Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1915-05-28 · 22 (28.5.1915) · page 10

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
32 (1915)
Issue
22 (28.5.1915)
Date
1915-05-28
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3020846-3022142-3022165--24162-3049397
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 406 Dr. Bloch's Wochenschrift Nr. 22 „Herr Hauptmann, wir bitten gehorsamst, hier nicht anrauchen zu wollen, die Kerze dient nicht diesem Zweck." „Weshalb nicht?" Nun ergriff jener Kamerad das Wort, dem Zuliebe wir zehn Mann hier zusammenkamen: „Zum Andenken an meinen verstorbenen Vater entzündeten wir hier diese Kerzen, die zur Erinnerung an ihn hier brennen. Ich habe heute Jahrzeit." Der Offizier war einen Moment betroffen, wahrscheinlich kamen ihm längst vergangene Zeiten in den Sinn, erinnerte, sich vielleicht auch daran, daß auch er an einem Ta^e des Jahres bei solchem Lichterschein beten sollte, nahm ruhig die Zigarette aus seinen: Munde, legte sie in seine Zigarettentasche zurück, war schon in: Begriffe, wieder fortzugehen, aber er blieb dennoch und sagte bloß: „Ich will auch mit euch beten. Denn auch ich bin ja Jude." („Egyenlösseg".) Korrespondenzen. Bittgottesdienste für den Kaiser von Oesterreich und für den Sieg der österreichischen Heere. Nach Bekanntwerdung der Kriegserklärung Italiens an die Zentralmächte versammelten sich die in Wien weilenden galizischen Kriegsflüchtlinge in ihren Bethäusern zu einem Gottesdienst mit Gebeten für den Sieg der österreichischen Heere. Für Montag wurde ein Fastt a g proklamiert und beim Abendgotiesdienst die Liturgie für Fasttage abgehalten, wobei der Rabbiner aus Oesterreichisch-Nowoselica und andere Rabbinen mit tränenerstickter Stimme Gebete für Se. Majestät Franz Josef I. und den Sieg der Heere Oesterreichs vorgetragen haben. Lautes Schluchzen bemächtigte sich der Andächtigen bei diesen Gebeten. Patriotische Kundgebung und Zeichnung der Kriegsanleihe durch die Wiener israel. Kultusgemeinde. In der jüngsten Plenarsitzung des Vorstandes der Wiener israelitischen Kultusgemeinde kam es wiederholt zu enthusiastischen patriotischen Kundgebungen. Zunächst gedachte der Referent für den Rechnungsabschluß für das Jahr 1914 der großen Opfer, welche die Kultusgemeinde bisher für die Kriegs- und Flüchtlürgsfürsorge frcudigst gebracht hat, und der Aufgaben, welche ihrer noch harren. Die Kultusgemeinde sei entschlossen, auch in dieser schweren Zeit nach wie vor unter äußerster Anspannung ihrer Kräfte, ihre Pflicht zu erfüllen. Im weiteren Verlaufe der Sitzung wies der Vorsitzende Vizepräsident Landesschulrat Dr. Gustav 5t o h n auf das siegreiche Vorrücken unseres heldenmütigen Heeres in Galizien hin und sprach die feste Zuversicht aus, daß die Monarchie in kurzer Zeit vom moskowitischen Feinde, unter dessen Schreckensherrschaft ganz besonders die Juden zu leiden hatten, endgiltig gesäubert werde. Der heimtückische Ueberfall Italiens sei durch das herrliche Manifest Sr. Majestät unseres erhabenen Kaisers entsprechend gekennzeichnet worden. Im Sinne dieses väterlichen Rufes wollen auch die Juden dieses Reiches bis ans Ende dieses mächtigen Ringens gegen eine Welt von Feinden Gut und Blut für Kaiser und Vaterland opfern. Redner schlug schließlich vor, im Sinne des Beschlusses des Vertreter-Kollegiums, gleichwie anläßlich der ersten Kriegsanleihe, auch für die Kriegsanleihe 1915 aus den der Gemeinde zur Verfügung stehenden Fonds, Widmungen und Stiftungen 500.060 Kronen zu zeichnen. Dieser Antrag fand begeisterte, einhellige Annahme. Das Hilfswerk für Palästina. Die auf diesen Blättern von Herrn Oberrabbiner Reich in