Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 32 (1915)
- Issue
- 29 (16.7.1915)
- Date
- 1915-07-16
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 538 Dr. Bloch's Wochenschrift Nr. 29 konnten wir die Stadt brennen sehen. Niemand von uns hat seit Beginn des Krieges einen solchen Brand erlebt, und wir haben doch schon manches gesehen. Vor einer Stunde sind wir nun in die Stadt gekommen. Aus den Trümmern sitzen die Inden und wehklagen. Wie sie klagen — Ihr könnt es Euch nicht vorstellen. Auf dem Friedhose waren Juden gerade damit beschäftigt, eine Frau und ihre drei kleinen Kinder zu bestatten. Die Frau war in 'den Keller ihres Hauses geflüchtet und die Russen hatten die Tür versperrt und das Haus angezündet. Die Frau war mit ihren Kindern erstickt. Ungefähr 500 Juden hatten sich in ihrem Gebetsihanse zusammengefunden. Daraus hatten die Russen die Tür verrammelt und die ganze Stadt angezündet. Durch die Glut des Brandes zersprangen die Fenster des Gotteshauses, und der Qualm drang ein. Schließlich fing es selbst an zu brennen. So sollten a$e 500 Juden umkommen. „Wer," so erzählte nrir eine Jüdin, die dabei gewesen war, „wir haben die ganze Zeit unaufhörlich zu Gott gebetet, und er hat uns erihört: Mit einemmale wurde heftig geschossen, und eine halbe Stunde später öffneten die Deutschen die Tür." Jeder fand sein Haus als einen brennenden Schutthaufen wieder. Elf von den Fünfhundert sind erstickt. — Ein Jude rief mich an, als rch durch die Stadt ging, und zeigte mir einen vollständig verkohlten Russen. „So hat ihn Gott gestraft. Er hat '.nein Haus in Brand gesteckt. Er bekam einen Schuß und mußte so verbrennen." Die Wut auf die Russen ist bei unseren Soldaten jetzt grenzenlos. Ws elf Gefangene durch die Stadt kamen, wurden sie auf den Friedhof geführt, wo man sie der toten Frau mit ihren Kindern gegenüberstellte. Vielleicht waren sie unschuldig an den Greueln, jeden^- salls benahmen sie sich völlig teilnahmslos. Aber verwundern darf sich niemand mehr, wenn auch wir jetzt' kein Mitleid mehr mit den Russen haben. Lebt wohl! Heil und Sieg!." („Leipziger Neueste Nachrichten".) Anerkennung der Erfindung eines Juden. Unter der Spitzmarke „Anerkennung einer deutschen Erfindung" schrieben deutsche Zeitungen, daß dem als Erfinder des Telephons geltenden Dr. Graham Bell vom „American Institut of Electrical Engineers" die Edison-Denkmünze übergeben worden sei. In der gleichzeitig überreichten Urkunde heißt es „wegen verdienstvoller Ausführungen bei der Erfindung des Telephons". Somit würde Bell nicht mehr als Erfinder hingestellt, als der er auch in vielen deutschen Werken genannt wurde, sondern das Verdienst des Deutschen Philipp Reis anerkannt. Dieser Deutsche Reis ist, was natürlich die Zeitungsleser nicht wissen, ein Jude gewesen. Er war 1834 oder 37, das Jahr steht nicht fest, in Gelnhausen geboren worden, machte 1852 seine ersten Versuche mit Gehörwerkzengen. Als er seinen Apparat auf der Naturforscherversammlung in Gießen 1864 vorlegte, trat ihm Poggendorf sehr feindlich entgegen. Zu den getäuschten Hoffnungen des jüdischen Erfinders gesellten sich körperliche Leiden. Reis wurde mitsamt seinem Apparat vergessen. Der Erfindung bemächtigte sich Bell mit Prioritätsansprüchen, die jetzt beseitigt sind. Reis starb 1874. Nach seinem Tode — das typische Erfinderschicksal, zu dem vielleicht das des Juden tritt — kam die Anerkennung. Es wurde ihm 1878 ein Denkmal auf dem Friedrichsdorfer Friedhof errichtet, seiner Witwe und Tochter von der Regierung ein jährliches Gehalt bewilligt. Die Aussen in Zurawno. Nach den Mitteilungen eines Herrn, der während der ganzen Zeit der russischen Herrschaft in Zurawno in Galizien verblieb, war die erste Tat des russischen Kommandanten die Vorladung der zwölf wohlhabendsten Juden, Als die zitierten erschienen, l eß sie der russische Kommandant ohne irgendein Verhör verhaften und sie mit je 25 Nagaikenhieben traktieren, In