Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 32 (1915)
- Issue
- 19 (7.5.1915)
- Date
- 1915-05-07
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Sette 346 Dr. Bloch's Wochenschrift Nr. 19 hinzu: „Dejm Wesen nach entspricht diese Verfügung einer Ausweisungsmaßregel." Wie kommt es nun, daß die ungarische Regierung, entgegen allen Vereinbarungen mit dem österreichischen Ministerium, derlei h>arte Verfügungen trifft? In eineim dankenswerten Redaktionsartikel jenes Blattes heißt es ferner: „Und dann existiert ja hier unter dem Vorsitz des Budapester Vizebürgermeisters ein aus fünf Orthodoxen und fünf Neologen bestehendes sogen, offizielles Hilfskomitee der Flüchtlinge. Die „Hilfe", welche es als Körperschaft den Flüchtlingen angedechen ließ, bestand nur darin, unter den armen Flüchtlingen die vom österreichischen Staate gegebene Unterstützung nur denjenigen auszufolgen, die um dieses Linsengericht ihr Erstgeburtsrechr als vom Feinde Ungarns nach Ungarn vertriebene Staatsbürger der anderen Hälfte der Monarchie verkaufen, um sich in dieser Hälfte der Monarchie aushalten zu dürfen. Ja, das löbliche Hilfskomitee strebte mit allem Eifer auch dafür, daß die hiesigen Flüchtlingsmassen' — gegen ihren eigenen Willen und zumeist zu ihrem größten Leidwesen — Budapest je früher und in je größerer Anzahl verlassen sollen." Die Redaktion jenes Blattes fordert das Komitee auf, nunmehr seine Ehrenpflicht zu erfüllen, „nicht eine Flüchtlings g e g n e r sch a f t izu vertreten, sondern seinem Namen entsprechend, den Flüchtlingen Hilfe zu leisten und die Erlaubnis zum weiteren Verbleiben in Budapest wenigstens jenem Teil derselben 'zu erwirken, für welche die Verschickung in von Juden nie bewohnte Dörfer Böhmens oder in ungarische Barackenlager in religiöser und materieller Beziehung eine Katastrophe bedeute! Sollte aber das sehr geehrte Komitee seine „Hilfe" den ohnedies so namenlos unglücklichen jüdischen Flüchtlingen auch weiterhin nur in der bisherigen Richtung leisten wollen, so wäre es das elementarste Gebot der Wahrhaftigkeit, den Ehrennamen „Flüchtlings-Hilfskomitee" in ,,F l ü ch r l i n g s g e g n e r - K o m i t e e" umzuändern." Soweit der redaktionelle Artikel des Budapester Blattes. Im Budapester „Egyenlösseg" lesen wir, daß der Budapester Polizeihauptmann Kaveggia sich dem Berichterstatter des Blattes gegenüber äußerte, daß zahlreiche Budapester Juden selbst bei chm gegen die plötzliche „Invasion" in das Erwerbsleben durch galizische Flüchtlinge Klage geführt hätten. Und im Wiener Ministerium des Innern hat der Schreiber dieser Zeilen höhere Staatsfunktionäre über die „Schweinerei" klagen hören, daß Angehörige des Judentums in Budapest bei der königl. ung. Regierung die Ausweisung galizischer Kriegsflüchtlinge eindringlich befürworten. Das stimmt überein mit den Meldungen der Budapester jüdischen Publizistik beider Lager. Ein Weiteres dürfte sich wohl erübrigen. * * * Im Feuilleton der „N. Fr. Presse" vom 5. Mai erzählt Ludwig Gang Hofer von seinen Erlebnissen an der „Front im Osten": »Zwischen den Bauern sieht man Gruppen von Juden in ihren schwarzen Langröcken. Hat man nach dem Weg oder sonst nach einer Sache zu fragen, so wendet man sich am besten an diese Lockenträger; sie sind freundlich und gefällig, antworten sachgemäß und sprechen fast immer ein gut verständliches Deutsch. Unter ihnen sieht man auch schöne, malerische Gestalten, während der Bauemschlag unschön und von grober Form ist; man entdeckt da nur selten einen gut gewachsenen Menschen. Der Patriotismus dieser Bauern scheint als Banner ein leicht drehbares Wetterfähnchen zu tragen — an zahlreichen polnischen oder ruthenischen Blockhütten hängt ein russisches