Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 32 (1915)
- Issue
- 24 (11.6.1915)
- Date
- 1915-06-11
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3020846-3022142-3022167--24210-3049447- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 450 Nr. 24 Dr. Bloch's Wochenschrift Seine hohen Bürgertugenden offenbarten sich auch auf dem Gebiete der Wohlfahrtspflege und werktätigen Nächstenliebe. Seine freudige Opferwilligkeit, sein vorbildlich jüdisches Herz hilfsbedürftigen Glaubensgenossen gegenüber, seine stete Bereitwilligkeit in Unterstützung notwendiger Hilfsaktionen jedweder Art verliehen ihm in natürlicher Folgerung, seiner Persönlichkeit die Würden, die er, wie in der Geschäftswelt als alterfahrener, grundsolider Fachmann und Sachverständiger, auch als Vorsteher der israelitischen Kultusgemeinde in Auscha in öffentlich gemeinnützigen Angelegenheiten, in der Gesellschaft und insbesondere auch als Familienvater genoß. Die nach Ueberführung der Leiche von Prag nach Auscha, dem Wohnort und ddr Stätte seiner langjährigen Wirksamkeit und Erfolge, am 25. Mai 1915 stattgefundene Beerdigungsfeierlichkeit führt am sprechendsten vor Augen, welche Wertschätzung der Verstorbene in allen Schichten der Gesellschaft, der Gemeinde, Behörden und vieler Körperschaften als Mensch, Geschäftsmann, Bürger, Kultusgemeindevorsteher, ehrwürdiges Haupt seiner weitverzweigten, hochgeachteten Familie, sowie als Freund gesunden. Zum Leichenbegängnis erschienen der Bürgermeister von Auscha mit der Stadtvertretung, die Vertreter der Gerichts-, Zivil- und Schulbehörden, der israelitischen Kultusgemeinden von Leitmeritz, Lobositz, B.-Leipa und des Nächstenliebevereines „B'nai B'rith", Prag, welchen sich eine unabsehbare Menge leidtragender Anteilnehmer der Stadtbcvölkerung, wie von nah und fern, anschloß. Im ganz in Schwarz dekorierten Tempel sprach Rabbiner Stulz einige tiefempfundene Abschiedsworte, woraus die irdischen Ueberreste des Verblichenen nach dem im Frühlingsschmuck prangenden Bergsriedhof, von dem man Auscha überblickt, in feierlichem Zuge überführt wurden. Die am Grabe allen tief zum Herzen gehende Rede des Rabbiners Jakob Stulz gab treffend des Toten Lebensbild und Charakter wieder und gab dem stillen Gram und Schluchzen die Weihe des versöhnenden Glaubens. Als Freund und Vertreter der Auschaer Kultusgemcinde sprach Dr. med. Stein warme, herzliche Worte der Dankbarkeit und unvergessenen Verdienste, die der Verewigte sich erworben; Herr Haas, als Repräsentant des B'nai B'rith"-Vereincs, würdigte ihn in ergreifender Weise als Wohltäter und Kantor Erzberg aus Leitmeritz verrichtete die Trauergebete. Menschen, deren Erdcnspuren nie verwischen, sterben nicht mrd der Tod ist der ewigen Liebe Meisterstück. Wer weiß? Berl Bergmann, Infanterieregiment Nr. 30, aus Gurahomora, derzeit Notspitat Gymnasium Olmütz, 12 L, sucht seinen Vater Eisig Bergmann aus Gurahomora, Bukowina. Sarah Freilich aus Skole wird gesucht von ihrem Bruder Chaim Freilich, Wien, 7. Bez., Mariahilferstraße 24, Stistskaserne, HI. Abteilung, 4. Stock, Zimmer 133, Bett 7. Feuilleton. ,.A« jene« Pessach Abend" (Historische Untersuchungen). Vortrag, gehalten am 31.