Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 32 (1915)
- Issue
- 18 (30.4.1915)
- Date
- 1915-04-30
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Dr. Bloch's Wochenschrift Sette 337 Nr. 13 denen es in das Volksküch>enlokal zu gehen nicht möglich war, wurde die volle Verköstigung anheimgestellt. Weiters wurde zu Pessach an jeden Mazzes und — den Verhältnissen entsprechend — auch Geld verteilt. Dies zur gesälligen Kenntnisnahme, und ich bitte schr, -geehrter Herr Redakteur, die Güte zu haben, dieser Mitteilung Raum in Ihrer w. Wochenschrift zu geben. Im Namen der Wahicheit zeichne in aller Hochachtung Chiel Natan H a l b e r st a m, Rabbiner aus Alt-Sandez (dzt. Nyitra). Bisenz. Wir .erhalten folgende Zuschrift: Löbl. Redaktion der „Oesterreichischen Wochenschrift"! ‘ Wien, Praterftr. Nr. 9. Auf Grund des § 19 des Preßgesetzes ersucht die gefertigte Kultusgemeinde in Bisenz um Berichtigung der vom Herrn' k. k. Oberleutnant Ernst Vogel erschienenen Notiz, „daß dem Kantor Jelenko, der zu Beginn des Krieges zur aktiven Kriegsdienstleistung eingerückt ist, vor einigen Tagen pro Mai gekündigt wurde". Diese Angaben sind unwahr. Wahr ist hingegen folgendes: Der Dienstvertrag mit Kantor Jelenko geht mit 26. Mai 1915 zu Ende und hat der. Kultus ausschuß in feiner am 16. Februar 1915 stattgefundenen Sitzung den Beschluß gefaßt, infolge Reduzierung unserer Gemeinde und da wir die Mittel, zwei Kanto.re zu erhalten, nicht haben, diesen Posten weiter nicht mehr zu besetzen, keinesfalls erfolgte die Kündigung infolge Kriegsdienstleistung. In Erwartung, daß-die Berichtigung in der nächsten NumMer erscheint, zeichnet für den Gesamtvorstand Mit dem Ausdrucke der vorzüglichsten Hochachtung MT'-jmj*;,jv>. für die -Kultusgemeinde: Der Kultusvorsteher: Simon Für st. Bisenz, am 19. April 1915. Nachschrift der Redaktion: In der Zuschrift des Herrn Prof. Ernst Vogel wurde nicht behauptet, daß die Entlassung des Herrn Kantor Jelenko „infolge seiner Kriegsdienstleistung", sondern während der Zeit seiner Kriegsdienstleistung in die Wege geleitet wurde. Herr Prof. Ernst Vogel ist offenbar der Auffassung, daß ein Beamter oder sonstiger Angestellter, der ins Feld zieht und dem Vaterlande sein Leben zur Verfügung stellen muß, von seinen patriotischen Mitbürgern während dieser Zeit ein gewisses Ausmaß von Schonung und Berücksichtigung genießen soll. Ist der Herr Kultusvorsteher von Bisenz nicht dieser Ansicht? Karlsbad. Die Karlsbader Bevölkerung hat im allgemeinen von Anfang an die Flüchtlinge nicht etwa als unschuldige und bedauernswerte Opfer des Krieges, sondern als Eindringlinge betrachtet. Es wurde zwar anfangs (im September und Oktober 1914) ein gewisses Wohlwollen seitens.des Stadtrates den Flüchtlingen gegenüber erwiesen; so gelang es einer Deputation der Flüchtlinge, die Herren zu überzeugen, daß die Flüchtlinge keine „Kurgäste" sind, also zur Zahlung der Kurtaxe nicht verpflichtet werden können, und der Stadtrat willigte auch ein, den Flüchtlingen die Sprudel- und Dampfbäder zu ermäßigten, den Karlsbader Bürgern sonst gewährten Preisen zur Verfügung zu stellen, doch änderte sich die Situation bald infolge einer hetzerischen Lokalpresse. — Es wurde in vielen Geschäften, insbesondere in Nahrungsmittelgeschäften, das verdammenswerte System eingeführt, von den Flüchtlingen für Waren, insbesondere für Nahrungsmittel, höhere Preise als von der Ortsbevölkerung zu fordern, wahrscheinlich deshalb, weil die unglücklichen Flüchtlinge ihren letzten noch geretteten oder vom Staate spärlich erhaltenen Heller hergeben