Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1915-06-25 · 26 (25.6.1915) · page 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
32 (1915)
Issue
26 (25.6.1915)
Date
1915-06-25
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/3020846-3022142-3022169--24237-3049476
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Dr. Bkrch's Wochenschrift Seite 47b Nr. 26 Die Kahne der Warschkowpagnie. (Aus Russisch-Polen nach Wien.) Km Februar zog eine Marschkompagnie des In-, fanterieregiments Nr. 49 durch die Obere Donanstraße und wurde vor dem Möbelgeschäfte Julius Philipp vom Sohne Herrn Heinrich Philipp mit einer großen schwarzgelben Fahne mit Bändern in den reichsdeutschen und ungarischen Farben begrüßt, worauf die Soldaten mit lauten Heil- und Hoch-jRufen reagierten. Plötzlich lief der Gefreite Trimmel auf Herrn Philipp zu und ersuchte inständigst um die Fahne zur Mitnahme ins Feld, welchem Wunsche Herr Philipp bereitwilligst entsprach. Anfangs. März erhielt Herr Philipp aus Russisch-Polen, vom Gefreiten Trimmel und noch vierzehn Soldaten unterfertigt, eine Feldpostkarte mit dem Danke für die Mitgabe der Fahne und mit der Versicherung, daß die Fahne an der Front in Ehren gehalten werde. Am 24. Mai erhielt Herr Philipp aus dem Reservespital in Klosterneuburg (N.-Oe.) vom Gefreiten Trimmel eine Karte mit der Mitteilung, er sei verwundet und im vorgenannten Spitale zur Heilung gebracht worden. Die Fahne hatte viele Gefechte in Galizien und die Schlacht bei Miechow in Russisch-Polen durchgemacht und wurde durch mehrere Gewehrschüsse und Schrapnellschüsse beschädigt; auch weist dieselbe mehrere Risse, welche durch Bajonettstiche im Nahkampse entstanden sind, auf. Der Fahnenstock ging in der Schlacht, verloren, auch eines der Fahnenbänder wurde im Kampfe um den Besitz der Fahne beschädigt. In diesem Zustande brachte Herr Trimmel, welcher in allen Kämpfen Träger dieser Fahne gewesen ist, Herrn Philipp dieselbe wieder zurück. Am 15. Juni erhielt Herr Philipp vom k. u. k. Heeresmuseum im Artilleriearsenal Wien, 10. Bezirk, ein längeres Schreiben mit der Anfrage, ob und unter welcher Bedingung er geneigt wäre, die aus' dem Felde der Ehre wieder in seinem Besitz zurückgelangte Fahne dem t u. k. Heeresmuseum zu überlassen. Diese Zuschrift lautet u. a.: „Seien Sie überzeugt, daß die Direktion des k. u. k. HeeresMuseums sich bewußt ist, daß sie Ihnen damit ein neuerliches patriotisches Opfer in jedem Falle zumutet; so sehr die Direktion des k. u. k. Heeresmuseums die Ueberlassung der Fahne begrüßen würde, so liegt es ihr doch durchaus ferne, sie Ihnen irgendwie abnötigen zu wollen. Sie werden aber einsehen, daß es Pflicht des Heeresmuseums' ist, wenn es von derartigen Dingen Kenntnis erhält, ihre Erwerbung anzustreben und' an die patriotischen Empfindungen des Eigentümers zu appellieren." Infolge dieser Zuschrift hat Herr Julius Philipp die sehr interessante Fahne, welche ein stummer Zeuge der todesmutigen Kämpfe des Infanterieregiments 49 in Russisch-Polen war, am 17. Juni dem k. u. k. Heeresmuseum als patriotische Schenkung ohne jede Bedingung übergeben. Ieldpostörief an Lerrn <Leop. Aadach in Wien. Jnniggeliebte Eltern! Hoffentlich habt Ihr w.einen Brief und die Karten erhalten. Bitte, bald zu schreiben. In einem Jnfanterieangriff der Italiener auf uns habe ich, als Kommandant eines Gebirgsgeschützes, im heftigsten Artilleriefeuer dem Feinde großen Schaden zugefügt. Nach Verbrauch der Munition habe ich in schwerem, feindlichen Feuer Befehle