Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 32 (1915)
- Issue
- 28 (9.7.1915)
- Date
- 1915-07-09
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Dr. Bloch's Wochenschrift Seite 519 Nr 28 KrieMürsorgestiftung der Reichsfreiin Basseui von Threwenberg, KriegÄvaisen- und Jnvalidenhospiz Lipik. An die hochlöbliche Israelitische Kultusgemeinde Wien. Wir beehren uns Höflichst mitzuteilen, daß der gefertigte Familienrat im Thermalkurort Lipik (Slavoinien) unter der bewährten Leitung der Oberin-Schwester Jda Reichssreiin Basseui von Threwenberg, genannt Fürst, und des Chefarztes Dr. Heinrich Breitwieser ein Hospiz für kurbedürftige Kinder gefallener, Verstorbener, invalider oder gefangener Krieger und auf Thermalbehandlung angewiesene Kriegsinvaliden errichtet hat. Die Pfleglinge erhalten gegen Vergütung der Regiekosten Unterkunft, Pflege und kurgemäße Verpflegung. Wenn der Belagsraum von den Pfleglingen der Kriegs- Fürsorge nicht ganz in Anspruch genommen ist, können in berücksichtignngswerten Fällen auch Kurbedürftige anderer.-Kategorien, in erster Reihe Schützlinge der öffentuchen Wohltätigkeitsänstalten, ausgenommen werden. Bei der Auswahl der Pfleglinge möge berücksichtigt Werden, daß im Sinne des von der Landesregierung jienehmigten Badestatutes Kranke mit entstellenden oder atistoßerregenden Gebrechen vom Aufenthalte in Lipik ausgeschlossen sind. Die Regiekosten belaufen sich derzeit per Kopf ünd Tag auf 3 Kronen 50 Heller. Diese Gebühr ist auf je 14 Tage iM Vorhinein an die Anstaltsh tnffcr zu entrichten. ,/ Die Kinder sind aus vier Wochen mit Leibwäsche, .sileider, Oberkleider, Badewäsche und womöglich mit je einer leichten Sommerdecke zu versehen. Diese Stücke sind in geeigneter Weise als Eigentum des Kindes kenntlich .zu machen.;j; Wir beehren uns demnach, ergebenst zu bitten, die chtr Absendung nach Lipik designierenden Kinder fürzu-- wäblen, der Anstalt namhaft zu machen und am festgesetzten Zeitpunkte samt den Personaldokumenten dem Hospiz (Villa Domisljen) übergeben zu wollen. Für hie Begleiter ist die gleiche Gebühr zu entaschten. In Anbetracht der hoben Wichtigkeit der Kriegsfsirsorge wird um geneigte Förderung unserer in ihrer Ärt einzigen Anstalt inständigst aebeten. '' Alle aus die Frequenz der Anstalt betreffenden Zuschriften werden an den Kurator der Stiftung Michael Vchjdä. Budapest, IX., Uellöi ut 121, erbeten.! Mil besonderer Hochachtung -•''irlfiitrl den Familienrat der Reichsfreien Basseui von Threwenberg. jjj; , Der Senion-Syndikus: . I;j,.■ j ’ Unterschrift unleserlich. S. Angehörigen der mosaischen und mohammedanischen KhWssiöN wird unter Kontrolle des Rabbinates streng rituelle Ädst - verabreicht. _ 'L r]'1 Mi jeloch lefonenu? Per Herr Rabbiner Dr. Grün Wald hat in Mner, meisterhaften, eleganten Rede, welche er am . .Juli im israelitischen Temvel anläßlich des Todes-- ''täges Dr. Herzls hielt, des Umstandes erwähnt, daß fati? Juden in dieser schweren Zeit einen Mann von /dhr Qualität Herzls nötig hätten, der beim kommenden Mächtekonareß -die Sache des jüdischen Volkes führen, b'erw. der Lösung der Judenfrage das Wort reden solle. Ititb er gab der Hoffnung Raum, daß die große Zeit auch den großen Mann hervorbringen würde, wie es wohl zu jeder Zeit geschah. Mögen die schönen labenden Worte des Rabbiners nicht erfolglos verhallen; mögen die von ihm hofffnungsfreudig