Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 32 (1915)
- Issue
- 27 (2.7.1915)
- Date
- 1915-07-02
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/3020846-3022142-3022170--24269-3049509- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
£t’ t 506 Dr. Äloch's Wochenschrift dtr. 27 Alle diese Soldaten sprechen durch mich den sehr geehrten Mitgliedern der israelitischen Gemeinde Leobm für die ihnen erwiesene Gastfreundschaft den hrrzl chsten Danl aus. Wir werden nie vergessen, daß wir hier in einer rein katholischen Gegend durch ihre gütige Fürsorge unseren überlieferten Satzungen entsprechend leben konnten. Wir danken Euren wackeren Frauen und den lieben Töchtern für die unzähligen Hilstakiionen, die ihrer nie rastenden Tätigkeit entsprungen ist. Möge der liebe Gott diese schöne Gemeind: beschützen. Dies wünscht im Namen der jüdischen Soldaten S. W i n i n g e r, k k. Postassistent, dzt. Rechnungsunterossizier 1. Kl. Leoben, am 25. Juni 1915. Strahnitz l Mähren). Im hiesigen israel. Tempel fand kürzlich anläßlich, der Wiedereroberung Lembergs ein Festgottesdienst statt. Herr Kantor F ü ll w e h r rezitierte mehrere Psalmen in erhebender Weife und Herr Rabbiner Freifeld hielt hierauf die Festrede, die guf alle Zuhörer, insbesondere auch auf die jüdischen Flüchtlinge aus Galizien, tiefen Eindruck machte. Die Absingung der Volkshymne durch die Schuljugend beendete die schöne Feier. Die hier weilenden, galizischen Flüchtlinge sandten auch ein Huldigungstelegramm an die k. u. k. Kabinettskanzlei in Wien ab. Koftel (Mähren). Die hiesige Jfraclitengemeinde hat anläßlich der Wiedereroberung Lembergs einen Festgottesdienst verbunden mit einem Fackelzug veranstaltet. Im dichtgefüllten Tempel sprach Herr Rabbiner Adolf Deutsch begeistert und begeisternd von der Blutung des Ereignisses, und vor dem Gebäude der „Deutschen Schule" richtete Herr Gemeindcrat Johann N e u m a n n eine patriotische Ansprache an die Versammelten. Die kantoralcn Funktionen verrichtete Herr Kantor Adolf Ouittner. Die Festlichkeit, an der nebst der Schule und den Mitgliedern der Gemeinde auch die hier weilenden galizischen Flüchtlinge teilnähmen, hat auf die gemischtsprachige Bevölkerung großen Eindruck , gemacht. Bodcubach. Anläßlich der glücklichen Wiedereroberung Lembergs fand am 25. Juni ein Festgottesdicnst mit Predigt im festlich erleuchteten Tempel bei Anwesenheit der Gemeindemitglieder, der galizischen Flüchtlinge aus Bodcnbach und der nächsten Umgebung statt. Diese hatten am Tage zuvor durch den Obmann des Hilfskomitee an Exzellenz Gen. d. K. Böhm-Ermoli eine Dankdepcsche abgesandt und erhielten nachstehende Antwort: „Rabbiner M. Freund in Bodcnbach. Schönstes Dank für die freundlichen Glückwünsche aus der schönen wiedergewonnenen Hauptstadt des schwergeprüften Landes Galizien. B ö h m, G. d. K." _ Berlin. Ein ilRathenau, Geheimer Baurat, Generaldirektor der Allgemeinen Elektrizitätsgcsellschaft und der Berliner Elektrizitätswerke, ist im Alter von 6 Jahren verschieden. Ihm ist cs zu verdanken, daß die deutsche Elektrizitätsindustrie heute eine Weltmacht ist! Bei den Hinterbliebenen des Geheimrates Rathenau gingen von dem Kaiser, dem Reichskanzler und mehreren Ministern Telegramme ein. In dem Telegramm des Kaisers heißt cs: „Was der Verewigte in seinem arbeits- und erfolgreichen Leben auf dem Gebiete der elektrischen Industrie schuf, sichert ihm ein unvergängliches Ruhmesblatt in der Geschichte der deutschen Industrie und Technik. Ich werde seiner charaktervollen Persönlichkeit stets gern gedenken". Wer weiß? Der Soldat Moses'Brand