Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 32 (1915)
- Issue
- 20 (14.5.1915)
- Date
- 1915-05-14
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Sette 372 Dr. Bloch's Wochenschrift Nr. 20 Se. 'Exzellenz hat den Antrag des Herrn Bezirksvorsteherstellvertreter .Kleb inder wohlwollend entgegengenommen und versichert, er werde denselben der Regierung befürwortend übermitteln. Die freudigen Ereignisse der letzten Tage, der Siegeszug der Verbündeten Truppen in Galizien haben hie Bedeutung dieses Antrages ein wenig in-den Hintergrund gedrängt, vielleicht aber auch die leitenden Kreise einer Bewilligung desselben geneigter gestimmt. Dies schon deshalb, weil, entgegen der in einzelnen Bevölkerungskreisen verbreiteten ganz irrigen Auffassung, die Flüchtlinge nach Beendigung des Krieges ja eher in ihre Heimat zurückkehren werden, den in Betracht kommenden Behörden aber die Möglichkeit unbenommen ist, einer solchen Eventualität durch Ausgabe von aus eine bestimmte Zeit dauernden Arbeitsbüchern (etwa auf Kriegsdauer!) zu begegnen. Durch die Annahme dieses Antrages würde den armen, kummerbeschwerten Flüchtlingen die Möglichkeit geboten werden, Arbeit zu suchen und bei dem durch die Musterungen hervorgerufenen Mangel an männlichen Arbeitskräften, auch zu finden- Fast sämtliche Flüchtlinge sind eines Gewerbes kundig, bilden gutes Arbeitermaterial und sind, was das allerwichtigste ist, arbeitswillig, sie konnten jedoch bisher mit Ausnahme einiger weniger mangels Arbeitsbücher im Sinne der bestehenden Gewerbeordnung keine Arbeit finden. Die Flüchtlinge haben die Absperrung des Weges zum ehrlichen Erwerb doppelt schmerzlich empfunden, weil sie einerseits zum Müßiggang verurteilt waren, andererseits sich bei der herrschenden und anhaltenden Teuerung der Lebensmittel von dem ihnen seitens des Staates gewährten Unterstützungsböitrages nicht ernähren können. Daß dies aber geschehe, daß ihnen die Möglichkeit gegeben werde, den durch die Aufregungen und Mühsalen der Flucht geschwächten Organismus durch halbwegs bessere Nahrung zu kräftigen und für die noch bevorstehenden Arbeiten widerstandsfähiger zu machen, ist nicht nur Pflicht des Staates gegen seine Angehörigen, sondern gegen sich selbst. Es ist dies einer jener Anträge, über den man sich wundern sollte, daß er noch nicht gestellt wurde, und sollte der Borwurf auch berechtigt sein, daß dies bisher von den hiezu berufen st en Stellen nicht geschehen ist — gute Taten kommen nie zu spät. Dieser Antrag ist eine „Tat" von großer humaner und sozialer Tragweite. Die armen Flüchtlinge wollen und werden sich ihr Geld verdienen, .bis ein gütiges Geschick sie in ihre Heimat, nach der sie sich sehnen, zurückbringen wird. Wien, 10. Mai 1915. Josef Brenner. Brot für arme Flüchtlinge. Das gefertigte Komitee für Brotverteilung an qalizische Flüchtlinge ohne Unterschied der Konfession, Wien, 2. Bezirk, Große Mohrengasse 2, wendet sich mit dem Hilferufe an die nimmer erlahmende Hochherzigkeit und den unerschöpflichen Wohltätigkeitssinn der Bevölkerung, der armen brot- und heimatlos gewordenen Flüchtlinge zu gedenken, die wir bislang mit dem Unentbehrlichsten, mit Brot, versahen. In diesen unseren Bestrebungen half uns bislang die großzügige Hochherzigkeit warmschlagender Herzen und setzte uns in die Lage, bisher 36.000 Portionen Brot wöchentlich den Hungernden zu bieten. Aast sind unsere Hilfsquellen erschöpft und droht das Gespenst des Hungers an den Pforten der