Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1915-07-09 · 28 (9.7.1915) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
32 (1915)
Issue
28 (9.7.1915)
Date
1915-07-09
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3020846-3022142-3022171--24276-3049517
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nr. 28 Dr. Bloch's Wochenschrift Seite 513 Den Angehörigen des am 16. Juni auf dem nördlichen Kriegsschauplätze einer tödlichen Verwundung erlegenen Oberarztes l. R. Dr. HchlKKfttz des 9. Dragonerregiments, der im März für tapferes und aufopferungsvolles Verhalten vor dem Feinde die allerhöchste Awerkennung erhalten hatte, kam vom Regiment die Todesnachricht mit folgenden Worten der Würdigung des Wirkens des Gefallenen zu: „Von seltenem Eifer und großmütiger Opferwilligkeit erfüllt, ist Oberarzt Doktor Katz seit Kriegsbeginn ununterbrochen weit über __ den Rahmen bloßer Pflicht hinaus seinem Regiment gefolgt und war, den Gefahren trotzend, stets dort zu finden, wo es Not und Leid Zu lindern galt. Dadurch hat er nicht nur die Hochachtung all seiner Vorgesetzten und Kameraden, sondern auch ihre Herzen für sich gewonnen. Das Regiment wird diesem Helden stets ein schönes Gedenken bewahren." Dr. Katz war im Zivilberufe Sekunda.rarzt an der Klinik des Professors Riehl und Arzt der Gremialkrankenkasse der Wiener Kaufmannschaft. Seine ärztliche Fähigkeit berechtigte zu den schönsten Hoffnungen. Am 29. Juni l. I. ist aus dem südlichen Kriegsschauplätze der Stabsarzt Dr. Adolf Deutsch an den Folgen einer heimtückischen Krankheit, die er sich im Februar l. I. in Ausübung feines .Berufes am nördlichen Kriegsschauplätze zugezogen hahte>: gestorben. Kurz vorher war er für seine Verdienste durch Verleihung des Ritterkreuzes des Franz Josef-Ordens ausgezeichnet worden. Der Verstorbene war der Bruder des Wiener Hof- und Gerichtsadvokaten Dr. Max Deutsch. K. u. k. ArMerie-Hberteulnanl Siegfried Strauß. Am 23. v. M. erlitt auf dem südöstlichen Kriegsschauplätze bei einem Artillerie-Duell mit den Montenegrinern der Oberleutnant i. d. R. Siegfried Strauß den Heldentod, und durch dieses tragische Verhängnis sind zwei der angesehensten Familien unserer Stadt in riefe Trauer versetzt worden, denn mit Siegfried Strauß ist ein edler, feinsinniger Mensch in der Blüte seines Lebens dahingegangen. Frühzeitig väterlicherseits verwaist und zur Leitung des von seinem unvergeßlichen Vater Jacob Strauß s. A. gegründeten Industrieunternehmens berufen, hat er mit dem ihm eigenen Pflicht^ gesühl und Arbeitseifer das väterliche .Erbe getreulich verwaltet und sein hohes Ansehen zu wahren gewußt. Unnachsichtlich strenge gegen sich, war er ein liebevoller Freund und Berater seiner Beamten, ein leutseliger Chef seinen Arbeitern; ob seiner Bescheidenheit und Rechtlichkeit bei seinen Geschäftsfreunden ungemein beliebt. Mit rührender Liebe hing >er an feine treffliche Mutter, die unermüdlich tätige, verdienstvolle Präsidentin des Mariahilfer Frauen-Wohltätigkeitsvereines, und durch ihr menschenfreundliches Wirken angeeifert, übte er im Stillen unzählige Werke der Barmherzigkeit. Durch die verhängnisvolle feindliche Kugel ist aber auch ein Familienidyll grausam zerstört worden, wie es schöner und inniger nicht gedacht werden kann; mit der Tochter des hochangesehenen Industriellen kais. Rates Gottlieb Lederer in glücklichster Ehe vermählt, war er ein überaus liebevoller Gatte, der zärtlichste Vater. Und dennoch folgte er freudig dem Rufe seines Kaisers, denn ihm galt strenge Pflichterfüllung als das höchste Gebot; ohne ein Wort der Klage ertrug er die ungeheuren Strapazen des langen Feldzuges und wußte seine Angehörigen über die ihm drohenden Fährlichkeiten mit zartsinniger Schonung hinwegzutäuschen. Sein Regimentskommandant und fein Hauptmann beklagen in ihren Beileidsbriefen an die Familie den frühzeitigen