Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 32 (1915)
- Issue
- 19 (7.5.1915)
- Date
- 1915-05-07
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 19 Seite 35b Dr. Btöch's Wochenschrift Gleichzeitig Litten wir imt Entschuldigung, wenn vielen Spendern nicht persönlich gedankt wurde, da die Dankkarten in großer Menge wegen veränderter Adresse als unbestellbar retourniert wurden; wir bitten die Spender von vier Kronen ab, denen wir ja besonders dankbar sind, da durch ihre Menge unsere Aktion erst Möglich war, in Anbetracht des guten Zweckes auf speziellen Dank zu verzichten. _ 'ffltfi der Firma A. Kary & Co. Wien, 29. April. Der bei der Firma S. Kary & Co. seit 25 sJahren angestellte Disponent Emil Rosenberger Hatte sich! heute beim Strafbezirksgericht Jvscfstadt gegen eine Ghrenbeleidigungsklage der Henriette Probst, die seit 10 Jahren Telephonistin im genannten Geschäftshause ist, >zu verantworten. Wie in der durch Dr. Broch vertretenen Klage ausgeführt wurde, hatte sich die Klägerin die Ungunst des Disponenten dadurch zugezogen, daß sie sich eines Flüchtlings, der seit Kriegsausbruch im Hause Kary angestellt ist, angenommen hatte. Am 15. Mäpz war es Zwischen der Klägerin und dein Beschuldigten zu einer Auseinandersetzung gekommen, in deren Verlauf letzterer die Klägerin ein „dummes Ding" und „eine blöde Gans" nannte, ihr ferner auf den Fuß trat und ihr schließlich eine heftige Ohrfeige versetzte. In der heute vor dem Bezirks richter Dr. L)sio durchgefühtrten Verhandlung gab der angeklagte Disponent an, daß er von der Klägerin provoziert worden sei, daß sie ihn einen Antisemiten und, mit Bezug auf seine Schweizer Staatsbürgerschaft, einen »Schweizer Schmock" nannte. Um seine Autorität §n wahren, sei er energisch gegen die Klägerin ausgetreten und habe ihr tatsächlich die in der Klage erwähnten Beleidigungen Zugefügt. Der Angeklagte wies auch eine Bestätigung des Chefs der Firma Kary vor, in der erklärt wird, daß die Klägerin bereits einmal wegen disziplinarwidrigen Benehmens von der Firma entlassen worden war. Der Verteidiger brachte unter anderem vor, daß die Klägerin im Hause Kary als frech bekannt sei, worauf der Klagevertreter sich die Ehrenbeleidigungsklage wegen dieses Vorwurfes gegen seine Klientin vorbehielt. Der Richter suchte einen Ausgleich anzuregen. Der Klagevertreter war bereit, den Strafantrag zurückzuziehen, wenn der Angeklagte eine Ehrenerklärung abgeben, sich ferner zur Bezahlung der Kosten und einer Büße für die Flüchtlinge verpflichte und seine Gegenklage gegen die Klägerin, der wegen dieses Vorfalles überdies von der Firma Kary gekündigt wurde, zurückziehen würde. Der Verteidiger lehnte die Annahme dieser Bedingungen ab, worauf der Richter mit dem Urteil vorging und den Beschuldigten im vollen Umfange der Klage Zu einer Geldstrafe von zweihundert Kronen, eventuell 48 Stunden Arrest, verurteilte. Bei Bemessung der Strafe nahm der Richter insbesondere als erschwerend an, daß der Angeklagte gegenüber der Klägerin, die seine Untergebene war, in einer eines Mannes nicht sehr würdigen Weise gehandelt habe, ferner den höheren Bildungsgrad, den der Angeklagte sich jedenfalls zumute. Der -Verurteilte hielt, sich zur Ergreifung eines Rechtsmittels Bedenkzeit offen, wcchrend der Ktagevertreter wegen Nichtverhängung einer Arreststrafe die Berufung ergriff. _ Dank der Kriegsflüchtlinge in Eger. In der Bedrängnis unseres Vaterlandes waren vor allem die Bewohner Galiziens und der Bukowina gezwungen, Haus und Herd