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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1915-06-11 · 24 (11.6.1915) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
32 (1915)
Issue
24 (11.6.1915)
Date
1915-06-11
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr 24 Dr. Bloch's Wochenschrift §ene 447 aufspielte, die eine arme, Heimat- und erwerbslose Frau mit einigen Hellern beschenkten. Dieser Skandal mußte, wie er sich selbst ausdrückte, abgestellt werden. Wir werden des Staunens nicht müde, welcher Frevel in einer Zeit begangen wird, da Nächstenliebe 'und Menschlichkeit Triumphe feiern, da Tausende Haus und Heim den Interessen des Vaterlandes opfern, da Streit und Parteieuhaß im Toben des Krieges verstummen. Während das heilige Ziel, Not und Elend zu lindern, die Menschen eint, und versöhnt, vertreibt sich einer, der frei von Sorgen ist, die Zeit mit frivolen Späßen. Wir wollen nicht prüfen, ob wahr oder unwahr sei, was die Angeklagte zur Entschuldigung sagte, ob sie sich nach der Flüchtlingszentrale erkundigt oder wirklich gebettelt habe: der gütige Richter sprach sie ja frei. Nicht ohne zu erwähnen, daß er den Worten des Verteidigers, der das Vorgehen des Anzeigers richtig gewürdigt hatte, nichts hinzufügen wolle. Eine unscheinbare Einzelheit des gerichtlichen Verfahrens, eine einzige Aussage enthüllt den seelischen Jammer des Anzeigers vollends. Auf die Frage des Richters, ,ob er selbst angebettelt worden sei, schämte er sich nicht, zu erwidern: „Nein, ich hätte ihr auch nichts gegeben . . Welch' unerhörte Zumutung, einen Flüchtling beschenkt zu Haben, der in glücklicheren Tagen selbst manche Träne getrocknet hatte. Das mußte angenagelt werden. Nein, den Verdacht, menschlich zu empfinden, konnte er nicht auf sich ruhen lassen. Der mußte abgeschüttelt werden. Wieder einmal hat sich der Kläger in den Angeklagten verwandelt. Die Bosheit eines Sonderlings, der sich des gekränkten Rechtes anzunehmen glaubt, indem er eine hilflose Frau vor Gericht zerrt, wird öffentlich an den Pranger gestellt. Daß dieser Fall vereinzelt bleibe, baß sich die Menschen in kummervollen Tagen ihrer wahren Pflichten bewußt werden, ist die Hoffnung, die wir an das Abenteuer der armen Flüchtlingsfrau knüpfen. Paul Gräber. patriotische Knndgeörmg der KLüchttirrge in Brünn. Die Kunde von der Einnahme Przemysl's hat ungeheuere patriotische Begeisterung und unsagbare Freude bei den hiesigen jüdischen Flüchtlingen hervorgerufen. Mar schon die Freude infolge des Siegeszuges unserer ruhmreichen Armee in Galizien sehr groß, vermehrte sie sich jetzt viel mehr und hat Donnerstag bei der Nachricht von der Wiedereroberung Przemysl's ihren Kulminationspunkt erreicht. Unzählige Scharen jüdischer, galizischer Flüchtlinge nahmen an der Donnerstag, den 3. Juni 1915, um ll/.2 Uhr abends, stattgefundenen patriotischen Manifestation teil. Die Manifestanten versammelten sich am Krautmarkte, die mit Fackeln und Lampionen versehen und in drei Gruppen eingeteilt waren. Die erste Gruppe bildeten die deutschen Jungschützen, die zweite die Feuerwehrabtejsung und die dritte die Flüchtlinge. Letztere trugen schwarz-gelbe und jüdisch-nationale Fahnen, Fackeln und mehrere Lampione. Der tausendköpfige Zug, an dem die jüdischen Flüchtlinge ohne Unterschied des Alters, Standes und Geschlechtes in der' traditionellen Kleidungsart teilnahmey, bot dem Zuschauer ein imposantes, ergreifendes Bild. Greise und junge Leute, Frauen und Mädchen, die durch die Feindesinvasion aus ihrem Heim And Land vertrieben worden sind, und welche seit Monaten und Machen die Stunde zur Rückkehr mit Ungeduld erwarten, alle zusammen haben ihren treuen patriotischen Gefühlen aus dieser Weise Ausdruck verliehen. Die Manifestation der jüdischen Flüchtlinge hat alle Erwartungen überstiegen. In schön geordneten Viererreihen marschierte der Zug der Flüchtlinge, wo die Volkshymne nebst anderen patriotischen, sowie auch jüdischen Liedern gesungen worden sind. Vor der hiesigen Statthalterei, vor dem Gebäude des hiesigen Bürgermeisters, des Stadtkommandos und des deutschen Konsulates blieb der Fackelzug stehen. Ueberall, wo der jüdische Zug vorüberschritt, bildete er den Gegenstand stürmischer Ovationen und lebhaften jubelnden Beifalls. Man hörte auch seitens der Bevölkerung Zurufe: „Es leben die Juden", „Hoch Galizien" usw. usw. -Wie oft wurden Bemerkungen gemacht, die auf die Juden hindeuteten, z. B.: „Diese Leute haben vieles gelitten und sind wegen ihres Patriotismus der höchsten Bewunderung wert." Der Zug ging in tadelloser Ordnung, dank der -energischen organisatorischen Führung Einiger junger Leute, der Herren Drucker aus Lancut, Sperling aus Przemysl und Jakobovicz aus Sanok. Nachts, um IO1/? Uhr, als der Zug am