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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1915-07-02 · 27 (2.7.1915) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
32 (1915)
Issue
27 (2.7.1915)
Date
1915-07-02
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 498 Dr. Bloch's Wochenschrift rttr. 27 Tfurt!-?■ -md-rm« ri Militärseelsorger Dr. Arnold Frankfurter, Doktor F e r d a, Dr. Deutsch, Pros. Print. Dr. Ehrmann, eine große Anzahl. Offiziere, Reichsratsabgeordnete, Gemeinde- und Bezirksräte, Reg.-RatDr. Frankfurter, kais: Rat Johann LichtenstäÄt u. v. a. Nach einem einleitenden' Psalm, welchen Oberkantor DonFnchs mit verstärktem Chor, dirigiert von Prof. Josef S ul z e r, künstlerisch vortrug, hielt Oberrabb iner Dr. Gütz e m a n n eine Festpredigt, welche auf die Anwesenden einen geradezu überwältigenden Eindruck äusübte. Nach Vortrag des Salomon Sülzer'schen HHallelnjah" und Wsingung der Volkshymne wurde die Feier geschlossen. Die Orgelbegleitung bei'allen Gesängen versah der bekannte Musiker Prof. S t o r ch. Festrede des Herrn Oberrabbiners Dr. Güdemann mn 24. Juni 19l5 im Stadttempel anläßlich der Wiedereroberung Lembergs. Eine vaterländische Feier von üngewöhnlicher Bedeutung ist es, die zu ungewöhnlicher Stunde uns im Gotteshause versammelt. Wir wollen Gott aus .überströmendem, freudigen Herzen dafür danken, daß Lemberg wieder unser ist. Vorangegangen mit dieser Danksagung ist das erhabenste Vorblld unserer Monarchie,' unser geliebter Kaiser, und alle Nationen und Konfessionen folgen seinem Beispiel. Wir Juden aber nehmen an dieser Gefolgschaft nicht bloß teil, sondern wir dürfen einen Platz in ihren vordersten Rechen beanspruchen, denn das Vorrecht größeren Leides verleiht auch das Vorrecht größeren und lauteren Jubels, und gewiß hat kein Volk und keine Gemeinschaft unter der russischen Herrschaft soviel gelitten, soviel geseufzt,-soviel Tränen und Blut vergossen, wie die Juden. Wir würden auch dann gleich allen Angehörigen des Vaterlandes über die Befreiung Lembergs gesubelt haben, wenn es von einer anderen feindlichen Macht besetzt gewesen wäre — was es aber heißt,.... von russis cher Herrschaft befreit zu sein, was' die Erlösung aus diesem Höllenpfuhl der Finsternis und der Unmenschlichkeit bedeutet, das versteht, das empfindet das Herz des Juden wie kein anderes. Es fehlen leider unserer deutschen Muttersprache und, wie ich glaube, allen modernen Sprachen, die Worte, um den ungeheuren Tiefstand einer Gewaltherrschaft und eines Gewaltherrschers zu schildern, von dem die Juden mit dem Dichter sagen können: „Was er sinnt, ist Schrecken, was er blickt, ist Wut, was er spricht, ist Geisel und was er schreibt, ist!Blut!" Es fehlen auch den ürodernen Sprachen die rechten Worte, um die Züchtigung und das göttliche Strafgericht zu schildern, die fetzt über diese Gewaltherrschaft und diesen Gewaltherrscher hereingebrochen sind. Es gibt nur eine Sprache, die alles dieses in seinem ganzen Umfange verlautbart, das ist die Sprache unserer alten Bibel, das ist die Sprache, die den frevelhaften Hochmut und den Untergang des ägyptischen Pharao schildert: „Es spricht der Feind: Ich verfolge sie, ich hole sie ein, ich teile die Beute, meine Seele ist voll von ihnen, ich zücke das Schwert und meine Hand vertilgt sie." Klingen diese alten Worte, welche die Gedanken Pharaos wiedergeben, nicht wie ein Echo jener hochmütigen Ansprache, die der russische Zar vor drei Monaten auf dem Balkon des Statthaltereigebäudes in Lemberg gehalten und womit er die ewige Vereinigung dieser Stadt mit dem russischen Reiche proklamierte? Wer nach dreimonatlicher Ewigkeit erneut sich das Wort der Bibel: „Deine Hand, o Gott, verherrlicht in Kraft, Deine Hand, o Gott, zerschmettert den