Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 32 (1915)
- Issue
- 27 (2.7.1915)
- Date
- 1915-07-02
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Seite 500 Dr. Bloch's Wochenschrift Nr. 27 Rabbiner Fürst von der „Adaß Jisroel", dem Gesamtvorstande der „Adaß Jisroel" und der „Beth Hamidrasch", Vorstehern vieler Vereine bemerkten wir die ehrwürdigen Rabbiner kais. Rat Lew in von Sambor, Steinberg, Przemyslany, Unger, Zabrce u. a. Der Kuldigrmgszug der jüdischen Atüchltinge in Wien. Die in Wien weilenden Kriegsslüchtlinge bekundeten ihre Freude durch einen imposanten Huldigungsfestzug, der Mittwoch abends auf Anregung der zionistischen Parteileitung veranstaltet wurde. Lange vor 6 Uhr waren die festlich dekorierten Straßen um den Karmeläerplatz dicht besetzt. Hier wurden überall Fähnchen an die Teilnehmer des Demonstrationszuges verteilt. Eine unübersehbare Menschenmenge strömte zum ftarmelitaplat), wo sich der Zug rangierte. Nach 6 Uhr setzte sich der ungeheuere Zug in Bewegung. Voran trug ein Mann eine schwarz-gelbe Fahne, an deren oberem Ende ein Plakat mit einem hebräischen Segensspruch: befestigt war. Dann kam eine Musikkapelle. Hinter ihr schritten ungefähr fünfzig jüdische verwundete Soldaten und die jüdischen Pfadfinder in ihren schmucken Uniformen, sowie die Fahnenträger. Zwei blau-weiße Fahnen, zu deren beiden Seiten die Fahnen der verbündeten Kaiserreiche, und in der Mitte ein Zweikaiserbild. Ihnen folgten die Reichsratsabgeordneten Dr. Straucher und Dr. Reizes, der Präsident der zionistischen Parteileitung Oesterreichs Oberingenieur Stricker, der Zionistcnführer Adolf Stand, Dr. Karl Pol l-Mk, der Präsident der Humanitären Vereinigungen Dr. Jakobsohn, Oberrabbiner Karo und Rabbiner G u t m a n n aus Lemberg u. v. a. Ihnen schloß sich eine unübersehbare Menschenmenge mit Fahnen in den Reichsfarben und in den zionistischen Farben, Enblemen, Transparenten, sowie Karikaturen unserer Feinde an. Unter den Klängen patriotischer Märsche, sowie unter fortwährenden Hochrufen auf die beiden Kaiser, die verbündeten Armeen und die Heerführer bewegte sich der Zug über die Taborstraße, Ferdinandsbrücke und den Kai zum Kriegsministerium. Hier hielt zunächst Abgeordneter Dr. Straucher vom Radetzkymonument aus eine zündende Ansprache, in der er den errungenen Sieg unserer und der deutschen Truppen feierte. Er gedachte der ruchlosen Taten, die die Russen in Galizien und in der Bukowina an der jüdischen Bevölkerung begangen, und sagte heißen Dank der Armee, aus die wir alle mit Verehrung und Stolz blicken. Die Juden Oesterreichs, sagte er ferner, haben ihre Pflicht mit Liebe und mit voller Hingabe erfüllt und wollen bis zu.n letzten Blutstropfen für ihren alten guten Kaiser kämpfen. Mit einem Hoch aus den Kaiser schloß der Redner seine wirkungsvolle Ansprache. Hierauf intonierte die Kapelle die Volkshymne, in die die Menge begeistert einstimmte. Adolf Stand aus Lemberg feierte hierauf in'beredten Worten den Siegeszug der verbündeten Armeen. Der fast übermächtige Gegner ist niedergerungen und unsere herrlich: Armee hat Galizien und die Bukowina von den russischen Horden gesäubert. Ein Jubelruf durcheilt alle österreichisch-ungarischen und deutschen Gaue und die Juden Galiziens und der Bukowina flehen von dieser Stelle zu Gott, er möge unserem gütigen Kaiser noch viele Jahre schenken, damit er die Frucht dieser herrlichen Siege genießen Und an der Liebe seiner Völker sich erfreuen könne. Mit einem Hoch auf die beiden Kaiser schloß der Redner. Rach dem neuerlichen Abspielen der beiden Hymnen setzte sich der Zug in Bewegung. Die bis ins Unermeßliche gesteigerte Menschenmenge bewegte sich über den Ring nach dem Schillerplatz zur Babenbergerstraße und hielt vor dem Landesverteidigungs-Ministerium. ' Die Straßen waren überall zu beiden Seiten dicht besetzt und die Menge jubelte den