Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 32 (1915)
- Issue
- 19 (7.5.1915)
- Date
- 1915-05-07
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3020846-3022142-3022162--24109-3049341- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 356 Dr. Blochs Wochenfchrist. Nr. 19 Barncherzigkeit. . . Ja, die Franzensbader, die vorn Ueberflusse der reichen und reichsten Welt ansonsten — im Vollbewußrsein des Besitzes Wer unübertrefflichen Moorschätze —. den Tribut des Zchents stolz abzuverlangen wußten, vergaßen nun ganz an sich und an die dem Kurorte geschlagenen Wunden und standen unverweilt und unaufgefordert auf dem rechten Platz: vor den Stufen des Altars der Vaterlandsliebe. .Wie dem Schreiber dieser Zeilen Herr Bürgermeister Loimann mitteilte, wurden bis nun 15.000 Moor-, Stahl- und Kohlensäurebäder unentgeltlich verabreicht und das Mediko-mechanische Institut im Franz Josefs- Bad erwies sich als Wunderquell, erschlossen zum Heile der oft fchwerverwundeten Vaterlanbsverteidiger. Konstant besuchen 500 Kurgäste im Waffenrock, die an Herz-, Kriegsneurose, Rheumatismus und Gicht litten, unseren Kurort und die genossene Wohltat der Franzensbader Kur ermöglichte ihnen in kurzer Zeit als geheilt, mit frischen, geröteten Wangen, sich, neuerdings nach den Schützengräben .zu begeben, um unsere übermächtigen Feinde von der Schlagfertigkeit unserer Armeen zu überzeugen. „Franzensbad im Winter" wird zumeist vom Landschaftsmaler als „Insel der Seligen" auf die Leinwand gebracht — scheinbar — friedlich und ruhig, kaum daß man in den weißen breiten Alleen einem menschlichen Wesen begegnet, im Kriegswinter' 1914/15 jedoch schillerte der große Park von vielerlei Farben: österreichisch-ungarische und deutsche Soldaten in verschiedenen Uniformen, welche sich mühsam auf Krücken schleppen oder in Rollstühlen geschoben werden, usw. All' diese Farben jedochsind stark durchwirkt vom Schwarz des Kaftans; denn auch nach dem Franzensbader Kultus- Sprengel sind etwa 1200 Kriegsflüchtlinge verschlagen, denen hier Gastlichkeit gewährt wird. Trotz der großen Last, die sich die Gemeindevertretung mit der Versorgung der Kriegsverwundeten auferlegte, blieb ein Scherflein noch für die Heimatlosen übrig und das „Franzensbader Tagblatt" wußte oft und oft von Geld- und Naturalien sperr den zu berichten, die von Juden wie von Christen in gleichem Maße zuflossen. Für mehrere Hunderte von Flüchtlingen zahlt bis nun noch die Stadtgemeinde die Wohnungsmiete und die Kultusgemeinde leistet ihr bestes. So wurden beispielsweise den Emigranten anläßlich des Osterfestes rituelle Brote zmn Preise von 90 Heller (statt Kr. 2.40) für das Kilogramm besorgt usw. Auch wurden auf Anregung des Kultusvorstehers Herrn Theodor Spiegel 12 israelitische Kriegsverwundete die ganzen Osterfeiertage mit ritueller Verköstigung reichlich versehen. Auch den religiösen Gebräuchen wurde von seiten der Franzensbader israelitischen Seelsorge Rechnung getragen. Nun zieht der Frühling ein und mit ihm auch die Hofsnung auf bessere und glücklichere Zeiten. Vor allem, daß ein für unser Vaterland ehrenvoller Frieden uns beschieden sein wird. Mein wenn der Krieg auch noch den ganzen Sommer währen sollte, rechnet man in Franzensbad, wie von maßgebender Seite versichert wird, mit einer leidlichen Kurfrequenz. Man hofft, daß von unserer Doppelmonarchie und Deutschland, als auch von den neutralen Staaten ein ganz ansehnliches Kurpublikum nach den böhmischen Kurorten kommen wird. Es sind auch tatsächlich bereits viele Ansiagen von Kurgästen ait die Badeverwaltung in bezug der nächsten Kursaison eingelaufen und wurde den Fragestellern berichtet, daß die Kur vom Kriege nicht