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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1915-05-28 · 22 (28.5.1915) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
32 (1915)
Issue
22 (28.5.1915)
Date
1915-05-28
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr 22 Dr. Bloch's Wochenschrift Seite 403 aus seiner Wohnung gepeitscht. In furchtbarem Frost mutzte er im Freien nächtigen. Er und seine Frau »erkrankten an Lungenentzündung. Am folgenden Morgen wurde ihnen gestattet, bei dem Synagogendiener Unterschlupf zu suchen. In einer Ecke der armseligen Stube des Synagogendieners stand die Kuh, in der anderen lag das kranke Nabbinerpaar. Drei Tage später starbenbeide in einer Stunde, sozusagen in einer Minute, nebeneinander. Um Totenhemden für sie zu nähen, mutzte Leinwand von den Bauern gekauft werden, da ihre Totengewänder (die frommen Juden Hallen solche stets bereit) von den Kosaken laus ihrer zerschlagenen, verheerten Wohnung hinausgeworfen worden waren. Unter dem Hohn und Spott der Russen wurden die beiden Leichen zur ewigen Ruhe bestattet. Um wenigstens an einander einigen Schutz zu finden, bezogen später alle jüdischen Familien eine gemeinschaftliche Wohnung in einem einzigen Hause. Es war ihnen verboten, die Stratze 'zu betreten, und abends durften sie kein Licht in der -Wohnung haben. Allabendlich erschienen die Kosaken bei ihnen und prügelten sie. — Es ist unglaublich, was wir alles zu leiden hatten! — sagen sie alle seufzend aus. Eine Woche nach dem Einzug der Russen traten vier Kosaken in die gemeinsame Wohnstube der jüdischen Familien ein, just als diese das Abendgebet verrichteten. Die Kosaken fielen mit Nagaikahieben über die Juden her, prügelten sie alle blutig, schnitten den Männern die Bärte und die Schmachtlocken, den Mädchen die Haare ab. Ms während dieser Prozedur ein -alter Jude sein Gebet weiterstammelte, herrschte ihn ein Kosak an, was er da noch zu sagen hätte. Der Jude antwortete, er habe bloß sein Gebet fortgesetzt. Die Russen warfen ihn zu Boden und traten ihn mit Fützen. Auch die Bauern hatten viel zu leiden. Auch sie wurden aus ihren Wohnungen vertrieben, auch ihnen wurde Vieh und Pferde abgenommen. Der Gemeinderichter wurde auf offener Stratze gepeitscht, weil er sich geweigert hatte, den Russen die Gebirgspfade zu zeigen. Bis nach Sanok hinauf läßt sich eine unheimliche Reihe blutiger Grausamkeiten der russischen Truppen verzeichnen. In dem Dorfe Zalus bei Sanok wurden die Juden blutig gepeitscht, weil sie sich weigerten, für den Zar zu beten. Ein siebzigjähriger Jude namens Mechel Spesen ist von den Russen einige Stunden vor ihrem Abzug lebendig begraben worden, und sein Schwiegersohn mutzte Zeuge dieser Entsetzlichkeit sein. Und als diese Prozedur zu Ende war, wurde der Schwiegersohn aufgeknüpft. In Sziagut bei Sanok wurde der 84jährige Schaje L n st i g, weil man einen Spion in ihm vermutete, niedergemetzelt, seiner Frau wurde das rechte Ohr und die eine Wange abgeschnitten. Die unglückliche Greisin erlag ihren Verletzungen. In Sanok selbst blieb die hübsche Hauptgasse ziemlich unversehrt. Hier hatten die Russen in einem Eckhause ihr Proviantmagazin. Dieses Haus allein wurde vor ihrem Abzug in Brand gesteckt. Drei jüdische Bürger, Mandel Feld, Bernhard Roth und Herz Langsham schleppten sie aber mit sich und ließen die Botschaft zurück, datz die drei, wenn den Russen auf ihrem Mückzug eine Niederlage widerfahren sollte, unbedingt hingerichtet werden. Ein Ehepaar wurde in Sanok niedergemetzelt, weil es sich den Kosaken, die sein Geld rauben wollten, zu widersetzen wagte. In allen diesen Ortschaften werden jetzt die von den ^Russen begangenen Grausamkeiten durch behördliche Organe protokollarisch sestgestellt. _ Die HUlssenHerrschaft in Dukla. Das nunmehr befreite Dukla hatte fünf Monate lang die unerträgliche Russenherrschaft zu erdulden. Hier lvar das Hauptquartier des 12. russischen Armeekorps. Wie überall, hatten auch hier die Juden am meisten zu leiden. Allerdings haben die meisten jüdischen Familien Dukla noch rechtzeitig, kurz vor dem Einmarsch der Russen, verlassen können, und es blieben, lvie der Berichterstatter des „Az Est" nlitteilt, im ganzen 40—50 arme Juden zurück, welche