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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1915-06-25 · 26 (25.6.1915) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
32 (1915)
Issue
26 (25.6.1915)
Date
1915-06-25
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 476 Dr. Bloch's nowitz—Nowosielica hat unter der russischen Invasion furchtbar gelitten. Die rumänische Bevölkerung dieser gewerbesleißigen Ortschaft wurde von den Russen geradezu systematisch gequält, gefoltert und verunehrt. Frauen und Kinder fielen der entfesselten russischen Soldateska zum Opfer, und das rumänische Nalionalhaus, das Symbol der nationalen Empfindungen und Hoffnungen der Bevölkerung, gleicht einem Trümmerhaufen. . . . Nachstehend der Bericht aus dem Kriegspressequartier: Vierzehn Tage nach der Besetzung S u i a t y n s führten die Russen sämtliche viertausend jüdischen Einwohner Sniatyns ohne jeden Grund nach dem Norden, ohne das Ziel des Zwangstransports anzugeben. Selbst Greise, Frauen, Wöchnerinnen, Säuglinge wurden m itgef chleppt. Auf dem Wege sind von den mitgeschleppten Personen sieben den furchtbaren M i ßh a n d l u n g c n seitens der K o s a k e n und hen Strapazen erlegen. In Sniatyn haben die Russen fünfzig.Häuser eingeäschert und die Möbel sämtlicher mitgeschleppten Personen auf Lastenautos abtransportiert. In Bojan haben die Russen im großen rumänischen Nationalhaus vandalisch gehaust, das Gebäude fast ganz zerstört, den geräumigen Festsaal zum Pferdestall verwandelt, die in rumänischen Nationalfarben gehaltenen Wandmalereien im Festsaal aügekratzt oder beschmutzt, die nach rumänischen Motiven geschnitzte Einrichtung verbrannt, sämtliche Glastüren zerbrochen und vom Dachstuhle sämtliche Tragbalken genommen, so daß ein Einsturz droht, und die Parketten vom Fußboden aüfgerissen. Aus Bojan haben die Russen zweihundert Rumänen ebenfalls ohne jeden Grund mitgeschleppt, in T o p o r o u tz die Wohnung des griechisch-orientalischen Geistlichen Mitrofanowicz verwüstet und ausgeraubt, die im 16. Jahrhundert vom Wojwoden der Moldau, Mohila, erbaute altertümliche Kirche erbrochen und die neue Kirche zu erbrechen versucht, wovon sie nur auf Flehen der Bevölkerung abließen. Die Bevölkerung, besonders die rumänischen Frauen und Kinde r, wurden von den Russen in bestialischer Weise mißhandelt. In der Ortschaft S t r o i n s c e wurde ein österreichisch-ungarischer Soldat rumänischer Nationalität mit auigeschlitztem Bauche vorgefunden. Me Ortschaften, durch welche die Russen zogen, sind in Brand gesteckt und geplündert, die Bevölkerung drangsaliert worden. Während der Wussenzeit in Mzemrifi. (Aus dem Briefe eines jüdischen Offiziers.) Unter den Offizieren, welche die erste und zweite Belagerung Przemyfls mitgcmacht haben und noch lange Zeit bis knapp vor der E r st ü r m u n g der Festung schon angesichts des Herannahens der verbündeten österreichisch-ungarischen und deutscher! Truppen daselbst gefangen gehalten und erst als die Situation Przemyfls für die Russen ganz unhaltbar geworden war, nach Rußland abtransportiert wurden,, befand sich auch Oberleutnant Julius Fuchs, der Sekretär des Wiener Eskomptevereines. Oberleutnant Fuchs hat, bevor er aus Przemysl in das Innere Rußlands gebracht wurde, einer Schwester vom Oesterreichischen Roten Kreuz einen Brief für sein: in Wien lebende Gattin, Frau Magda F u ch s, übergeben, den sie dieser Tage erhalten hat. Bei Ausbruch des Krieges war Herr Julius Fuchs als Leutnant des Landsturminfanterieregiments Nr. 18 auf den nördlichen Kriegsschauplatz abgegangen. Der