuz 5675.) Redaktion und Administration: Prag, II., Stefansgasse 629. — Inhalt: Wenn Ihr nach Kanaan kommen werdet ... — Zum 9. Ab. — Dr. PH. A. Hirschberger: Der Baum des Judentums. — Josef Hart: Krieg und Frieden. (Schluß.) — M. S ch e r l a g: In der Fremde. — M. Antin: Das Leben im russischen Ghetto. — Ansicht von Trieft. (Illustriert.) — Auf dem jüdischen Friedhofe eines eroberten Dorfes in Galizien. (Illustriert.) — Ch. D. N au mb erg: Schwarze Augen. (Schluß.) — Eroberung Konstantinopels durch die Türken. — Moritz Antscherl: Merkverse. — Albert Löw: Laß dein Haus nur immer weit offen stehen. — Guck in die Welt. .— Uebersetzungs- Aufgabe. — Rätsel. Jefchurun. Monatsschrift für Lehe und Leben im Judentum. Herausgeber: Dr. I. Wohlgemut h. II. Jahrgang. Heft 6. Verlag des Jefchurun Berlin N. 24., Krausnickstraße 2. — Inhalt: Der ewige Friede. — A. Sulzb ach: Die Selbstüberwindung Josephs. — Cg. Lauer: Rabbi Jochanan ben Sakkais letzte Bitte an seine Schüler. — L. Deutschländer: Biblische Motive in Goethes „Faust". — Bücherbesprechung. — Notiz. Andachtsbüchlein für jüdische Krieger im Felde voir.Feldräbhiner Dr. Frankfurter, Leiter der k. ü. k. Israelit. Militärseelsorge in Wien. Uebersetzt ins Ungarische von Feldrabbiner Doktor Ernst Deutsch. (Verlag Josef Schlesinger, Wien, 1. Bez., Seitenstettengasse 5. 1915. Preis 24 Heller.) Briefkasten. Mar Weiß, Karlstadt. Unter der Herrschaft der gegenwärtigen Kriegspressezensur ist eine Publikation und öffentliche Besprechung Ihres Vorfalles gänzlich ausgeschlossen. Bernhard Löwl, Baden. Ihre vernünftige Anregung wollen Sie der Leitung des Oesterr.-Jsrael. Gemeindebundes vorlegen. Chanoch Al—f. Für uns ungeeignet. Karl und Rosalia Goldschmidtsche Stiftung. Aus dieser Stiftung gelangen für das Jahr 1915 Kr. 4800.— an arme und bedürftige Personen zur Verleihung, welche ihre Verwandtschaft mit dem am 26. Februar 1902 in Wien .verstorbenen Herrn Karl Goldschmidt, b^ezw. mit dessen Gattin, der am 20. Dezember 1909 in Wien verstorbenen Frau Rosalia Goldschmidt, geb. Engel, Nachweisen können. Als Verwandte in Ansehung dieser Stiftung sind solche Personen anzusehen, welche von den Urgroßeltern des Stifters, Herrn Karl Goldschmidt, bezw. von den Urgroßeltern der Stisterin, Frau Rosalie Eoldschmidt, geb. Engel, in ehelicher Deszendenz abstammen. Gesuchsbeilagen: Geburtsdokument, Verwandtschaftsnachweis im Sinne der vorstehenden Bestimmungen, Armuts- oder Bedürftigkeitszeugnis des Gesuchsstellers. Letzter Tag der Einreichungsfrist: 31. Juli 1915. Einreichstelle: 1. Bezirk, Seitenstettengasse 4, 2. Stock (Einreichungsprotokoll). _ Ettel Goldschmidt-Stiftung für Lehrerswitwen. Anzahl der Plätze: Einer im Betrage von Kr. 200.—. , Bewerbungsberechtigt find: Arme israelitische Lehrerswitwen, welche in Wien oder dessen nächster Umgebung wohnhaft sind. Bevorzugt find: Verwandte des Stifters, Herrn Moritz Ritter von Goldschmidt oder dessen Gattin, Frau Nanette, geb. Landauer, und unter gleichen Verhältnissen solche Bewerberinnen, welche eine größere Ai^ahl unversorgter Kinder haben. Gesuchsbeilagen: Geburtsschein, Totenschein des Gatten, Zeugnis über den Lehrberuf des verstorbenen Galten. Letzter Tag der Einreichungsfrist: 31. Juli 1915. Einreichstelle: 1. Bezirk, Seitenstettengasse 4, 2. Stock (Einreichungsprotokoll).