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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1915-05-07 · 19 (7.5.1915) · page 17

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
32 (1915)
Issue
19 (7.5.1915)
Date
1915-05-07
Page
– (sequence 17)
Language
German
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Nr 19 Dr. Bloch S Wochenschrift Sette 361 führen dürften. Die Juden sahen sofort beit Verrat und wollten den Adel mit Gewalt aus der Festung hinauswerfen; schon kam es Zu einem Handgemenge, als der Ortsrabbiner, Achron, Sohn des Lemberger Jeschiwa- Rektors, Meir, mit.Zündenden Worten seine Getreuen aufsorderte, die Waffen zu strecken, damit man nicht in Polen sage, die Juden hatten polnische Adelige ge-, mordet. Die Worte des frommen Mannes wirkten und die Juden lieferten den Adeligen ihre Waffen und ihr ganzes Vermögen aus. Der Fürst Czeüverynski schickte die Habe der Juden dem Kosakenfichrer, dieser verlangte aber, man möge ihm die Juden selbst schicken. Sofort wurden die Juoen Mit Weib und Kind aus der Feste getrieben und die Kosaken sperrten sie in einen, mit eurer hohen Mauer umgebenen, Garten ein. Am dritten Tage öffnete sich das Tor des Gartens und ein Herold forderte die Juden zur Taufe auf. Dreimal wiederholte der Herold seine Aufforderung und als diese erfolglos blieb, fielen die Kosaken mir Spießen und Schwertern in den Garten und schlachteten gegen 1500 Juden ab. Nur die wenigsten entkamen dem Lode und gingen in die Sklaverei nach dem fernen Osten. Dasselbe Los ereilte nachher die Vertragsbrüchigen Adeligen. Diese gerechte Strafe hatte für die Zukunft die Wirkung, daß Adel und Juden im weiteren Kriege imnter zusammenhielten. '3. Die Nachricht in Zaslaw. So wurden nacheinander ganze Judengemeinden hingemordet und bald standen die Feinde vor Polonne. Die Kunde davon drang nach Zaslaw, wo unser Gewährsmann und Chronist, Hannover, wohnte. Nun lassen wir ihn allein von dem Schicksal seiner Nächsten erzählen und halten uns vor Augen die Ereignisse in Ostgalizien im Jahre 1914: „Unsere -Ltadt Zaslaw ist sechs Meilen von Polonne entfernt und nun schickten wir jeden Tag Boten hin, um Zu erfahren, wie es Mit der Belagerung stehe. In Polonne waren Einheimische und Flüchtlinge, an 10.000 Juden. Anl Mittwoch.kam zu uns ein Bote und sagte, die Feinde stürmen schon Polonne. Da flohen wir am Donnerstag, wer nur fliehen konnte, und ließen unsere Häuser voll mit Gold, Waren und Büchern auf Gottes Gnade zurück; wir dachten nicht an unser Vermögen, sondern wollten nur unser nacktes Leben retten. Die einen flohen in die große Stadt O st r o g, ich aber mit meiner Familie flüchtete nach Miedzyrzecz (Meseritz), einer kleinen Stadt bei Ostrog. So saßen am Sabbat Chason (vor Tischa' b' Ab) in Ostrog und Meseritz an 10.000 Familien und warteten das Schicksal Polonnes ab. Als wir am Freitag abend in Miedzyrzecz anlangten, sagte uns der dortige Prediger: „Der Hetman, Fürst Dominik Ostrogski, kommt heute nacht mit einem großen Heer nach Meseritz und marschiert zum Entsatz von Polonne." Wir freuten uns sehr und hofften am Sonntag nach Zaslaw zurückkehren zu können. Da kam am Spätabend die böse Mär, es brachte sie Herr Wyswiata, der Kommandant von Polonne: „Erobert ist Polonne und alle Adeligen und Juden sind hingemordet worden, die Feinde ziehen gegen Zaslaw und bald werden sie auch hier sein." Nach dieser Botschaft fiel ein Schreck über alle Juden, „es erzitterten die Fürsten Edoms", und alle schauten auf den Fürsten Ostrogski, was er tun werde. Und es war um Mitternacht, da zog Ostrogski mit seinem Heer durch dasselbe Tor, wie er kam; er zog diesseits auf Umwegen zum Entsatz von Krzemieniec. An der Stadt sagte man aber, er fliehe nach Polen, und man dachte: „Wenn in die Zedern fällt die Flamme Gottes, was soll mit dem Mop an der Wand geschehen?" ^Sofort ließen die Gemeindevorsteher in Ostrog und Miedzyrzecz publizieren, daß kein Jude in der Stadt bleibe, da der