Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 32 (1915)
- Issue
- 28 (9.7.1915)
- Date
- 1915-07-09
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seile 518 Dr. Bloch's Wochenschrift Nr. 28 Baron Hirsch-Stiftung und dem Vorstande der „Israelitischen Allianz" statt, um zunächst in Mähren Beschäftigungskurse für galizische Flüchtlingskinder zu aktivieren, in denen ein volksschulmäßiger Unterricht an schulpflichtige Kinder mit polnischer Unterrichtssprache und obligatem deutschen Unterrichte stattfinden sollte. Das Kuratorium der Baron Hirsch-Stiftung erklärte sich bereit, die in chren Diensten stehenden Stiftungslehrer, welche im Fortbezuge chrer vollen Bezüge standen, zur Verfügung zu stellen, so daß bloß die Auslagen für die sachlichen Erfordernisse und die Remunerationen zu bestreiten waren. Die beiden Korporationen, sowie das Brunner Hilfskomitee für galizische Flüchtlinge verpflichteten sich, gemeinsam hiefür aufzukommen. Schon vorher hatte das Kuratorium in Wien in rascher Aufein,- anderfolge acht Klassen aktiviert, und zwar vier Klassen in dem vom Kuratorium der Jsraelitisch-Theologischen Lehranstalt, Wien, 2. Bezirk, Tempelgasse 3, in bereitwilligster Weise unentgeltlich zur Verfügung gestellten Räumen und vier Klassen in dem Josefine Mendelschen Wohlfahrtshause, Wien, 20. Bezirk, Denisgasse 33. In dem letzteren Gebäude wurde später noch, eine fünfte Klasse aktiviert, speziell für jene Kinder, welche in Zwischenbrücken wohnen, wo ein passendes Lokal zu entsprechenden Bedingungen nicht zu beschaffen war. Die Frequenz dieser sowie aller anderen Beschäftigungskurse ist aus der am Schlüsse befindlichen Tabelle zu entnehmen. Für die in. Brünn. befindlichen Flüchtlingskinder hat das dortige Komitee in außerordentlich him gebungsvoller und fürsorglicher Weise gewirkt. Es gelang Hm zunächst, in „der Zeile" 65—69 in dem den Erben des Grafen Bräun er gehörigen Palais sieben große, helle und lustige Schulzimmer zu mieten, .in welchen neun Klassen untergebracht werden konnten, weiters das Recht der Benützung eines im Hause befindlichen Gartens zu erlangen, so daß die Schule sich schon äußerlich schr gut präsentiert und hinter normalen Schulen kaum zurücksteht. Die Schule wurde am 17. Juni durch einen Besuch Seiner Exzellenz des Statthalters Freiherrn von Bleyleben ausgezeichnet, der sich in außerordentlich schmeichelhafter Weise Wer das Gesehene und Gehörte aussprach. Wer auch in den Flüchtlingslagern in Nikolsburg, Pohrlitz und Gaya wurde dank der außerordentlichen dieser wichtigen kulturellen Aktion zuwenden, in ent- Fürsorge, welche das Ministerium des Innern, die Statthalterei und die zuständigen Bezirks haup tmannschasten sprechender Weise gesorgt. In jedem der drei Barackenlager wurden eigene Schulbaracken errichtet, für Gaya speziell auch die Errichtung einer zweiten Baratt angeordnet, so daß für alle dort befindlichen Kinder genügend Vorsorge getroffen werden konnte. Nach Aktivierung der Beschästifgungskurse in Mähren, zu deren Kosten, soweit nicht das Kuratorium der Baron Hirsch-Stiftung die von ihr verwendeten Lehrer aus Eigenem selbst honoriert, die „Israelitische Allianz" drei Fünftel, die Baron Hirschi- Stiftung ein Fünftel und das