Feind." Zerschmettert wie einst der ägyptische Pharao, ja noch schlimmer, weil er lebt und füblt> ist auch der nordische, und er mag nun auf dem Balkon seines Schlosses über die schnelle Vergänglichkeit der von ihm proklamierten Ewigkeit Nachdenken. Alle Gefühle aber, die heute die Herzen in der Monarchie bewegen, alle werden überwältigt von dem Mnen mächtigsten Gefühle, von dem unsere Weisen sagen: „Es ist etwas Großes um die Rache, denn sie steht zwischen zwei Gottesnamen," wie es in den Psalmen heißt':'„Ein Gott der Rache ist der Ewige." Dieser Gott der Rache hat die Seufzer der Mütter und Kinder, hat die Tränen, die Schweiß-- und Blutstropfen dvv zur Deckung der Front ■ verwendeten Juden aufgesaNgen Und - hat-ddraus eine Geißel geschmiedetwomit er die' Russen vor unseren verbündeten-Heeren hergetrieben hat. Dieser -Gott der Rache ist aber auch der Gott-der Liebe — denn er wäre dieses nicht, wenn er jenes nicht wäre . und dieser Gott der Liebe hat das Haupt unseres geliebten Kaisers mit einem frischen Lorbeer umwunden und läßt sein Herz aufleben unter, den lauten Jübelrufen, die aus allen Gauen unseres Vaterlandes ihmentgegenschallen. Darum erheben wir unsere Hände zum Dank und 1 zur inbrünstigen Bitte zu Gott: Möge er Sieg an Sieg reihen und den Siegeslauf unserer verbündeten. Heere zu einem glorreichen gesegneten Frieden lenken, damit Freund und Feind erkennen : „Der Ewige regiert immerdar!" ■' - ' ■ - .- - Das Präsidium und der Oberrabbiner der israel. Kultusgemeinde Wien haben in Ausführung des Beschlusses der Festsitzung vom 24. Juni 1915 nachfolgendes Telegramm an die Kabinettskanzlei Sr. Majestät des Kaisers gesendet: ' „An die Kabinettskanzlei Sr. Majestät des Kaisers. Der zu einer' öffentlichen Festsitzung versammelte Vorstand der Wiener' israelitischen Kultusgemeinde erlaubt sich anläßlich der- Wiedereroberung von Lemberg durch unsere siegreich vorwärtsstürmenden Truppen die Gefühle der Freude und der unwandelbaren Treue für Eure kaiserlich; und,. königlich., gpastolische. Wajestäh, dem. heißgeliebten Vater all seiner Völker und das glorreiche Herrscherhaus an den Stufen des Allerhöchsten Thrones alleruntertänigst niederzulegen. Im festen Glauben an die unversiegbare Kraft unseres' geliebten Vaterlandes nimmt die gesamte Judenschaft Oesterreichs opferfreudig teil an den Kämpfen für die Ehre und den Ruhm des glorreichen Habsburgerreiches. In allen Synagogen Oesterreichs steigen Dankgebete zu dem Allmächtigen empor, die ausklingen in dem heißen, innigen Wunsche: Gott erhalte, Gott beschütze unfern Kaiser, unser Reich!" Hierauf ist Nachfolgendes .Telegramm eingelangt: „Herrn Oberrabbiner Dr. GüdemaNn, Wien. ' Se, k, u. k. apost' Majestät Hapen die aus Anlaß der Wiedereroöerung Lembergs seitens des Vorstandes der Wiener Isr. Kultüsgemeinde dargedrachte patriotische Huldigung mit besonderer 'Befriedigung zur Allerhöchsten Kenntnis zu nehmen geruht und danken wärm«, stens' Mr die neuerliche Versicherung, daß .die gesamte Judenschaft Oesterreichs' opferfreudig und werktätig für den Ruhm und' die Ehre unseres Vaterlandes in altbewährter Treue einsteht.' Im Allerhöchsten Auftrag: Freiherr v. S chießl.",. Anläßlich der Wiedereroberung Lembergs hat der Vorstand der Wiener israelitischen Kultusgemeinde an Seine k. u. k. Hoheit den durchlauchtigsten Herrn Erzherzog Friedrich nachstehendes Telegramm gerichtet: „An Seine k. u. k. Hoheit den durchlauchtigsten Herrn Erzherzog Friedrich, Oberkommandant mnd Feldmarschall, Hauptquartier: ' . Anläßlich der siegreichen Besetzung Lembergs durch unsere heldenmütigen Truppen bringt der in öffentlicher Festsitzung versammelte Vorstand der Wiener israelitischen Kultusgemeinde Euerer kaiserlich und königlichen

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