überbracht. Ich bin dafür belobt und zur silbernen Tapferkeitsmedaille 1. Klasse eingegeben worden. Hoffentlich erhalte ich sie auch. Die Erledigung dürfte einen Monat dauern. Küsse, F e l i x. Wor dem Aeinde gefallen. Am 16. d. M. ist einer der tüchtigsten Aerzte unserer Armee, Stabsarzt Dr. Jassob Heißfeld, der sich auch in Zivilkreisen großen Ansehens erfreute, in treuer Pflichterfüllung auf dem nördlichen Kriegsschauplätze, durch eine Schrapnellkugel tötlich verletzt, seiner Verwundung erlegen. Mit Kriegsausbruch hatte Dr. Heißseld als Chefarzt die tapferen Warasdiner, bei denen er sowohl von Offizieren, als auch der Mannschaft geschätzt war, nach dem südlichen Kriegsschauplatz begleitet und wurde für sein tapferes und aufopferungsvolles Verhalten vor dem Feinde mit dem Ritterkreuz des Franz Josef-Ordens ausgezeichnet. Eine schmerzgebeugte Witwe und zwei im zarten Alter stehende Kinder trauern - ihm nach. Aus dem Uelde der Khre gefallen. Leutnant Hans Ernst P i ck hat im jugendlichen Alter von 25 Jahren, ausgezeichnet mit dem Signum laudis, am 15. d. M. in der Frühe bei einem Patrouillengange den Heldentod'für sein Vaterland, welches er über alles liebte, erlitten. Vom ersten Mobilisierungstage an im Felde, bereits einmal verwundet, hat der Verblichene mit seltenem Heldenmut und patriotischer Begeisterung auf allen drei Kriegsschauplätzen tapfer und unausgesetzt gekämpft und, nachdem er sich trotz seiner noch nicht geheilten Wunden freiwillig zu Kriegsdiensten auf dem südlichen Kriegsschauplatz gemeldet hatte, ist er nun von einer tötlichen Kugel ereilt worden. Ein ungemein hoffnungsvolles, blühendes, junges Leben, ausgezeichnet mit den schönsten Tugenden des Geistes und des Herzens, hat nun leider allzu früh seinen Abschluß gefunden. Der Verblichene, der trotz seiner Jugend sich auf geschäftlichem Gebiete hervorragend betätigte, hatte zu den schönsten Hoffnungen Berechtigung gegeben, die nun der grausame Tod so jäh und unerwartet zerstörte. Unvergeßlich bleibt er allen jenen, die ihn kannten. Tapfere Sanitätssoldaten. Einjahrig-Freiwilliger Mediziner Korporal Abraham Rappavort kam am *28. Dezember ins Feld. Obwohl er als Mediziner am Hilfsplatz bleiben durfte, leistete er mit seinem Kollegen, Sanitätsunteroffizier Wilderm a n n. freiwillig in der Schwarmlinie den Verwundeten die erste Hilfe, die er mit liebevoller Aufopferung behandelte. Die Hütte, in welcher die Verwundeten versorgt wurden, stand unter heftigem Granatenfeuer, doch Rappavort und Wildermann verließen ihren Posten nicht und hielten dort vier Tage aus'. Erst als das Bataillon abgelöst wurde und sie den Befehl zum Abmarsch erhielten, wurde Rappaport töckich verwundet und ins Spital gebracht. Er und sein Kollege wurden zur großen silbernen Tapferkeitsmedaille vorgeschlagen, doch Ravpaport starb vorher im Spital in Wien am 26. Januar 1915. Die Drangsalierung der Juden und Htunränen in der Bukowina. Ein Bericht aus dem Kriegspresseauartier' gibt der Öffentlichkeit der beiden verbündeten Kaiserreiche, aber auch jener in den neutralen Ländern Kenntnis von den Russengreueln, die in der Bukowina verübt wurden. Neben den Juden, die sich russische Barbarei ja allüberall in Galizien und in der Bukowina, wohin die Kosakenhorden gelangten, zu Lieblingsopfern ausgewählt hat, waren es in der Bukowina namentlich die Rumänen, gegen welche die Russen in unmenschlicher Weise gewütet haben. Der Markt Bojan an der Staatsbahnlinie Czer-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.