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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1915-05-21 · 21 (21.5.1915) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
32 (1915)
Issue
21 (21.5.1915)
Date
1915-05-21
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 21 Dr. Bloch's Wochenschrift Seite 393 Theater-Wend. Samstag veranstaltete die „Wiener Morgenzeitung", auf der „Jüdischen Bühne" Wiens, einen Abend zugunsten einer Jüdischen Lesehalle in Wien. Mit einer kuyen Ansprache eröffnete der Redakteur der „Wiener Morgenzeitung", Herr Raker, den schönen Abend, begrüßte die Anwesenden, hinweisend auf die große Ausgabe, welche die Jüdische „Morgenzeitung" in der kurzen Dauer ihres Erscheinens sich gestellt hat, zur Gründung einer jüdischen Lesehalle im Zentrum der Monarchie und sagte u. a.: „Wir überleben gegenwärtig einen Zusammenbruch der Weltelemente und wir Juden werden im Strudel der stürmischen Zeit so mitgerissen, als träfe uns dieses Unglück in einem tiefen lethargischen Schlaf und Wir werden willenlos, schlummernd in dasselbe hineingezogen. Der jüdische Volkskörper wehrt sich gegen diese brausenden Stürme, uns droht Gefahr, uns fehlt die Gänze, der Zusammenhang, die Organisation, der „Achduth Haam". Die Aufgaben sind groß, etwas muß gemacht werden, wir benötigen eine starke Organisation, die Schaffung einer rationellen Arbeitsmethode, um für eine gesunde Zukunft sorgen zu können." Gew. jüd.-nat. Abg. Herr Adolf Staud hielt eine längere Ansprache. Er will ein gegenseitiges Verstehen zwischen Ost- und Westjuden, er möchte — mit Recht — ein einiges, gusammenwirkendes Judentum haben; eine jüdische Lesehalle soll den ersten Schritt dazu bilden. Aufgesührt wurde „Die Mütter" vom bekannten Schriftsteller und Dramarturgen Dawid Pinski, eine psychisch-tragische Schilderung einer Mutter, die von ihren Kindern verlassen wird, weil sie nach dem Ableben ihres Mannes eine zweite Ehe eingehl. Die Sprache ist eine schön-jüdische und diese Schöpfung ehrt den Autor und bereichert die jüdische Literatur. Die Ausführung und Spielart war eine musterhafte. Frau Rosa Siegler in der Titelrolle verdient die größte Anerkennung. Sie hat in dieser Rolle sich selbst übertroffen und die Bewunderung aller hervorgerufen. Sie verdient als Schauspielerin eine Zierde der Jüdischen Bühne genannt zu werden. Die bekannte Dramatistin Frau Lea Weintraub, als Tochter, verstand es durch. mimisches Spiel die an Prosa vom Autor wenig bedachte Rolle zur vollen Geltung zu bringen. Sie hat auch in dieser Rolle ihre Bewunderer vollends befriedigt. Herr Siegler, als zweiter Mann, und Herr llrich, als Sohn, ebenso Frau Cyla Urich, als Kinderlose, und Frau Salcia Weinberg, als Schwiegertochter, haben ihre Rollen im Sinne des Autors prächtig wiedergegeben. Große Anerkennung verdiente der bekannte Tenorist Herr Jsak Deutsch für seine Vorträge echt jüdischer Volkslieder und hat ihm auch das Publikum durch großen Beifall seinen Dank gezollt. Es war einer der schönsten Abende der Wiener Jüdischen Bühne. _ F. W. Kino-Vorstellungen für das Rote Kreuz. Zweigverein Wien-Leopoldstadt. Herr Lambert S ch m i d t, Inhaber des bekanntelr Helios-Kinomatographen-Theaters, Wien, II., Taborstr. Nr. 36, widmet die gesamte Brutto-Einnahme je einer Familien-Festvorstellung am 1., 8. und 11. Juni d. I., nachmittags 4 Uhr, dem Zweigvereine Wien-Leopoldstadt des Patriotischen Hilfsvereines vom Roten Kreuz in Niederösterreich. Die Vorstellung am 1. Juni ist bereits gänzlich ausverkauft. Für die Vorstellung am 8. Juni hat ein Leopoldstädter Fabrikant sämtliche 400 Sitze zur Ueberlassung an rekonvaleszente Soldaten gekauft. Karten für die Vorstellung am 41. Juni zum Preise von 1 Krone, I. 50 Kronen und 2 Kronen sind an der Kino-Kasse. II. , Taborstraße 36, im Vereinsbüro, II., Große Pfarrgasse 28/30, und bei sämtlichen Vereins-Ausschußmit-- gliedern zu haben. Ueberzahlungen werden besonders bestätigt. Ein Erinnerungszweiglein auf das