Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 32 (1915)
- Issue
- 28 (9.7.1915)
- Date
- 1915-07-09
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 28 / Dr. Bloch's Wochenschrift Seite 515 Ihnen sehr viel erzählen, wie liebevoll die christlichen Feldkuraten bei meinem Kommando sich, der' Juden und ganz besonders der jüdischen Soldaten annehmen. Bei uns herrscht Mischen den verschiedenen Küraten eine solche Harmonie, wie man sie selten bei Geistlichen allerlei Konfessionen anLresfen wird. Ganz besonders unser Vorgesetzter, der Rat,' Herr Feldsuperior Honig (siebente Rangsklasse), den wir alle wegen seiner überaus großen Liebe allen Menschen gegenüber — ohne Unterschied — schätzen und achten, bringt uns Juden ein warmes Herz entgegen. Wenn es gilt, unsere Interessen zu verteidigen, finde ich ihn, der niemals Unrecht duldet, stets an meiner Seite. Er respektiert stets unsere Gd«- bräuche und Sitten und spornt die jüdischen Soldaten zur Frömmigkeit an und hat noch niemals im Tempel bei militärischen Gottesdiensten, die ich öfters abhalte, gefehlt. Um nur eine seiner guten Taten hervorzwheben: Als seinerzeit das Kommando wegen der Be>- schaffung von Mazzos für jüdische Soldaten Schwierigkeiten dem Feldrabbiner Dr. Tauber in den Weg stellte, ging der Feldsuperior persönlich zum kommandierenden General, um zu intervenieren, und erwirkte tatsächlich die sofortige Besorgung der Osterbrote seitens des Aerars. Rückhaltlos gab ihm damals Herr Feldirabbiner Dr. T. zu, daß die sofortige günstige Erledifgung nur ihm allein zu verdanken (sei. Ich könnte noch so verschiedene seiner guten Werke erzählen, doch cs wird dies genügen, um sich über seine Person ein Bild machen zu können. Als' Kamerad ist er einfach, bescheiden und großartig. Erst jüngst machte er mir ein Gebetlbuch zum Geschenke, das die Inschrift „In treuer Kameradschaft gewidmet" enthielt. Bei einer solchen Unterstützung kann ich für die jüdischen Soldaten so Manches erzielen und erreichen. Daß die anderen Feldkuraten seinem Beispiele folgen, ist nur natürlich. Standort, am 28. Juni 1915. Ergebenst Feldrabbiner Dr. Ignaz Löwy. _ IV. A.-E.-K. Kirr^ Iekdpostßrief. Herr Ludwig Friedländer, Geschäftsführer der Firma Julijo König in Zagreb (Agram), erhielt von seinem Sohn, Ingenieur Karl Friedländer, der als Fähnrich beim k. u. k. Telegraphenregiment dient, nachstehendes Schreiben: ,,.... Den Brief vom 13. Juni habt Ihr wahrscheinlich schon bekommen; den schrieb irchj von 1860 Meter Höhe auf der kärntner-italienischen Grenze. Ihr könnt Euch denken, was das für ein Kraxeln war. Der Bau auf dieser Höhe war eine sehr schwierige Leistung. An diesem Tage wurde unsererseits ein Angriff auf diese Höhe gemacht und dieselbe auch erstürmt. Ich hatte die Aufgabe, das. . . Regiment mit der Brigade telephonisch zu verbinden. Mit einem Halbzug habe ich die Linie gebaut und war den ganzen Tag drm fürchtertz lichsten Artillerie- und Jnfanteriefeuer ausgesetzt, wobei auch ein Mann von meinem Halbzug durch eine Gewehrkugel schwer verwundet wurde. Wir haben diese Linie in einem Tal gebaut, wo auch ein Wirtshaus stand, und dieses Tal wurde fortwährend von den Italienern mit schweren Granaten beschossen, die bald rechts, bald links von uns einschlugen, so daß wir von der aufspringenden Erde ganz kotig waren, und der Luftidruck war ein so starker, daß einige Leute von meiner Mannschaft zu' Boden geworfen wurden. Dies war die schwierigste' Situation während der zehn Monate, seit ick im Felde bin. So beschossen wurden wir