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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1915-07-02 · 27 (2.7.1915) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
32 (1915)
Issue
27 (2.7.1915)
Date
1915-07-02
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 87 Seite 497 Dr. Bloch's Wochenschrift Hrorrespondenzen. Jeststtzung und Jestgollesdienst der Wiener israeMschen Kuttusgemeinde. Anläßlich der Wiedereinnahme Lembergs werden über Verfügung des Präsidiums der Wiener isr. Kultusgemeinde in sämtlichen Synagogen Wiens Festgottesdienste abgehalten. Der Hauptgottesdienst fand bereits am 24. v. M. im Stadttempel in der Seitenstettengasse statt. Dem Festgottesdienste ging eine öffentliche Festsitzung des Vorstandes voraus, an welcher der gesamte Vorstand unter Führung des Präsidenten Dr. Alfred Stern und des Vizepräsidenten k. k. Landesschulrat Dr. Gustav Kohn, der gesamte Bethausvorstand sowie die Rabbiner Wiens mit Oberrabbiner Du. Güdemann an der Spitze, die Beamtenschaft unter Führung des Sekretärs Dr. Emil Adler, Vertreter zahlreicher Vereine und Korporationen teilnahmen. Der derzeit in Wien amtierende Vorstand der Lemberger Kultusgemeinde war durch seinen Präsidenten Dr. Schaff, Oberrabbiner Dr. Caro und Rabbiner Dr. Gnttmann vertreten. Aus diesem feierlichen Anlasse trugen die beiden Amtshäuser in der Seitenstettengasse reichen Flaggenschmuck und der Haupteingang in den Tempel war durch österreichische, ungarische, reichsdeutsche und türkische Fahnen besonders festlich dekoriert. Nach Eröffnung der Festsitzung hielt Präsident Dr. Alfred Stern die folgende Ansprache: „Verehrte Herren! Es ist innerhalb der letzten wenigen Wochen zum zweitenmale, daß wir uns hier öffentlich zu einer Jubelfeier versammeln, daß wir hier in feierlicher Festsitzung unseres Vorstandes und sodann im Gotteshause im Gebete in festlicher Versammlung unserer Gemeinde Ausdruck geben dem Jubel, der unser Herz erfüllt, ob der Erfolge unserer Armee und dem Danke an Gott, dem allmächtigen Lenker der Völkerschicksale. Ein erstesmal war der Anlaß die Wiedereroberung des gewaltigen Festungswerkes im Norden unseres Vaterlandes Przemysl. Heute ist es die Wiedereroberung der Hauptstadt Galiziens Lemberg. Wer nicht allein bei diesen Etappen des Krieges gegen unseren nordischen Feind, schon Wochen vorher, als unser Heer seinen, neuen Siegeszug antrat, und Stadt um Stadt und Land um Land in unserer österreichischen Heimat dem Feinde entriß; ja, viele Monate und Monate vorher, als unsere Soldaten in bewunderungswerter, unübertrefflicher Tapferkeit und Ausdauer, mit wahrer Todesverachtung, trotzend den Winterstürmen in Schnee und Eis in den Karpathen der von Norden hereinbrechenden übermächtigen Dampfwalze, dem russischen Millionenheere, standhielten, versammelten wir un§ betend und hoffend, zagend und aufatmend, klagend und jubelnd. Und da blickten wir, so wie wir auch heute blicken, hoffnungsvoll mit gerechtem Stolze auf unsere herrliche Armee und ntit ihv auch auf die Tausende, Hunderttausende unserer Söhne und Brüder, unserer Glaubensbrüder, die als österreichische Soldaten. Mitkämpfer, an Opfermut, an Hingabe für Kaiser und Reich niemandem zurückstanden, mit allen ihren Kamcraden, in gleichem Schritt und Tritt todesmutig dem Feinde entgegenschritten. - Und so erfüllt grenzenloser Jubel heute unsere Herzen, eine Stimmung der Weihe erfaßt unser Gemüt ob der Siegesbotschaft, welche nunmehr die Reiche der verbündeten Zentralmächte durchbraust: Lemberg wurde den Klauen des Zarismus entrissen! Europa wird nicht