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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1915-05-14 · 20 (14.5.1915) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
32 (1915)
Issue
20 (14.5.1915)
Date
1915-05-14
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 20 Dr, Bloch's lungen führten aber Zn keinem Endresultat und bald wiederholten die Kosaken ihren Einbruch in.Polen und Zogen jahraus, jahreür vom Jahre 1648 bis-zum 'Jahre 1655 mit Feuer und Schwert durch das Land, Wobei ein jedesmal die Städte und die-Juden einer anderen Strecke zum Opfer fielen. ", Aufdem gewaltigen Gebiet vom Dnjepr bis -gur Weichsel waren die Juden ihres Lebens nicht sicher und nun.begann-eine große Wanderung der östlichen Juden über den San und die Weichsel nach Kleinpolen, d. i. nach Kr akam-und die umliegenden Städte: Dzialoszyce, Wodislaw, Olkusz, Pinczow, Sandomierz, Ovatow usw., und nach Gr 0 ß p 0 l e n, d. i. nach Posen, Lissa, Ostrowo, Kalisch usw. Ueberall waren die Ghetti voll und überall nahmen die Flüchtlinge die öffentliche Wohltätigkeit in Anspruch. Die Kahalsbücher dieser "Städte enthalten große Positionen für diese Zwecke und Waisen und Witwen mußten..zu Tausenden erhalten werden. Die ganze polnische Judenheit ward auf dem schmalen Streifen Groß- und Kleinpolens Zusammengedrängt, und wenn wir bedenken, daß w-Hrend 'des 30 jährigen Krieges die Juden Ostdeutschlands auch nur Großpolen als ihre einzige Zufluchtsstätte hatten, so werden wir davon eine Vorstellung Haben, was in den Ghetti der genannten Städte vorging. Weinen und Klagen, ertönten in den Gotteshäusern und .auf den Gottesäckern und das Rezitieren des Kaddischgebetes erdröhnte unter den schweren Gewölben der alten Synagogen. Der gelehrte Posener Rabbiner K. Scheftel Horowitz schrieb Selichoth (Bußgebete) anläßlich des groß.nl Unglücks, der Mehrmals genannte Chronist N a t a n N e t a Hannover, floh bis nach Venedig, wo er (1652) seine Chronik „Jawein Mezula" druckte; Mose aus Narol flüchtete sich bis nach Metz, wo er Rabbiner wurde und seine thräneNreiche Bakaschah schrieb, und in allen, deutschen Gemeinden wurden Gebete für die Opfer der unglückseligen Verfolgung. eingesetzt. In Worms ließ der Rabbiner S i m s 0 n B e n Abraham S am u e l in das dortige Memorbuch "IL2 irotn die Namen der Dielen ermordeten Rabbiner eintragen, und die polnischen Repräsentanten der Gemeinden und die Rabbiner setzten auf der sogenannten Vierländersynode den 20. Sivan — den Tag der Erstürmung von Niemirow — als Fasttag ein. Der Krakauer Rabbiner — einstmals Rabbiner in Prag — JorntobHeller setzte besondere Selichoth für den Fasttag ein und der gelehrte Sabbatai Ko Yen dichtete neue Elegien für dasselbe Rituale. Ueberhaupt wurde Krakau ein Asyl für die vielen Gelehrten Polens, die ihr Leben aus dem Unglück gerettet hatten. Die Krakauer Offizinen druckten die.Selichoth, das „Fliegende Blatt" des Sabbatai Kohen, und . eine poetische Ehrdnik von M a j e r B e n S a m u e l aus Szczebrzeszyn, genannt Zok Ha-Jtim. (Fortsetzung folgt.) Ateratur. Zweites Heft von Moritz Frühlings „Jüdischem Kriegsgedenkblatt". ■ (Im Selbstverlag des Verfassers, Bez., Taborstraße 8. Kr. 2.—.) Unter dem Motto ^.Tretet ein, auch hier sind Helden", erscheint soeben das zweite Blatt dieses Prachtgedenkwerles, das zwanzig Porträts von Gefallenen und im Kriegs Verunglückten mit ausführlichen Biographien enthält, nämlich der Aerzte Oberstabsarzt ^Ludwig Klein, Dr. Oskar Anton, Leo Richard Grün seid, des -so schändlich von einem offenbar betrunkenen russischen Offizier Dahingemor'deten Dr. Bernhard Mund, des Wiener Advokaten -- Dr.^Sübäk, des Oberingenieurs Bela Hirsch, Her Reserveleut-, nants, Fähnriche und Kadetten Kulka, Löwenherz, Rohr- Wo.chenfchrist Sette 379 l ich, N a f'f a u, Dr. Frischauer, Schweitzer, Klaub ev, S t u ck h a r d, Sulz, Epstein, Treulich, schließlich zweier weit über den Kreis ihrer Angehörigen und Freunde unersetzlichen, des hervorragenden jungtschechischen Kunstschriftstellers und Dichters Mednoe Dr. Erwin Tauffig und des Advokaten Dr. Hugo .Zuäermann» Der Biographie dieses Dichtergenius ist nicht nur sein berühmtes * Rsnerlied beigegeben, mit einem Brief des Generalgouverneurs von Thorn, Grafen D i ck h u t H-H a r r a ch, an den