verheißenen Männer in Israel erstehen, welche den großen Strom der Geschichte lenken und leiten sollen. Dieser Wunsch hat einen Zug ins Große, ins Historische. Ich Möchte jedoch an dieser Stelle von einem kleineren, aber nicht minder wichtigen Bedürfnisse sprechen, nämlich von einer Organisation, einer Repräsentanz der österreichischen Judenheit. Nach dem Friedensschlüsse werden viele Fragen und Wünsche unter den galizischen und Bukowinaer Juden entstehen, die eines Anwaltes bedürfen werden. Seien wir nicht zu sehr ver>- trauensselig und optimistisch. Wir werden trotz unserer eminenten Gesinnungstreue, unseres erprobten Patriotismus, trotz der Heldentaten unserer Söhne und unserer grenzenlosen, unerschütterlichen Liebe zu unserem erhabenen Monarchen auf Neider und Gegner stoßen, in denen ein Trieb lebendig ist. der sie nötigt, eine Erscheinung, deren Ueberlegenheit sie fühlen, zu verneine!: oder doch zu verkleinern. Wir müssen für diesen Fall unter einer einheitlichen Repräsentanz gerüstet sein. Es war ein besonders glücklicher und hellichter Gedanke der Wiener isr. Kultnsgemeinde (des Präsidenten Dr. Alfred Ster n), als diese vor einigen Jahren die Schaffung einer Vereinigung sämtlicher isr. Kultusgemeinden Oesterreichs, einer Organisation gar exeellenee. anregte, welcher leider nicht verwirklicht wurde. Ich will jetzt nicht die hohe Ersprießlichkeit und den moralischen Wert einer derartigen Organisation schildern; ich will auch ienen Kurzsichtigen keinen Vorwurf machen, welche der Verwirklichung einer so vernünftigen und erhabenen Idee entgegengetreten sind; ich will nur betonen, daß eine offizielle Repräsentanz der GesamtjudenheitOesterreichs von vitaler Wichtigkeit ist. Die Wiener isr. Kultusgemeinde möge unverdrossen ihren großen Gedanken wieder ausnehmen und die geplante Organisation schaffen. Sie wird jetzt mehr Verständnis und politische Reife bei den galizischen Inden finden. Nicht zersplittert durch Parteiführer aller Schattierungen soll die Judenheit Galiziens und der Bukowina vertreten sein, sondern durch eine von sämt>- licken Knltusgemeinden offiziell bevollmächtigte Repräsentanz, die mit Recht sagen könnte: ,.Jn meinem Lager ist Israel." Diese Tat wird der Wiener isr. Kultusgemeinde in der Geschichte der Juden, welche gerade jetzt einer Konsolidierung bedarf, hoch angeschrieben werden. N. Lothringer. Tempelweihe im Brücker Flüchtlingslager. Am Sonntag, den 27. Juni, war das Flüchtlingslager in Bruck a. d. Leitha der Schauplatz einer denkwürdigen Feier. Die österreichische Regierung ließ daselbst mit ansehnlichen Kosten ein stilvolles israelitisches Gotteshaus erbauen, das schmuck, geräumig und hell weit über seine provisorische Bestimmung hinausragt und jedem Gemeinwesen zur Zierde gereichen würde. Die Erbauer des Temvels haben ihre Aufgabe echt künstlerisch gelöst und den traditionellen Erfordernissen des strengen Ritus geschickt und planvoll Rechnung getragen. Zur Weihe des Hauses, an der die ganze, viele Hunderte von Seelen wählende Niederlassung des Lagers teilnahm, waren als Vertreter der Regierung der Stattbalterei'.- Vräsident Dr. v. Wagner, der Leiter der k. k. Bezirkshauptmannschaft Dr. v. Raab, der Verwalter des k. f. Barackenlagers Dr. Iarolimek, der in unermüdlicher Obsorge für das Los der Insassen tätig ist, ferner die Beamten der Barackenverwaltung, der Abgeordnete von