im Stich zu lassen und in die rauhe Welt zu flüchten. Allein gute und edle Menschen nahmen sich unser in Liebe an und versorgten uns mit allem und jedem und linderten die Not nach Menschenmöglichkeit. Die ergebenst Gefertigten gestatten sich daher auf diesem Wege ihren herzlichsten Dank auszufprechen. Borallem sei ergebener Dank der hochlöblichen k. k. Bezirkshauptmannschaft in Eger, an deren Spitze Herr Hofrat Kaiser steht, sowie den Herren Dr. Neudert, Oberarzt Dr. Beck, Dr. Vozab, Dr. Köppl, wie dem Referenten Herrn Kanzlisten Müller, deren Aufopferung im Dienste der Kriegsflüchtlingsfürsorge volle Anerkennung verdient. Ferner dem ehrwürdigen Rabbinate, Herrn Dr. Grünfeld, dem hochlöblichen isr. Kultusvorstande, dem Vater der Flüchtlinge, Herrn Eduard L ö w y, an dessen Seite Herr Isidor Springer segensreich wirkt, der Verwaltung des Allgemeinen Krankenhauses, Herren Dr. Heitzer, Dr. Tieber, Dr. Lohr, samt den Hilfskräften, den Herren Hugo K a r p e l e s und Josef Lenk. Nicht minder segensreich beteiligten sich die isr. Wohltätigkeitsvereine: Herr Hugo Fleischt als Obmann der Ehewra-Kadischa und Frau Charlotte Kohn als Präsidentin des Frauenvereines mit deren Stellvertreterin Frau Richard Schnabl. In aufopfernder Weise betätigen sich die Herren Aerzte Dr. Bäumet, Doktor Glaser und Dr. Honig; als Rechtsanwälte leisten Anerkennenswertes die Herren Dr. Grün Hut, Doktor Zentner und Dr. Kraus. Wir danken ferner Frau Dr. Bäumel, Frau Jsmar Hein, Frau Viktor Gelber, Frau Dr. Kappel, Frau Dr. Hönig, Frau Julius G o t t l i e b, Frau Therese Kohn, Frau Max Hübsch, Frau Rosenberger, Frau Sam. Oe sie rreicher, Frau Max Abeles, Frau Dr. Gläser, Frau Dr. Zentner und den Damen Hübsche r. Frau Oberkantor Wilkowitsch leistete Hervorragendes und sei ihr spezieller Dank quittiert. Die Herren Wilhelm Herrmann, Hugo Kohn und Josef Salus verdienen ebenfalls Anerkennung. Ferner sei der löblichen Redaktion der „Egerer- Zeitung" für kostenlose Berichterstattung und Ankündigung in bezug der Flüchtlingsfürsorge und allen edlen Spendern von Geld und Naturalien, ganz besonders aber der verehrten Firma 'S ch l e si n g e r & Komp, in Eger, der verehrten Firma Speditionshau sB rüder Wetzler in Eger mit dem Prokuristen des Hauses, Herrn Ferdinand Koretz, herzlicher Dank ausgesprochen. chger, 23. April 1915. Nachmänn B o r n st e i n aus Brzesko und Lazar Moses Karfiol aus Czernowitz int Namen aller Flüchtlinge. Franzensbad im Zeichen des Krieges. Den Moornymphen von Franzensbad war es heuer nicht vergönnt, den Winterschlaf zu halten und Träume zu spinnen von überseeischen Prinzen. Des ganzen langen Winters hindurch standen die Räder nicht stille und die Treibriemen surrten und summten unaufhörlich. Allein die blinkenden Perlen, die die Nynrphchen in den schwarzen Schatzkammern bliesen, galten diesmal nicht der t laute volee und Haute fiuance der großen internationalen Welt, die prunkvollen Salons der vornehmen Kurhäuser öffneten nicht ihre Flügel den russischen und englischen Fürstlichkeiten, sondern unseren braven Kriegsverwundeten zum Heile liefen eilig die Räder und ihnen zuliebe regren sich unverdrossen, nicht des Dankes harrend. Tausende von liebevollen Händen. Nicht schossen mehr die mir Schwalbenschwänzen adjustierten Kellner durch die eleganten, von geschliffenen Spiegeln blitzenden Speisesäle. Mädchen und Frauen der besten Stände hefteten an Brust und Arm das Zeichen der uneigennützigen Liebe — das Rote Kreuz — und eiferten miteinander in Werken der