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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1915-05-28 · 22 (28.5.1915) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
32 (1915)
Issue
22 (28.5.1915)
Date
1915-05-28
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 402 Dr. Bloch's Wochenschrift Nr. 22 Zer jüdische Offizier und der reformierte Keldgeistkiche. Auf dem Schlachtfelde hatte der Oberleutnant Michael S ch i l l i n g e r, der Sohn des Hodmezövasarhelyer Kaufmannes Schilling er, den Heldentod erlitten. Seelsorger Laczak ersuchte nun den Hodmezövasarhelyer Rabbiner in folgendem Schreiben, er möge den Vater des gefallenen Helden von dem Trauerfalle verständigen: „Hochwürdiger Herr Rabbiner! Hochachtungsvoll sende ich Ihnen beiliegend einen Sterberegisterauszug, nachdem in dem heftigen Kampfe, in den jetzt unser teures Vaterland Ungarn verwickelt ist, der aus Hodmezövasarhely gebürtige Insasse, Herr Oberleutnant Michael Schillinger, den Heldentod erlitten hat. Mit welchen Worten soll ich des Helden gedenken? Spricht doch seine Heldentat, daß er das Leben für unser teures ungarisches Vaterland hingab, mehr als die schönsten Worte vermögen. Ich bitte Euer Hochwürden ergebenst, die zu Hause gebliebenen Lieben schonungsvoll von dem Verluste zu verständigen, der sie betroffen hat. Oberleutnant Michael Schillinger wurde auf der Höhe 742 in der Nähe von Laborczfö von einer feindlichen Kugel in den Bauch getroffen, sein Offiziersdiener und die Sanitätssoldaten brachten ihn nach Laborczfö, wo sein Verbarrd erneuert wurde. Da aber die russische Kugel auch edlere Teile verletzt hatte, gab er am 8. Mai, um 3 Uhr morgens, seinen Geist auf. Ich ließ ihn im Laborczföer griechisch-katholischen Friedhofe, unmittelbar neben der Steinumfriedung in der ersten Reihe in einem Sarge beerdigen, den ich aus einfachen Brettern zusammenstellen ließ. Der Herr Oberleutnant hatte seinem Offiziersdiener gesagt, man möge seinen Leichnam nach Hause bringen. Ich bitte Sie, all dies den trauernden Hinterbliebenen mitzuteilen und ihnen gleichzeitig mein aufrichtiges Beileid zu verdolmetschen. Für Ihre Mühe empfangen Euer Hochwürden den herzlichsten Dank und freundlichen Gruß von Desider Laczak, reformiertem Feldgeistlichen." Jüdische Zivitbevölkerung als Deckung der russischen Iroirt. Ein barbarischer Akt Dänischer Kosaken in der Bukowina. Eine Meldung aus dem Kriegspressequartier unterrichtet die Oeffentlichkeit von einem blutigen, grauenhaften Verbrechen, das sich die russische Kriegsführung zuschulden kommen ließ. Donische Kosaken haben an der südöstlichen Front in Szipenitz im Bezirke Kotzman in der Bukowina einen Gedanken, mit dem sich die russische Heeresleitung schon vor Monaten in Galizien abgegeben hat, zur schrecklichen Wirklichkeit werden lassen. Sie haben in dem Bezirke eine förmliche Treibjagd auf Juden veranstaltet, haben das zusammengefangene Menschenwild, Männer, Frauen und Kinder, vor ihre eigene Front postiert und dann gegen die Stellungen des Feindes getrieben. Die Donischen Kosaken, deren Gründungsurkunde auf Iwan den Schrecklichen zurückweist, gelten als die grausamsten, die zügellosesten, die der menschlichen Kultur fremdesten Elemente des russischen Heeres. Die raffinierte Grausamkeit, deren sie sich jetzt schuldig gemacht haben, ist freilich durchaus nicht auf ihr eigenes Sündenregister zu buchen. Als gegen Anfang März zum erstenmal davon die Rede war, daß 1500'jüdische Familien bei Kamiona und Tysmieniczany versammelt und gleich einer Viehherde als! Schild der Russen vorgetrieben jwerden sollten, da haben sich die russischen Offiziere nicht cnt»- blödet, ihr Verbrechen in jene Formen zu kleiden, die zwischen zivilisierten Heeren beim Verkehr mit dem Gegner üblich sind. Ein Parlamentär wurde damals zu den Oesterreichern entsendet, der das Vorhaben, der Russen ankündigte, und diese