Heiligenbild über der Haustür, als schützender Talisman für den Fall, daß die Russen, die hier schon waren, wieder einmal kommen sollten. Solche Vorsicht ist zwecklos; gegen das Wiederkommen der Russen haben die Ostertage in den Karpathen einen festen Riegel vorgeschoben; aber diese Verschwendung von Madonnen mit goldenem Heiligenschein und von moskowitisch geflügelten Engelsköpfen muß nachdenklich stimmen. Man erinnert sich dabei der empörenden, auf galizischem Boden allgegenwärtigen Spionage. Wer wird einmal in der Geschichte klarstellen, wieviel tüchtige Unternehmungen an der verhüllten Klippe des schleichenden Rubels scheitern mußten, aller Tapferkeit der Mannschaft, aller Umsicht der Führung zum Trotze? Und wer wird die Opfer zählen, die das kostete? Beim Anblick der Soldatengräber, die ich neben der Straße gewahre, befällt mich eine wühlende Erbitterung. Unwillkürlich muß ich die Hand des österreichischen Offiziers umklammern, der an meiner Seite im Wagen sitzt.« „Mer unterstützt dir «otleidrnde« und tzuugerude« galizische« Juden in Palästina?" Zu dieser Frage erhalten wir nachstehende Zuschriften: Hochverehrter Herr Redakteur! ' Sie haben eine wichtige Frage zur richtigen Zeit in der Ihnen eigenen präzisen Form zur Diskussion gestellt. Sie lautet: „Wer untetstützt nunmehr die hungernden, notleidenden, kranken galizischen Juden in Palästina?" Wenn Sie jedoch, die Beantwortung dieser Frage zum Schlüsse einschränken, indem Sie dieselbe dahin zur Erörterung stellen: „Wie sorgt der Wiener israelitische Kultusvorstand dafür, daß wenigstens die Wiener Palästina-Spenden den hungernden galizischen Juden in Palästina zugute kommen," so finde ich daß diese Restringierung auf einen Lokalstandpunkt!zu Unrecht geschieht; sie ist eine das österreichische Judentum allgemein interessierende und wichtige, und soll daher auch von diesem erweiterten allgemeinen Gesichtspunkt aus gestellt und womöglich einer gedeihlichen Lösung zugeführt werden. Als Ihre geschätzte Zeitschrift vor dem Pessachseste die Aufforderung an die österreichischen jüdischen Gemeinden ergehlen ließ, einen Palästinatag für unsere darbenden Brüder iM Heiligen Lande einzuführen, habe auch ich derselben in Meiner Gemeinde Folge geleistet und war der Erfolg, trotz der verschiedenen, vielseitigen, opferreichen Inanspruchnahme der Gemeinde, ein glänzender. Die Idee eines Palästinatages war aber bei uns nicht neu; bereits iM Jahve vorher, als noch die Segnungen des Friedens in ihren.letzten Atemzügen uns mit ihren nicht genug geschätzten Glücksgütern erfreuten, habe ich auf Veranlassung des würdigen Sekretärs der österr.-ung. Jsraelitengemeinde in Palästina, des Herrn I. B. Sonnenfeld, einen solchen in meiner Gemeinde mit einem gleich glänzenden Erfolge eingeführt. Es war auch sonst bereits eine gedeihliche Vorarbeit durch unseren hochverehrten Herrn P residenten, den «Direktor Moriz Leisner, geleistet worden. Ms ich nämlich, von meiner sehr glücklich' verlaufenen Palästinareise zurückgekommen war, hatte der Präsident unserer Gemeinde zur ewigen Erinnerung an diese Reise ih!res Rabbiners bestimmt, daß an der Spendentafel auch! die für Erez- Jisroel besonders angebracht werde. Seither haben sich die Gelder für die notleidenden Glaubensgenossen in Palästina vervielfacht. Wo der Boden gut gedüngt ist, zeigt es sich!, daß auch die Frucht nicht ausbleibt. Hiezu gehört, daß Vorstand mrd Rabhijnat in harmonischer Weise zusammenarb eiten müssen, um ein gedechliches Resultat zu erzielen. Dies muß als allererste Bedingung allem vorangeschickt werden. Als Zweites gilt es, um auf eine solche von Ihrer Redaktion aufgeworfene Frage die richtige Antwort zu geben, daß Wiener, die aus Autopsie die Verhältnisse