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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1915-07-16 · 29 (16.7.1915) · page 17

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
32 (1915)
Issue
29 (16.7.1915)
Date
1915-07-16
Page
– (sequence 17)
Language
German
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Nr. 29 Dr. Bloch's Wochenschrift Seite 546 Geschichtskenne c und Jahrzehnte hindurch, als Lekretür der „Jca" im Interesse des Judentums eminent tätig. Ein geborener Rumäne, ein Bruder des Chefredakteurs der „Egalitatea", hat er sich namentlich den Befreiungsbestrebungen der rumänischen Juden mit Eifer gewidmet und in weiten Kreisen einen rühmlichen Namen sich erworben. Wir werden aus das Charakterbild dieses Mannes ausführlich zurückkommen. Baden. (Kundgebung bei Wiedereroberung Lembergs.) Dem isr. Kultusvorstand in Baden ist nachstehender Erlaß zugekomm n: K. k. Bezirkshauptmannschast Baden. Z. 70, V.-Pr. am 8. Juli 1915. Loyali.ätskundgebung anläßlich der Wiedereroberung von Lemberg. An die israelitische Kultusgemeinde Baden, zu Händen des Präsidenten Herrn Moriz Leitner Hochwohlgeboren in Baden. Se. Exzellenz der Herr Statthalter in Niederösterreich gibt der isr. Kultusgemeinde Baden im Allerhöchsten Aufträge für die anläßlich der Wiedereroberung von Lemberg an Allerhöchster Stelle telegraphisch zum Ausdruck gebrachte Loyalitätskundgebung den Allerhöchsten Dank bekannt. Hievon beehre ich mich Euer Hochwohlgeboren hiemit in Kenntnis zu Hetzen. In Vertretung des k. k. Bezirkshauptmannes.' (Unterschrift), k. k. Bezirkskommissär. St. Pölten. Aus Anlaß der Wiedereroberung von Lemberg sandte der Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde St. Pölten an die Kabinettskanzlei Seiner Majestät des Kaisers ein - Huldigungstelcgramm, ans welches umstehender allerhöchster Dank eingetrosfen ist. K. k. Bezirkshauptmannschast St. Pölten. Z. 417/G. am 7. Juli 1915. Betreff: Loyalitätskundgebung anläßlich der Wiedereroberung von Lemberg. An den geehrten Vorstand der israelitischen Kultusgemcinde in St. Pölten. Im Allerhöchsten Aufträge hat Se. Exzellenz der Herr Statthalter für die telegraphisch zum Ausdrucke gebrachte Loyalitätskundgebung den allerhöchsten Dank bekanntgegeben. Zufolge Erlasses des k.. k. Statthalterei-Präsidiums oom 5. Juli 1915, Pr.i-Z.' 1039, beehre ich nnch hievon die Mitteilung zu machen. Der k. k. Statthaltereirat: T r e m e l. Wer weiß? Israel Eisen aus Velz, derzeit Reservespital Olmütz, sucht seine Ellern Joda und Marjam Eisen. Sissi Diener False Fink aus Smolanka bei Tarnopol, derzeit im Erzherzog Rainer-Kaserne-Notspital Olmütz, b'.Uet um Nachricht über seine Frau Marja und seinen Later Barnch. Nachrichten an Feldrabbiner Dr. Sicher, Olmütz. Feuilleton. „An jene« PrffachAbend" (Historische Untersuchungen). Vortrag, gehalten am 31. März 1915 (am zweiten Pessach-Tage) im Festjaale des „Hotel Post" in Wien, über Einladung des Bereines zur Abwehr de4 Antisemitismus. Bon Prof. Dr. Majer Balaban. IX. Der Prozeß in Posen, 1736 bis 1740. - Bis nun erzählten wir nur nach christtichell oder nur nach gerichtlichen Quellen den Gang mehrerer Prozesse; welchen Umsturz ein derartiger Prozeß ht der Judengemeinde verursachte, erfahren lvir erst aus den Quellen zum Märtyrerprozeß in Posen in den Jahrelt 1736-1740. In meinem Werke über Ritualprozesse in Polen habe ich den Prozeß ausführlich behandelt, hier will ich trur bemerken, daß am P e s s a ch - A b e n d des Jahres 1736 dem Posener Bürger Iablonowirz sein, zwei Jahre und sieben Wochen aller, Sohn verloren gegangen ist. Sofort lvitterte man einen Ritualmvrd, da aber weder das lebende Kind, noch der Leichnam gefunden wurden, konnte man den Prozeß nicht beginnet!. Die Juden schwebten in Todesängsten, die Pessach- Abende waren gestört, aber zu größeren Tumulten kam es nicht. Endlich fand man am 28. April den Leichnam des Knaben und sofort wurde im Konsistorialgericht und nachher im Schöffengericht ein Visum gemacht. Der Verdacht, das Kind gestohlen und den Juden verkauft zu haben, fiel auf ein vagabundierendes liederliches Weib, Helene Sowinska, die erst am 11. Juni ausgesucht und einvernommen wurde. Sie und ihre zehnjährige Tochter gestanden nichts ein, wurden aber im Kerker behalten. Bald zog man ein anderes Weib, Agnes, die Hüterin des Judenfriedhofes, auch ein und beide Weiber saßen im Stadtturm und zankten stets miteinander. Bei einer derartigen Szene wandte sich die Sowinska zur Agnes mit folgenden Worten: „Du Judenmetze, ich werde dir schon zeigen, was das heißt, mich zu beleidigen, du wirst ein schwarzes Ende nehmen." Sofort meldete sie sich bei der Wache und verlangte nochmals verhört zu werden. Sie konstruierte eine phantastische Geschichte, wie die Agnes mit ihrem Geliebten, dem Jasiek Par ch a t y (der Reudige), sie, d. i. die Sowinska, beredet haben, ein Kind für die Juden zu stehlen, wie sie sich weigerte und endlich nachgab, ein, von dem Liebespaar gestohlenes, Kind den Juden auszuliefern usw. Alle drei gingen mit dem Kinde in die Judenstadt, Agnes und Jasiek mit dem Kinde in die Judenschule, wo "der Syndikus amtiert, während sie auf der Schwelle Wache hielt. Bald kamen zwei Juden heraus: ein kleiner und ein großer, sie zählten das Geld ab usw. Die Fixierung der Personen übernahm der Untersuchungsrichter, indem er die Sowinska befragte: „Tu sagst, es war ein kleiner Jude mit einem schwarzen Bart, vielleicht war es der Rabbi?" „Ja, ja, er war es!" Mnd der zweite war sicher der Sendyk?" „Natürlich! Ich kenne ihn ja!" usw. Bei einem weiteren Verhör wurde auch der Arzt Dr. Wolf Winkler, Sohn des Dr. Jakob Winklers und Enkel des Wiener Arztes und Exulenten aus dem Jahre 1670 Dr. Leo Winkler, ins Mittel gezogen, und so drangen am 5. September 1730, am Rüsttag zum Neujahrsfeste, die Schergen des Schöffengerichtes ins Ghetto und schleppten den Prediger Arje Leib Kalahora,*) den Syndikus Jakob Sohn Pinkas und *) Urenkel des Dr. Salomo Katahora. (Siehe Prozeß VI.)

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