Feind nahe sei; auch trauten wir nicht der ruthenischen Ortsbevölkerung und flohen alle wie ein Mann. Wer Wagen und Pferd hatte, der zog per Wagen, wer aber keines hatte, der zog zu Fuß niit Weib und Kind und ließ seine Hab' und Gur zu Hause. Andere, die anfangs Waren oder Bücher auf ihren Wagen geladen hatten, warfen alles hinunter oder ließen es im Gasthof zurück, um schneller fliehen zu können. So zogen an jenem Sabbat Chason drei Reihen Wagen und Pferde die Landstraße entlang und der Zug reichte sieben Meilen bis nach Dubno; Fußgänger daneben ohne Zahl. Mach einigen Stunden erjagten,uns drei Reiter: zwei Adlige und ein jüdischer Goldschmied aus Ostrog, und sagten: „Warum geht ihr so langsam? Wisset ihr denn nicht, daß 'die Feinde schon in Meseritz find? Wir kamen ja kaum mit dem Leben davon!" Als wir das hörten, entstand eine Panik, rticht zu beschreiben; man warf von den Wagen alles herunter, um schneller fliehen zu können, andere spannten ihre Pferde aus und ritten davon, andere ließen Wagen und Pferd zurück und eilten mit Weib und Kind in die Wälder, andere ließen sogar im Getümmel chre Kinder zurück und liefen quer durch Wälder und Felder davon. An uns ging das Schriftwort in Erfüllung: „Ihr werdet fliehen und keiner wird euch jagen." Und so wanderten wir von Dorf zu Dorf, von Stadt zu Stadt; bei Nacht fürchteten wir bei den Bauern zu schlafen, da die ganze Bevölkerung uns feindlich gesinnt war. Jeden Morgen fvrachen wir mit Inbrunst das Geber: „Gelobt sei der Eivige, der die Toten belebt." (Fortsetzung folgt.) Literatur. Anfang Mai erscheinen: „Kriegs-riV2 deutscher und österreichischer Juden", herausgegeben von Dr. Eugen T a n n e n b a u m. Diese Sammlung enthält 64 Briese aus Frankreich, Belgien, Russisch-Polen, Galizien und Serbien. Sie spiegeln in glücklicher Auswahl alle möglichen Kriegssituationen wieder: von der Einkleidung bis zum Sausen der Schrapnells in offener Feldschlacht. Wir hören vom Rekrutenleben und von der ärztlichen Tätigkeit in einer kleinen Garnison, vom Ausbau der Schützengräben und von Patrouillengängen, vom Eisernen Kreuz und vom Leben in der Gefangenschaft. Im übrigen war für die Aufnahme der Briefe die Tatsache eines ausgesprochenen Verhältnisses des Schreibers zum Judentum maßgebend. Es kommen alle jüdischen Richtungen zum Wort, Orthodore und Reformer, Zionisten wie Parteilose. Die „Kriegsbriefe deutscher und österreichischer Juden" sind eine Dokumentensammlung von bleibendem Werk. Zu beziehen durch R. Löwit, Buchhandlung, Wien, 1. Bez., Rotenturmstraßr 22. Die Wunder der Natur. Band III. Deutsches Verlagshaus Bong u. Co , Berlin W. 57. (Auch in Lieferungen zu 60 Pfg.) Zu den Wirkungen des Weltkrieges wird ohne Zweifel auch ein erhöhtes Interesse für naturwissenschaftliche Fragen gehören. Chemie, Physik und Technik zeigen sich in ihrer überragenden Bedeutung sowohl für die Erringung des Erfolges im Felde, §ls auch für das siegreiche Bestehen der uns zugedachten Hungerblockade. Diesem Bedürfnis nach populärer Einführung in die Wunder und Geheimnisse, die uns die Forschung in den letzten Jahrzehnten offenbarte, kommt das vorliegende, nun abgeschlossene Prachtwert meisterhaft entgegen. Auch in dem Schlußband begegnen uns bestbekannte Autoren. Man braucht nur Francö, Heilborn, Porges anzufähren. Eine wertvolle Bereicherung bilden die (1500) künstlerischen Illustrationen. „Die Wunder der Natur" stellen selbst ein „Wunder des Geistes und Geschmackes" dar. R. Die Psalmen Israels nach dem Versmaß der Urschrift, verdeutscht von Pros. D. Rudolf Kittel. — 1915. VIII, 217 S. Mk. 2.50, geb. Mt. 3.—. A. D e i ch e r t'sche Verlagsbuchhandlung, Werner Scholl, Leipzig. Das Büchlein ist ein Meisterwerk. Vielen, die den Originaltert kennen, wird hier durch glückliche Konjektur so manche angenehme Ueberraschung geboten. So kann auch der Laie die Pracht und den Reichtum dieser einzigen Schöpfung genießen.

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