Autor, worin der Gouverneur dankend hervorhebt, daß dieses damals schon von sechs Komponisten vertonte Lied eines Oesterrcrchers, das einzige ms "jetzt volkstümlich gewordene im Weltkriege ist, ein merkwürdiges Zeugnis, wie sehr die moderne Aesthetenlyrikdie Fühlung rüit der Volksseele verloren hat, sondern viele /andere noch unveröffentlichte seiner Poesien. In Zuckermann begrub das deutsche Volk einen „reichen Besitz, aber noch größeres Hoffen", einen Unersetzlichen, der aus dem Boden mittelalterlich-jüdischer Poesie und moderner östlich jüdischer Volkspoesie stand, einer Lyrik, die erst durch Rabbiner Dr. Grunwald in weiteren jüdischen Kreisen bekannt wurde. In ihm vermählte sich, wie in keinem zweiten, östliche und westliche Kultur Anschließend an die Biographien finden sich Auszeichnungen des Feldrabbiners Dr. S. Gutmann — das Wirken des Feldrabbinsrs ist noch lange nicht genug gewürdigt — und eine interessante, mit der Ermordung der /Kaiserin zusamenhängende Episode aus dem gegenwärtigen Weltkrieg. Für viele, die hier verewigt sind, passen leider die darin enthaltenen Verse Zuckermauirs: „Bald schueit's und deckt die letzte Spur, oon einem, der zur Fahne schwur" und seinen Schwur gehalten; „Der Regen wusch die Namen ab, verloren und vergessen, Soldatengrab, Soldatcngrab, das keine Tränen nässen". Um so merkwürdiger isl. es, daß der bescheidene Autor nicht einmal bei vielen Hinter, btiebenen, denen die Ausnahme in das Prachtwerk die einzige Möglich. feit der Erhaltung eines oauerndeü Andenkens, für den Toten ist, . noch weniger in weiten jüdischen Kreisen Förderung findet. Schon um unseres österreichisch-jüdischen Körners, Zuckermann, willen sollte das Buch jedem Heranwachsenden jüdische r Knaben und weiten Volksschichten in die Hand gegeben werden. Die Herren Lehrer, rReligionslehrer, Rabbiner, jüdische Vereine und Bibliotheken sollten ermöglichen, daß das Werk weiter erscheinen und unseren Gefallenen zu dauerndem Ruhme gereichen könnte. F. -— Jrku A, Materialien zur Volksreligion Israels, ' Leipzig 1914, A. Deichert (Werner Scholl). Im Anschlüsse an Wundt's Völkerpsychologie spürt der Verfasser der sich durch seine Arbeit über die „Dämonen und ihre Abwehr hn alten (Testament" aas diesem Gebiete "bereits bewährt hat, den Resten des Volksglaubens im alten: Israel nach. Es ,ist das Verdienst solcher Forschung, auf fönst ganz belanglos scheinendes Nebenwerk aufmerksam zu machen und es in neuem Zusammenhangs in überraschender Pedeutung zu zeigen. „Das Sitzen am Bache", womit der Brauch, Synagogen an Flüssen zu errichten, hätte in Verbindung gebracht werden können, „Das Gottesurteil", von drm eine Erinnerung noch in dem, talmudischen „Kol d'alim gebar" fortzuleben scheint, die „Sanwerim" und vieles andere verdient nun aufmerksamere Beachtung. Die Parallelen aus der babylonischen Literatur sind gerade hier niitunter schlagend. Sisca. Der älteste Midrasch zu Levitikus. Nach Handschriften neu hrrausgegeben und mit Anmerkungen versehen von M. Friedmann weil. Lektor am Beth Ha-Midrasch und Lehrer an der IsraeIi1isch-«Theologischen Lehranstalt in Wien. Ein von dem mitten in niner Arbeit abberusenen Verfasser hinterlassenes Fragment Tert und Anmerkungen bis 3, 9. Mit einem Voyport von Rabbiner Professor Dr. P 0 r g e s, Leipzig. Schriften der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums. Breslau 1915. Verlagsbuchhandlung M. u. H. Marcus, 13. Bez., Kaiser Wilhelmsstraße 3. Kriefkasterr E. M. Einen von der äsrael. Kultusgemeinde, dem Ortsschulrat, dem Bezirks- und Landesschulrat «bestelltem Religionslehrer kommt die Wohltat des § 29 des Wehrgesetzes zugute. Die Bestellungsurkunde und der Erlaß aus Nr. 12 der „Oesterr. Wochenschrift" ist der Musterungskommission vorzulegen. Rabbinat M. O. Die Besitzer dreier Rabbinatszeugnisse sind vom attiven Waffendienste befreit. Notiz. Jüdische Bühnr. Dir. M. Siegler. Regie S. L er es kn. Hotel Stefanie, 2. Bez., Taborstraße 12. Freitag, den, 14. jjftai: „D i e Amerikaners n", Operette in vier Auszügen von Schor. — Samstag, den. 15. Mai: Großer Theaterabend, veranstaltet von der - Wiener „Jüdischen Morgen-Zeitung", zugunsten - einer jüdischen Lesehalle. Zur Ausführung gelangt Dr. Pinsk's „D i e

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