den nächsten Tagen ließ er die zwölf Männer durch eine Mittelsperson auffordern, ihm monatlich 1000 Rubel zur Verfügung zu stellen, dann würden sie fortab Ruhe haben. Der Aelteste der Ortschaft veranstaltete unter den Juden eine Sammlung und b-achte zum bestimmten Termin zwar nur 500 Rubel zusammen, aber der Kommandant gab sich damit zufrieden. Der Kommandant von Zurawno war auch Kommandant des Brückenkopfes und war deshalb auch auf die außerhalb des Ortes vorstehend-u Dinge sehr erpicht. Eines Tages wurde bekannt, daß in einer nahegelegeneu Ortschaft die Telephondrähte durchschnitten worden seien. Es wurde eine strenge Untersuchung angevrdnet. Diese hatte vorerst kein Resultat, nach wenigen Tagen aber, als ein Preis auf die Täter ausgesetzt wurde, meldeten sich Bauern und gaben an, die zwei Inden Wisznok und Bartels hätten die Telephondrähte durchschnitten. Sie hätten auch vernommen, wie die Juden besprochen hätten, das Quartier des Kommandanten von allen Verbindungen abzuschneiden. Der Kommandant sprühte vor Zorn. Er befahl sofort die Leute ge'angenzunehmen und ihm vvrzuführcn. Als sie erschienen waren, schrie er sie an und stieß sie mit den Füßen. Dann befahl er, alle jüdischen Frauen des Ortes zusammenzurufen. Nun mußten die zwei vor Angst und Schrecken fast Besinnungslosen in Anwesenheit der ganzen weiblichen jüdischen Bevölkerung ihr Grab mit eigenen Händen schaufeln und wurden hierauf hingerichtet. Beim Kultusvorstand von Zurawno, Herrn Arnold, wohnte ein höherer Offizier, und der Hausherr gab sich alle Mühe, jeden Streit und jeden Anlaß zur Unzufriedenheit zu vermeiden. Der Offizier sprach sich wiederholt in Worten der höchsten Zufriedenheit über die Gastfreundschaft des Hausherrn aus. Zum Danke dafür führte der Offizier, als der Abzug der Russen begann, die ganze Habe des Herrn Arnold auf zwei Wagen, fort und hatie für die flehentlichen Bitten des Geschädigten nur Hohn und grausamen Spott. Aie Kreuettaten der Aussen in Sniatyn. Ueber die aus dem Kriegspressequartier gemeldeten Greueltaten der Russen in Sniatyn wird von dort unter dem 14. Juni ergänzend berichtet: Die Russen haben hier nach ihrem neuerlichen (dem dritten) Einbrüche vom 15. Mai in furchtbarer Weise gewütet. Sie drangen in die Häuser und richteten viel Unheil an. Am 17. Mai wurde von der Militärbehörde verlautbart, daß sämtliche jüdischen Einwohner, die als Spione angesehen werden, sich binnen zwei Stunden beim Stationskommandanten zu melden und mit Nahrungsmitteln für zwei Tage zu versehen haben, da man'sie als Geiseln nach dem Norden mitnehmen werde; Zuwiderhandelnde würden erschossen werden. Der christlichen Bevölkerung sei es strenge verboten, Juden zu beherbergen. Kosaken führten so 4000 jammernde Juden, darunter Greise, Frauen, Wöchnerinnen, Säuglinge und Kranke, die aus den Betten gezerrt wurden, mit sich fort, ohne auch nur das Ziel dieses Zwangstransports irgendwie anzudeuten. Fünf nicht transportfähige Juden wurden im Hotel Zuckermann interniert. Sonst verblieb kein einziger jüdischer Einwohner mehr in Sniatyn. Der Privatbemnte Goldner, der die festgesetzte Anmeldungsfrist versäumte, erhielt zur Strafe 25 Nagaikahiebe, so daß er blutüberströmt zusammenstürzte. Auf dem Wege nach Zaleszczyki sind sechs der bedauernswerten Geiseln: Frau Thal er, Moses Lewisch, Isidor Fuhrmann, Heinrich Schächter, der 85 jährige Friedrich SLeinhorn und Eleasar Zemmer, den schrecklichen Mißhandlungen und Strapazen erlegen und wurden auf der Straße begraben. Ein russischer Offizier erschoß den Einwohner Heinrich Feingold, der seine Frau vor Vergewaltigung zu schützen sich vermaß, in Gegenwart seiner Frau und seiner vier Kinder. Das Haus Feingolds wurde in Brand gesteckt, wobei auch zwei Nachbarhäuser dem Feuer zum Opfer -fielen. Der Kürschner S. Karpel wurde niedergeschossen, weil er sich geweigert hatte, das von ihmgeforderte Lösegeld zu erlegen. Ebenso erging es dem Moses Kaswan und der