Baden gegebene Anregung zu einer tatkräftigen Sammeltätigkeit für die von der Hungersnot betroffenen Glaubensbrüder in Palästina auf Grund einer zielüewußten, straffen Organisation hat in den beteiligten Kreisen Oesterreichs den erwünschten Anklang gefunden. Herr Oberrabbiner Reich richtete, wie erinnerlich, in seiner Anregung an Herrn Rabbiner Dr. Grunwald die Aufforderung, jene Persönlichkeiten, die sich der Chalukka-Tätigkeit bisher widmeten, zu einer gemeinsamen Beratung darüber einzuladen, wie der gegenwärtigen Notlage, insbesondere der verhungernden Galizianer und Bukowinaer Familien in Palästina wirksam Hilfe zu schaffen sei. Mit demselben Anliegen wandten sich gleichzeitig an Herrn Rabbiner Grunwald Herr Rabbiner Horovics in Frankfurt a. M., sowie Vertreter der galizischen Kolelim. Nach Rücksprache mit den Herren Oberrabbiner Doktor Güdemann, Präsident Doktor Alfred Stern und I. Vizepräsident Doktor Gustav K oh n leistete Herr Doktor Grunwald diesen an ihn ergangenen Aufforderungen Folge. Der Einladung zu einer Vorbesprechung für den 25. d. M., nachmittags 3 Uhr, in den Sitzungssaal der israelitischen Kultusgemeinde entsprachen die Herren Oberrabbiner Majer Ara k—Buczacz, Dr. Bloch —Wien, Breche r—Safed, Oberrabbiner Dr. B r o d y—Prag, Direktor Feldstein — Lemberg, Oberrabbiner Hage r—Otkinja, Rabbiner Hage r— Wischnitz, Bernhard Hofbaue r—Wien, Rabbiner Doktor K a m i nk a -Wien, Prof. David K o h n— Wien, Heinrich Mendl—Wien , Dr. No ss i g—Berlin , Moses Sak- Wlkanec, Oberrabbiner Reich—Baden, Bernhard Schiff — Wien, kais. Rat Adolf S ch r a m e k— Wien, Rabbiner Alter Silber - Wischnitz, Oberrabbiner S t e i n b e r g—Brody und Rabbiner S t e i n b e r g—Rzeszow. Die Versammlung vereinte Vertreter der west- und ostösterreichischen Chalukka-Gruppen, sowie des Berliner Zentral-Hilfskomitees für Palästina. Die Verhandlungen, in denen sich, zum Teil wiederholt, die Herren Dr. Brody, Dr. Bloch, Schiff, kais. Rat Schramek, H o f b a u e r, Prof. Kohn, Steinberg und Doktor Kaminka zum Worte kamen, gipfelten in der Behandlung des von Herrn Doktor Brody gestellten und von Herrn Doktor Kaminka ergänzten Antrages: Es ist aus der Mitte der Versammlung ein Komitee einzusetzen, um unabhängig von den bestehenden Kolelim, eine Aktion zu Gunsten der in Palästina notleidenden jüdischen Staatsangehörigen der österreichisch-ungarischen Monarchie einzuleiten. Das Komitee hat sich auch an die maßgebenden Stellen in Ungarn zu wenden, um diese zu einer Parallelaktion zu veranlassen. Die gesammelten Beträge sollen ohne Rücksicht auf die Staatsangehörigkeit einzig und allein nach Maßgabe der Bedürftigkeit zur Verteilung gelangen. Im Falle einer ablehnenden Haltung der in Betracht kommenden Stellen in Ungarn beschränkt sich die Hilfstätigkeit des Komitees auf die notleidenden österreichischen Staatsangehörigen in Palästina. Das Komitee hat das Recht, sich auf eine beliebige Anzahl zu ergänzen. Dieser Antrag wurde einstimmig angenommen. Die Versammlung konstituierte sich selbst als das zu wählende Komitee und bestellte einen Arbeitsausschuß, der unverzüglich in Tätigkeit treten soll. Mit allgemeiner Bestiedigung über das erzielte Ergebnis wurde die Versammlung um 5 Uhr geschlossen. Eine zweite Vollversammlung ist für den Rausch chaudesch Elul geplant. R. Spende» für Palästina. Für die notleidenden Inden in Palästina sind uns durch Herrn Rabb. Dr. A. Mandel folgende Spenden zugekommen: Frau Bertha Bauer Kronen 20'—, Herr Direktor Lehner 60.—, Herr Jakob Schimek 10'—, Herr N. N. 20.—, Herr- Max Berger 10.—, Herr Fr. Berger 20.—. Zusammen Kronen 140.—.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.