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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1915-05-21 · 21 (21.5.1915) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
32 (1915)
Issue
21 (21.5.1915)
Date
1915-05-21
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 21 Dr. Bloch's Wochenschrift Seite 395 zogen russische Truppen vom Osten in Litauen und Wolhynien ein. Den Augenblick hielt der Schwedenkönig Karl G u st a v sür bestgewählt, um seine alten Rechnungen Mit den Polen auszutragen, und schiffte sich Mit einem großen Heer in Dcyrzig ein. Gleichzeitig rückten die Kosaken zum siebenten Male vom Südosten in das Land und so war Polen von allen weiten /von feindlichen Heeren überflutet. Am besten erging es Karl Gustav, denn der ganze Adel von Großpolen und Litauen ergab sich ihm und huldigte ihm als dem König von Polen. Johann Kasimir floh nach Schlesien und der neue König zog ohne Schwertstreich über Posen nach Warschau und von hier über Sandomierz nach Krakau. Nun hören wir, wie uns in kurzen, aber prägnanten Worten der Chronist Natan Feitel aus Wien in seinem ,,Tit Hajawein" über diese Dinge berichtet:*) ,,Zu Anfang kam der König von Schweden nach Posen und da 'waren gegen 2000 Judenfamilien. Karl Gustav ließ mit den Juden Gnade walten, aber sie starben vor Hunger, so daß keine 300 Familien übrig blieben. Jetzt eroberte Karl Gustav Korczyn an der Warthe, wo von 400 Judenfamilien 350 an der Pep, dem Hunger und vom Schwerte starben. Von hier zog er nach Lissa, einer reichen Judengemeinde, und alle Juden — bis auf 100 — flohen nach Preußen. Erst in Sandomierz an der Weichsel, unweit der Sanmündung, beschlossen Polen und Juden, den Feind zu stellen und, wie uns Pufendorf in seiner Chronik: „De rebus a Garolu Ciustavü gestis'* berichtet, sammelten sich mehrere Abteilungen bewaffneter Judenjünglinge — sagen wir modern — jüdischer Legionäre mit zirka 400 Polen und stellten für kurze Zeit den Feind. Bald wurden sie aber aus ihren Stellungen geworfen und die Judengemeinde Sandomierz büßte schmerzlich den Patriotismus ihrer Söhne. Sie wurde mit Stumpf und Stiel gusgerottet und Karl Gustav marschierte mit zwei 'ArMen' /längs" L»es"Salr' gegen 'Przeürhfl und längs 'der Weichsel gegen Kpakau. Przemysl leistete dem Feinde starken Widerstand und, wie uns die zeitgenössische Chronik „Theatrum Europäum" (Bd. VII, S. 920 und 935) berichtet, stand an der Spitze der polnischen Verteidigungstruppen ein jüdischer Oberst. Auch im Schwedenheere unter den vielen polnischen Ueberläufern gab es manche Juden; bei Przemysl kämpfte sogar ein jüdischer Fähnrich: Pinkas, Sohn Lasars. Hier sei — in Parenthese — bemerkt, daß. sich im Kosakenheere auch manche Juden befanden, die zu Fuß und zu Pferd ihren Kriegsdienst machten. Przemysl fiel und die freien Belagerungstruppen zogen über Rzeszow und Tarnow gegen Krakau, wohin sich Stefan Czarnecki mit den königstreuen Scharen zurückgezogen hatte. In Krakau, oder richtiger gesagt, am Kasimierz sammelten sich Tausende und aber Tausende jüdischer Flüchtlinge aus Lemberg, Lublin und Posen. Wer nicht zeitlich in die Mark fliöhen konnte, war glücklich, wenn er schon am Kasimierz war. Diese Judenstadt lag auf einer Weichselinsel und hatte eigene Bastionen und Mauern, deren Verteidigung zum großen Teil den Juden oblag. Die Stadt Krakau bildete mit ihren gewaltigen Mauern einen besonderen Verteidigungskörper. Die Mauern der Judenstadt hielten nicht lange den Feinden stand und bald drang das feindliche Heer in das Ghetto ein. Drei Tage währte das Plündern und Morden, alle Synagogen, sowohl die alte aus dem 14. Jahrhundert wie die fünf anderen wurden ausgeplündert und in Stallungen verwandelt; dasselbe Los *) Die Berichte zusammengestellt