Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 32 (1915)
- Issue
- 20 (14.5.1915)
- Date
- 1915-05-14
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 20 Dr. Bloch's Wochenschrift Seite 367 Die Zeit meiner russischen Gefangenschaft verbrachte ich in Lemberg, bis Kuropatkin, der Sohn des. aus dem russisch-japanischen Kriege berühmten russischen Heerführers, mir durch den Raaber Advokaten, Rtzserveleutnant Dr. Eugen Ha las z, den ich als Verwundeten häufig in Lemberg besuchte, mir sagen., ließ, daß, wenn ich noch weiter mir die Heimatsadressen der ungarischen und österreichischen Verwundeten notiere, er dafür sorgen werde, daß ich nach Tomsk gelange, wo ich hiezu kaum Zeit haben würde. Da ich in Lemberg unsere in russische Gefangenschaft geratenen Soldaten täglich besuchte, hatte ich Gelegenheit genug, zu beobachten, was die dortige Judenschaft für unsere Soldaten getan hat. So oft die Russen einen Transport ungarischer oder österreichischer Verwundeten einbrachten, wurden die Transportwagen von Judenhänden wie mit Mannah mit Brot, Gebäck, Fleischspeisen, Obst und anderen Lebensmitteln überschüttet. Ich bemerkte oft, daß auf dem Körper manches unserer Soldaten das Hemd schon lange nicht weiß gewesen sein mochte, denn seine reine Leibwäsche wurde ihm von irgendeinem Kosaken geraubt. Geld 'besaßen diese Jungen nicht, denn die erste Arbeit des russischen Soldaten war, den Unsrigen den letzten Heller abzuknöpfen, wenn sie in ihre Hände gerieten. Es war für mich ein furchtbarer Anblick, meine Brüder und Leidensgenossen mit intelligenten'Gesichtern in schmutzigen Hemden zu sehen. Ich organisierte also ein aus jüdischen Damen bestehendes Komitee. Es gab ein Komitee für Wäsche, für Brot, Tee, Kaffee und Zigaretten. Manchem unserer Leute ließ ich auch einige Groschen zukommen. Wir gäben ihnen russisches Geld, damit sie sich unterwegs das Allernotwendigste anschaffen konnten. Als wir es auß( eigener Kraft nicht mehr tun konnten — ich selbst war ja auch ein armer Bettler —, aber meine Wirtin, Frau Samuel Feder, und ihr Sohn (Gott segne jeden ihrer Schritte) sagten stets: „Bitte, wir borgen Ihnen Geld, wieviel Sie nur wünschen, unsere Brieftasche steht Ihnen immer zur Verfügung." Da baten wir gutherzige Familien, und diese opferten stets gerne. Davei haben die Armen selbst auch unter dem russischen Joche geseufzt. Hätten sie bloß die Gunst der Russen erwerben wollen, so hätten sie auch dasselbe getan, was die Masse der Lemberger Bevölkerung tat, sie hätten sich passiv verhalten. Aber meine jüdischen Damen — jawohl jene gewisse „Rüfkes", wie man sie bei uns zu Hause gerne spöttisch nennt, — schlugen sich mit mir zusammen, beladen mit den beschafften Wäsche- und Speisevorräten, durch die sausenden Knutenhiebe der russischen Gendarmen und der wachthabenden Kosaken bis zum Gefangenenlager, niemals fragend, in welchem Gotteshause der Betreffende zu unserem Allvater betet, teilten wir in aller Eile, uni unsere Arbeit um den Preis möglichst weniger Knutenhiebe zu verrichten und um nicht von dem russischen Kommandanten erwischt zu werden, die mitgebrachten Gaben aus. Wie glücklich waren doch diese guten Damen, als ihre Schürzen und Körbe sich geleert hatten." Nach einer eindringlichen Mahnung an die Ungarn jeden Glaubens, gegen die galizischen Juden, welche auch jetzt noch die ungarischen Soldaten in den von Russen besetzten Städten und noch mehr in den in unserem Besitze befindlichen Ortschaften unterstützen, gerechter zu sein, schließt Feldrabbiner Kertesz seine Ausführungen wie folgt: „Die galizischen Juden