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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1915-06-11 · 24 (11.6.1915) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
32 (1915)
Issue
24 (11.6.1915)
Date
1915-06-11
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Sette 440 Dr. Bloch's Wochenschrift Nr. 24 Nürnberg. Nathan Kahn (K. I. 58.), Turnwart des Iüd. Turn- und Sportvereines in Nürnberg, erhielt das Bayerische Verdienstkreuz mit Krone und Schwertern. Ratibor. Irene Liebrecht, zurzeit im Kriegslazarett zu Laon, Tochter des Herrn Adolf L i e b r e ch t, erhielt die Rote Kreuzmedaille dritter Klasse. Worms. Unteroffizier der Landwehr Karl Guggenheim, Sohn des Herrn Samuel Guggenheim, ist die Hessische Tapferkeitsniedaille verliehen worden. Eisernes Kreuz für österreichische Kämpfer. Das Eiserne Kreuz 2. Klasse erhielt Korporal Robert S a r des Infanterieregimentes Erzherzog Karl Nr. 3, Sohn des Kultusoorstandes Herrn Jakob Car in Wsetin. Dieser Korporal kämpft seit 6 Monaten mit einer besonderen Begeisterung gegen di.e barbarischen Russen und dürste er diese Tage mit den siegreichen Truppen in Przemysl einmarschiert sein. Kompagniekommandant Herr Leutnant Z e l i n k a schreibt, daß obgenannter Korporal zu seinen tapfersten und mutigsten Soldaten gehört. Bei den gefährlichsten Nachtpatrouillen ging er freiwillig mit. Einmal beobachtete man das Herannahen einer russischen Abteilung von 7 Mann und als selbe genug nahe waren, hat Korporal S a r, der als Preisschütze bekannt ist, auch hier seine Treffsicherheit bewiesen, indem er alle 7 Russen nacheinander niederschotz. Der deutsche Kaiser hat ferner verliehen das Eiserne Kreuz 2. Kl. den Leutnants d. Res. Isidor Lang (Infanterieregiment 41) und Ernst Glaser (Traindivision 5); dem Oberstabsarzt 1. Klasse Dr. Alfred Herz, Sanitätschef des Militärkommandos Innsbruck; dem Oberarzt Dr. Hermann Kellner (Traindivision 5); dem Wachtmeister Edmund. D i enes (Husarenregiment 2); dem Pionier Johann R o s e n t a l (Telegraphenregiment). Ein englischer Minister gegen die russischen Judenverfolgungen. Bei der letzten Rekonstruktion des englischen Kabinetts verblieb zwar der Postlninister Herbert Samuel wegen seiner großen Tüchtigkeit auf seinem Posten, verlor aber die Stimme im Kabinett, so daß er diesem eigentlich nicht mehr angehört. Es verlautet, daß dies auf Einwirken Rußlands geschehen sei, weil Samuel gegen die unmenschliche Verfolgung der jüdischen Glaubensgenossen in Rußland Protest erhoben hatte. Unmittelbar nach der Konstituierung des eirglischen Kabinetts kamen in Rußland neue Judenversolgnngs-Ukase heraus, besonders für Kurland und die baltischen Provinzen. Die Iudensiehe in Hlußland. Als Schutz gegen die Armee. Die „Frankfurter Zeitung" meldet aus Bern:-In dem Schreiben, das der „Berner Tagwacht" zufolge dem Auswärtigen Sekretariat des Organisationskomitees der russischen Sozialdemokratie von einem Gewährsmann aus Rußland zugegangen ist, heißt es noch: „Die Spitäler werden von gutgekleideten, bezahlten Agitatoren besucht, die an die Verwundeten Schriften verteilen, luoriit die Inden des Verrates beschuldigt werden. Es wird gegen sie zur Rache aufgerusen. Für die ganze Armee ist ein Befehl ergangen, die Soldaten vor dem Verkehr mit jüdischen Aerzten und mit jüdischen Intelligenzlern zu bewahren. Man erwartet