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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1915-05-07 · 19 (7.5.1915) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
32 (1915)
Issue
19 (7.5.1915)
Date
1915-05-07
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Dr. Bloch's Wochenschrift Seite 351 Nr. 19 Hochverehrte Frau! Des Schicksals und Gottes Fügungen können nicht Gegenstand der Kritik bilden. Ihr lieber Gatte, Leutnant Eugen Do,zsa, hat an vielen und langen glorreichen Kämpfen teilgenommen. In den Käinpfen im Laborczatale, als er sich dem Feinde auf -fünfzig Schritte näherte, und die Russen ihre Hände hochhielten, um die Nebergabe zu simulieren, erhob sich mein lieber Freund Dozsa, um mit den Russen zu unterhandeln und sich ihnen ganz zu nähern. In diesem Augenblicke feuerten die Russen meuchlings auf ihn und er wurde von drei Kugeln getroffen. Seine Leute trugen 'ihn hinter die Feuerlinie, wo er bald darauf starb. Dies geschah am 4. April, anr nächsten Tage wurde er mit militärischem Pomp neben der römischkatholischen Kirche in Jzbugyabela begraben. Er hat auf dem Felde des Ruhmes und der Ehre den Heldentod gefunden. Ich bitte Sie, gnädige Frau, das Beileid des Offizierkorps entgegenzunehmen, wirschließen sein Andenken in unser Herz und werden es bewahren. Gott möge unserem tapferen .Kameraden die Ruhe gewähren. Ich, als sein Kommandant, beschützte ihn immer vor der unsichtbaren Gefahr. Aber Gott hat es anders gewollt. Empfangen Sie meine aufrichtige Hochachtung, ich teile Ihren tiefen Schmerz. .... ., 10. April 1915. Alexander M iaki ch, Oberleutnant m. v. g-iit Slimmungsöitd aus Musstsch-Uoten. Der bekannte Berliner Maler Herr H e r m a n n Struck, der vor kurzem eine Reise nach Russisch-Polen gemacht hat, stellt uns folgenden für die Stimmung der dortigen Bevölkerung sehr charakteristischen Brief aus Russisch-Polen zur Verfügung: ....... 21. März 1915. „j. - , . . Viel habe ich von den Mördern gelitten. Fast jede Nacht klopften sie an unsere Tür, um fürchterliches zu begehen. Deshalb ging ich nach Lodz. Bei der Belagerung Lodzs war ich in der Stadt. Ich hatte viel mit meiner Familie iauszustehen. Wir haben hungern müssen, denn es war nirgends was zu 'bekommen. Die hungerigen russischen Soldaten haben alles aufgegessen; sie entnahmen bei den Juden alles, was' sie fanden. Es f.st mir unmöglich, all die Leiden, die wir während drei Wochen zu ertragen hatten, zu beschreiben. Der Hunger war sehr groß. Ein Mauer hatte Kartoffeln zu verkaufen, und wir Juden kauften sie bei ihm am Sonnabend und trugen sie selbst nach Hause. Von dem wenigen, was ich zu essen hatte, mußte ich noch meiner Mutter und Geschwistern abgeben, die alles während des Krieges verloren hatten. Als ich zu meiner Mutter kam, erkannte sie mich nicht — und ich habe fürchterlich geweint. ... So dauerte »die entsetzliche Lage drei Wochen, bis die Deutschen die Stadt Lodz besetzt hatten. Als die Deutschen in die Stadt kamen, so wurden sogleich die Geschäfte geöffnet, man hat sofort Brot gebacken, und es wurde uns etwas leichter. Wir chatten keine Angst mehr, daß die Russen uns unser Brot rauben werden. Ich selbst -habe es gesehen, wie ein russischer Soldat einen armen Juden, der Prot trug, geschlagen hat und das Brot ihm wegnahm. Ich Habe bis jetzt nicht den hundertsten Teil der Schrecken beschrieben, die wir erlebten. Ich fuhr dann nach.und öffnete meinen ärmlichen Laden, der schon von früher her durch den Boykott der Polen ruiniert war. Gott möge uns Juden von den mörderischen Russen hüten und beschützen!!" Wussisizierung Englands. Aus Zürich wird uns geschrieben: Nicht nur die „Times", welche sich schon vor dem Kriege an Rußland verkauft hatte, sondern