sind eine der treuesten Gruppen der Bewohner Oesterreichs. Sie haben sehr viele Opfer gebracht, haben am meisten' verloren und am meisten gelitten in diesem Kriege. Sie verdienen es, daß wir wenigstens Mitleid mit ihnen haben und an ihrem Schicksale Anteil nehmen." Kriegsdekoralionen jüdischer Offiziere und Sotdalen. Se. Majestät der Kaiser hat verliehen: ' f das Ritterkreuz des Franz Josef-Ordens am Bande des Militärverdienstkreuzes für tapferes und aufopferungsvolles Verhalten vor dem Feinde dem Stabsarzt Dr. Julius - Z i l z, Feldspital 4/2; dem Oberstabsarzt 2. Klasse Dr. Julius Schwarzkopf, Kommandant des Feldspitales 3/9; , das Militärverdienstkreuz . dritter Klaffe mit der Kriegsdekoration dem vor dem Feinde g°e f a l l e n e n Hauptmann Heinrich Moldauer, Infanterieregiment Nr. 39; den gefallenen Leutnants d. Res. Emil Fischh o f, Infanterieregiment Nr. 43, und Ernst Weinb erg er, Infanterieregiment Nr. 99; ferner dem Leutnant d. R. Herbert P o l l a k, Infanterieregiment Nr. 23; angeordnet, daß neuerlich die kaiserliche belobende Anerkennung (Signum laudis am Bande des Militärverdienstkreuzes) ausgesprochen werde dem Leutnant d. R. Robert Mahler, reitende Artilleriedivision Nr. 6; verliehen wurde das Signum laudis für tapferes Verhalten vor dem Feinde den Oberleutnants d. Res. Siegmund Büchler, reit. Artilleriedivision Rr. 6, , Andor Pollak, Infanterieregiment Nr. 85, Artur 'JaffG Traindivision Nr. 14, Alois Mandl, Traindivision Nt'. 3, Richard Drucker, Landst.-Bataillon Nr. 96; den Leutnants d. Res. Johann Herzl, Infanterieregiment Nr. 74, Josef Horowitz, Jnfanteriereginient Nr. 13, Felix Straffer, Infanterieregiment Nr. 61, Josef Aron, Infanterieregiment Nr. 5, Emil Roth, Jägerbataillön Nr. 32, Fritz Oppenheim, Feldhaubitzenregiment Nr. 9. Richard Lederer, Infanterieregiment Nr. 42, Dr. Richard Weiß, Landsturmregiment Nr. 1; ferner dem Hauptmann Oskar Kellen e r, Landsturmregiment Nr. 15, für vorzügliche Dienstleistung vor dem Feinde dem Regimentsarzt Dr. Adolf Steine r, Landwehrregiment Nr. 9, und dem Oberarzt Dr. Felix F r i s ch, Landsturmbataillon Nr. 36. Silberne Tapse rkeits medaille erster Klasse erhielten: Fähnrich d. Res. Dr. Andor Löw, Feldkanonenregiment Nr. 18; Zugsführer Israel Osträg e r, Infanterieregiment Nr. 95; Fähnrich d. Res. Adolf S o n n e n b l i ck, Infanterieregiment Nr. 56; Korporal Leo Storzer, Infanterieregiment Nr. 100; Zugsführer Salomon Krug, Infanterieregiment Nr. 22; Tit.-Feldwebel Karl Heller, Infanterieregiment Nr. 39: Kadett d. Res. Bela Klein, Infanterieregiment Nr. 6. Silberne Tapfe rkeits medaille zweiter Klasse erhielten: Korporal Simon Krnk, Infanterieregiment Nr. 30; Patrouillenführer <r-chloma Gabor, Jägerbataillon Nr. 12; Mappeur Josef Steiner, Sappeurbataillon Nr. 5; Kadettaspirant Moses Sternheim, Sappeurbataillon Nr. 15; Fähnrich d. R. Eugen Porges, Infanterieregiment Nr. 28; Infanterist Ernst Auerbach, Infanterieregiment Nr. 100; Zugsführer Karl Grünberger, Sappeurbataillon Nr. 12; Zugsführer Markus Gr über, Feldkanonenregiment Nr. 11; Infanterist Markus Seiger, Ofsiziersdiener Ignaz Strauß, beide beim Landwehrregiment Nr. 3; Infanterist Markus Bl ü m, Landwehrregiment Nr. 4; Gefreiter Ignaz Herz und Infanterist Jakob Prinz, beide beim Infanterieregiment Nr. 61; Husar Moriz Strauß, Husarenregiment Nr. 7; Zugsführer Otto Grünhut, Jägerbataillon Nr. 6: Fähnrich d. Res. Paul Fried, Feldkanonenregiment Nr. 22. Brdn zerre Tapserkeitsmedaille erhielten: Einjährig-Freiwilligen-Korporal Jakob Tu r i n, Fest.- Artillerieregiment Nr. 2; Korporal Moses Eifer-