keine Reform der Judengesetze, sondern neue Judenpogroms." In Regierungskreisen rechnet man mit der Möglichkeit einer Revolution. Man denkt, der Revolution vorzubeugen mit einer ergänzenden Zuteilung von Grund und Boden an die mobilisierten Bauern und mit einer Agitation gegen die Juden. Herzzerreißende Szenen. Den russischen Zeitungen wurde von den Militärbehörden verboten, Einzelheiten über die Judenausweisungen zu berichten. Auch dürfen die Ausweisungen aus Kurland und Kowno nicht mehr erwähnt werden. Um über die herzzerreißenden Szenen unter den massenhaft ausgewiesenen Juden berichten zu können, sind die russischen Zeitungen von der Zensurbehörde gezwungen worden, stets yon Flüchtlingen aus Galizien zu sprechen, die angeblich von den Deutschen und den Oesterreichern aus Galizien nach dem Innern Rußlands gejagt werden. Die amtliche russische Mitteilung von der Einstellung der Judenausweisungen aus den vorn Krieg berührten Gebieten ist b e w u ß t f a l s ch. Der Odessaer Stadthauptmann untersagte derr Aufenthalt in den Sonnnervillen an der: Ufern des Schwarzen Meeres und verbot die dort erscheinende angesehene hebräische Monatsschrift „Haschl Lasch". Der „Den" meldet: Ans dem B r e st c r B a h n Hofe in Warschau ist eine vom 31. Mai datierte, vom Statiouschef unterschriebene Ankündigung angebracht, worin es heißt, daß es über Verfügung der Militärobrigkeit Juden verboten ist, vom rechten Weichseluser über Jwangorod oder aus anderen ^Gouvernements, die jenseits der Weichsel liegen, in der Richtung uach Radom zu reisen. Deswegen ivird der Fahrkarteuverkauf an Juden eingestellt und ihnen überhaupt verboten, sich auf Bahnhöfen zu zeigen. Die Ausweisung der Juden aus Kurland und Kowno. Eine Depesche der „Kiewskaja Mysl" aus Wilna dementiert die Nachricht Petersburger Blätter Volt der angeblichen Zurücknahme der Verordnung über die A u s- Weisung der Juden aus Kurland und Kowno. Vielmehr ist, dieser Depesche zufolge, den Juden der Aufenthalt im ganzen Festungsrahon Kowno eudgiltig verboten. Die Gesamtzahl der aüs dem Gouvernement Kowno und Kurland äusgewiesenen Juden erreicht 147.000. Da die Ausweisungen innerhalb 24 Stunden erfolgten, sind Hunderte von Kindern verloren gegangen. Die lettischen Zeitungen fordern die Letten aus, den Handel in allen Gegenden an sich zu reißen, aus welchen die Juden und Deutschen ausgewiesen worden sind. Maßregelung einer englischen Zeitung. Der „Neuen Zürcher Zeitung" zufolge, wurden die in London erscheinenden „Jewish Times" sisticrt, lveil sie den Namen von Straße n nannten, auf die bei dem letzten „Zeppelin"-Raid Bomben gefallen waren. Seit Kriegsausbruch ist dies das erste Blatt, welches so gemaßregelt wurde. Russische Kreuel an polnischen Juden. Berlin. Die in Berlin erscheinende Zeitschrift „Die jüdische Presse" veröffentlicht einen „Offenen Brief" des Feldrabbiners Dr. A. Levy an das Newyorker Blatt „The American Hebrelv", der eine Fülle neuen Bxweismaterials über die Zerstörung jüdischen Lebens und jüdischen Gutes durch die russische Soldateska, in Polen beibringt. Es heißt darin unter anderem: „Ich war vor kurzem in Kierniocia. Man führte mich dort in einen kleinen Garten. Es lvar der Garten des Ortsrabbiners. .Dreizehn frische Gräber waren dort aufgeworfen, Gräber von erschlage-

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