viel beeinflußt werden wird, daß vielmehr alles seinen gewohnten Gang nehmen wird. Auch das isr. Hospital wird, trotz der Ungunst der Verhältnisse, wie alljährlich seine Pforten öffnen und werden bei der Aufnahme vorzüglich Angehörige unserer und der Verbündeten Heere Berücksichtigung finden. Oberkantor W i l k o w i t s ch. Bad Nauheim. Das im Großherzogtum Hessen, am Ausläufer des herrlichen Taunusgebirges gelegene Bad Nauheim, das in der Heilkunde schon seit langen Jahren eine führende Stellung einnimmt, hat mit seiner eigentlichen Kurzeit, wie alljährlich, so auch in diesem Jahre am 16. /April begonnen. Um diese Zeit und auch, schon früher, wenn die warmen Strählten der Frühlingssonne die Knospen und Blüten im Park und im Frauenwald hervorlocken, und die Vögel anfangen, fröhlich! ihre Lieder zu schmettern, dann beginnt der Zustrom der Gäste. Im Frühlingskleide ist Bad Nauheim ganz besonders reizvoll, und wer es einmal darin gesehen hat, der wird stets bestrebt bleiben, um diese Zeit wieder zu ihm zurückzukehren. Auch sollen ja die Frühjahrskuren, wie festgestellt ist, von noch größerer Wirkung sein, als die Kuren zu änderen Jahreszeiten, und gar Mancher Stammgast von Bad Nauheim kann das Frühjahr kaum erwarten, damit er mit seiner gewohnten Kur beginnen kann. In diesem Jahre ist dies mehr denn je der Fall. In den Herzen Unzähliger lebt die Sehnsucht nach Ruhe, itctd) Ausspannen und Erholen. Der Krieg mit seinen Schrecken, seinen Aufregungen und der oft ungewohnten Arbeit, die er für viele bringt, stellt große Anforderungen an die Gesundheit der einzelnen Menschen, und wer es ermöglichen kmrn, der sollte sich' für kommende Zeiten stärken. Welcher Platz wäre hierzu wohl geeigneter, als Bad Nauheim! Kaum ein zweiter Badeort entspricht mehr dem Bedürfnisse der Heilungsuchenden. Die wunderwolle ..Lage. der Stadt aM Fuß des Johannisbergs, die ausgedehnten Parkanlagen (760 Morgen), die sich stundenlang hinziehenden Wälder, die kräftige, reine Luft, dies alles ist wie geschaffen zur Erholung und Beruhigung angegriffener und erschütterter Nerven. In diesem Winter ist das Kurleben so lebhaft gewesen wie noch nie. 'Eines der staatlichen Badehäuser war geöffnet und hatte vollauf zu tun. Die vielen Felldzugs teilnehm er — Offiziere und Mannschaften —, die mit Herzkrankheiten, Rheumatismus usw. gekommen waren, oder auch, um ihre Glieder nach Verwundungen und Knochenbrüchen zu stärken, hatten außerordentlich günstige Erfolge ihrer Kuren, die, sowohl deutschen wie österreichisch-ungarischen, ihnen von der Bade- und Kurverwaltung völlig frei gewährt werden, zu verzeichnen. In vielen Fällen konnte in dem Medizinisch-diagnostischen Institut, das unter der Leitung von Professor Dr. Weber steht, durch Röntgendurchleuchtungen, Elektrokardiogramme und photographische Pulszeichnung der günstige Erfolg der Bäder einwandfrei festgestellt werden. Die drei Sprudel Bad Nauheims gehören zu den kohlensäurereichsten Deutschlands. In den neun nwdernen Badehäusern Mit 367 Wannen können täglich bis zu 6000 Bädern abgegeben werden, und zwar Sol-, Thermal-, Thermalsprudel-, Sprudel-, ferner die aus der: salzarmen Wässern der Trink- und Mineralquellen bereiteten Brunnenbäder. Letztere eignen sich besonders für hautempfindliche Kranke. Das Wasser der Sprudeluird Sprudelstrombäder fließt, ln badefertiger Wärme aus dem Erdinnern kommend, durch eigenen Druck in die Wanne, es braucht nicht gepumpt stnd nicht angewärmt zu werden und bleibt daher vor Verlust an Kohlensäure bewahrt. Sehr lebhaft hat sich die Trinkkur in den letzten Jahren entwickelt, und sie ist jetzt, nach Fertigstellung der prächtigen neuen Anlagen, die mit einem Kostenauf-