Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 32 (1915)
- Issue
- 23 (4.6.1915)
- Date
- 1915-06-04
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 23 Dr. Blüch's Wochenschrift Seite 425 Ueber Antrag des Vorstehers Herrn Dr. .„Jakob Engel wird der Rechnungsabschluß t-u b!i>e angenommen und dem Referenten einhellig der wärmste Dank votiert..'/ Der Vorsitzende verbindet damit auch den Dank für das Büro und hebt hervor, daß die Beamten angesichts der Vermehrung der Arbeiten und der Verminderung der Arbeitskräfte durch Einberufungen Uebermenfchliches Zu leisten gezwungen sind. Ferner bemerkt der Vorsitzende, daß im Jahre 1914 und 1915 gegen 57.000 Kronen für galizische Flüchtlinge an Unterstützungen gewährt wurden. Aus einem Notstandsfonds für infolge des Krieges in Not Geratene wurden 80.000 Kronen verausgabt. Herr Sekretär Dr. Adler macht sodann Mitteilung von nachstehender Stiftung: Der am 26. April 1915 verstorbene Generaldirektor Arnold Marek hat die Kultusgemeinde zugunsten dreier Stiftungen zur Erbin seines Nachlasses eingesetzt. Nach Berichtigung der von ihm bestimmten Legate sowie der Gebühren und sonstiger Kosten der Verlassenschaft dürfte ein Betrag von etwa 700.000 Kronen als Reinnachlaß verbleiben. ' Hiervon werden für die zu errichtende Heiratsausstattungsstiftung zirka 350.000 Kronen, für eine zu errichtende Studentenstiftung 140.000 Kronen und für eine Verwandtenstiftung 210.000 Kronen zur Verfügung stehen. Hieran schloß sich die mit einer Loyalitätskundgebung verbundene Votierung von 500.000 Kr. für die „Öesterr. Kriegsanleihe 1915", worüber wir in der vorigen Nummer unseres Blattes bereits berichtet haben. Der Vorsitzende Vizepräsident Dr. Gustav Kohn erkürt sodann die öffentliche Sitzung für beendet. Äustufr Wien im Siwan 1915/5675. „Aus dem Munde der Kinder und Säuglinge hast Du die Stärke begründet!" Neun Monate sind vorüber, seitdem wir Flüchtlinge aus Galizien und der Bukowina infolge des drohenden Schlachtenschwertes unser Heim verlassen mußten. Arm und verlassen, verängstigt und gehetzt, griff das so oft schwergeprüfte Juda wieder zum Wanderstabe, um sich irgendwo provisorisch niederzulassen, bis der Allerhöchste wieder Erbarmen mit seinem Volke haben lvird, um es wieder in seine Heimstätten zurückzusühren. Mer von allen Schicksalsschlägen, die uns getroffen hatten, ist es der eine, der besonders unser Hirn bedrängt, unser Herz belastet und unser Gewissen aufrüttelt. Es ist dies die Frage der Kindererziehung, die doch immer und überall, bei allen Völkern und Zungen, bei allen Religionsgenossenschaften und Verbänden die Basis und Grundlage gebildet hatte: denn den Kindern gehört die Zukunft des Volkes. Diese Kinder aber bitten um Unterricht und bekommen ihn nicht. Sie bitten um Unterweisung in den religiösen Lehren und niemand^ ist da, der diese ihnen künden , soll. Mehr als 2000 jüdische Kinder laufen in den Straßen Wiens herum,. die als Flüchtlinge keine religiöse Erziehung, keinen Thora-Unterricht bekommen können. Auch das Wenige, das sie noch von zu Hause mitgebracht haben, geht in dem Taumel der Großstadt leider verloren, verloren auf Nimmerwiederkehr! - Wir wußten dies, wir kannten unser Leid, wir fühlten unser Unglück, aber wir wußten uns auch hilflos zu einer jeden Aktion — denn uns fehlte das Wichtigste in einer solchen Sache: die pekuniären Mittel. An wen sollte, an wen konnte man sich in diesen so schweren, so ernsten Zeiten um Hilfe wenden, wir schauten