russich! Im Arbeitszimmer unseres.heißgeliebten Kaisers, in der Esse der Fabriken, in den Lehrzimmern unserer Anstalten, in der ärmsten Hütte des Arbeiters, den Masfenunterkünften der vor der russischen Invasion flüchtenden Heimatlosen: allenthalben schwillt die Brust vor Stolz, überströmt das Herz von dem Gefühle des Dankes ob der Heldentaten unserer braven, tapferen Soldaten und ihrer genialen Führer, welche in gemeinsamer übermenschlicher Arbeit unser Vaterland von seinen Feinden, von dem größten, schrecklichsten Feinde der Menschheit, säuberten. Lemberg ist wieder unser! Wie von einem Alpdruck befreit, atmen wir alle auf, die wir mit unerschütterlichem Glauben an die unüberwindliche Kraft der Monarchie, an ihre Unbesiegbarkeit, auf ihre große Zukunft vertrauen und für diesen Glauben unser Teuerstes hingeben. Zwei Millionen der loyalsten Bürger der Monarchie, zwei Millionen Juden, die mit jeder Faser ihres ^eins an der heimatlichen Scholle hängen, mit jeder Fiber ihres Herzens dem geliebten, gütigen Herrscher dieser Lande ergeben sind, jaulen auf, da es ihnen nun zur Gewißheit wurde, daß unser schönes Vaterland von dem Erzfeinde aller Freiheit, jeder kulturellen Regung befreit wird, um niemals — so hoffen und vertrauen wir — wieder diesen, mit dem Blute unserer Besten und Edelsten getränkten Boden, zu entweihen. Tausende junger heldenmütiget Juden, die für die Ehre des Vaterlandes ihr Leben ließen, die Tausende, die in heißem Ringen jeden Fußbreit des heimatlichen Bodens mit ihrem Blute verteidigen, die Tausende, die von Hof und Herd vertrieben, die Tausende, die selbst unter Qualen und Leiden, mit dem Tode bedroht, von ihrer Treue zum Vaterlande und ihrem heißgeliebten Kaiser nicht lassen wollten, die nach Sibirien verschleppt, die gemordet, hingerichtet wurden, sie alle sind glänzende, bis ans Ende der Geschichte leuchtende Zeugnisse dafür, daß wir Juden dieses Reiches in allen Schicksalsfügungen uns eins fühlen mit den Lebensinteressen der Monarchie, eins mit allen unseren Mitbürgern, eins mit unserem heißgeliebten Kaiser. Als ich die Berichte las über den Jubel, mit welchem die jüdische Bevölkerung der befreiten Gebiete ihre Befreier begrüßte, wie diese Aermsten unter den vom Kriegsunglücke Heimgesuchten aus den -Kellern hervorkrochen, in welche sie mit Weib und Kindern vor der zarischen Bestialität geflüchtet waren, da tauchte vor meinem geistigen Auge der ganze Jammer auf, den der Zarismus über unser unglückliches Volk gebracht und von dem unsere siegreiche Armee es nun befreit hat. Und so quillt jetzt aus tiefstem Herzen ein innigstes durch alle Lande der Monarchie brausendes Dankeswort an unsere Armee, an deren Führer, an die Führer und Armee unserer treuen Verbündeten. Und so schließe ich mit dem Jubelrufe: Hoch unsere tapfere Armee, hoch ihre herrlichen Führer, hoch unsere Verbündeten, hoch und dreimal hoch unser heißgeliebter Kaiser Franz Josef I." Der. Rede des Präsidenten folgte langanhaltender Beifall, worauf die Versammlung beschloß, an den Kaiser eine Huldigungsdepesche und ein Glückwunschtelegramm an den Oberkommandanten Feldmarschall Erzherzog Friedrich abzufenden. Die Feftversannnlung begab sich dann in die festlich beleuchtete Synagoge, welche von den Feftgästen dicht gefüllt war. Hier waren erschienen: in Vertretung des Kultusministeriums Ministerialrat Dr. Sigismund Pilat, in Vertretung des Statthalters Herr Bezirkshauptmann Graf K a t t u l i n s k Y, in Vertretung des Polizeipräsidenten Polizeirat Alois Dusik, ferner die

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