Grab Wolf Singers. Ein edler Mensch ist dahingegangen! Von langen, qualvollen Leiden hat ihn ein sanfter Tod erlöst. Fast drei Jahrzehnte wirkte Herr Adolf Singer unermüdlich im Vorstande des Vereines zur.Errichtung von Volksküchen nach isr. Ritus, dessen Ehrenmitglied er war. Von früh bis in die späte Nacht war er tätig im Interesse des Vereines und von früh bis in die späte Nacht zum Wohle der Armen und der Aermsten. Füralle hatte er in seiner unendlichen Güte ein Verstehen, für alle Klagen und alle Wünsche der Armen eln geneigtes Ohr. Unendlich vielen, die, durch Unglück in Nor geraten, an unsere Türen pochten, hat er geholfen und wenn es ihm gelang, einzelnen Personen, auch oft ganzen Familien eine neue Existenz zu begründen, welch' glückliches Lächeln verklärte da sein Angesicht. Wohl die wenigsten, die diesen schlichten Mann kannten, wußten, welch' edle, große Seele Adolf Singer bch'aß. Unendlich groß war auch seine Bescheidenheit, mit dieser schloß er uns allen den Mund und verbar sich an seiner Bahre Nachrufe. Ich übertrete wohl kaum sein Verbot, wenn ich heute, wo die letzten Schollen auf seinen Sarg fielen, dieses Erinnerungszweiglein auf sein frisches Grab lege. Dezennienlange gemein'ame Interessen verbanden uns, er war ein treuer Arbeitskamerad, ein liebenswürdiger Kollege. Viel Gutes und Schönes für unsere Jnstitutio nen habe ich durch ihn gelernt und mit dem nun verwaisten Vereine, an dem er mit so großer Liebe hing, trauere ich in tiefster Dankbarkeit um den edlen Mann. Möge ihm die Erde leicht werden! Wien, 15. Mai 1615. H e r m i n e Kadis ch. Karl Eugeniewitfch und Helene Pasternak. Am Sonntag wurde auf dem Zentralfriedhofe (isr. Abteilung) ein Ehepaar zu Grabe getragen, das es wohl verdient, daß sein Angedenken über das Grab hinaus in ferne Zeiten hinüber geehrt und hochgehalten werde. Karl Eugeniewitfch Pasternak und seine Frau Helene geborene Adutt haben das seltene Glück genossen, fast ein halbes Jahrhundert lang in ungetrübter Ehe miteinander zu leben und das Schicksal war ihnen so gnädig, daß keiner den anderen überlebte. In einer Stunde hat sie Gott zu sich genommen, so daß beiden der Abschiedsschmerz erßpart geblieben ist. Die griechische Mythe hat dies Glück in der Erzählung von Philemon und Baucis verkörpert, denen Zeus hie Gnade erwies, sie gemeinsam in das Reich der Schatten wandeln zu lassen. Dem Ehe^ paar Pasternak ist die gleiche Gnade beschieden gewesen. Eine solche Gunst ist durch Verdienst erworben, i nicht geschenkt und wenn man das Leben dieses Ehepaares überblickt, dann bekennt man gern, daß sie das gütige Geschick wohl verdient haben. Er stammt aus einerguten polnischen Familie, sie aus der vornehmen türkisch-jüdischen Familie Adutt. Sein Beruf als Kaufmann führte ihn nach Moskau, wo er in dem angesehensten russischen Großhandlungshause Protopopow sich bald eine so einflußreiche Stellung erwarb, daß er der maßgebende Vertrauensmann des Chefs wurde und selbst dann blieb, als er sich aus Moskau zurückgezogen und in Wien seinen Aufenthalt genommen hatte. Strengste Rechtlichkeit, Unermüdlichkeit in der Arbeit und vollstes Verständnis für die Volksseele machten ihn vorzüglich geeignet, alle Vorurteile zu besiegen und auch In der Stadt zu einer angesehenen Stellung sich emporzuschwingen. Er betätigte sich bei allen Wohltätigkeitsaktionen und seinem Wirken ist es zuzuschreiben, daß ein Blindenasyl gegründet wurde, in dessen Verwaltung er bis zum Abgänge aus Moskau blieb. Neben seinem Berufe und seinem wohltätigen Wirken wandte er sich auch mit Vorliebe der Kunst zu — nicht als Ausübender, vielmehr als Unterstützender. Er gab aus vollem Herzen und ohne ängstliches Abwägen. Als er in Wien seinen Aufenthalt genommen hatte, setzte er sein humanes Wirken fort und ihm muß man es nachsagen, daß das Wort.' „nil liumani a me alineum putcr treffend sein Tun charakterisierte. Wo es galt, menschliches Elend zu mil-

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