Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 32 (1915)
- Issue
- 20 (14.5.1915)
- Date
- 1915-05-14
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr 20 Dr. Bloch'S Wochenschrift Seite 389 Mit dem Signum laudis ausgezeichnet wurde Leutnant Dr. Emil Winter wegen tapferen Verhalterls vor dem Feinde. Leutnant Win t e r ist der Sohn des Kaufmanns Leopold Winter in Wien, 2. Bezirk, Negerlegasse 4. Das Signum laudis am Bande des Militärverdienstkreuzes für tapferes Verhalten vor dem Feinde wurde dem Leutnant Max Rothbar t, Infanterieregiment Nr. 60, verliehen. . Leutnant Rothbart ist einer von vier Brüdern, die sämtlich im Felde kämpfen. Sein jüngster Bruder, Emil, wurde für tapferes Verhalten vor dem Feinde in den Karpathen zum Kadetten ernannt. Emil Rottzbar t ist freiwillig in den Krieg gezogen. Nachstehend ein Feldpostbrief des Leutnants Max Rothbar.t: Teuerste Eltern!, Die Nachricht, welche ich Euch heute mitteile, wird Euch freuen. Ich bin nämlich von heute an Besitzer der Allerhöchsten Auszeichnung. Erst heute ist die Auszeichnung gekommen, welche mir für eine Waffentat am 27. November v. I. verliehen wurde. Nun, liebe Eltern, könnt Ihr auch sagen, daß Euer Sohn unter den Helden des jetzigen Krieges Plptz genommen hat. Aus diesem kannst Du sehen, teuerer Vater, dah ich auch in diesen lebensgefährlichen Verhältnissen Deine Befehle und Wünsche befolge. Ich schreibe Euch heute mit einer gewissen Genugtuung und Stolz, denn ich habe schön geglaubt, daß es mir nicht gelingen wird, Euch zu beweisen, daß ich in diesem Kriege meinen Teilmir herausgenommen habe und werde. Mit Gruß und Kutz Euer treuer Sohn Mar. . . s ZZ. April 1915. _ AreizeHnmat in russische Gefangenschaft geraten und befreit. Ein recht wechselvolles Schicksal hatte bis jetzt der Reservegefreite im 32. Regiment Leopold N e u m a n lt, welcher auf dem nördlichen Kriegsschauplatz anläßlich des Rückzuges seines Regiments mit einer Abteilung den Feind solange aufhielt, dis der Rückzug in Ordnung vollzogen werden konnte. Neu - mann erhielt hiefür die silberne Tapferkeitsmedaille zweiter Klasse, welche ihm am 18. April Major Simon K o h l b a ch, als Kommandant-Stellvertreter in Dees, an die Brust heftete. Gefreiter Neumann war stets für jede waghalsige bravouröse Tat, zu der er sich stets freiwillig meldete, zu haben. Einmal schlich er in eine Gemeinde des Komitates Ung, welche von den Russen besetzt war, um die Schützengräben des Feindes festzibstellen. Das Unternehmen ist auch gelungen, denn er sandte durch eine Zivilperson seiner Truppe einen ausführlichen Bericht über die Lage der feindlichen Schützengräben und die dieselben besetzt haltenden feindlichen Kräfte. Er selbst jedoch geriet in Gefangenschaft. Drei Tage lang hielten ihn die Russen mit seinen wenigen Kameraden in der Dorfkirche gefangen, sie wurden jedoch mit Hilfe der Dorfbewohner befreit und vermochten zu ihrer Truppe zurückzuflüchten. Bei einer anderen Gelegenheit machte er sogar als Gefangener mit Hilfe von vier Kameraden 48 Russen zu Gefangenen, welche von den sich zurückziehenden russischen Truppen in einer Scheune vergessen wurden und dort einschliefen. Alles in allem gerieten Neumann und die mit ihm operierenden treuen Kameraden dreizehnmal in russische Gefangenschaft, aus welcher sie immer zu entweichen verstanden. Sein furchtbarstes Abenteuer erzählte Neumann selbst: „Wir wurden als Patrouille ausgeschickt. Wir gruben uns für die Nacht eine Deckung, um