nach rechts, wir flickten nach 'links, Helfer in solchen Dingen schienen kaum vorhanden. Da leuchtete vom Westen herein Strahl der Hoffnung: die große orthodoxe Bereinigung „Agudas Jisroel" mtl dem Hauptsitze in Frankfurt a. M., erklärte sich in echt jüdischer Liebe bereit, uns und unsere Kinder vor dem religiösen Verderben zu retten. Ms wahre fürsorgende Mutter war sie bestrebt, religiöse Schulen in allen Barackenlagern in Böhmen und Mähren zu gründen und anzulegen, und sie ist auch bereit, hier in Wien uns ihre hilfreiche Hand zu reichen, daß wir hier solche Schulen gründen sollen. Sie verspricht uns den großen, den größten Teil der Ausgaben — die sich auf mehrere Tausende Kronen monatlich belaufen — aus Eigenem zu bestreiten, was ihr der Allerhöchste lohnen möchte und wir immer und ewig mit Dank gedenken werden. Aber den einen, wenn auch geringen Teil der Ausgaben müssen wir doch selbst bestreiten; wir müssen unsere Pflicht nicht nur mit schönen Worten, sondern auch mit Täten erfüllen können und erfüllen, jeder selbstverständlich nach seinem Können und Vermögen. Deshalb wenden wir Unterfertigten uns an Euch, Juden, aller Länder und Gegenden des großen Oesterreichs: helfet mit m dieser großen, erhabenen, edlen, heiligen Sache! Tut es um der Zukunft willen! Handelt im Interesse des höchsten Ideals der Kindererziehung! Jeder, dem die heilige ewige Thora noch einen Wert repräsentiert; jeder, dem die Religion eine ^5>aite des Herzens zum Tönen erweckt; jeder, dem ein from^ mes Judentum als größter Schatz erscheint, möge seine Gabe hinreichen, möge mittun, möge helfen. „Wer viel gibt oder wer wenig gibt, jedem wird der Ewige nach seinem Tun vergelten!" Und Ihr werdet, Juden, dann auch mit Seiner Hilfe erlöst werden, daß die gute, alte Zeit wiederkehre und jeder in seinem Heime weiter so leben werde wie vorher, und auch die Generationen in Frömmigkeit und Religion weiter, ewig fortleben werden. Amen! Jsak Friedmauu. Großrabbiner aus Bojan. Israel Friedman», Großrabbiuerfaus Czortkow Israel Friedmaun Großrabbiner ans Hufiatyn. Chaim Hager. Großrabbiner ans Ottinia. Abraham Jakob Friedmauu, Großratbiuer aus Sadogora. Für den „Rabbiner-Rat^ der„Agud«s-Jisrc cl": Abraham Mendel Steiuberg. Rabbiner. Brody Meier Arak, Rabbiner, Buczaez. Joses Engel, Rabbiner, Krakau. Piukas Horowitz, Rabbiner, Bohorodezaay. Nachum Weideufeld, Rabbiner, Dombrowo. Kaiserlicher RatzAron.Lewin. Rabbiner, Sambor. Chaim Hirsch Thumim, Rabbiner. Kolomea. Benzion Katz, Rabbiner,^Borszezow. Araten Israel, Krakau; Beidaff Jakob. Kolomea; Baron Elias, Tarnow; Eckstein Markus.. Rzeszow; Fast Dawid. Tarnow; Hirschfeld Jakob. Przemysl; Henig Gerfou, Ustrzyki; Kaufmann Wolf, Lemberg; La» Josef. Kolomea. Lamm Salomou. Tarnow; Meyersohn Chaim, Stryj; Pappenheim Wolf, Wien; RappaporlAbali, Lemberg; Rappaport Moses. Tarnow; Schwadron Jsak, Zloezow; Schönblum Jdsef Lemberg: Statt er Meschulim. Neu-Saudez; Steinberg Berisch. Rzeszow; Schmelkes Moses, Krakau; TürkelLipPmann, Tarnopol; Weinstock Gerson, Tarnow;' Wechsler Israel, Tarnow; Wald Chaim Schnlim, Tarnow; Zins Moses, Krystynopol. Für die Kaffa: Für das Präsidium: Dr. Mordche W. Rapaport, Stryj Jsak I. Thumim, Przemysl. Die Gaben können jedem der Unterzeichnete» übergeben oder auch direkt übermittelt werden an: „Wiener Lombard, u. Eskowp e-Bauk, Wien. I. Wippliugerstr. für Rechnung des Komitees znr Wahrung der Jntereffe» der durch den Krieg geschädigte« Inden ans Galizien und der Bukowina."