bei Louis Lewin: »Die Judenverfolgungen im zweiten schwedisch-polnischen Krieg". „Zeitschrift der historischen Gesellschaft für die Provinz Posen". Jahrgang 16. traf die hier gelegenen Kirchen. Die reichsten Juden wurden mit einemmale tzu Beltlern und beneidenswert war derjenige, welcher entweder nach Krakau, oder westwärts nach Schlesien, oder gar nach Wien kommen konnte. * * * In Krakau blieben aber doch viele Juden und sie Hüteteil ihre Gewölbe in den Adeishäusern und in den Tuchlauben. Stefan Czarnecki beschloß die Stadt zu verteidigen und hielt sich einige Zeit gar tapfer, als er aber erfuhr, daß alle Truppen sich dem Feinde ergaben, begann er wegen der Kapitulation zu unterhandeln. Er verlangte für sich und seine Truppen freien Abzug, die Bürger Krakaus verlangten Schonung ihrer Rechte, der Rechte der katholischen Kirche und der Akademie und das Verbot des JudenHandels. Kart Gustav willigte auf alles ein. Czarnecki sollte durch das Florianer Tor nach Schlesien abziehen, die Schweden vom Kasimierz aus durch die Grodgasse einmarschieren. Schon waren die polnischen Truppen am schönen Kvakauer Markt aufgestellt, als Czarnecki mehrere Judengewölbe erbrechen und die Waren und Pfänder auf seine Trainwagen aufladen ließ und das Zeichen zum Abmarsch erteilte. Die Juden waren verzweifelt; sofort meldeten sie sich beim schwedischen General Wittenberg und baten um Hilfe. Wittenberg sandte einen Reitertrupp den Polen nach, dieser kehrte aber unverrichteter Dinge zurück. Diese Verordnung Wittenbergs brachte die Juden bei der polnischen Bevölkerung in den Ruf der Schwedenfreundlichkeit und nun hatte der Hetman — wie er meinte —, das volle Recht, die Juden niederzumachen. - (Fortsetzung folgt.) Literatur. ..Jüdisches Archiv". Mitteilungen des Jüdischen Kriezsarchivs. In den nächsten Tagen erscheint „Jüdisches Archiv", Heft 1, der „Mitteilungen des Jüdischen Kriegsarchivs". Aus dem Inhalte: Die Juden in Galizien und der Bukowina unter der russischen Invasion. (Authentische Originalberichte und dokumentarische Belege.) — Leiden der Juden in Russis ch-P ölen. (Original-Korrespondenzen.) — D i e Anteilnahme der österreichis ch-u ngarischen Juden am Kriege. (Patriotische Aktionen und Kundgebungen, hervorragende Einzelleislungen.) — Juden als Soldaten u!n d Offiziere. (Listen der Ausgezeichneten, Anerkennungsschreiben, Episoden usw.) — Verschiedenes. Preis: 60 Heller (50 Pfennig). Mit Porto 80 Heller (70 Pfennig). Vorausbestellungen durch den Verlag R. Löwit, Wien, 1. Bez., Rotenturmstratze 22, oder durch das „Jüdische Kriegsarchiv", Wien, 2. Bez., Zirkusgasse 33. Jakob Diamant: Israel im Kriege. Kriegsgedichte. Preis geheftet 1.20'Mark, gebunden 2 Mark. Frankfurt am Main 1915. Verlag Gebrüder Knauer, Hohgraben 31. S. Schachnowitz: Im Schatten de- .Weltkrieges. Jüdische Skizzen. Herausgegeben durch die Jugendorganisation der „Agudas Jisroel". Jüdische Volksbücherei, Bd. 16. (Kriegsschriften-Serie Nr. 1.) Jüdischer Volksschristenverlag, G. m. b. H., Frankfurt am Main. „Jung-Juda". Illustrierte Zeitschrift für unsere Jugend. 16. Jahrgang. Prag, den 14. Mai 1915. (1. Siwan >5675.) Nr. 9. Redaktion und Administration: Prag, II., Stesansgasse Nr. 629. Inhalt: El Lädier: Frühling. — I. Fried: Es fiel ein Stern. — Ben I e h u d a. — Fr. K e tz l e r: Frühlingshoffen. — Moritz Antscherl: Die neue Thorarolle. — Joses Hart: Krieg und Frieden (Forts.). — M. Tauber: Sinnspruch. — Das Ghetto in Venedig. — Das Judenvierlek in Lodz. (Jlluftr.). — Die Stadt Kimpolung in der Bukowina. — Fritz Simon-Neumann: Akfah (Forts.). — I. L. Perez: Der kranke Knabe. — Guck in die Welt. — Aus unserem Leserkreise. — Uebersetzungsausgabe. — Rätsel.

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