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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1915-06-11 · 24 (11.6.1915) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
32 (1915)
Issue
24 (11.6.1915)
Date
1915-06-11
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 24 Dr. Bloch's nen Juden, die von den Russen niedergemacht und in Löchern verscharrt worden waren. Nach dem Einmarsch der Deutschen wurden die Leichen ausgegraben und in Kierniocia beigesetzt, wo ihre Gräber in ihrer stummen Sprache erschütternde Anklage erheben gegen russisches Barbarentum. — In Glowno wurden im November alle jüdischen Läden geplündert, die Juden mißhandelt und der Feldscher Abram Rosenberg mit seinen beiden Söhnen verhaftet. Der Rabbiner begab sich mit dem polnischen Ortsgeistlichen zum Kommandanten, um sich für die Verhafteten zu verwenden. Dieser wies ihn ab mit den Worten: „Wir wissen, was Ihr Juden mit den Deutschen tut; Ihr geht Ihnen entgegen und behandelt sie wie Gäste." Nach einer halben Stunde war der alte Rosenberg tot, was mit seinen Söhnen geschehen ist, weiß man nicht. In Gombin, wo der Kommandant sich mit den Worten rühmte: „Mein Gericht ist nicht gerecht, aber s ch n e l l",. wurde Ende November ein junger Mann namens Z e l o n k a in der Stadt e r s ch o s s e n, drei andere, der 30jährige Klempner Holzmann, der 22 jährige Schneidergeselle Woidislawski und der 40 jährige Lastträger Wien groß wurden verhaftet, auf dem Rückzug nlitgeschleppt und unterwegs getötet. — Auf der Straße von Plock nach Bocanow fuhren zwei Juden. Unterwegs begegneten ihnen die Russen, sie wurden verhaftet, drei Tage hindurch mißhandelt mtb schließlich bei Bocanow aufgehängt. Auf dem Wege von Bolkow nach Sloczew wurden ein jüdischer Handelsgehilfe und ein Selig Lachs aus Bolkow aufgegriffen und getötet. Sechs jüdische Kaufleute aus Sulijow hatten in Dobrzylin Zucker gekauft und wollten ihn aus ihren Wagen nach Hause fahren. Sie sind nicht z u r ü ck g e k e h r t, auf dem Friedhof in Lowicz liegen sie begraben. Die Russen haben sie unterwegs getötet. In Sloczew wurde der Jude Helfant auf dem Hofe des Hausbesitzers K e m p i n s k i a u f g e h ä n g t. weil er den Deutschen Proviant geliefert hatte. — In Lodz wurde Abram Simche Kohan an einem Freitagabend aus dem Kreise seiner Frau und zehn Kinder, fortgeschleppl und getötet, weil er angeblich das Telephon beschädigt hatte. Steigender Antisemitismus in England. Professor Gotthard Deutsch schreibt im „American Jsraelite": „Die Zahl der Juden, welche sich freiwillig in die englische Armee melden, ist in steter Zunahme begriffen. Als typisch für den Patriotismus der englischen Juden mag erwähnt werden, daß die Jews Free- School bis vor kurzem 274 ihrer Absolventen festgestellt hat, welche in den Reihen der englischen Armee kämpfen. Der jüngste Soldat, 'Josef R o s e n b l u m. ist bloß dreizehneinhalb Jahre alt. Er benützte den Umstand. daß er so stark entwickelt ist, daß man ihn für sechzehn Jahre alt ansehen konnte. Als sein wirkliches Alter bekannt wurde, schickte man ihn heim, doch der Junge brannte abermals durch und meldete sich unter falschem Namen neuerdings zur Fahne. Um so niederdrückender muß der steigende Antisemitismus in Enaland wirken. Stephan B. Gr ab am behandelt in seinem jüngsten Buche auch die Beilis-Affäre und erlaubt sich die niederträchtige Bemerkung, daß die Juden aller Wabrscheintichkeit nach das Verbrechen begangen haben. Kr füat der Ungerechtigkeit noch die Insulte hinzu, indem er die humoristisch sein wollende Bemerkung wacht, daß ein solcher ^all durchaus nicht die Animosität der Runen gegen Mp Inden erkläre. Er modifizierte seine Behauptung einigermaßen, als er