Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 32 (1915)
- Issue
- 23 (4.6.1915)
- Date
- 1915-06-04
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Seite 424 Dr. Blech s Wochenschrift Nr. 23 gelangt man auch iin Grundidee nachsolgenden Aufstellung: Die faktischen Gesamtüberschüste betrugen . üu Jahre 1914 : ...y; Kr. 1,415.097.85 dagegen beträgt der Gcsam^überschstß.. /. im Jahre 1914;;; Kr? 1,436.031.58 dies ergibt einen Gebarungsüberschuß; von Kr. 20.933.73 Der Bericht beleuchtet nunmehr die Ziffern der einzelnen Abschnitte und fährt dann fort: Das Gesamtbild, welches der soeben besprochene Rechnungsabschluß für das. Jahr 1914 bietet, entspricht, objektiv beurteilt, ganz und gar den Verhältnissen, unter welchen die Gebarung unserer Gemeinde seit August 1914 — das ist seit Beginn des Krieges — gestanden ist. Dies läßt sich klar erkennen, wenn man gruppenweise einzelne Einnahmsquellen, aus welchen wir zum großen Teile die Deckung für unsere- Bedürfnisse schöpfen, ins Auge faßt. Unter dem Drucke der Kriegsereignisse sind zurückgegangen Trauungstaxen, Kültussteuer, Ueberführungen, Blumenkörbe am Friedhofe, Verpflegsgebühren im Spitale re. Dagegen sind Mehreingänge erfolgt in der Fleischregie, in der Mikwah und gus dem, Gebiete des Beerdigungswesens, während unser Unterstützungswesen auf den verschiedensten Gebieten nicht unwesentlich in Anspruch genommen wurde durch Flüchtlinge, Unterstützungen an Soldaten; abgesehen von den durch das Präsidium eingeleiteten Aktionen für Flüchtlinge und Kriegsfürsorge. Ich möchte zur Hervorhebung des Umstandes, in welchem Maße der Krieg sofort nach seinem Beginne seinen Einfluß auf unsere wirtschaftliche Gebarung geltend machte, aus folgende zwei Punkte Hinweisen. Bekanntlich gehtder größte. Teil unserer Kultussteuer in dem ersten drei Monaten des Jahres ein. Dies war auch im aügelaufenen Jahre der Fallso daß der weitaus größte Teil der Kultussteuereingänge des vorigen Jahres bis zum Beginne des Krieges eingeflossen war. Voy da ab sind die Kultussteuern nur sehr spärlich eingegangen, da bei den Restanten sich sohin nicht bloß die auch sonst übliche Trägheit im Steuerzahler!, sondern auch die Last des Krieges geltend machte. / Der zweite Punkt, auf den ich Hinweisen will, ist folgender: Mit Eintritt des Krieges, speziell seit Beginn der Flüchtlingsära. bat sich die Zahl der Todesfälle in ganz bedeutender Weise vermehrt, wie Sie dies aus folgenden Daten entnehmen: Vom 1. Oktober bis 31. Dezember haben 239 Beerdigungen mehr als in der gleichen Periode des Voriabres stattgefunden. Die Zahl der für den gleichen Zeitraum errichteten Gräber betrug in dieser Zeit unr 111 mehr als in der gleichen Periode des Vorjahres, und es wird gelegentlich bemerkt, daß in der Zeit vom 1. Januar bis 31. März l. I. um 239 Beerdigungen mehr als in der gleichen Periode des Vorjahres stattgefunden haben und Haß die Anzahl der errichteten Gräber in der gleichen Art um 159 mehr war als in dem aleichen Quartale 1914. hieraus erklären sich auch die Mel-reinaaßge im Friedboss- und Beerdiaungswesen. Wenn 'wir sonach behaupten, baß die Erträgnisse unserer wirtschaftlichen Gebaruna im Jahre 1914 wesentlich und faß durchtiebends vom Kriege und dessen Folgeerscheinungen beeinflußt waren, dann, ziehen wil hieraus die weitere' Konseauenz, daß wir ' ^ar keinen Grund neu. daß wir nicht bloß^da^ Rndaet für das Jabr 1944 mit allem Vorbedachte aufäestellt haben, sondern daß wir den Erträgnissen entsprechend alle überflüssigen Auslagen eingestellt und alle projektierten, jedoch aufschiebbaren Anschaffunäen und Herstellungen .zurückgestellt haben.