Brünner Hilfskomitee ein Fünftel beitragen, wendete die Baron Hirsch-Stiftung ihre Fürsorge auch den in Böhmen befindlichen Flüchtlingen zu. Da die Einkünfte der Stiftung durch vertragsmäßige Verpflichtungen vollständig ^absorbiert werden, wurde vom Ministerium des Innern die Zusicherung erbeten und erteilt, daß die Kosten der Errichtung von Kursen, soweit die Stiftung nicht auch die Gehalte der dorthin entsendeten Stistungslehrer aus Eigenem tragt, seitens der Regierung resundiert werden. Auf Grund dieser Zusicherung wurden in den in der Zusammenstellung befindlichen Orten Beschäftigungskurse errichtet, welche von den Flüchtlingen gleichfalls ufit Freude begrüßt wurden. In den letzten Tagen wurde auch ein solcher Beschäftiigungskurs in Bruck a. L. für dortselbst befindliche 260 schulpflichtige Kinder aktiviert. Unabhängig von den hier angeführten Aktionen, hat sich auch in Prag ein SchulkoMitee gebildet, welches Schulen für 1200 schulpflichtige Kinder sowie Erwachsene begründete und erhält. Frequenz der BeschäftiguUgskurse. Niederösterreich: Wien, II., Tempelgasse 106 Wien, XX., Denisgasse 245 Bruck a. d. Leitha 256 Böhmen: Kgl. Weinberge 238 HermansMestec ■ 74 Komotau 79 Pecinow 31 Sangerberg 30 Schlada-Franzensbad 68 Mies 33 Königsaal 33 Schlau 32 Klattau 300 Mähren: Brünn 428 Damboritz 78 Gaya (Baracke) 413 Kanitz 64 NiLolsburg (Baracke) 711 Nikolsbürg (Stadt) 126 Pohrlitz (Baracke) 439 Pohrlitz (Stadt) 129 NB. Ueberdies sind in den Kursen des Prager Shulkomitees zirka 1200 Schüler untergebracht. ' 8V. Geburtstagsfeier des Professors Dr. Moriz Benedikt. Am 6. Juli fand auf der Allgemeinen Wiener Poliklinik in erhebender Weise die Feier des berühmten Arztes und Gelehrten statt, bei der Dekan Professor Tandler, Professor Max Neuburger und Phil. et. med. Dr. Hermann Algyogyi, der langjährige erste Assistent des Gefeierten, Festreden hielten. Anwesend waren unter anderen die Hofräte Politzer, Wirrt ernitz und Gattin, die Professoren Mannaberg, Klein, Rethi, Eisenschutz, Josef Breuer, Oberinspektor Engel, zahlreiche Aerzte und Advokaten, Frau Regine Ulmann, Frau Jda Diamant, Frau Regine K o p st e i n, Olga v. Dok t o r. Regine Bettelheim, Frau kais. Rat Anna Hirsch, welche im Namen des ..Frauenhortes" eine wertvolle Kassette mit dem Aquarellbilde der Poliklinik überreichten. Unter den zahlreichen Spenden sei eine Originalradierung der bekannten Malerin der Eisenstädter Jndenstadt, Baronin M a ri s k a Augustin, welche Benedikts Geburtshaus in Eisenstadt darstellt, und reiche Blumenspenden der „Weiblichen Fürsorge" und der Frau Doktor Leopold Knopf hervorgehoben. Der Vorstand der Kultusgemeinde, ferner Vizepräsident Dr. Gustav Kohn, kais. Rat Lieben, Oberrabbiner Dr. Güdemann, Rabbiner Dr. Grunwald und Frau, Frau kais. Rat Charlotte Klinger, Kommerzialräte Paul L e rüber g er, Alexander und Moriz v. Engel, Kahnemann, Bibliothekar Dr. Münz, Kultusvorsteher Salo Cohn und Frau, Frau Martha StiaßnY sandten Glückwunschtelegramme, während der greise Präsident der Kultusgemeinde, Dr. Alfred Stern, dem wenig jüngeren Freund von früher Kindheit an einen interessanten Brief mit Rückblick auf die weit über siebzig 'Jahre igemeirü sam verbrachte Lebenszeit sandte.