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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1915-06-25 · 26 (25.6.1915) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
32 (1915)
Issue
26 (25.6.1915)
Date
1915-06-25
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 474 Nr. 26 - Dr. Blocks Wochenschrift der, Max Erber, Einjahrig-Freiwilliger Mediziner beim k. u. k. Landwehr-Infanterieregiment Nr. 1, ist seit Kriegsbeginn eingerückt, hat den Winterfeldzug vom Dezember bis März in den Karpathen mitgemacht und hat sich als Kommandant einer Sanitätspatrouille ausgezeichnet und bei einem Gefechte am 6. März l. I. bei Schnee und Kälte im größten 'Kugelregen bis au die Laufgräben herangewagt, um den verwundeten Kameraden erste Hilfe zu leisten. In Ausübung seines Berufes wurde er selbst von einer feindlichen Kugel verwundet und mußte sich auf den Hilfsplatz begeben. Für sein heldenmütiges Verhalten wurde er zum Sanitätskadetten ernannt und mit der silbernen Aapferkeitsmedaille dekoriert. Ein dritter Bruder, Otto Erber, macht jetzt seine militärische Ausbildung beim k. u. k. Infanterieregiment Nr. 84 mit. Jüdische AamMen iw Jette. Nathan Brenner aus Kethely (Ungarn) hat vier Söhne auf dem Kriegsschauplätze: Ignatz, 39 Jahre alt, dient bei den Sappeuren; Hermann, 37, Josef, 32, und Alexander, 28 Jahre alt, dienen bei der Honved. Franz Schön, Mitglied der israelitischen Kultusgen, einde in Magocs, hat sieben Söhne und einen Schwiegersohn im Kriege. Gottlieb, Isidor, Bela, Max und Moritz kämpfen auf dem galizischen Kriegsschauplatz, Eduard bei der Marine in Pola, während Karl in Wien dient. Sein Schwiegersohn, Desider Kraus, kämpft auf dem südlichen Kriegsschauplätze bei der Artillerie. Witwe Ignatz Bein, gleichfalls aus Magocs, hat fünf Söhne, und zwar: Max, Edmund, Sigmund, Wilhelm und Aladar, im Kriege stehen. Witwe Ignatz Sch w a r z gab dem Vaterlande gleich bei der allgemeinen Mobilisierung vier Söhne und einen Schwiegersohn als Soldaten. Ihre Söhne, welche den magyarisierten Namen Bo lg ar führen, sind: Arpad, Reservezugsführer, Julius, Ersatzreservist, Ernst, Fähnrich, Alexander, aktiver Zugsführer. Sie dienen alle beim 16. Honved-Jnfanterieregiment, während der Schwiegersohn Desider Braun Reserveartillerist ist. Der Fähnrich Ernst B o l g a r wurde im Oktober von einem Schrapnellschuß schwer verwundet und wegen seiner Heldentaten zum Leutnant befördert. Im Dezember ging er abermals auf den Kriegsschauplatz und hat in vielen Schlachten heldenmütig gekämpft: Der Kaiser verlieh ihm in Anerkennung seiner aufopfernden Dienste das' Militärverdienstkreuz dritter Klasse mit der Kriegsdekoration. Bei dem Durchbruch bei Gorlice wurde er von einer explodierenden Kugel schwer verwundet. Der aktive Zugsführer Alexander Bolgar hat in Galizien an mehreren Schlachten teilgenommen und für sein heldenmütiges Verhalten wurde er zum Feldwebel befördert nnd erhielt die silberne Tapferkeitsmedaille zweiter Klasse. Moritz Eibenschütz hat vier Söhne, welche seit Kriegsbeginn im Felde stehen. Emil, Arzt in Sarvar, brachte es im Felde bis zum Regimentsarzt. Lajos, Gymnasialprofessvr, fand am 2. Mai - bei Gorlice den Heldentod. Die beiden anderen, Bela und Sandor, sind seit August im Felde; der letztere, der Feldpost zugeteilt, wurde vor kurzem mit dem goldenen Verdienstkreuz am Bande des Tapferkeitsordens ausgezeichnet. Dr. Sandor W e l t n e r, Arzt in Papa, steht seit Kriegsbeginn, zurzeit