- i Ich verstehe' selbstverständlich nicht darunE die großen Projekte, die bereits in Behandlung standen und so weit vorgeschritten waren, daß an detM Durchführung geschritten werden sollte, wie z. B. das' Kinderspital, die Anlage des neuen Friedhofes, den Bau unseres Hauses in der Turnergasse, die durch den Krieg hinausgeschoben worden sind; wohl aber die Hinausschiebung der Heizanlage im Tempel der Leopoldstadt und ähnliche Herstellungen. Mit der Frage, wie sich die wirtschaftliche Gebarung unserer Gemeinde im laufenden Jahre 1915 stellen wird, sich schon derzeit zu befassen, halte ich für unzeitgemäß und auch unpraktisch. Wir können nur folgendes konstatieren: Wir haben in der Zeit vom 1. Januar bis 30. April l. I. eingenommen an Kultussteuer Kr. 1,067.974.— sind sonach gegenüber den Erträgnissen in der gleichen Periode des Vorjahres um . .. „ 144.941.50 zurückgeblieben. In Friedhofstaxen haben wir in der gleichen Periode eingenommen Kr 309.531.— sind trotz der höheren Zahl der Beerdigungen gegenüber der gleichen Periode des Vorjahres um „ 23.134.— im Rückstände. Schlachtgebühreneinnahme Kr. 29.724.— zeigt ein Plus von „ 10.800.— Verpflegsgebühren im Spital-Ausfall „ 14.912.— Trauungstaxen-Ausfall „ 16.492.— Wir sehen sonach auf allen Gebieten sehr namhafte Ausfälle in den Eingängen, so daß wir — leider müssen wir uns darauf gefaßt machen — mit einem schweren Defizit zu rechnen haben werden. Wie wir dieses Defizit zu decken haben.werden, muß einer späteren Zeit Vorbehalten bleiben. Bevor ich schließe, halte ich es für meine Pflicht, neuerlich die Hingebung unserer sämtlichen Beamten an den Dienst in anerkennender Weise herb'orzuheben und hiemit den ihnen gebührenden Dank zum Ausdrucke zu bringen. Ich danke insbesondere allen Beamten der Buchhaltung, die mich in meiner heutigen Arbeit unterstützt haben. Ich beantrage die Annahme des Rechnungsabschlusses. (Lebhafter Beifall.) Der Vorsitzende erster Vizepräsident Doktor Gustav Kohn gibt dem Danke der Versammlung für das interessante und lehrreiche Referat Ausdruck unb spricht den Wunsch aus, daß es dem geehrten Referenten bald möglich sein werde, an den Beratungen des Vorstandes auch persönlich teilzunehmen. (Lebhafter Beifall.) Kultusborsteher Dr. Heinrich Schreiber gibt die Anregung, statistische Ziffern über die Bewegung der jüdischen Bevölkerung in dem Budget zu notieren, um auch einen Einblick zu gewinnen, inwieweit diese Bewegung der jüdischen Bevölkerung die Finanzgebaruug der' Gemeinde beeinflußt.. Vizepräsident Hofrat Dr. Ra-ppaport bemerkt, daß diese Bevölkerung zunächst keine seßhafte, sondern eine fluktuierende ist und deswegen ein statistisches Festhalten der Ziffern kaum von irgend welcher. Bedeutung sein dürfte. Das Flüchtlingsfürsorgeamt mvtiert zirka 145:000 Personen als Unterstützungsempfänger; an zncka 50.000 sind solche, die eine Unterstützung nicht in Anspruch nehmen. Von letzterem wird das Gemeindebudget selbstverständlich nicht belastet.