Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 32 (1915)
- Issue
- 23 (4.6.1915)
- Date
- 1915-06-04
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Nr. 23 Seite 426 Dr. Bloch's Aufruf an die löblichen Villen-. und Schloszbesitzer in den äußeren Bezirken und der nächsten Umgebung Wiens. Die löblichen Besitzer von Villen, Landhäusern und Schlössern in Wiens nächster Umgebung könnten sich ein großes Verdienst um die arme Wiener Schuljugend erwerben, wenn sie ihre Gärten tagsüber oder aus Stunden zur Verfügung stellen wollten. Leider sind die Unterzeichneten Vereine nicht in der Lage, in diesem Uahre, in dem den Kindern eine Erholung besonders notwendig wäre, ihre Ferienheime zu eröffnen, die teilweise am Kriegsschauplatz liegen, teilweise von Verwundeten belegt find. Wir würden aber die Kinder in kleinen Gruppen von 12—15 Kindern unter bewährter Aufsicht gerne in Privatgärten führen, womit ein teilweiser Ersatz für die Kolonien geschaffen wäre und die Kinder doch durch einige Stunden frische Luft genießen würden. Viele Besitzer von Villen sind im Hochsommer perreist, oder benützen einen Teil des Tages ihre Gärten nicht oder nur in einzelnen Partien. Licht, Luft, Bewegung unserer Wiener Schuljugend verschaffen, wäre ein Werk der Gesundheitspflege und der Nächstenliebe, das unsere reichen Eltern, Kinder und mancher alleinstehende Junggeselle und manche Frau vollführen könnten und sich dadurch ohne große persönliche Opfer ein ewiges Denkmal in dankbaren Kinderherzen stiften würden. Gütige Anmeldungen nimmt die „Weibliche Fürsorge", I., Schottengasse 10, bei Fräulein Rosa Schur entgegen. Die Vereine: „Kaiser Franz Josefs-Ferienheim", „Döblinger Israel. Frauenverein", „Gute Herzen", „Kinderschutz", „Israelitische Kinderbewahranstalt", „Israelitische Kindergärten", „Providentia", „Verein zur Errichtung und Erhaltung von Kinderhorten für schulpflichtige Kinder in Wien", „Wiener Frauenverein zum Schutze armer, verlassener Kinder" (der frühere Hietzinger Fraucn- Verein). Kriegsferienheime^ An unsere geschätzten Gönner und Kinderfreunde auf dem Lande und in den Sommerfrischen! Durch die gegenwärtige Kriegslage sind die Unterzeichneten Vereine zu ihrem größten Bedauern nicht in der Lage, ihre Ferienkolonien zu eröffnen, indem die schwierige Beschaffung der Lebensmittel, die Belegung mit Verwundeten und die unterbrochene Bahnverbindung Verschickung in großem Maße unmöglich macht. Durch diese traurigen, Umstände sind wir verhindert, der unterernährten und schwächlichen Wiener Schuljugend ihre gewohnte Ferienerholung zu verschaffen und die armen Kinder werden.an die heiße und in diesem Jahre besonders überfüllte Großstadt gefesselt. Bei den patriotischen Gefühlen und dem Opfermut unserer Mitbürger sind wir überzeugt, daß viele kinderlose und auch mit Kindern gesegnete Familien, bei denen ein Kind mehr nicht viel Mühe und Aufwand macht, gerne ein oder zwei Kinder zu sich aufs Land nehmen würden. Noch vor der öffentlichen Bekanntmachung der Notwendigkeit dieser Ferienfreiplätze haben sich einzelne wohlwollende Familien an uns gewendet mit dem Ersuchen, ihnen arme, vorzügliche Schüler als Gespielen ihrer Kinder in der Sommerfrische zuzuwenden, und so eine Art Kriegsferienpatenschaft übernommen, die auf die eigenen Kinder nur von wohltuender, erziehlicher Wirkung sein kann. Wir sind überzeugt, daß unser Ausruf Widerhall finden wird und manche Frau auf dem Lande, die das Glück eigener Kinder noch entbehrte, in dem Aufblühen und Gedeihen des Pfleglings reichen Ersatz für das kleine Opfer finden wird. Wochenschrift Geneigte Anmeldungen möge man an die Kanzlei des Ferienheims, IX., Türkcnstraße 17, richten, von wo aus gut