müssen und einer schauervollen Zukunft entgegensehen, während die Karlsbader rührig ihren Verdienst einheimfen. Es sind weiter Fülle vorgekommen, wo der Flüchtling im Geschäft damit abgespeist wurde, daß keine Ware vorhanden ist, während bald darauf einem Karlsbader das verlangte Nahrungsmittel verkauft wurde; als der arme Flüchtling frug: „Was sollen wir denn essen?", bekam er zur Antwort: „Meinetwegen essen Sie Steiner!" (!!) Nicht selten wurden ehrbare Bürger von Kindern — nicht zu reden von Buben — mit dem schönen Hetzwort „Ser" beschimpft und angespien. Als die Stadtgemeinde Kartoffeln angekauft hatte, um sie zum Kostenpreise der Bevölkerung zu veräußern, wurden oft die nachfragenden Flüchtlinge damit abgefertigt, daßdieKartoffeln nur für die Einheimischen sind; so Mußten die Armen um enorme Preise dfte Kartoffeln sich anderswo beschaffen. Ende März 19lZ wurden den meisten Flüchtlingen die Wohnungen gekündigt und dieselben ihnen zu we it höhe r en Preisen wieder vermietet. Kurz darauf geschah folgendes. Wie bereits oben hervorgehoben, überließ anfangs Oktober 1914 der Stadtrat den Flüchtlingen die Sprudelbäder zum Baden um den Preis von 40 Heller pro Persoü. Die Flüchtlinge, sowohl Männer wie Frauen, machten von dieser Bewilligung Gebrauch im richtigen Verständnis per hygienischen Bedeutung des Badens'. «Eines Morgens, und zwar am 1. März 1915, wurde plötzlich diese Bewilligung entzogen und den ansuchenden Flüchtlingen erklärt, daß sie diese Bäder künftig nur um die für „Kurgäste" obligaten Preise, also um 2.50 Kr. pro Person, benützen können. Es ist leicht einzusehen, daß dieser Preis auch für die noch über ein paar Hundert Kronen verfügenden, „vermöglichen" Flüchtlinge in der bedrängten Lage, bei neunmonatlicher Verbannung aus der Heimat und Auszehrung fast aller Ersparnisse geradezu ein maßloser ist, da ein Flüchtling für dieses Geld eine ganze Familie zumindest einen Tag ernähren kann, und erst ein solcher, der von der staatlichen Unterstützung — 70 Heller pro Tag und Person — lebt, müßte — Wohnungsmiete nicht eingerechnet — volle vier Tage htungern, wenn er einmal baden -wollte, da außer diesen Stadtbädern sowohl in Karlsbad als in der nächsten Umgebung keine jedermann zugänglichen Bäder vorhanden find. Als dann ein Flüchtling den betreffenden Beamten frug: „Also, wo sollen wir baden, wenn Sie uns keine Bäder geben?", bekam er die liebenswürdige Antwort: ..Baden Sie in der Eger!" (Es war damals anfangs März bei 0° Temperatur.) Die verzweifelten Flüchtlinge wandten sich darauf durch den Ob- Mann ihres Komitees, Dr. David Bulwa, mit einem schriftlichen. Motivierten Gesuch an den Stadtrat um Gewährung der Bäder zu dem alten Preise von 40 Heller; sie machten den Stadtrat auf die mögliche Gefahr von Seuchen, Flecktyphus, der Läufegefahr aufmerksam, wiesen auf den Umstand hin, daß mangels eines anderen öffentlichen Bades die Flüchtlinge überhauvt nickt baden werden können, da der Hunger der stärkste Trieb ist. wird es den Flüchtlingen bei dem hohen Preise von 2.50 Kr. unmöglich gemacht, das primitivste sanitäre Bedürfnis eines Kulturmenschen, ein Reinigungsbad. zu nehmen. Man predigte tauben Ohren. Trotz Unterstützung der Kultusgemeinde. trotzdem die Bezirkshauvtmannschaft wohlwollend der Sache gegenüberstand, wurde die Bitte abgewiesen und es blieb beim löblichen Beschluß, daß die Flüchtlinge in Schmutz und Verwahrlosung zu leben haßen. Die Flüchtlinge werden nicht ruhen, sie werden die Angelegenheit vor die Instanzen bringen, die Sache aber verdient öffentlich gebrandmarkt zu werden. D.