als Oberarzt, im Felde. Es war vor einigen Monaten, an einem heißen Schlachttage, Doktor Weltner war eifrig damit beschäftigt, den vom Kampfplatz kommenden zahlreichen Verwundeten die notwendigste Hilfe angedeihen zu lassen, als zufolge der erdrückenden Mehrheit der Russen unser Militär zurückging und ihm etwa gegen 7 Uhr morgens ein Generälstabsoffizier empfahl, darauf bedacht zu sein, seine Leute und sich in Sicherheit zu bringen, da die Russen sehr rasch Nachfolgen. Dr. Weltner lehnte es ab, weil noch eine große Zahl auch Schwerverwundeter zu sichern waren. Er stellte am Dorfrande Posten auf und erst um 4 Uhr nachmittags, als ihm diese Posten das unmittelbar bevorstehende Einrücken der Russen meldeten, verließ er den Posten. Bis dahin hatte er aber alle Verwundeten der entsprechenden Behandlung zuführen und alle Schwerverwundeten auf requirierten Wagen fortbringen lassen können, so daß kein Mann den Russen in die Hände fiel. Dr. Weltner konnte allerdings nur auf raschem Pferde sich der Gefangennahme entziehen. Vor kurzer Zeit erhielt er für „umsichtiges und tapferes Verhalten vor dem Feinde" das Signum laudis. Iettpostörief des Iettrabbiners Ir. Ludwig Aokinski. Mittwoch, den 16. Juni 1915. Sehr geehrter Herr Doktor! Im Folgenden übersende ich Ihnen die Abschrift einer Karte, die ich heute von einem griechisch-kathoi lischen Geistlichen, einem früheren Kriegskameraden, erhielt. Als Pole ist er der deutschen Sprache nicht ganz mächtig. Es kommt hier aber weniger auf die richtige Schreibweise, als vielmehr auf die rechte menschenfreundliche Gesinnung, die aus den Zeilen spricht, an. Leider können die wenigen Feldrabbiner nicht überall sein, umso erfreulicher ist es, wenn auch der andersgläubige Geistliche' für die kranken und verwundeten jüdischen Soldaten ein Herz hat. Die Karte, von der Sie den Ihnen geeignet erscheinenden Gebrauch machen können, lautet wörtlich: Laskow, am 14. Juni 1915. Lieber Freund! ‘ ' .' Nach fünfmonatlicher Unterbrechung erinnere ich wieder mich. Die alte Liebe zu guten Kameraden rostet nicht und ich hoffe immer noch einmal mit. Ihnen allen zusammen zu sein. Jetzt war ich auf dem zehntägigen Urlaube hei meiner Familie in Ezarna und habe sie alle bei der besten Gesundheit angetroffen. Sie mußte von Russen viel übertragen. Jetzt habe ich eine Bitte. In unserem Spital befinden sich auch kranke Juden. Für alle habe ich etwas zum Lesen . zu geben, besonders Gebetbücher,' für diese Ärmere habe ich gar nichts und tut mir leid. Sei so gut und übersende mir 5 Exemplare jüdische Gebetbücher für Soldaten, Du wirst noch vielleicht haben. Ich bin fest überzeugt, daß Du meiner Bitte nicht entsagen wirst. Unter besten und herzlichsten Grüßen an Dich. und alle Herren verbleibe ich achtungsvoll Peter Czaus. Gleichzeitig bitte ich, in Ihrem geschätzten Blatte meinen Dank für folgende Liebesgaben zu veröffentlichen: An Liebesgaben spendeten: -Herr Oberleutnant Körnitz er (Oberkantor in Hamburg) 20 Kronen zur Anschaffung von Tefilin und Gebetbüchern; Herr Postoffizial Jakob Bodek aus Lemberg 100 Zigaretten; Frauen Malvine;und Flora Grünwald 1 Exemplar ihres Buches „Saatkörner"; die Redaktion des „Frankfurter Israelitischen Farn ilienblattes" 10 Nummern ihres Blattes. Allen Spendern danke ich herzlich im . Namen der verwundeten und kranken Soldaten. Mit ergebensten Grüßen. Feldrabbiner Dr. Ludwig Go lins ki, Feldpost 12.

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