Heimgang eines „tapferen, hingebungsvollen Kameraden, der sich durch sein gütiges, leutseliges Wesen aufrichtige Freundschaft zu erwerben wußte". Sie erwiesen ihm durch Uebersendung eines herrlichen Kranzes die letzte Ehre. Welch' unbeschreibliche Teilnahme, welch' aufrichtige Trauer sein früher Heldentod ausgelöst, das zeigte sich in der ungeheuren Beteiligung eines den besten Gesellschaftskreisen angehörenden Publikums bei seiner am 29. v. M. am Zentralfriedhofe stattgefundenen Bestattung. Die Trauergesänge wurden von Herrn Oberkantor Dünmann trefflich rezitiert, worauf Herr Rabbiner Dr. Drobinsky dem Verblichenen einen formvollendeten Nachruf hielt, der auf alle Anwesenden aufs tiefste einwirkte. Dann hielt der Präsident des Maria» hilfer Tempelvereines, Kultusvorsteher Dr. Jaocb Engel, dem dahingeschiedenen jungen Freunde einen überaus warmen, zu Herzen gehenden Nachruf und hierauf geleitete die ansehnliche Trauerversammlung die sterblichen Ueberreste des gefallenen Helden zur Familiengruft; es erdröhnten die Salven des militärischen Konduktes, was an Siegfried Strauß sterblich war, wurde der Mutter Erde zurückgegeben. Ehre und Ruhm seinem Andenken! Heldentod des Leutnants Kart Kafka. Karl Kafka, Fabrikant aus Plibram, Mitchef der Firma Friedrich Kafka, k. u. k. Hoflieferant, Pribram und Klosterneuburg, Leutnant des Infanterieregimentes Nr. 11, fand seinen Tod auf dem Felde der Ehre. Leutnant Karl Kafka war 31 Jahre alt, zuerst bei Komarow (Ende August) verwundet, und würde für sein tapferes Verhalten vor dem Feinde mit dem Signum laudis ausgezeichnet. Im Dezember v. I. ist er wieder eingerückt, war sechs Wochen der Ski-iAbteilung in Spindelmühle bei Hohenelbe zur Ausbildung der Rekruten im Skilaufen zugeteilt und ging in den ersten Februartagen wieder zur Front in die Karpathen. In den Osterschlachten wurde Leutnant Kafka für sein abermaliges tapferes Verhalten vor dem Feinde zu einer weiteren zweiten großen Auszeichnung vorgeschlagen und in der Nacht zum 10. Mai l. I. fand er bei der Erstürmung von Sekowa-Wola bei Sanok den Heldentod. Ein Oberleutnant meldet den Heldentod Kafkas an seine Angehörigen mit nachstehendem Schreiben: Abschrift! Standort, am 13. Mai 1915, 6 Uhr vorm. Sehr geehrter Herr B-o ndy! Mit tiefem Bedauern und innigem Mitgefühl teile ich Ihnen mit, daß Ihr Verwandter — Herr Leutnant Kafka des Regiments — in äußerst tapferer Erfüllung seiner Pflicht in der Nacht vom 9.—10. Mai 1915 bei der Erstürmung von Sekowa-Wola den Heldentod fand. Es war ein äußerst heißer Kampf, die Russen waren in vorzüglich befestigten Stellungen, die sie mit äußerster Hartnäckigkeit verteidigten und Sturm auf Sturm zum Scheitern brachten. Wir mußten aber Herr des Punktes werden und wurde der nochmalige Angriff befohlen. In undurchdringlicher Finsternis rückten unsere braven Truppen lautlos an die Stellungen der Russen, um mit plötzlichem »Hurrah« in die russischen Schützengräben, Leutnant Kafka als leuchtendes Beispiel allen voran, mit Bajonett und Kolben einzudringen. Hier erhielt der Arme einen Schuß in die rechte Lunge und einen Streifschuß am Kopf. Der erstere führte seinen sofortigen Tod herbei.. Das ganze Regiment trauert ehrlich um den Verlust dieses tapferen und ungemein kameradschaftlichen Offiziers, der die Sympathien des ganzen Truppenkörpers besaß. Die irdische Hülle des heldenhaften Kämpfers wurde, so gut es die leider so kurz bemessene Zeit zuließ, am Friedhof der genannten Ortschaft mit anderen dortselbst gefallenen teueren Kameraden beerdigt Es selbst ist bereits abermals für seine Tapferkeit zur allerhöchsten Auszeichnung vorgeschlagen worden. Dies in Kürze, und bin ich gern bereit, wenn das Glück mich die Heimat Wiedersehen läßt, Ihnen alles weitere mündlich mitzuteilen. Mit tiefstem Mitgefühl, Ihr .. Oblt.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.