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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1915-05-07 · 19 (7.5.1915) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
32 (1915)
Issue
19 (7.5.1915)
Date
1915-05-07
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Seite 358 Nr 19 Dr^ Bloch's Wochenschrist Oberlllngwitz. Kurt Schmiedel. Ostrowo. Dr. Perser, Stabsarzt d. R. Selb (Bayern). Dr. Adalbert Zöllner, Chemiker. Stuttgart. Heinrich Hirsch, Unteroffizier, Landwehr-Infanterieregiment 121, befördert zum Vizeseldwebel. Wiesbaden. Dr. Markus Witkowski, Stabsarzt d. R. und Abteilungsarzt der reitenden Abteilung des Feldartillerie- Regiments Nr. 5 (gefallen). * Kisernes Kreuz für euren Kesterreicher. Wien. Fritz Selten, Vertreter der Firma D. Bloch in Neiße und M. Kaufmann und Strauß, Berlin. * * Befördert. Königsberg. Korpsveterinär Berth. Lewin vom I. "Armeekorps wurde zum Armeeveterinär mit dem Range eines Oberstleutnants befördert. * « * Die Zahl der jüdischen Wtter des Eiserne« Kreuzes. Prag, den 1. Mai 1915. GeeHrle Redaktion! In den „Leipziger Neuestell Nachrichten" vom 27. April lvurde die ZaHl der Eisernen Kreuze auf Hunderttausend geschätzt, die Zahl der Kämpfer auf fünf Millionen. Nehmen wir die Zahl der Juden mit 100.600 Soldaten an (einige glauben, die Zahl sei zu hoch gegriffen und dürfte sich auf 50.000 belaufen), so finden lvir, daß auf die Juden ein Höherer Prozentsatz der Auszeichnungen kommt, als bei den Christen. Nach der „Jüdischen Bolkszeitung" vom 16. April ist die Zahl der jüdischen Eisernen Kreuz-Ritter 2637 (nach der .Nummer vom 23. April, die mir nicht vorliegt, dürfte sie bereits' 2700 bettagen)- Da die Juden 'im höchsten Falle nur ein Fünfzigstel des deutschen Heeres betraget!, die Zähl der Auszeichnungen bloß um das 36 fache geringer ist, so kann man daraus erkennen, daß lvir in einem Höheren Prozentsätze daran partizipieren. Hochachtend Ernst Kohn. David und Kotiath. Von einem jüdischen Zugsführer in einem österreichischen Landwehr-Infanterieregiment, der selbst vorm Feinde ausgezeichnet wurde und augenblicklich bei seinen. Eltern in Deutschland weilt, um sich von seinen beiden Schußverletzungen zu erholen, erhält das „Israelitische Familienblatt" in Hamburg ein längeres Schreiben, aus dem wir das Folgende wiedergeben: Nun komme ich zu der Haltung der Juden in unserer Kompagnie. Ich schicke voraus, daß ich vom 24, August bis 17. Dezember ohne Unterbrechung im Felde stand. Ich habe die Schlachten bei Krasnik, Iwangorod, Rawaruska, die schweren Gefechte um Krakau, insbesondere bei Skala mitgemacht. Was ich also zu sagen habe, bezieht sich nicht auf Erlebnisse und Beobachtungen hinter der Front, sondern auf solche, die ini Schlachtenlärm und in Lebensgefahr entstanden sind. Das Letztere betone ich nur, damit verschiedene „Herrschaften", U: sich aud) jetzt nicht schämen, von „jüdischer Feigheit" zu reden und die jüdischen Soldaten zu verleumden, eines Besseren belehrt werden, wenn '1: überhaupt sich belehren lassen wollen. Tl; ih m't meinen jüdischen Kameraden im .Israelitischen Fan ilienblatt" von solchen Schmähungen las, da waren wir alle, i%i christlichen Kameraden nicht minder, entrüstet. Ich nahm mir fest vor und gab den Kameraden das Versprechen, b.i Gelegenheit ii: Wahrheit zu berichten und tue dies hiermit. In nuiner Kompagnie waren immer gegen zweihundertfünfzig Mann, darunter gegen neunzig Juden. Alle Galizier; sämtliche Chargen, vom gemc inen Mann bis zum Kadett, waren vertreten. Ti: Galizier waren im Zivilberus Kaufleute, Friseure, Zahntechi tzker, Juristen, Kellner, Musiker; aber auch aus der Jeschiboh stammten verscki:dene. Ihnen gerade war in ihrer Führung nichts anzumerken, daß "y ihr Leben bisher hinter staubigen Büchern v:ib acht Hai en. Da war ii Boches der sogar beim Wunderrabbi von Titschen (bei Rzeschow) „gelernt" hatte. Er hieß Sperling Und war so schmäch iz, zart und zierlich, wie sein Name; dazu war das schmäch fze