Krautmarkte zurück angelangt ist, ergriff der Obmann der Jungschützen sein Abschiedswort, indem er das patriotische Verhalten der jüdischen Flüchtlinge belobend anerkannte, worauf der Zug sich trennte. Der patriotische Zug der Flüchtlinge hinterließ einen mächtigen Eindruck in der Stadt. Anläßlich der Wiedereroberung Przemysl's fand Samstag früh um 9 Uhr im Betlokale, Adlergasse 12, ein Bittgottesdienst statt, den der berühmte Kantor aus Lemberg Scharr veranstaltete. Zum Schlüsse wurde die Volkshymne gesungen. Fisch. Asch. (Flüchtlingselend.) In der westböhmischen Stadt Asch und Umgebung sind die israelitischen Flüchtlinge bis auf 1460 angewachsen. In der Stadt sind sie teils in gemieteten Wohnungen, teils in zwei von der Regierung erbauten Baracken und in einem vom hiesigen Apotheker Herrn I u st für die Flüchtlinge zur Verfügung gestellten Hause untergebracht. Auf energisches Betreiben der hochedlen Herren Bezirkshauptmann Hirsch und Kommissär Dr. Schwarz ist es gelungen, im Vereine mit der hiesigen jüdischen Familie Reich! durch die Regierung für jeden Flüchtling Schuhe, Kleider, Wäsche und andere Utensilien neu anzuschassen, so daß alle damit beteilt wurden. Ueberhaupt hat sich die Familie Reich! für die unglücklichen Flüchtlinge sehr verdient gemacht. So Herr Philipp R e i ch l, wie seine edle .Frau Jda und deren Neffe Hugo Hermann haben sich eines der schönsten Blätter in der Geschichte der israelitischen Flüchtlinge in Asch und Umgebung geschaffen. Mit allen Fasern ihrer edlen Seelen trachten sie den Unglücklichen zu Helsen. Ihre aufopfernde Tätigkeit, ihre unbeschränkte Güte und Treue, ihre edlen Werke der Nächstenliebe, welche sie den Flüchtlingen erweisen, wollen wir.hoffen, wird ihnen nachhaltigen Segen und viel Gutes bringen. Aber was kann eine Familie für so viele Unglücklichen tun, wenn keine Kultusgemeinde, ja sogar kein Hilfskomitee sich mit ihnen interessiere? Die Lage der hiesigen Flüchtlinge ist sehr traurig, sie sind die einzigen, welche von der gesamten jüdischen Gesellschaft isoliert und vergessen sind. Nur sechs jüdische Familien zählt Asch. Die dortigen haben kein Bethaus und gehören zur Franzensbader Kultusgememde. Nicht nur vor materieller Not haben die Unglücklichen keinen einzigen Schutz, aber auch auf die religiösen Bedenken derselben wird keine Rücksicht genommen. Es gibt zwar in Asch ein Wannenbad, gber für die Flüchtlinge ist der Eintritt verboten. Viele, ja sehr viele Flüchtlinge sind nicht imstande mit 35 Kreuzern täglich auszukommen, destoweniger noch für Reisespesen nach Franzensbad, um dort zu baden. Sogar zu religiösen Zwecken können sie kein Bad genießen. Traurig sind die hygienischen Verhältnisse, aber noch trauriger die Ernährung dieses Volkes. Kartoffel und Pflanzenfett bilden ihre tägliche Nährung. Die hiesigen Flüchtlinge sind streng Gläubige, welche in Bezug aus Speisen strengste religiöse Observanz beobachten. Fleisch, Butter und Milch haben diese schon monatelang nicht gegessen, meistens aber. armutshalber. Sogar Brot ist für diese Leute zu teuer? Deshalb sind die hiesigen Flüchtlinge — wie es richtig und sehr trefflich Dr. Med. K a tz, Stadtarzt, gesagt hat — zu physischen Krüppeln geworden. Sogar die Wöchnerinnen, welche ihre Kinder stillen müssen, haben nicht so viel, um etwas Milch zu kaufen. Es wäre .sehr erwünscht, daß alle edlen Menschen, rasch und ausgiebig. als nur möglich, diese Elenden unterstützen. Die Wohltäter, welche schon so vielen Flüchtlingen Hilfe gegen die ärgste Not geboten haben, mögen sich auch der Ascher erbarmen. Die unglücklichen Flüchtlinge des Ascher Bezirkes wenden sich an alle edelfühlenden Herzen mit der großen Bitte, Spenden, die in den Blättern ausgewiesen werden, an den Großfabrikanten Herrn Philipp R e i ch l in Asch gütigst überweisen zu wollen. Vermischtes. Jüdische Lesehalle in Wien. Jur die zu gründende Lesehalle von Redakteur Josef Schwartz, Bonyhad, zu. Händen des Herrn Rabbiner Dr. G r u n w a l d 4 (Hr^lnplare von E. Ch. Deutsch, „Siach hassadeh". Für das k. u. k. Rekonoaleszentenhaus in Tifchnowitz unter der Verwaltung des Vereines „Ferienheim" sind uns zugekommen: I. Schreiber u. Neffen 60 Krügelgläser, 2 Tintenfässer, 12 gewöhnliche Tintenfässer; Dr. A. Oetker 50 Päckchen Backpulver; Bader u. Klein 18 Dutzend Socken, 5 Dutzend Bauchbinden; Adolf Nussenblatt 2 Dutzend Bauchbinden; Julie von Jnwald durch Frau Prof. Alt Gläser, Schüsseln, Aufsätze; Georg Schicht 25 Kilogramm S^ife; Karoline Brünn-Rothberger 2 Polster, 1 Fußkissen, Spielkarten; Apotheker M. Korwill 30 Kilogramm Desinfektionsmittel; Emmy Wolfs 6 Paar Socken; Erna Pekarek 500 Zigaretten; Helene Richter 1000 Zigaretten; Frau Dozent Elise Richter 50 Kronen.

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