bei Z« Hoffmann in Wadowice, ul^ Lworska, sucht seine Frau/ D^ora und drei Kinder . Schjje Leiser, Hrrsch- und Male Gitel aus Hussakor, Bezirk Mosciska. Markus Zeile!» derzeit in Radilov, Bez. Hab:rn, Böhmen, sucht seinen Schwager Markus Karoaler und seinen Bruder Ehaskel Zcilel. Rachmil ^»eisl-erg aus Szolotroino, derzeit m Radilov,'Bez. Hab:rn, Böhmen, sucht seine Frau Sure) Reisberg. „An jene« Vessach-Abend" (Historische Untersuchungen). Vortrag,. ... , ... gehalten am 31. März 1915 (am zweiten Pessach-Tage) im. Festsaale des „Hotel Post" in. Wien, über -Einladung des -Vereines zur Abfvehr des Antisemitismus. Von Prof. Dr. Majer Balaban. VI. . , .. . Prozeß in Krakau, 1635. Nun kommen wir zu einem Ritualprozeß, dessen Ursache rein ökonomische r Natur war. Juden und Bürger in Krakau lagen in stetem Zank und Hader. Die Juden wollten in Krakau wohnen und handeln, die Bürger wollten es nicht gestatten. Nach vielen Pogromen mußten die Juden die Stadt verlassen (1495) und schlugen ihre Wohnsitze in der Nachbarstadt Kasimir auf, von wo aus sie ihren Handel weiter in Krakau trieben. Ein langwieriger Prozeß um die Handelsrechte der Juden war für die Bürger ohne Erfolg; die Juden handelten ohne Erlaubnisdenn uni zu leben, mußten sie es tun. Nachdem die Bürger die legalen Mittel erschöpft hatten, griffen sie zu illegalem Sie hetzten den . Pöbel auf die und veranstalteten Pogrome und Plünderungen. Das sind die Kulissen zu dem Prozeß, den ich nunmehr erzählen will- Im Jahre 1635 wurde, ein Kirchendieb.Peter Jurkiewicz gefänglich eingezogen. Auf der Folterbank gestand er, über Beredung ues Juden Jakob, eine Hostie aus der Kirche entwendet und dem Juden verkauft zu haben. Sofort gebot der Wojewode dem Judenkahal, den Schneider Jakob Grzeslik dem Schloßgerichte einzuliefern. Da Jakob nicht zu finden war, konnte der Kahal dem Befehl nicht willfahren, und der erboste Magistrat zog einen anderen Juden mit Weib und Kind gefänglichein ., und kümmerte sich bei weitem um den Irrtum nicht, lieber mehrmaliges Eingreifen der Juden wurde der fremde Mann freigelassen und der Prozeß ohne den Juden geführt. Der Kirchendieb Jurkienicz wurde zum Tode auf dem Scheiterhaufen.und der Jude Jakob Grzeslik in eontuiuatiam zur selben Strafe verurteilt. //. .. Plötzlich trat in der Sache eine unerwartete Wendung ein. Bor dem Tode gestand Jurkienicz seinem Beichtiger, er habe den Juden Jakob gar mutwillig beschuldigt, der Mann sei unschuldig. Der Beichtiger teilte die Sache dem Bischof, mit und derselbe gestattete, den Jurkienicz noch einmal zu verhören. Aryz..7. .Ny?. vember 1635 stiegen in das unterirdische iGefängnis der adelige Judenrichter Mirtin. v. S ko r y s z.ews k i/., der. Domkapitular zu St. Florian Pater. Johannes B r o =? szius und ein geistlicher Protokollant. Hören ioir den wortgetreuen Text des Geständnisses des. Jurkienicz; „Ich habe das allerheiligste. Sakrament wie, gestohlen -und. meinen Gott nicht verschachert,, ich. habe. nur. hie und da Kirchengeräte entwendet. Alles was ich^ ausgesagt habe,, war über Anraten der Herren Ratsmaimen wyri Krakau. Herr Schedl war damals BürgerMsschx mfld der, Ratsmann Herr B e lza stand im Gerichtszimmer, als - man mich zu Verhör brachte und sprach zu mir diese Worte: „M a ch e mir d en,: Gef all ß n,..un dge stehe, daß; du das hl. Säkrament gestohlen und es einem Inden verkauft hast; du verlierst, dabei gar nichts und wir werden die Juden aus K r akau los werden." Ich tat wie man mir befohlen und sofort wurde es zu Protokoll genommen; ich hielt es für gar keine Sünde, den Juden zu beschuldigen.