Offi- Wochenschrist .Nr. 26 zier, der mehrere Gefechte, mitgemacht hat, schrieb regelmäßig seiner Gattin, bis seine Mitteilungen infolge der ersten Einschließung der Festung Przemysl, in welcher sich auch Fuchs mit seiner Truppe befand, einige Unterbrechung erfuhren. Leutnant Fuchs hatte Gelegenheit, sich bei der Erstürmung des Forts Siedlitzka durch die Russen besonders auszuzeichnen. Der Offizier, der bei diesem erbitterten Angriff der Russen einen Streifschuß erlitten hatte, benahm sich so bravourös, daß ihm das Militärverdienstkreuz mit der Kriegsdekoration verli eh eit uni) daß er zum Obe rleutn ant befördert wurde. Während der zweiten Belagerung Przemyfls schrieb der Offizier seiner Familie hie und da mittels Fliegerpost Karten, in denen er nur knapp meldete, daß er sich wohl befinde. Die letzte dieser Karten hat Frau F u ch s am 13. Februar erhalten. Als die Festung nach der zweiten Belagerung vom Hunger bezwungen worden-war, war die Gattin, da sie keine Nachricht über ihren Mann erhalten konnte, begreiflicherweise in großer Sorge unt sein Schicksal. Atu 29. Mai endlich erhielt sie eine in französischer Sprache in Przemysl aufgegebene Karte ihres Mannes, in der er mitteilte, daß er sich wohl befinde. Die Gattin schöpfte aus dieser Karte die Hoffnung, daß ihr Mann auch gelegentlich der Wiedereroberung Przemyfls durch unsere Truppen noch in der Festung geweilt haben könnte, doch erwies sich diese Hoffnung, wie sie dem vor einigen Tagen empfangenen Briefe entnehmen konnte, als falsch. Oberleutnant Fuchs wurde von den. Russen, knapp ehe die .Festung in unseren Besitz fiel, mit anderen Kameraden in das Innere Rußlands gebracht. - In dem interessanten Briefe aus Przemysl, der vom 12. Mai datiert ist, schreibt Oberleutnant. Fuchs u. a. folgendes: ,Meine Jnnigstgeliebten! Ich schreibe diese Zeilen zu einer Zeit, wo wir Hoffnung haben, von unseren braven Truppen vielleicht erlöst zu werden. Sollten aber die Russen mich doch noch früher abschieben, dann übergebe ich diese Zeilen einem liebenswürdigen Fräulein, das ich gebeten habe, dieselben, wenn unsere Truppen kommen und Przemysl wieder österreichisch ist, aufzugeben. Seit zwei. Tagen s e h e n wir o h n e Unterbrechung russischen Train zurückgehen. O e st e r r e i ch i s ch e Flieger kreisen seit gestern über unserer Stadt, wodurch wir in gehobene Stimmung kommen. Seit dem 22. März sind wir in russischer Gefangenschaft. Da ich nicht weiß, ob Ihr alle meine Karten erhalten habt, die ich während dieser Zeit geschrieben habe, will ich heute über mein Geschick in der letzten Zeit berichten. Am 18. Februar wurde ich, wie ich bereits berichtet habe, schwer verwundet. (Von dieser zweiten Verwundung ihres Mannes hatte die Frau keine -Kenntnis und erfuhr erst durch diesen Brief von ihr. Anmerkung der Redaktion.) Begnüge Dich," heißt es in deut Briefe au die Gattin weiter, „meine Liebste, wenn ich Dir sage: ich habe mein Leben gefunden. Ich bekam einen Lungenschuß um 9 Uhr vormittags. Um 5 Uhr nachmittags war ich im Spital und hatte das große Glück, in ein Spital zu kommen, dem ein überaus tüchtiger und selten liebenswürdiger Regimentsarzt, Dr. Pamperl, Assistent der chirurgischen Klinik in Prag, vorsteht. Ich gebe Dir der Wahrheit gemäß die., Versicherungdaß ■ ich heute vollkommen hergestellt, seit vielen Wochen täglich von früh bis abends in einem sehr schönen Garten promeniere. Unser Regiment sowie die. ganze Besatzung ist schon längst in Rußland, ebenso auch Dr. Schläfrig, der mich während meiner Krankheit täglich besuchte.

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