um Brot Bittenden zu pochen, und wenn hilfreiche Menschen uns nicht fördern, so sehen wir mit banger Sorge den Tagen entgegen, an welchen die Bitte nach Brot unerhört verhallen muß. An die trotz schwerer Zeit edel und menschlich fühlenden Herzen 'richten wir den flammenden Appell: Gedenket der Hungernden, stützet uns in dem Bestreben, den Aermsten das Brot nicht entziehen zu müssen, der gräßliche Hunger, das übergroße Elend sprechen eine Sprache, die von edlen Menschen gehört und verstanden wird. Helfet uns, Brot zu verschaffen! Jede Gabe wird dankbarst entgegengenommen vom Komitee für Brotverteilung an galizische Flüchtlinge ohne Unterschied der Konfession, Wien, 2. Bezirk, Große Mohrengasse Nr. 2. Die Millionenwidmung der. Ankerbrotfabrik. Als eine der ersten Zeichner der neuen österreichischen Kriegsanleihe hat sich die Ankerbrotfabrik der Herren Heinrich und. Fritz Mendl mit einer Million eingestellt. Diese ansehnliche Zeichnung hat aber einen besonderen Charakter dadurch gewonnen, daß. die Million 1915 er Kriegsanleihe zusammen mit einer aus der ersten Kriegsanleihe stammenden Million einem Zweimillionenfonds für die Beamtenschaft und die Arbeiter der Ankerbrotfabrik gewidmet wurde. Die Herren Mendl haben ein schönes Beispiel für die Vereinigung patriotischer Pflichterfüllung gegenüber den Anforderungen des Vaterlandes mit einer in diesen Kriegszejten doppelt wohltuend wirkenden sozialen Fürsorge gegeben. Die Widmung der Herren Mendl fügt sich würdig in ,p:e großen Traditionen des Wiener Bürgertums. H’ „Flüchtlinge" und „Flüchtige". Geehrte Redaktion! Sie würden sich um die Sache der Flüchtlinge sehr verdient machen, wenn Sie nachstehenden Zeilen in Ihrem ' Blatte Raum geben wollten: Das Los der Heimatlosen ist von Ihnen selbst bereits wiederholt in bewegten Worten geschildert worden. Von Haus und Hof vertrieben, ohne Fühlung mit den engsten Verwandten und Bekannten, beruflich unterbunden und völlig planlos in den Alltag lebend, bilden wir im Grunde genommen nichts als eine Straf kolonie, der eine eigene) um nicht zu sagen eigenartige Signatur aufgedrückt ist. Man hat uns alle unter der Bezeichnung „Flüchtlinge" subsumiert und behandelt uns zuweilen darnach. Erhaben ist die Tätigkeit der zahlreichen Wohltätigkeitsanstalten für die armen Flüchtlinge, und die Taten einzelner, die Wohltun im stillen üben, sprechen Bände. Allein das Verhältnis von Mensch zum Menschen zu veredeln, dazu find die wenigsten fähig..- So stellt sich die Gebefreudigkeit nur als eine Art Tribut dar, die man gerne dem Kriegsgott opfert, um selbst von Mitleid und Erbarmen verschont zu bleiben. Aber darin gibt sich umsomehr die Tatsache kund, daß man den Flüchtlingen, auch jenen, die auf die öffentliche Mildtätigkeit nicht angewiesen sind, eine gewisse Sonder-, richtiger Nebenstellung einräumt und außer der Unterstützung nichts weiter von ihnen wissen will. Was wir am schmerzlichsten empfinden, sind die oft in der Presse zu unliebsamen Verwechslungen führenden Worte „Flüchtlinge" und „Flüchtige". In Fällen von Defraudationen-- Verbrechen u. dergl. heißt es, vorausgesetzt, daß der Täter nicht gleich dingfest gemacht wird, immer wieder: „Die Polizei ist dem „Flüchtling" auf der Spur" oder „Nach dem „Flüchtling" wird gefahndet". Eine solche Schreibart ist geeignet, Mißtrauen gegenüber den Flüchtlingen zu erwecken und sie vollends um ihre Reputation zu bringen. Es wäre deshalb angezeigt, zwischen „Flüchtlin g" und „F l ü ch-