nach einer Vorlesung durch den ehemaligen Lordmajor Jakob Moser zur Rede gestellt wurde, dahin, daß Beilis sicherlich in irgend- Wochenfchrist Seite 441 einer Weise mit der Affäre in Verbindung gestanden habe. Unser alter Freund Chesterton, der einst Israel Zangwill als jüdischen Kandidaten für das Parlament in Vorschlag brachte, sagt in der antisemitischen Zeitung „the New Witneß": „Patriotismus ist eine Eigenschaft, welche die Rasse des Israel Zangwill verloren hat." Äm schlimmsten hat wohl die Behauptung des Erzdekan Cunningham in Cambridge gewirkt, welche er in einer Versammlung des Komitees zur Unterstützung der Kriegsopfer geniacht hat, indem er behauptete: „Liberale, Sozialisten und Pazifisten sind schlimmer als Juden." Welche Wirkung eine solche Aeußernng aus dem Munde eines hohen Geistlichen haben muß, läßt sich denken. „Morning Post" macht der Regierung den Vorwurf, daß sie jüdischen Firmen Lieferungen gebe und weist auf die Fülle Montagü & Komp, und anderer jüdischen Firmen hin, welche gleichfalls Lieferanten der Regierung waren und gegen welche bekanntlich seitens der antisemitischen Presse seinerzeit eine furchtbare Hetze geführt wurde. Es wirkt auch wenig ermutigend auf die jüdische Presse, daß Oberrabbiner Gaster ..unpatriotisches" Vorgehen vorgeworfen wird, weil er sich vom Auswärtigen Amte die Erlaubnis erwirkte, Geld zur Unterstützung der Juden nach Palästina zu entsenden. Nach englischer Auffassung ist Palästina feindliches Land und es ist sicherlich nicht jüdisch, zuzugeben, daß irgendein alter orientalischer Chacheam oder ein galtzischer oder ungarischer Rabbiner Hungers sterben solle, weil ihre Staaten sich im Kriege mit England befinden." Jüdische Jamitien im Kekde. Witwe Gaspard Heister in Keczel, Pester Komitat, hat zwölf Söhne, von denen zehn Soldaten sind. Neun von ihnen sind bereits auf dem .Kriegsschauplätze. Salamon Singer aus Batcr-2lpati hat fün? Sühne auf dem Kriegsschauplätze., während der sechste jetzt zur Musterung gelangt. Ignatz Singer ist Korporal beim 10. Landsturm-Jnfartterieregiment, Philipp Korporal beim 17. Honvedregiment, David Feldwebel beim l7. Honvedregiment, Israel beim 45. Infanterieregiment Feldwebel (verwundet). Wilhelm Korporal bei der Artillerie. Adolf Wein aus Oroslamos hat fünf Söhne beiul Militär. Ignatz dient als Freiwilliger bei der Artillerie in Dalmatien; Geza, welcher beim 46. Infanterieregiment gedient hat, wird seit September vermißt: Moritz dient beim 5. Honvedregiment; Josef befindet sich als Artillerist auf dem nördlichen Kriegsschauplatz und Ludwig ist als Einjährig-Freiwilliger zum 46. Infanterieregiment nach Hermannstadt eingerückt. Moritz Fantl, Direktor der Phönir-Handels-ALtiengefellschaft, der als Feldwebel beirn Molinari-Regiment die bosnische Okkupation mitgemacht hat, har drei Söhne und zwei Schwiegersöhne (sämtliche männliche Mitglieder der Familie) auf dem Kriegsschauplatz. Sein ältester Sohn Stefan Fantl, ein angesehener Zahntechniker in Budapest, wurde dieser Tage vom deutschen Kaiser mit dein Eisernen Kreuz ausgezeichnet. Geza Fantl, Juwelier, kämpft in Russisch-Polen. Andor Fantl, ein Budapester Kaufmann, wurde während des serbischen Feldzuges mit der silbernen Tapferkeitsmedaille erster Klasse ausgezeichnet. Der eine Schwiegersohn, Dr. Endre L e n a r d, Advokar, ist Oberleutnant, der zweite, Isidor B ö h m, Bureauchef einer Maschinenfabrik, kämpft ans dem nördlichen Kriegsschauplatz. Dr. Simon H e v e s i, Rabbiner in Budapest, hat zwei Söhne beirn Militär, und zwar Jenü and Geza, welch' letzterer sich freiwillig gemeldet hat. Beide dienen beim 1. Honvedinfanterieregiment. („Egyenlöseg".)

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