Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 32 (1915)
- Issue
- 25 (18.6.1915)
- Date
- 1915-06-18
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 25 Dr. Bloch's Wochenschrift Seite 457 Kekderrtod des Walers Kgon Klernfetd. Am 9. Juni ist bei Milejowice in Russisch-Polen der in künstlerischen Kreisen trotz seiner Jugend sehrbekannte und geschätzte akademische Maler, Fähnrich d. R. Egon S t e r n f e l d, gefallen. Fähnrich Sternfeld war bei der Mobilisierung zu den Hoch- und Deutschmeistern Nr. 4 als Einjährig- Freiwilliger eingerückt und hat im Verbände des Regimentes durch v o lle JO Monate an 10 Schlachten und 57 Gefechten teilgenommen. Der junge Maler zeichnete sich zu wiederholten Malen durch besondere Tapferkeit und Kaltblütigkeit aus. Als Anerkennung für sein heldenmütiges Verhalten wurde er an seinem Geburtstage zum Fähnrich besä r d e r t, wovon die Offiziere des Regimentes seiner iit Wien lebenden Mutter in einem das tapfere Verhalten des Künstlers besonders anerkennender Schreiben Mitteilung machten. Fähnrich S t e r n s e l d, der gerade in beit nächsten Tagen einen Urlaub hätte antreten sollen, ist nun, wie sein Regiment der Familie meldet, in Rus- -sisch-Polen gefallen. Seine Mutter hat vom Kompagniekommandanten und den Offizieren ein Beileidsschreiben erhalten, in dem es unter anderem heißt: „. . . . Fähnrich d. R. Egon Sternfeld ist in einem von seiner eigenen Kompagnie gemachten Einzelgrabe, das zum Schutze umfriedet und mit Blumen geschmückt ist, zur letzten Ruhe bestattet worden. Obgleich wir wissen, daß es ein Trösten in diesem schweren Leiöe für Sie, gnädige Frau, nicht gibt, so wollen gnädige Frau die Versicherung entgegennehmen, daß wir alle, Offiziere und Mannsch aft, um unseren lieben, braveu uud Helden m ütigen Kamerade n, der uns a l l e n innig ansHerz gewachsen und uns ein wirklich e ch t e r Kriegskamerad w a r, tief trauern und i h m e i n st e t e s G e d e n k e n w e i h e n w e r d en. Trost, gnädige Frau, rnag Ihnen das eine sein, daß Ihr heldenmütiger Sohn nicht gelitten hat' sein Tod war schmerzlos und augenblicklich. . . ." Maler Egon Sternfeld stand erst im 25. Lebensjahre und hatte besonders auf dem Gebiete der Karikatur einen klangvollen Namen. Sein schöpferisches Talent und die individuelle Art seiner Kunst berechtigten zu den schönsten Hoffnungen. Egon Sternfeld war nicht nur ein treuer Soldat seines Regimentes, sondern auch ein treuer und anhänglicher Sohn seiner Familie und seines jüdischen Volkes. Schon als Student der Akademie der bildenden Künste schloß er sich der jung-jüdischen Bewegung au und erfreute sich wegen seines liebenswürdigen und immer heiteren, von originellem Humor erfüllten Wesens großer Liebe bei seinen Freunden. Zu wiederholten Malen stellte er sich uneigennützig als Künstler in den Dienst der jüdischen Sache und wer jemals Gelegenheit gehabt hatte, das vielseitige Talent des junaen Künstlers bei Veranstaltungen der jüdischen akademischen Verbindung „Unitas" zu bewundern, wird sicherlich seinen frühen Heimgang mit seiner Familie und seinen vielen Freunden aufrichtig beklagen und dem jungen Helden, der, wo er verkehrte, durch seine sympathisch heitere Art Frohsinn und Heiterkeit zu verbreiten wußte, ein ehrendes Andenken bewahren. Dr. War HlappaporL. Am 6. Juni fiel auf dem Felde der Ehre Leutnant des k. u. k. Infanterieregiments Nr. <80 Mar R a v v aport: als er seine Kompagnie zum Sturme gegen die vordringenden Russen führte, 'traf ihn eine feindliche Kugel, die ihn tätlich verletzte. Leutnant Rapvaport war seit Kriegsbeginn im Felde und erwarb sich durch seine Tapferkeit, vor