Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 32 (1915)
- Issue
- 18 (30.4.1915)
- Date
- 1915-04-30
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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Nr. 18 Dr. Bloch s Wochenschrift Seite 343 Die polnische Regierung verhielt sich dieser Bewegung in der Ukraina gegenüber planlos; einmal wurde gegen die Kosaken streng — ja sogar grausam — ins Feld gezogen, ein anderesmal knüpfte der König mir ihnen Verhandlungen an, um sie gegen die Türkei auszuspielen. Endlich reifte die Frucht der Unzufriedenheit und ein furchtbarer Aufstand der Kosaken unter Führung B v g d a n C h m i e l n i ck i s brach im Jahre 1648 aus. Chmielnicki-Chmiel, — es werde ausgelöschr fein Name — wie die ^hebräischen Chronisten beizufügen pflegen — war der Tohn eines polnischen Adeligen, der - wie so viele andere — sich in die Ukraina geflüchtet hat und ein kleines Anwesen hier besaß. Unser Führer B o g d a n C h m i e l n i ck i war anfangs Kosakenschreiber und von nun an nannte er sich Hetman oder Ataman. Eine gewaltige Persönlichkeit, von unbeugsamer Willenskrasr, scharte er um sich sausende und Zehntausende der freien und unfreien Kosaken und seine Emissäre zogen in weitem Umkreise in Dörfern und Städten der Ukraina, Podoliens und Wolhyniens umher und munterten die ruthenischen Bauern und Bürger gegen Adel, Klerus und Juden auf. Sogar unter dem reuß.ischen Kleinadel fand der Ataman — der Befreier — viele Anhänger, und so ward das Feuer geschürt, ehe die polnische Regierung sich umsah. Chmielnicki traute aber der Gewalt seiner Truppen allein nicht und verband sich mir seinem Erbfeind, den Tataren. Als der Chan der Tataren, Tuhaj-Bej, mir 40.000 Mann heranzog, wurde die polnische Besatzung in der Ukraina bei Zolre-Wody und hei Korsuu toral geschlagen und beide Anführer, Kalinowski und Potocki, gefangengenomtnen. ...Me Nachricht.von dem Ausbruch eines Ausstandes in der Ukraina drang nach Pölert eben in dem Augenblick, als König Wladyslaw IV. sein Leben beschloß. Eirr unbeschreiblicher Wirrwarr entstand im Staate und der sogerrannte Convocationsreichstag beschloß den Landsturm einzuberufen, um vor der neuen Königswahl die Ukraina zu züchtigen. Aber der Adel — der in Polen allein den Landsturin bildete — sammelte sich träge, so, daß arr der Grenze der Ukraina kaum 34.000 Mann erschienen. Diese 34.000 Adeligen hatten 200.000 Diener und Stallknechte und viele Tausende von Proviant- und Luxuswagen. Chmielnicki stand mit seiner Armee bei Pilawce und zog mit den Tataren auf Konstantynow. Als die polnischen Vorposten meldeten, die Tataren seien auch da, floh die ganze politische Arntee in höllenpeinlichem Schreck und ihr folgte der ganze Train, wobei alle Wagen und Pferde, die Zelte und Waffen dem Feinde anheimfielen. Es ist nicht unsere Aufgabe, hier die polnische Kriegsgeschichte zu erzählen, soviel.wollen wir bemerken, daß Chmielnicki ohne Widerstand nach Polen zog und seinen Weg durch Greuelraten, Mord und Brandschatzungen zeichnete. Am meisten litten die Jude n, die von den Kosakenhorden zu Tausenden und aber Tausenden hingeschlachtet wurden. Wer nicht fliehen konnte, fiel an Ort und Stelle den raubgierigen Scharen zum Opfer; wer floh, den ereilte das Unglück anderwärts, besonders, da die Bevölkerung, der Städte und Dörfer den Augenblick als gut gewählt ansäh, die Juden kos zu werden. •' Der jüdische Chronist N a t a n N e t a Hannover aus Zaslaw beschreibt in seiner Chronik „Jawein M e z u l a" ausführlich die. Leiden seiner Prüder und begleitet den Zug Chmielnickis Und seiner Generale Schritt, für Schritt. Er selbst floh aus seiner Vaterstadt Zaslaw unweit Ostrog und.kam nach einer langen Wanderung bis nach Venedig, wo er im Jahre 1652 seine Chronik druckte. Seinen sehr interessanten Berichten wollen wir nun einige Episoden entnehmen. (Fortsetzung folgt.) Literatur. , Mitteilungen des Jüdischen Kriegsarchivs“. ln den nächsten Tagen