- März 1912 (am zweiten Pessach-Tage) im Festsaale des „Hotel Post" in Wien, über Einladung des Vereines zur Abwehr des Antisemitismus. Von Prof. Dr. Majer Balaban. Der Vorsitzende, Oberinspektor Engel, knüpfte zunächst in seiner Bcgrützungsansprache an die am 30. Oktober 1913 vom Verein zur Abwehr des Antisemitismus veranstaltete &■ öffentliche Protestversammlung gegen das von moskowitischen Hetzern begangene schamlose Verbrechen der Ritualmordbeschuldigung an und bemerkte, daß wohl niemand damals ahnen mochte, daß kaum drei Vierteljahre später die furchtbarste Heimsuchung,. der tückisch vorbereitete Wellbrand über uns, über die ganze zivilisierte Welt hereinbrechen könnte, wodurch alles durchschüttert, alles in Frage gestellt erscheint, was irgendwie bisher als Lulturerrungenschaft in Betracht kam. Aehnlich wie in den finstersten Tagen des Mittelalters beherrschen wieder einige Agitatoren mittels Massensuggestion Millionen und Abermillionen von unglücklichen, verblendeten Menschen — eine wahre Epidemie des Hasses, welcher keine Vernunftsgründe, keine Moral beikommen könne, verbreite sich über ganze Weltteile. — immer wieder neuen Haß, neue Erbitterung zeugend, mit sinnloser Vernichtung mühsam ausgebauter Werke im Gefolge und in rauchende Ruinen, grausige Friedhöfe, die zahllosen Stätten früheren Wohlstandes, fleißiger Arbeit verwandelnd! Nach einer warmen Erinnerung an den am 19. Jänner 1915, kurz vor Eintritt in sein 91. Lebensjahr verblichenen, verdienstvollen Präsidenten des Vereines, Universitätsprofcssor und Militär- Superintendanten Dr. I. Szeberiny, einen echten Priestee, wie es deren wenige gibt, begann sodann Pros. Dr. Majer B al a b a n seinen früher von der Polizei untersagten Vortrag, unter dem vielsagenden Titel „An jenem Pessach-Abend", wie folgt: An jenem Pessach-Abend, da ging ein Rummel über die Straßen Aegyptens, gepackt und marschbereit, „die Lenden umgürtet, an den Füßen die Sandalen und den Ttock in der Hand," stand Israel da. Es sollte aus dem Lande der Sklaverei ziehen, weit über die syrische Wüste in ein fremdes, unbekanntes Land. Und hell lvar es in den Häusern Judas, aber finster in den Wohnsitzen Mizraiins, denn der Todesengel schritt ihre Reihen ab und mähte die Erstgeborenen — „vom Sohne Pharaos der auf dem Throne saß, bis zum Erstgeborenen der Sklavin — in dem unterirdischen, lichtlosen Keller". Ob der Tod die Sense oder die Fackel trug, das melden die Urkunden der Bibel nicht, eines erfahren wir ans ihnen, daß er die Häuser der Israeliten mied, da alle an den Pfosten mit Blutflecken des Osterlammes bezeichnet waren. „Und das Blut soll euch zur Erinnerung sein!" sagt die Bibel. Und Israel nahm alle Erinnerungen auf den Weg mit und zog mit ihnen weit, sehr weit von dannen. Und es gründete nach 40 jähriger Wüstenwanderung sein Reich in Palästina 'und alljährlich im Monat Abibh, wenn die Regenzeit vorbei war und der Feigenbaum seine Blüten ließ, feierte es das Fest der Ueberschreitung der Judenhäuser, das Fest der ungesäuerten Brote und bitteren Kräuter, Zugleich aber das Fest der Befreiung und Freiheit. I. Und das Rad der Geschichte wälzte sich in schnellem Laufe und nach vielen Jahrhunderten verlor Israel sein Reich und ging in die babylonische Gefangenschaft. Es kehrte abermals heim, gründete abermals einen Staat und verlor ihn im Jahre 70 nach Ehr. Geburt, als die Zähne der römischen Wölfin tief in seinen Leib bissen und ihre Nägel sich in seine Sehnen blutig hineingruben. So fiel der jüdische Staat und es verflossen kaum 62 Jahre, als der Gedanke der Erlösung Israels wieder sich regte; das römische Joch lastete zu schwer am Nacken des unglücklichen Volkes, als daß cs fernerhin getragen werden könnte. Und es war an jenem Pessach-Abend des Jahres 132, als Hadrian auf dem Throne Roms saß, da versammelten sich in dem simplen Hause R. Akibas in Bnei Brak in Galiläa die großen Lehrer jener Zeit: R. Eiicser, R. Josua, R. Eleaser ff. Asaria, R. Tarfan, um zusammen mit dem gastlichen Wirte den Pessach-Abend zu feiern und über eine sehr wichtige Frage ihre Entscheidung