allem aber durch seine Herzensgüte die Liebe der unterstehenden Soldaten wie der Vorgesetzten Offiziere. Im Zivilleben war er Richter und der Gerechtigkeitssinn zeichnete ihn besonders aus. Ein treuer Bekenner des Judentums, führte er immer die jüdische Mannschaft zum Gottesdienste und lehrte sie stramme Disziplin mit wahrer Frömmigkeit verbinden — er suchte sie zu erziehen und sie folgten jedem seiner Worte. An seiner Bahre fanden sich auch viele ein, die in ihm einen treuen Kameraden oder klugen Berater verloren haben. Er fand die ewige Ruhe in der Heldenreihe der gefallenen Soldaten am jüd. Friedhofe in L. Warme Nachrufe hielten Rabbinatsassessor Samuel Birnbaum in L. und Feldrabbiner Prof. Dr. Meier- Tauber, die die Tapferkeit und die jüdische Gesinnung des gefallenen Helden hervorhoben. Ehre seinem Andenken! In der Gefangenschaft gelloröen. Der k. u. k. Leutnant i. R. Herr Hugo Schles i n g e r ist bald nach Beginn des Krieges auf den russischen Schlachtfeldern schwerverwundet und gefangengenommen worden. Nach mehreren Monaten ist er an der Verletzung im Spital zu Moskau gestorben. Der 'Verblichene war ul Kr.-Kuntschitz geboren, besuchte die isr. Volksschule in Friede? und maturierte an der Realschule in Teschen. Zuletzt war er Beamter der Anglobank in Wien. Ehre seinem Andenken! Joses Jürst. Vor wenigen Wochen zog er hinaus in den heiligen Kampf fürs Vaterland, siegesfroh und zuversichtlichen Herzens. In der Nacht des heiligen Schewou-Festes, wo alle Gläubigen in andächtigem Gebete die Nacht durchwachten, wurde er anläßlich eines Sturmangriffes bei Strch tätlich verwundet. Im Lazarette in Ungwar erlag er seiner Halswunde und wurde von der dortigen Chewra-Kadischa am 27. Mai in großen Ehren zu Grabe getragen. Josef Fürst war Seidenhändler in Wien, ein hervorragendes Mitglied der Schifsschulgemeinde, talmudisch gebildet, gesetzestreu, edel, wohltätig, gepaart mit innigster Vaterlandsliebe. Im Alter von erst 30 Jahren mußte er seine irdische Laufbahn beenden, wo er so segensreich wirkte. Seine junge Frau, die Tochter des Rabbiners S ch w e i g e r aus Tapolesavy, und zwei kleine Kinderchen betrauern tief den Hintritt dieses Edlen. Er war der Neffe des Kommerzialrates Mar S ch w e i g e r und des kaiserlichen Rates Alois Schweiger. Möge der große Tröster seine tiefgebeugte Familie trösten. (höerkeutnanl Theodor Sein. Neiititschein. Lin schweres Opfer hat der gewaltige Krieg von einer geachteten Familie unserer Stadt gefordert. Am 3. ds. fiel in den Karpathen während des siegreichen Durchbruches unserer ruhmvollen Armee gegen den tückischen Feind unser wackerer Landsmann Herr Oberleutnant Theodor Hein, Adjunkt der k. k. Staatsbahn in Oderberg. Als Kommandant an der Spitze seiner Truppe tapfer vordringend, ereilte ihn das mörderische Feindesgeschotz, nachdem er ununterbrochen vier Monate hindurch in den Karpathen mit seiner Mannschaft die Mühsalen des Winters, die Gefahren des Feldzuges teilte. Erschütternd sind die wehmuts- und zugleich trostvollen Zeilen, die der treue Diener des gefallenen Helden namens Franz Camay an den greisen Vater richtete, der selbst ein alter, vielfach belobter Krieger ist, wie er den Helden während seines zweitägigen Leidens treu gepflegt, für ärztliche Hilfe gesorgt, dessen letzte Grütze an Gattin, Eltern, Freunde entgegennahm und in dienender Liebe sein Heldengrab sicherte. Dieser Brief in seiner schlichten und darum so erschütternden Sprache bietet ein erhebendes Dokument aufopferungsvoller Soldatentreue unseres gefallenen Helden für das geliebte Vaterland. Der sie bekundete, war ein edler, herzensguter Mensch, ein biederer Cha-