Feine Zeit mehr fanden, rechtzeitig zu fliehen. Diese jüdischen Familien konnten eine Fahrgelegenheit nicht mehr erwischen, die ulld so waren sie die unfreilvilligen Gastgeber der Russen wahrend fünf Monaten. Aus den Erzählungen der in der Stadt gebliebenen Juden geht hervor, daß im Januar — als die Russen ihre Stellungen in den Karpathen bezogen — eine Unmasse russischen Militärs die Stadt passierte. Es mochten 80.090 bis 100.000 gewesen sein. Das waren böse Zeichen. Die Russen plünderten die Geschäfte, wenn sie einem Juden auf der Straße begegneten, ohrfeigten sie ihn ohne jeden Anlaß, beraubten ihn seiner Habseligkeiten und hatten das System, jedem Juden mit einer Rute auf die Waden zu klopfen. Und wenn sie -vahrnahmen, daß der Jude Röhrenstiesel trug, so rvurden sie ihm sofort aus der Straße ausgezogen und weggenommen. Eines Tages kam ein großer Gast nach Dukla. Es rvar der Herzog von Oldenburg, ein Schwager des Zaren. Während seiner Anwesenheit durste sich^kein Jude auf der Straße zeigen. Als die Unsrigen die Stadt erreichten, war der Kommandant des russischen 12. Armeekorps, General L j e s ch, gerade im Begriffe, selbst zu flüchten. Es wäre ihm auch gelungen, zu entkommen, wenn die Juden nicht ihm und seinem Stabe, -vie ein ariderer Berichterstatter zu melden weiß, durch schleunig errichtete Barrikaden den Weg versperrt Hütten. Aus solche Weise wurde General L j e s ch von den ihrr verfolgenden verbündeten Soldaten gefangengenommen. Unbeschreiblich war der Jubel, nrit dem die Juden die in Dukla einmarschierenden verbündeten Truppen begrüßt haben. Auszeichnungen jüdischer Krieger mit dem Eisernen Kreuze. (Bisher wurden 2752 mitgete lt, in der vorliegenden Rümmer 51, zusammen 2803.) Altona. Benno Leiter, Unteroffizier der Reserve, im 31. Regiment, 5. Kompagnie, Sohn des Kaufmanns Herrn Mar Leiter. Berlin. Dr. Richard Baum, Chirurg, Brunnenftratze 76; Kurt Borchardt, Unterarzt im 21. Ers.-Res.-Artillerieregiment; Arth, Brandt, Kriegsfreiwilliger, Kanonier, Referent); Leutnant Hugo E h r l i h, A. H. d. Verb. Sprevia im K. -L.; Kurt Warschauer, Vizewachtmeister. Garde-Artillerie.egiment; Assessor Dr. Artur S a m t e r, Unteroffizier der Reserve in einem Feldartillerieregiment; Gefr. Alfred Braun; Dr. Leo Hir schlaff, Bataillonsarzt; Dr. Georg Wunderlich, Kriegsgerichtsrat bei einer Etappen-Jnspektion, Rechtsanwalt; Benno Wygodzinski, Rechtsanwalt, Kriegsgerichtsrat bei einer Etappeninspektion. Berlin-Halensre Unterarzt Heinz Bieber. Beuthen (Oberschlesien). Mar Cohn. Borek, Posen. Sanitätsunteroffizier Kurt Werner, Sohn des Kaufmanns Leo Werner. Buchau (a. F.). Offizier-Stellvertreter Siegfried Einstein, gleichzeitig mit der Württembergischen Tapferkeitsmedaille ausgezeichnet, Sohn des Kaufmanns Herrn Martin Einstein. Cassel. Dr. Adolf Alsberg, Stabsarzt der Landwehr, bei der Kriegslazarettabteilung des 11. Armeekorps. Charlsttenburg. Dr. Bruno A p t, Gerichtsassessor; Dr. Arthur P r y t e k, Oberarzt; Dr. Paul Reiche, Assistenzarzt. Crone a. B. Ersatzreservist Hermann M a r c u s, Sohn der Witwe Frau Rebekka Marcus. Dausenau. Kriegsfreiwilliger Ernst und Reservist Eugen S u n dh e i m e r, Söhne des Herrn Wilhelm Sundheimer. Einbeck, Hannover. Unteroffizier der Reserve Hugo Löwenst e i n. Eisenach. Jul. Glückauf, S. d. Rent. M. Gl. a. Dortm. Erlangen. Unteroffizier Salo Dorn, im 5. bayerischen Infanterieregiment Bamberg, Sohn des Herrn Hermann Dorn. Frankfurt a. M. Unteroffizier Dr. Felir R a w i t s ch e r, im Jägerregiment zu Pferde Nr. 3, Sohn des Geheimen Justizrats Dr. Ludwig Rawitscher. Freiburg i. Br. Dr. Fr. R o s i n, Leutnant d. R., Sohn d. Geheimrats Dr. jur. Rosin. _ Friedeberg a. Qu. Assistenzarzt d. R. Gustav M a tz d o r f f. Sohn v. S. Matzdorff i. F. E. Stiansny. Graudenz. Assistenzarzt der Reserve Dr. Arnold L o e v y, Sohn des Herrn Rabbiners Dr. Loevy. Haaren bei Aachen. Vizefeldwebel Albert L e v y, im Reserve- Infanterieregiment Nr. 29, Sohn der Witwe Frau Isaak Levy, geb. Hertz. . Hamburg. Mar Freundlich; Volksschullehrer Henry Cohn, Unteroffizier im Landwehr-Regiment Nr. 84. Insterburg. Stud. jur. Walter E i ch e l b a u m, Sohn des Stadtrats Jf. Eichelbaum.

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