Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 32 (1915)
- Issue
- 28 (9.7.1915)
- Date
- 1915-07-09
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3020846-3022142-3022171--24277-3049518- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 514 Nr- 28 Dr. Bloch's Wochenschrift Kadett Uoröert Tritsch. Am 28. Juli wurde Herr cand. jur. Norbert Tritsch, Kadett Lei den Tiroler Kaiserjägern, der bei einem Sturm auf Zaklyczin am 2. Mai den Heldentod erlitt, nach seiner Ueberführung in Wien mit allen militärischen Ehren begraben. Der junge Held wurde für sein tapferes Verhalten vor dem Feinde zur Deko>- rierung mit der großen silbernen Tapferkeitsmedaille eingegäben. Hpser des Krieges. . Gegen Ende Mai ist der Oberleutnant des k. u. k. Infanterieregimentes Nr. 8 Dr. Moriz Kaufmann, Advokat aus Pohrlitz, einer tückischen Krankheit, die er sich auf dem nördlichen Kriegsschauplätze zugezogen, im Spitale zu Neu-Sandez erlegen. Vom ersten Mobilisierungstage an im Felde, bereits einmal verwundet, hat der Verstorbene, der als Fähnrich eingerückt ist, mit großer Tapferkeit und seltenem Heldenmute für sein Vaterland gekämpft. Für fein kühnes, unerschrockenes Verhalten vor dem Feinde wurde er als Fähnrich sowohl mit der kleinen, als auch mit der großen Tapferkeitsl medaille ausgezeichnet. Auch als Oberleutnant, zu welcher Charge er es in sehr kurzer Zeit wegen seiner überaus großen Tapferkeit brachte, erhielt er noch außerdem das Signum laudis. Wegen seiner Herzensgüte erfreute er sich der großen Beliebtheit bei seinen "Kameraden als auch bei der Mannschaft. Dr. Kaufmann war der Sohn eines jüdischen Publizisten. tzine zionistische Kahne Bei einer Marsch- Lornpagnie. Aus Krakau wird uns berichtet: Einiges Aufsehen erregte es hier, als letzthin mehrere Soldaten eine prachtvolle, mit den Emblemen der verbündeten Reiche, außerdem aber mit einem großen Mögen David und einer hebräischen Inschrift ausgestattete Fahne in blau-weißer Farbe durch die Stadt trugen. Es hatte damit, wie mir ein jüdsicher Offizier mitteilt, nachstehende Bewandtnis. Eine größere Anzahl jüdischer Soldaten, die einer ins Feld rückenden Marschkompagnie eines galizischen Landwehrregimentes angehörten, hatten sich mit Bewilligung des Kommandos zu einer Unterabteilung formiert und wollen sich in ernsten Augenblicken um dieses jüdische patriotische Wahrzeichen scharen. Als die Kompagnie tags darauf zum Bahnhof marschierte, würde die Fahne dem Zuge vorangetragen, es war eine der schönsten im Bataillon. Möge die Zionsflagge unseren wackeren Brüdern in den Stunden der Gefahr zum Talisman werden, auf daß sie ruhmbedeckt und siegreich zu den Ihrigen heimkehren. Das Vaterland und die jüdischen Stammesgenossen werden chnen Dank wissen. I. B. Ketdpostörief eines jüdischen Stipendisten. Josef Fenhköwi, Kadett, Bergingenieürkandidat, richtete vom galizischen Kriegsschauplätze an den ungarisch-israelitischen Landesstipendienverein, welcher ihm ein Stipendium per Stiftung Philipp Holzmam ,uad Frau bewilligt hatte, ein Schreiben, in welchem er unter anderem berichtet: „Ich nehme hier auf dem Kriegsschauplatz gegenwärtig an den blutigsten Kämpfen teil und versehe meinen Militärdienst mit ebensolcher Begeisterung und Ambition, mit welcher ich meine Hochschulstudien absolvierte. Hiezu fühle ich mich nicht nur durch mein patriotisches Gefühl, sondern auch durch die zahllosen ungerechten und unwürdigen Angriffe angeeifert, welche selbst in diesen schweren Tagen gegen die Juden geschleüdert werden. Während wir nacheinander die galizischen Städte erobern und besetzen, habe ich mich in unzähligen Fällen davon überzeugt, daß ^unsere Glaubensgenossen die einzigen finter der Bevölkerung waren/.