letzteren bemühten sich sogar, ihrem unmenschlichen Vorhaben den Schein des widerwillig Getanen, des ihnen selbst Ansgezwungenen zu geben. Damals gestanden die Russen durchaus nicht ein, daß es ihnen um die Deckung der eigenen Stellung und darum zu tun sei, sich ungefährdet den österreichisch-ungarischen Positionen zu nähern. Sie gebrauchten vielmehr Ausflüchte, und der Parlamentär wollte die Oesterreicher bewegen, die vorgetriebenen Juden nicht unter Feuer zu nehmen. Die Donischen Kosaken in der.Bukowina haben aufrichtiger, ehrlicher und ungeschminkter gehandelt. Sie haben nichts angekündigt und keinen Parlamentär bemüht. Sie sind von des Gedankens Blässe nicht angekränkelt und haben keinen Augenblick gezögert, bcu furchtbaren Einfall, den ihre Kameraden gehabt haben, sofort in die schauerliche Wirklichkeit umzusetzen. Die Juden, deren die Bluthunde habhaft geworden sind, wurden kurzerhand gegen die Feuerlinie des Gegners vorgepeitscht. Die russische Menschlichkeit hat Fortschritte gemacht. Sie hat die Erfahrungen des japanischen Feldzuges ausgebildet. Dort war es üblich geworden, Viehherden. vorzutreiben, um Minen zur Explosion zu bringen. Die „lieben Juden des Zaren" sind weit wohlfeiler als Viehherden, leichter zu ersetzen und ihre Verwendung als Deckungsmaterial russischer Schützengräben erspart den russischen Verwaltungsbehörden mancherlei administrative Unbequemlichkeit, viel peinliches Kopfzerbrechen. Die Verbündeten in England und Frankreich aber, die Apostel der verfeinerten Kultur, die Lobpreiser der Menschlichkeit und des allumfassenden Mitleids, die sich in Erzählungen über die deutschen Grausamkeiten in Belgien erschöpfen, die den Pelion auf den Ossa, erfundene Greuel auf erlogene Untaten türmen, ihnen sei das Studium der Heldentaten Dänischer Kosaken auf das wärmste empfohlen. Wenn englische und französische Phantasie sich einmal in der Erfindung angeblicher gegnerischer Untaten erschöpft haben sollte, dann wird ihnen russische Wirklichkeit neuen, reichlichen Einschlag geben. Die Meldung aus dem Kriegspressequartier lautet: In den Istrien Kämpfen an der südöstlichen Front haben die Bussen einen Akt besonderer Grausamkeit verübt. In Szipenitz (Bukowina) haben donische Kosaken die jüdische Bevölkerung, die sie aus dem Bezirke eingefangen hatten, vor ihre eigene Front postiert und gegen unsere Stellungen getrieben. Aussssche Kreuel in Kakizien. Der Sonderberichterstatter des „Pester Lloyd" schildert in der Nummer vom 21. Mai die haarsträubenden Greuel der Russen in WolaMichowa und zeichnet den Ort nach Abzug der Russen: Arme, traurige Juden schleichen durch die verheerte Gasse. Häuser ohne Dach, Dachstühle ohne Mauern. Da noch' ein 'Bett und ein Tisch, worauf russische Soldaten schliefen und speisten, bis eine Granate in das Haus einschlug und im Nu den Lebenden zum Toten, das Haus zum Schutthaufen verwandelte« Am meisten verwüstet ist die Synagoge, die zu einem Stall für Losakenpferde während der ganzen Russenzeit umgestaltet war. Bevor sie abrückten, steckten die Russen das Bethaus in Brand, wie es denn überhaupt kein einziges Judenhaus im Dorfe gibt, das unversehrt geblieben wäre. Achtzehn jüdische Familien waren in Wolamichowa verblieben, weil sie nicht mehr Mutze fanden, vor dem Einzug der Russen zu entfliehen. Diese Aermsten können von nichts anderem sprechen, als von dem Leid, das sie zu ertragen hatten. Die Russen kamen und es war ihr erstes, den Juden die Lühe und Pferde abzunehmen und in den Etappenraum nach rückwärts zu treiben. Der Synagogendiener allein konnte sein mageres Lühlein retten. Auch das nur dadurch, datz er es in seiner 'Wohnstube verbarg. Pinkas Horovih, der neunzigjährige Rabbiner, ein Mitglied der in ganz Galizien berühmten Rabbinerfamilie, ein Verwandter des Hamburger Rabbiners, wurde samt seinem Weib

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