noch nie. wie damals. Es war bei hellem Tag und wir konnten uns nicht decken, da die Italiener noch den höchsten Punkt der Höhe im Besitz hatten und stehend herunterschossen. Wir wurden von oben sehr gut gesehen, und wie sich einer von der Baumannschaft zeigte, kamen gleich 8—10 Kugeln hergeflogen. Bis wir gegen Abend auf die Höhe kamen, war sie bereits in unserem Besitz. Ich und die ganze Baumannschaft wurden für diese Leistung ausgezeichnet. Ich bekam die silberne Tapferkeitsmedaille erster Klasse, welche mir gestern Se. k. u. k. Hoheit der Erzherzog-Thronfolger Karl Franz Josef, der zwei Tage behufs Inspizierung bei unserem Korps verweilte, eigenhändig anknüpfte. Er sprach längere;>ät mit mir, erkundigte sich, nach den Einzelheiten des Baues und sagte zum Schluß, mir die Hand reichend, daß es ihn herzlich freue, mich kennen gelernt zu haben. Gestern abend fuhr er wieder fort. Mit herzlichsten Grüßen und Küssen Euer ^ohn Karl." Anszeichnungen jüdischer Krieger mit dem Eisernen Kreuze. (Bisher wurden 3167 mitgeieilt, in der vorliegenden Nummer 58, zusammen 3225.) Achern. Hermann E l i s o n, Kriegsfreiwilliger. Adlerhorst. Rich. Wittkowski, Sanitätsunferoffizier, Eßeilbahngehilfe, früher in Czarnikau. Bansendorf. Fritz Wendel, im Landwehr-Infanterieregiment Nr. 68, Radfahrerabteilung. Groß-Berlin. Gefreiter Paul Munk. Dr. Julius Sinvon, Oberarzt in einem Feldlazarett. Fritz Stein, Gefreiter im Landwehr-Infanterieregiment Nr. 13. Oberlehrer Dr. Julian^ H i r f ch. Unteroffizier Rath e, Fernsprecher bei einem Stabe. Jean L a - band, Vizefeldwebel in einen: Garoeregiment. Stabsarzt Doktor Mar Moszkowski, Inhaber des Bayerischen Militäcverdienstordens und des Bayerischen Militärsanitätsordens zweiter Klasse am Bande des Franz Josef-Ordens. Fritz Hauser, Kriegsfreiwilliger, Gefreiter. Hans Loewy, Kriegsfreiwilliger. Dr. Ernst M a r c u s e, Assistenzarzt der Landwehr, Kurt M a n k i e w i tz, Mitglied des kaiserlichen freiwilligen Automobilkorps. Fritz R i e s e nfeld, Feldunterarzt. Gust. Stein, Kriegsfreiwilliger in einem Garderegiment. Berlin-Friedenau. Dr. Bach, Veterinär, Schriftleiter der „Berliner Tierärztlichen Wochenschrift". Berlin-Schöneberg. Walter G l ü ck st e i n, Gefreiter. Berlin-Tegel. Rich. Singer, Gefreiter der Landwehr. Berlin-Wilmersdorf. Martin M e n d e! s o h n, Feldwebel. Benthen (Oberschlesien). Schlosser Ignatz G i s n e r. Bochum. Assistenzarzt Dr. L a n g st a d t, beim Pionierregiment Rr. 18 Bremen. Offizierstellvertreter Arthur R o s e n t h a l. Breslau. Dr. med. Hugo Brasch, Zahnarzt, Assistent am zahnärztl. Institut der Universität. Alfred Gerstel, Offiziers- Stellvertreter, Kaufmann, Feldartillerieregiment Rr. 42; dessen Bruder, Fritz Gerstel, Zahnarzt, zurzeit verwundet im Lazarett, hat bereits das Eiserne Kreuz. Brieg. Willy M a tz d o r f f, Kriegsfreiwilliger, Gefreiter. Charlvttenbnrg. Dr. Curt Leon, Assistenzarzt. Isidor Spitzer. Toblrnz. Zahnarzt iCarl Scheuer. Cöthen. Robert Mazur, Osfiziersstellrertreter im Infanterieregiment (Graf Kirchbach). Crailsheim (Württemberg). Siegfried Schlvtzberger, Gefreiter im 8. bayerischen Feldartillerieregiment. Emmendingen. Dr. Guttmann, Oberstabsarzt. Frankenwinheim. Leopold K r ä m e r. Frieda. Walter Reumann, im kurhejstschen Reserve-Jägerbataillon Rr. 11. Gailingen. Jacob Guggenheim. Eerolzhofen. Arthur Hahn. Haifa. Dr. Elias Auerbach. Hamburg. Cautst med. Alfred I e l i n e w s k i, Sauitätsunteroffizier im 5. Garde-Feldartillerieregiment. Mar Israel. Dr. S. Stiebel, Oberarzt.