Demonstranten zu. Aus den Fernster» der Häuser, sowie aus den Kaffeehäusern wurden Fahnen und Tücher geschwenkt und fortwährende Hoch- und Hurrarufe erschollen neben dem Gesänge patriotischer und zionistischer Lieder. Vor dem Landesverteidigungs-Ministerium hielt Abgeordneter Dr. Straucher neuerdings eine zündende Ansprache, während der Landesverteidigungs-Minister o. Eeorgi am Fenster stand und mit einem Tuche der jubelnden Menge zuwinkte. Nach dem Absingen der Volkshymne erschien der Landesverteidigungs-Minister aus dem festlich dekorierten Balkon und brachte ein Hoch aus unseren Kaiser, auf den deutschen Kaiser, aus die ruhmreichen Armeen und auf die verwundeten Kameraden aus, die für das Vaterland geblutet. Die Menge stimmte begeistert ein. Die Demonstration machte ßinen überwältigenden Eindruck. Eine Gedächtnisstistung. In Wien hat sich zur Schaffung einer „Erzherzog Franz Ferdinand-Gedächtnisstiftung" zur Linderung der Kriegsfolgen und zur Wiederaufrichtung geschädigter Existenzen aus angesehenen Wiener Bürgern ein vorbereitendes Komitee gebildet, das sich mit einem Aufruf an die Bevölkerung wendet. Beitrittserklärungen und Zuschriften sind an den Schriftführer Josef Brenner, Wien, 2. Bez., Praterstraße 23, zu richten. IrendenLundgevungen der KriegsffüchtNngc in Kger. Die Kriegsflüchtlinge aus Galizien und der Bukowina der Kultusgemeinden Eger und Franzensbad veranstalteten am Mittwoch, den 23. v. M.> um 5 Uhr nachmittags, eine überaus imposante Freudenkundgebung, die folgenden Verlauf nahm: Genau um 5 Uhr bewegte sich der nach vielen Hunderten von Männern, Frauen und Kindern zählende Zugj vom Johannisplatz durch die Steingasse zum Marktplatze. Mit klingendem Spiel, unter Vorantragung von Fahnen, geschmückt mit dem Kaiserbilde und heiligen Silbergeräten der Gesetzesrollen aus dem Tempel zu Eger, zogen sie dem Gebäude der k. k. Bezirkshaupimünnschaft zu. Schön und sonnig war der Tag, schön * wie ' die ^Hoffnungen ’ der ' Völker unserer Doppelmonarchie, und es wimmelte der Marktplatz wie in den Tagen unserer höchsten Feste! Eine Abordnung der Kultüsvorstände, der Herren Eduard Löwy,. Eger, und Theodor S pie g l, Franzensbad, mit dem Rabbiner Ehrwürden Herr Dr. Spitzer, Franzensbad, an der Spitze, gefolgt vom Oberkantov Wj i l k o w i t s ch, Eger, und Zweier Flüchtlinge aus Eger und Franzensbad, begab sich hierauf zum Herrn Hofrat Kaiser, an den der Rabbiner in einer schwungvollen Ansprache die Gefühle der Dankbarkeit und der Tiefergebenheit der Flüchtlinge, wie der gesamten Judenheit der oberwähnten Gemeinden für die erhabene und geheiligte Person Seiner Majestät des Kaisers verdolmetschte und bat, diese zum Ausdruck gebrachte Freudenkundgebung aus Anlaß der Eroberung Lembergs an die Stufen des Thrones Sr. Majestät gelangen zu lassen. Herr Hofrat Kaiser erwiderte, daß ihm die loyale Gesinnung der Kriegsflüchtlinge mosaischen Bekenntnisses, welche ohne Murren Hab und Gut dem Vaterlande. weihten, nur zu gut bekannt sei, daß sie aber auch des Sieges unserer ruhmreichen Armeen sich herzlich freuen dürfen, da sie am eigenen Leibe den Terror und die Roheit der unmenschlichen Feinde verspüren mußten; unsere Staatsämter jedoch waren und sind bestrebt, das harte Los der Heimatlosen nach Tunlichkeit zu mildern. Herr Hofrat Kaiser dankte bei diesem Anlasse den Herren Vorstehern für ihre tatkräftige Unterstützung der Flüchtlingsfürsorge, worauf die Herren Eduard Löwy und Theodor Spie gl in kurzen 'Ansprachen auch den Behörden für ihr Eingreifen und segensreiche Durchfühführung dieser Aktion dankten. Während diese offizielle Kundgebung in der k. k. Bezirkshauptmannschaft vor sich ging, spielte die von den Flüchtlingen bestellte Musikkapelle und immer wieder erklangen vaterländische Lieder in deutscher und polnischer Sprache, besonders die stimmungsvolle Kaiserhymne, die von allen Anwesenden mit