-welche selbst unter der furchtbaren russischen Herrschaft ihre Treue zu ihrem Vaterlande bewahrt haben. So. oft wir in eine von den Russen einige Stunden früher verlassene Ortschaft siegreich einziehen, kommen sie uns entgegen, reichen uns unter Frendentränen ihre letzten Bissen und erzählen uns, daß sie schon vorher wußten, daß wir kommen und mlt uns auch das Ende ihrer fürchterlichen Leiden." Kadett Josef Fe'nykövi hat schon bisher die Tapferkeitsmedaill'e erster Klasse und für die Aufklärung einer russischen Batterie, welche hierauf von unserer Artillerie vernichtet wurde, das Eiserne Kreuz erhalten. __ („Zsido Semle.") Trauerftier zum Andenken des ermordeten Thronfolgers, veranstaltet von den jüdischen Soldaten an der Krönt. Einer Feldpostkarte des Herrn Arnold L e m b e r g e r an seine Gattin entnehmen .wir folgende Mitteilung: „Diese Karte ist ein Bericht über unseren heute abgehaltenen Trauergottesdienst anläßlich der Jähruug der Ermordung des Thronfolgers Erzherzog Franz Ferdinand. In dem, von mir geweihten Bethaus versawjmelten sich die 30 jüdischen Soldaten um präzise 5 Uhr. Ich habe mit dem vom Spitalskommandanten Herrn Oberstabsarzt Dr. S. Taussig zur Verfügung gestellten Fiaker aus Vukovar den Herrn Oberkantor Adolf Schwarz nebst seinem Begleiter, Herrn Ernst Diamant, abgeholt. Bei meinem Eintreffen war der Tempel voll von dienstfreien Offizieren und ihren Frauen, sowie Pflegerinnen. Zuerst wurde das gewöhnliche Minchahgebet verrichtet, nach laut schamenesre wurde vor offener Bundeslade vom Oberkantor in hebräischer und von mir in deutscher Sprache das Kaisergebet verrichtet. — Olenu und Kaddisch folgte. — Bei offener Bundeslade, alle in Habachtstellung, begann das Requiem. Mit wundervoller, schöner Stimme rezitierte Herr Oberkantor Schwarz die alten Gebete unseres heiligen Glaubens. Die Offiziere und Pflegerinnen verstanden kein Wort, waren aber durch den Gesang in weihevoller Stimmung. Den Schluß bildete ein von Oberkantor Herrn Ernst Schwarz am Harmonium gespieltes Kaiserlied. — Rechts und links, vor- und rückwärts Tausende Hände damit beschäftigt, das größte Spital des Reiches fertigzustellen. Wir unter der. Mitte in stillem Gebete versunken. Ein Stimmungsbild, welches wohl von wenigen schönererlebt worden ist. Zum Schlüsse muß ich Dir bemerken, daß sowohl das Bethaus nicht möglich gewesen wäre, als auch der heutige Trauergottesdienst, wenn nicht ich mit meinem Kollegen Koloman B o l g a r, die wir von unseren jüdischen Kollegen beauftragt waren, die Bitte beim Spitalskommando um die Bewilligung des Bethauses vorzutragen, auf hohe Offiziere gestoßen wären, die in Richtigkeit würdig sind, einent Spitale vorzustehen, in welchem 10.000 Kranke Trost und Heilung finden sollen. Auch haben diese Herren das Empfinden, .was gesunden Soldaten nottut. Und so entstand unser Gotteshaus. Arnold." Keldpostöriestl Sehr geehrter Herr Doktor! In der letzten Nummer Ihres Blattes bringt Herr Feldrabbiner Dr. Golinski eine Notiz, in welcher die menschenfreundliche Gesinnung eines andersgläubigen Feldkuraten an den Tag gelegt wird. Auch ich könnte