Kerlchen einer der kleinsten in der Kompagnie. Ti: furchtbare Schlacht bei Skala wütete. Mit Sperling war in den letzten Tagen ine merkwürdige Veränderung vorgegangen. Der sonst so lebhafte kl ine Kerl wurde plötzlich finster und verschlossen. Aus Fragen, was los s i, antwortete er stockend und ausweichend. Später erfuhren u jj-, er hatte Nachrichten von russischen Angehö.igen aus Galizien erhalten, daß seine Schwester von russischen So.daten rerg waltigt und se'n Vater cls Geisel verschleppt worden ) i. Die Erbitterung und Wut über diese Taten machten den kleinen Sper ing zu einem Helden. Der Sturm aus die russischen Linien begann. Sper fug voran. Ein baumlanger Russe, der mindestens zw i Meter lang war, sprang auf Sperling zu. Wir hielten den winzigen Kerl für verloren, wie glaubten, der Russe würde ihn hochheben und absangen ui: einen Hasen. Plötzlich — wir waren starr — drehte der Kl ine, wie er unmittelbar vor dem Russen stand, s in Gewehr um, hob sich hoch und schlug mit einer Übermensch ichen Kraft den Russen auf den Schädel, so daß dieser lautlos hintenüber sank. Ich war gerade im Begriffe auch vorzugehen und war r i: versteinert von dem Bilde. Obwohl in dem schreckijhen Bajonettkampfe, in dem wir uns befanden, ein jeder jeden Augenb i k vonl Leben Abschied nehmen konnte, stand mir blitzschnell!i: biblische Szene von David und Goliath vor Augen. Der Fall Sper ing ist einer, den ich herausgegriffen habe. So mu ig und entschlossen sind alle galizisch-jüdischen Soldaten. Vit wahnsinniger Wut gehen sie besonders bei Sturmangriffen vor, und der Haß gegen ti: russischen Mordbrenner, die vielen ihrer Angehörigen das Schlimmste zugefügt haben, ist der beste Stachel. Tie Strapazen hallen sie glänzend aus, und diese waren schwerster Natur: tagelang wateten v ic bis zur Brust im Schnee, dann ui:der im Schützengraben standen wir bis zu den Knien im Tauwasser. Virle Juden wurden befördert. Eine Anzahl errang lk: kleine oder die große silberne Tapferkeilsmedaille, und es dürfte bekannt hin, daß diese Auszeichnungen nicht umsonst verstchen werden und dem Eisernen Kreuz zweiter Klasse gleichwertig stnd. Wie ich gehört habe, ist sogar ein Jude meines Regiments, der Kaufmann ist und nebenbei noch fleißig „lernt", zur goldenen Tapferbitsmedaille vorgeschlagen worden, und diese' entspricht dem deutschen tlßernen Kreuz erster Klasse. (Inzwischen hat er sie erhalten.) L ider geht es der Mehrzahl meiner jüdischen Kameraden l iht gut. Nur die allerwenigsten erhalten Liebesgaben, denn fast alle stammen aus Ga stzien, und da ihre Angehörigen von Haus und Hof vor den russtfchen Räubern flüchten mußten und selbst alles verloren haben, so können st: natürlich nicht ihren Söhnen und Männern im Felde irgend etwas zukommen lassen. Es wäre ein gutes Werk, diesen tapferen jüdischen Soldaten, denen oft das Allernotwendig st e ab geht,. Liebesgaben zu schicken. Nun noch einige Einzelheiten, die mir erwähnenswert crsch inen. Seit sieben Tagen lagen wir im Schützengraben nahe b i Tarnow. Sehnsüchtig erwarteten wir das Sturmsignal; cs war früh morgens. Etliche der jüdischen Soldaten hatten das Morgengebet ber i:s verrichtet, einer hatte gerade die Tefillin um Kopf und Hand angelegt. Plötzlich das Signal zum Sturm. Der betende Jude ist gezwungen, mit dem Tefillin vorzustürmen. Nach der Schlacht sehe ih ihn. Die Tefillin haben ihm das Leben gerettet. In dem listen Kopf-Tefillin saß eine Gewehrkugel fest. Das Ende sah noch heraus, st: war nicht in den Schädel eingedrungen. Eine ähnihe Geschichte! Unsere Galizier haben die Gewohnheit, den Tal i; vielfach und dicht umzulegen. Einer von ihnen stand in Tal i; und Tefillin morgens in Reserve hinter der Feldwache und betete. Cine russische Kugel traf den Soldaten und bohrte sich in ii: Lagen des Tallis an der Schulter ein, wurde dadurch abgrbogen und flog so nach oben hinaus, ohne daß dem Soldaten ein Haar gekrümmt wurde.

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