Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 32 (1915)
- Issue
- 23 (4.6.1915)
- Date
- 1915-06-04
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr 23 Dr. Bloch's Wochenschrift Sette 423 Flügel wurden zwar die hilflosen Opfer einer verruchten Kriegführung unter Feuer genommen, doch erkannte man auch hier, um was es sich handle, bevor es ein Opfer unter den Wehrlosen gegeben hatte.' So konnten dank der Hilfe Gottes die Unsrigen aus der Gewalt der Barbaren befreit werden." Auf der zweiten Karte teilt die Schreiberin mit, „daß sie aus Walawa schlimme Nachrichten habe. Die ganze Zivilbevölkerung, ohne Unterschied des Alters, des Geschlechtes und der Religionszugehörigkeit, sei in der gleichen Weise, wie es oben geschildert wurde, von den Russen vor die Front gestellt worden, damit sich die russischen Truppen unter der Deckung dieser Wehrlosen den Weg freimachen können und in unsere Linien eindringen." „Die Unsrigen," heißt es dann, „sind aber auf dieses Manöver vorbereitet und schießen sehr vorsichtig, so daß den ausgesuchten Opfern unter der zivilen Bevölkerung nichts geschieht," Ikorrespondenzen. Aanktetegramm des Kaisers an die Wiener israelitische Kultusgemeinde. Namens des Vorstandes der Wiener israelitischen Kultusgemeinde richtete das Präsidium das nachfolgende Huldigungstelegramm an den Kaiser: „An die Kabinettskanzlei Sr. Majestät des Kaisers. Angesichts des unaufhaltsamen siegreichen Vordringens unserer ruhmbedeckten Armee im Norden und des treulosen Ueberfalles eines neuen Feindes an der südwestlichen Grenze unserer Monarchie erlaubt sich der Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde Wien im Sinne der patriotischen Kundgebungen anläßlich der jüngsten Plenarsitzung des Vorstandes und in der Ueberzeugung, hiemit der Gesinnung der gesamten österreichischen Judenschaft Ausdruck zu verleihen, die alleruntertänigste Bitte zu unterbreiten, Se. Majestät, unser allergnädigster, geliebter Kaiser und Herr geruhe das neuerliche Gelöbnis unverbrüchlicher Treue und unbegrenzter Liebe für Sr. Majestät geheiligte Person und unser geliebtes Vaterland allernädigst entgegenzunehmen. In pietä.vollem Gedenken all der unvergeßlichen Helden, welche ihr Leben für Kaiser und Reich opferten, in tiefster Dankbarkeit und unerschütterlichem Vertrauen zu unserer heldenmütigen Armee wird die Judenschaft Oesterreichs nach wie vor in den Reihen aller Mitbürger Gut und Blut opfern, auf daß der Feinde Tücke an der stählernen Kraft unserer Waffen zerschelle, und Habsburgs mächtigem Reiche der ehrenvolle, dauernde Friede gesichert werde. Der Präsident Dr. Alfred Stern, der Oberrabbiner Dr. Moritz Güdemann, der erste Vizepräsident Dr. Gustav Kohn, der zweite Vizepräsident Hofrat Dr. Benjamin Rappaport, der Sekretär Dr. Emil Adler." Hierauf langte von der Kabinettskanzlei das folgende Antworttelegramm herab: „Herrn Präsidenten Dr. Alfred Stern, Wien. Seine k. u. k. Apostolische Majestät haben von der patriotischen Kundgebung des Vorstandes der israelitischen Kultusgemeinde in Wien mit aufrichtiger Befriedigung Kenntnis zu nehmen geruht und danken huldvollst für die im Namen der gesamten Judenschaft Oesterreichs erneuert zum Ausdrucke gebrachte Versicherung stets bewährter Treue, Anhänglichkeit und opferwilliger Vaterlandsliebe. Auf Allerhöchsten Befehl: Freiherr von Schießl m. p." Aus der öffentlichen Plenarsitzung des Vorstandes der israel. Kultusgemeinde vom Dienstag, den 25. Mai in Abwesenheit des wegen Unwohlseins entschuldigten Präsidenten Dr. Alfred Stern unter dem Vorsitze des ersten Vizepräsidenten Dr. Gustav Kohn. Tagesordnung: Prüfung und Erledigung der Rechnungsabschlüsse über die Einnahmen und Ausgaben der Kultusgemeinde und sämtlicher unter Gemeindeverwaltung stehender Fonds und Anstalten für das Jahr 1914. Der Vorsitzende gibt bekannt, daß der Rechnungsabschluß laut Bekanntmachung in der ..Wiener-Zeitung" 14 Tage in der Kanzlei der Gemeinde zur Einsichtnahme für alle Gemeindemitglieder ausgelegen ist. Der Finanzreserent, Kultusvertreter Dr. Leopold Kohn, ist durch Unwohlsein verhindert, über den Rechnungsabschluß persönlich zip referieren. Sein schriftliches Referat.wird durch den Sekretär Herrn Doktor Emil Adler verlesen. Wir entnehmen demselben nachstehende Daten: Sehr geehrte Herren! Wenn wir in so hartbedrängter Zeit, in einer Zeit, wo unser ganzes Denken, Fühlen und Empfinden weit draußen bei unseren Lieben weilt, die im Dienste des Vaterlandes gegen eine Koalition von Falschheit, Gewalt, Hinterlist und Brutalität einen schweren Kampf führen, an die Erfüllung einer so nüchternen Aufgabe schreiten, wie es die Rechnungslegung über die wirtschaftliche Gebarung unserer Kultusgemeinde ist, so geschieht dies nicht bloß aus dem Grunde, weil wir einer statutenmäßigen Vorschrift nachzukommen haben, sondern auch deshalb, weil wir dadurch die richtigen Momente für die Beurteilung darüber gewinnen, wie sich aller Wahrscheinlichkeit nach k)ie wirtschaftliche Gebarung unserer Kultusgemeinde im laufenden Jahre gestalten wird, und wir daher dementsprechend auch so weit als möglich unsere Gebarung einzurichten haben. Der Rechnungsabschluß unserer Kultusgemeinde für das Verwaltungsjahr 1914 weist aus: an Einnahmen Kr. 3,559.321.29 an Ausgaben „ 3,538.387.56 es ergibt sich daher für das abgelausene Verwaltungsjahr ein Ueberfchuß von Kr. 20.933.73 gegenüber den präliminierteu Einnahmen per 3,501.677.58 betragen die faktischen Einnahmen „ 3,559.321.29 daher ein Plus gegen das Präliminare von Kr. 57.643.71 gegenüber den ordentlichen Ausgaben per Kr. 3,371.445.53 betragen die faktischen ordentlichen Ausgaben 3,443.349.57 demnach ein Plus ordentlicher Ausgaben von Kr. 71.904.04 dagegen stellen sich bei den präliminierten außerordentlichen Ausgaben per Kr. 126.950.— die faktischen außerordentlichen Ausgaben mit 95.037.99 daher weniger als der Voranschlag um Kr. 31.912.01 Hieraus ergibt sich pro 1914 an Gesamtausgaben ein Plus von Kr. 39.992.03 Im Vergleiche zum Ergebnisse des Vorjahres mit einem Gebarungsüberschuise von Kr 235.623.19 gestaltet sich das Ergebnis pro 1914 ungünstiger um Kr. 214.689.16 Zu dem Plusergebnisse des Jahres 1914 per Kr. 20.933.73