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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1915-06-11 · 24 (11.6.1915) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
32 (1915)
Issue
24 (11.6.1915)
Date
1915-06-11
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 442 Nr. 24 Dr. Bloch's Juden in den Kanzleien. Der Freiwillige Dr. I. W. schreibt dem „Egyenlöseg": Ununterbrochen wird darüber gesprochen, daß die Kanzleien im Hinterlande mit Inden überfüllt seien. Ich glaube nicht, daß derjenige, welcher mit dieser neuen Blutbeschuldigung hervorzutreten wagt, jemals eine Militärkanzlei gesehen hat. Es muß-zugegeben werden, daß in den Kanzleien auch Inden sind. Wer jedoch die Verhältnisse kennt, weiß, daß unter den gegenwärtigen Verhältnissen schon deshalb nicht zuviel Inden dort sind, denn kaum setzen sie ihren Fuß in eine solche Kanzlei, so tauchen gegen sie die Anzeigen hausenweise auf, so daß die Kommandanten, um mit solchen Anzeigen nichts Zu tun zu haben, wenn nicht wirklich ein Fall von Unentbehrlichkeit vorliegt, hauptsächlich die Juden zu präterieren gezwungen sind. Ich selbst habe in den Militärkanzleien dreier Regimenter eine Statistik angefertigt, welche ergab, daß von insgesamt 84 Schreibkräften 11 Juden waren. Hierbei ist zu bemerken, daß es sich um solche Regimenter handelt, in denen die Zahl der Juden eine sehr große ist. fZu diesem Kapitel gehört auch eine andere Mitteilung, welche der staatliche Lehrer Armin Berliner, Freiwilliger im 85. Infanterieregiment, dem genannten Blatte vom nördlichen Kriegsschauplatz macht: Ich teile der geehrten Redaktion mit, daß mit der am 10. April aus Balasse-Gyarmat abgegangenen 0. Marschkompagnie 350 ungarische Juden gekommen sind, und daß wir alle an der Front sind. Weder irr der Küche noch sonsltvo außerhalb der Front ist auch nur ein Jude. Trotzdem ich als Lehrer enthoben bin, habe ich nrich freiwillig gemeldet und bin an die Front gegangen. Kntturbegriffe eines ungarischen Aniversttätsprofeffors. Das Munizipium von Klausenburg hat über Antrag des Universitätsprosessors Dr. Stefan Äpathy an die ungarische Regierung ein Memorandum gerichtet, in welchem die Regierung aufgefordert wird, gegenüber den aalizischen Flüchtlingen „mit der von der Humanität erlaubten größten Strenge" vorzugehen, und hat dieses Memorandum behufs Zustimmung und Unterstützung an sämtliche Munizipien des Landes übermittelt. Das Munizipium der Stadt Großwardein hat sich nun in seiner letzten Sitzung mit diesem Memorandum befaßt, und während der Magistrat einfach den Uebergang zur Tagesordnung beantragte, hat der Obergespau Endre H l a t k y unter Zustimmung der Mitglieder der Generalversammlung seinem Entsetzen über die unverständliche Stellungnahme der Stadt Klausenburg Ausdruck verliehen, welche solche Menschen treffen will, die am meisten verloren haben und infolge des Krieges heimatlos geworden sind. Der Obergespan erklärte, daß die Bukowinaer und galizischen Flüchtlinge Mitleid und Hilfe, und ausgiebige Unterstützung verdienen, und daß das Klausenburger Rundschreiben einen Faustschlag gegen das menschliche Mitgefühl bedeute. Die Generalversammlung der Stadt Großwardein ist über dieses famose Reskript natürlich zur Tagesordnung übergegangen. Die griechischen Kartawentsrvahten und die Juden von Saloniki. Dem Konftantinopler Blatte „La Turquie" wird aus Saloniki geschrieben: Die Juden von Saloniki befinden sich angesichts der zwei großen politischen Parteien, der Gunaristen und Venizelolisten, welche um die Majorität im künf- Wochenschrist tigen griechischen Parlamente einen erbitterten Kampf führen, in einer sehr heiklen Lage. Bekanntlich ist die Zahl der Juden in Saloniki eine sehr große und ihre Hinneigung zu der einen oder anderen Partei wäre für die Wahl des Deputierten in dieser Stadt ausschlaggebend. Die Zahl der jüdischen Wähler in Saloniki ist durchaus kein mißzuachtender Faktor, und es ist daher mit zu begreiflich, daß sowohl die Regierungspartei als auch die Liberalen alle möglichen Anstrengungen machen und jedes Mittel anwenden, um die Juden auf ihre Seite zu bringen. Sowohl in dem politischen Klub als auch in den politischen Blättern von Saloniki und Athen wird daher mit wahrem Fiebercifer die Frage ventiliert, wem wohl die Juden ihre Stimme geben werden. Es fehlen natürlich weder wohlmeinende Hinweise noch dringende Ratschläge und ebensowenig versteckte und offene Drohungen, um die Juden zur Stellungnahme zu veranlassen. Für Wahlzwecke ist, wie man sieht, auch in Griechenland jedes Mittel heilig und zwischendurch häufen sich die immer dringender werdenden Lockrufe und Drohungen gegen die Juden und die öffentlichen Dementis der Letzteren. Unterdessen hat der Rat der Judengemeinde von Saloniki ein großes Wahlkollegium gegründet, welchem Delegierte aller jüdischen Klubs und Gesellschaften angehörcn. Dieses Wahlkollegium ist nunmehr allein berechtigt, im Namen der Judcnschaft von Saloniki jöffentlich aufzutreten und Erklärungen abzugeben. Eine solche Kommission hat schon anläßlich der letzten Parlamentswahlen bestanden und wurde nun wieder reaktiviert. Eine endgiltige Stellungnahme zu den gegenwärtigen Wahlen hat diese Kommission bisher noch nicht beschlossen. Kirchliche Dankgottesdienste für einen Juden. Der bekannte Großindustrielle Ferdinand Wolfner de Ujpest ist dieser Tage auf wundervolle Weise bei einem schweren Automobilunfall mit heiler Haut davongekommen. Aus Anlaß dieser glücklichen Rettung des allgemein geachteten Großindustriellen und Förderers zahlreicher Institute wurden in den Neupester katholischen und reformierten Kirchen Dankgottesdienste abgehalten. Korrespondenzen. Die Hilfsaktion für Palästina! Sämtliche Spenden, die auf Grund des in der vorangehenden Nummer der „Oesterreichischen Wochenschrift“ veröffentlichten Aufrufes für die Hilfsbedürftigen in Palästina bestimmt werden, sind an das Bankhaus S. M. v. Rothschild Wien, l., Renngasse 3 zu senden. Beträge, die der dauernden Versorgung'von Auswandernden und dem Wiederaufbau von ruinierten Existenzen dienen sollen, sind mit dem Vermerk Konto Zentral-Hilfsfonds f. P. zu versehen. Spenden, die für die sofortige Unterstützung der in Not geratenen Glaubensgenossen österr. Ursprungs in Palästina versendet werden sollen, müssen den Vermerk Konto Hilfskommission 1915 tragen.

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