erscheint Heit 1 der „Mitteilungen des Jüdischen Kriegsarchivs“. Ans dem Inhalte: Die Juden in Galizien und der Bukowina unter der russischen Invasion (Authentische Originalberichte und dokumentarische Belege). — Leidender Juden in Russisch-Polen (Original- Korrespondenzen). — Die Anteilnahme der österreichisch-ungarischen Juden am Kriege (Patriotische Aktionen und Kundgebungen, hervorragende Einzelleistungen). — Juden als Soldaten und Offiziere (Listen der Ausgezeichneten, Anerkennungsschreiben, Episoden usw.). — Verschiedenes. Preis: 60 Heller (50 Pfennig). — Vorausbestellungen durch den Verlag R Löwit, Wien, 1., Rotenturmstraße 22 oder durch das Jüdische Kriegsarchiv, Wien, II., Zirkusgasse 33. Briefkasten. Rabbiner F. in R. Vermißte Soldaten, die vermutlich in Gefangenschaft gerieten, sind durch die „Oesterr. Wochenschrift" schwerlich zu eruieren. Religionslehrer F. B. Ueber Ihre Anfrage, betreffs der Enthebung der israelitischen Religionslehrer vom Landsturmdienste und der Waffe, teilen wir Ihnen mit, daß die Wehrvorschriften, § 107, vom f.!. Ministerium für Landesverteidigung mit Erlaß vom 6. Februar 1915, Z. 575, XV a, dahin ergänzt wurden : „oder wenn vom Vorstände einer israel. Kultusgemeinde zur Erteilung des israelitischen Religionsunterrichtes ermächtigt und als Religionslehrer staatlich bestellt worden sind, dann genießt er die Begünstigung des § 29 des Wehrgesetzes". Dr. Bernhard Lafus in S. Von einem „Minjan im Schützengraben" haben wir nichts gelesen. Vielleicht ist darunter eine Mitteilung gemeint, die im „Den" zu lesen war. Im „Den" erzählt ein russisch-jüdischer Schriftsteller von seinem Besuche in einem koscheren Hospital, von dessen 97 Patienten 90 religiöse Juden sind, welche sich koscher verköstigen. Ein verwundeter Soldat, ein hervorragender Talmudgelehrter, faß über einem mächtigen Folianten. Er erzählte, daß er einmal zwanzig jüdische Soldaten mit Tallis und Tefillin bekleidet zu einem Morgengebet im Schützengraben versammelte. Der Rottenführer war sehr zufrieden und sagte, solches Gebet müsse erhört werden. I. G. in O. Wir konstatieren den Druckfehler, den aber der Einsender verschuldet hat, der unterlassen hat, hervorzuheben, daß es sich um zwei Personen gleichen Namens handelt. Eine Wiederholung des ganzen Berichtes ist rein undenkbar. Druckfehlerberichligung. Die Korrespondenz in Nr. 17, Seite 319, „Oderberg" soll d'.e Aufschrift tragen: „Bielitz im April". Jüdische Bühne. Dir. M. Siegler. Regie S. L e r e s k u. Hotel Stefanie, 2. Bez., Taborstraße 12. Freitag, den 30. April: „Opferung I s a k's", Biblische Operette in vier Auszügen, von A. Goldfaden. — Samstag, den 1. Mai, „Verein (Sorbin": „Die 3 M ä tun e s", Operette in drei Auszügen. Ein Prolog. Ein Epilog. — Sonntag, den 2. Mai, und Montag, den 3. Mai: „König S a l a m o n", Biblische Operette von Horowitz. — Sonntag, den 2. Mai, nachmittags halb 4 Uhr: „Bar-Kochba". — Dienstag, den 4. Mai: „W eiße Sk 1 avi n". — Mittwoch, den 5. Mai: „Schir Haschirem". — Donnerstag, den 6. Mai: „D u s Jüdische Her z". — In Vorbereitung: „Zurück vom Krieg". _ K. k. prkv. Oefterreichifche Länderbank. Die 34. ordentliche Generalversammlung der Aktionäre der k. k. priv. Oesterreichischen Länderbank findet Mittwoch, den 26. Mai 1. I., 6 Uhr abends, im Anstaltsgebäude (1. Bezirk. Höhenstaufengasse Rr. 3) statt Gegenstände der Verhandlung sind: l. Bericht des Gouverneurs über das abgeläufene Geschäftsjahr; 2. Bericht der Zensoren über die Geschäftsgebarung im Jahre 1914; 3. Beschlußfassung über die Verwendung des bilanzmäßigen Ueberschusses des Jahres 1914; 4. Beschlußfassung über die Auszahlung ejner Dividende für das Geschäftsjahr 1914 aus dem außerordentlichen Reservefonds; 5. Statutenänderung {§ 58, Absatz 2 und 3); 6. Wahlen in den Verwaltungsrat (Atz 22, 23 und 25); 7. Wahl der Zensoren und deren Ersatzmänner für das Jahr 1915 (§ 39) sowie Wertbestimmung der Anwesenheitsmarken für dieselben (§ 42).