bekannte, wohlerzogene und nicht mit Krankheiten behaftete Kinder- Kugewiesen werden. Wir..werden den Wünschen der Parteien Rechnung tragen und bei der Austeilung streng individualisieren. Wir sind auch gerne bereit, minder begüterten Familien einen Verpflegsbeitrag zu gewähren. Die Vereine: „Kaiser Franz Josefs-Ferienheim", „Döblinger Israel. Frauenverein", „Gute Herzen", „Kinderschutz", „Israelitische Kinderbewahranstalt", „Israelitische Kindergärten", „Providentia", „Verein zur Errichtung und Erhaltung von Kinderhorten für schulpflichtige Kinder in Wien", „Wiener Frauenverein zum Schutze armer, verlassener Kinder" (der frühere Hietzinger Frauen- Verein), „Aussveisungsverein für den 16. Bezirk". An die Mitglieder. Freunde und Gönner des Vereines „Ferienheim"! Durch die Mehlnot, welche diese drangvolle Zeit mit sich gebracht hat, sehen wir uns in große Sorge versetzt, wie dieses für die Ernährung unserer Schützlinge unentbehrliche Lebensmittel heuer zu beschaffen sei. In vielen Haushaltungen dagegen besteht ein Ueberschuß davon, welcher nach der neuesten magistratischen Verordnung zugunsten bedürftigerer Wirtschaften abgegeben werden muß, soll die Brotkarte weiter verabfolgt werden. Zugleich wurde bekanntgegeben, daß außer den hiezu verzeichnten Kaufleuten auch Wohltätigkeitsinstitute berechtigt sind, Mehl entgegenzunehmen, sei>es als Spende, sei es zu den festgesetzten Höchstpreisen. Unsere Bitte geht dahin, daß jene unserer stets hilfsbereiten Mitglieder und Freunde, welche darüber noch nicht verfügt haben, ihren Ueberschuß an Mehl re. uns zuwenden mögen, wodurch sie es uns erleichtern, wenn nicht überhaupt ermöglichen, trotz der Ungunst der Verhältnisse, unsere meist unterernährten Schützlinge verpflegen zu können. Die erforderlichen amtlichen Bestätigungen hiefür sind in unserem Büro, Wien, 9. Bez., Türkenstraße 17, Telephon 17705, von 9 bis V21 Uhr und von 4 bis V27 Uhr, erhältlich, und werden auf Wunsch auch iw vorhinein zugesendet. Das überlassene Mehl kann ebenfalls durch uns abgeholt werden und wird im Verkaufsfalle sofort bei Ueberlassung der Betrag durch die Vereinskassa erlegt. Wien, Juni 1915. * Der Vorstand des „Ferienheims". Der Unterstützungsverein jüdischer Hochschüler aus Galizien versendet folgenden Aufruf: Der Krieg dauert fort. Täglich von Neuem mehrt sich die Zahl der Opfer, welche dieses Ungeheuer erbarmungslos verschlingt. Zu den Hartgeprüften gehören in erster Reihe die aus Galizien geflüchteten Hochschüler, deren Not und Elend in tausend Gestalten vor unser Auge tritt. Von Haus und Hof vertrieben, aller Mittel bar, stehen sie in ihrer verzweifelten Lage trost- und hilflos da. Die ihnen vom Staate zugewiesene Unterstützung reicht bei Weitem nicht aus, ihr Dasein auch kümmerlichst fristen und das Studium, welchem sie ihre Jugend gewidmet haben, forlsetzen zu können. Diese Unglücklichen, welchen ihre persön iche Würde es nicht erlaubt, die Hand öffentlich auszustrecken, wenden sich vertrauensvoll an uns, als an ihre Kollegen, ihnen im Kampfe um die notwendigsten Bedürfnisse des Lebens helfend zur Seite zu stehpn. Leider aber gestatten uns die wenigen Mittel, welche unserem Vereine zur Verfügung stehen, bei Weitem nicht, selbst in geringem Masse der Not und dem Elend unserer leidenden Kollegen entgegenzuwirken. Es ergeht daher an edle Menschenherzen unser warmer Appell: Lasset nicht diese arme akademische Jugend in Not und Elend vergehen! Lasset vielmehr Euem Mildtätigkeitssinn, den d r Krieg in glänzenden Proben vielfach zu Tage gefördert, auch unserem Vereine zugute kommen! Waren wir doch immer in der glücklichen Lage, allgemeinem Verständnis und Wohlwollen zu begegnen und dank der Mithilfe edler, guter Jt