auch die übrigen großen englischen Journale glauben es chrer Russenfreundlichkeit schuldig zu sein, gegen die Juden zu hetzen. So führt jetzt die „Mornig Post" eine heftige Kampagne gegen den jüdischen Generalrichter Lord Read in g, indem sie ihn beschuldigt, daß er die Fremden in England zu milde behandle. Der „Morning Post" folgten bald auch andere chauvinistische Organe, welche Lord R e a d i n g ganz offen des Verrates an den englischen Interessen bezichtigten. Diese journalistische Hetze hatte zur Folge, daß jüngst eine Wählerversammlung von Paddington den einhelligen Beschluß faßte, den jüdischen Mgeordneten des Bezirkes Arthur Strauß unter dem Vorwände, daß er aus Deutschland stamme, auszusordern, sein Mandat niederzulegen. Auch gegen das Mitglied des Unterhauses, Sir Alfred Mond, wird jetzt unausgesetzt gehetzt, gleichfalls mit dem Hinweis auf seine deutsche Abstammung und mit dem Zwecke, ihn zur Zurücklegung seines Mandates zu zwingen. _ Sehnsucht am Sederaöerrd. Emanuel Beregi, ein Sohn des Bajaer Oberkantors Salamon Berger, Kadettfeldwebel im 3. Honoed-Jnfanterieregiment, hat durch eine bravouröse und todesmutige Tat eine bereits in russische Gefangenschaft geratene Abteilung mitsamt dem Leutnant abermals befreit. Für diese seine herrliche Waffentat wurde er sofort zum Fähnrich befördert und unter Betonung seines selbständigen richtigen Vorgehens für eine Auszeichnung allerhöchsten Orts in Vorschlag gebracht. Anläßlich des Pessachfestes richtete er an seine Eltern ein Schreiben, in welchem es, wie „Egyenlösseg" berichtet, unter anderem heißt: „Gestern haben wir die Moskowiter wieder gründlich hergenommen. Wir wurden aber auch von Sr. kaiserlichen und königlichen Hoheit Erzherzog Josef belobt. Ich bin gerne hier und erfülle freudig meine Pflicht gegen König und Vaterland, aber jetzt, am heutigen Tage, Erew Pessach, weilen meine Gedanken gar stark zu Hause. Heute, vielleicht auch ein andermal, aber mit solcher Kraft sehnte ich mich niemals nach Hause, in den Kreis meiner Angehörigen, wie jetzt, wie heute zum Sederabend." Jöereßi schildert dann die Affäre, welche ihm die Auszeichnung brachte, und schließt: „Freudig setzte ich mich der Gefahr aus, ich habe meine Pflicht erfüllt . . Eine nachahmenswerte Bewegung unter den italienischen Juden. In Mailand fand dieser Tage eine große jüdische Versammlung statt, an welcher zahlreiche hervorragende Persönlichkeiten der italienischen Judenschaft, unter ihnen auch die gewesenen Minister L u z! z a t t i und O t tolen g h i, teilnahmen und Reden hielten. Die Versammlung faßte eine Resolution, wonach die Juden Italiens sich den Mionen der großen jüdischen Körperschaften der übrigen Länder zur Erlangung der Gleichberechtigung für die Juden einzelner Länder, in denen ihnen die Gleichberechtigung bisher versagt blieb, anschließen. Die Versammlung sprach den Wunsch und die Hoffnung aus, daß. es nach diesem Weltkrieg, in welchem die Juden aller Länder den opfermutigften Patriotismus für ihre Heimatländer an den Tag legen, keinen einzigen Staat mehr geben werde, in welchem die Juden nicht die gleichen Rechte wie ihre anderen Mitbürger besitzen würden. In der Versammlung wurde auch zur Kenntnis gebracht, daß die Juden Frankreichs beschlossen haben, anläßlich des Friedensschlusses mit aller Energie in diesem Sinne tätig zu sein. Wo bleibt Oesterreich? Anm. b. Red. Im Dienste des Vaterlandes gestoröen. Am 28. April ist in Prag infolge eines Herzschlages Dr. Richard Fischet plötzlich gestorben. Durch beinahe zwei Jahrzehnte hat Dr. Fischet in Bad Hall die ärztliche Praxis ausgeübt und durch sein reiches Wissen und Können unzähligen Kranken Hilfe gebracht.

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