in derselben bis zum nächsten Morgen auszuruhen und dann unseren Weg in der Richtung des Feindes fortzusetzen. Wir waren nicht wenig überrascht, als wir, des morgens erwachend, in unserer unmittelbaren Nähe das Gespräch russischer Soldaten hörten, was bis zum Mittag anhielt. Ich hielt es in meinem Versteck nicht länger aus, steckte meinen Kopf aus der Grube und bemerkte, daß der Feind in unserer unmittelbarsten Nähe in^einem ganz frischgegrabenen Schützengraben in langer Schwarmlinie eine neue Stellung einnahm, während wir schliefen. Der Kampf begann denn auch mit unseren Truppen. Wir hörten deutlich die Kommandorufe der russischen Offiziere, das Fluchen der verwundeten russischen Soldaten, während inzwischen die von unseren eigenen Soldaten herübergesandten Kugeln pfiffen. Wir begannen verzweifelt den Boden auszuhöhlen, und nach sechsstündiger angestrengter Arbeit hatten wir eine kleine unterirdische Höhle für uns hergestellt. Hie und da schlug eine Granate in der Nähe unseres Unterschlupfes ein und panikartiger Schrecken erfaßte uns in der Befürchtung, daß unsere Höhlenwohnung einstürzen und uns lebendig begraben könnte. Wir vermochten.auch unsere Köpfe nicht aus der Höhle zu stecken, denn die Kugeln kamen so dicht herangeflogen, daß wir sicherlich tot zurückgesunken wären. Einhundertundzwei bange und unser ganzes Nervensystem anspannende Stunden lang warteten wir so zwischen Leben und Tod schwebend, bis endlich die uns so bekannten Hurra- und Rajta-Rufe an unser Ohr drangen. Es war der Sturmangriff der Unsrigen. Nun wagten auch wir uns hervor aus unserem Versteck und wir drei unterstützten mit einem Flankenschnellfeuer den Sturmangriff. („Egyenlösseg".) Von den tapferen Verteidigern Mrzemysks. Oberleutnant Dr. Julius Grünwald vom Jnf.- Regiment Nr. 17 schreibt aus Ufa, den 19. Zlpril 1915: „Meine Lieben! Ich bin gesund und grüße Euch bestens. Werde meine Adresse mitteilen, sobald ich weiß, ob ich hier bleibe. Euer Julius." Goldene Tapferkeitsmedaikle, die er nicht erlebte. Der Neusegler Bewohner Arpad Klein erhielt vergangene Woche das nachfolgende Schreiben: „Euer Hochwohlgeboren! Leider muß ich Ihnen mitteilen, daß Ihr werter Bruder, Fähnrich Max Klein, am 12. März l. I. in der Nähe von Tyskowa den Heldentod für Kaiser und Vaterland erlitt, dem Regiment durch sein Verhalten Ehre und Ruhm schaffend. Er wurde für die goldene Tapferkeitsmedaille beantragt. Nehmen Sie des Offizierkorps und mein spezielles Beileid entgegen. Gott schenke den lieben Eltern Kraft und Stärke, den schweren Schicksalsschlag zu ertragen. Hochachtungsvoll R a d d a, Hauptmann, Reg.-Adjutant." Fähnrich Klein gehörte dem 71. Preßburger Infanterieregiment an und hat in Galizien an 26, in den Karpathen an 8 Kämpfen teilgenommen. _ („Egyenlösseg".) Zn der Schtachl gefasten. In den Karpathen hat Leutnant Rich. Neubauer, Sohn des Herrn N. Neubauer, Theussing, den Heldentod gefunden. Die Nachricht erhielt sein Vater vom Reg- Adjutanten Leutn. K w a p l des 6. Landw.-Jnf.-Regiments in Eger, mit dem Bemerken: „Das Offizierkorps verliert mit dem Braven einen vorzüglichen Kameraden und zugleich den tapfer st en vom ganzen Regiment. Auch war er unter den „Eisernen 6" schon veröffentlicht." Rich. Neubauer war als Fähnrich gleich bei Kriegsbeginn eingerückt, in Serbien mit der silbernen Tapferkeitsmedaille erster Klasse ausgezeichnet und außertourlich zum Leutnant befördert worden. Er ist vor seinem Tode zweimal verwundet gewesen.