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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1915-04-30 · 18 (30.4.1915) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
32 (1915)
Issue
18 (30.4.1915)
Date
1915-04-30
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 336 Dr. BVochs Wochenschrift. Nr. 18 'Schon nach kurzer Zeit hat kaif. Rat Weil der Vereinsleitung einen namhaften Betrag zugeführt, den er mit.Herrn Hirsch in aller Stille aufgebracht, um später weitere Schritte anzubahnen. Ich hatte nicht Gelegenheit, dem Verstorbenen beim Leben für dieses stille Wirken auf dem wichtigsten Gebiete der Wohltätigkeit zu danken, ich tue es jetzt und glaube überhaupt im Sinne und im Geiste der gesamten Kollegenschaft zu sprechen, wemr ich dem uns unvergeßlich bleibenden Kollegen Herrn kais. Rat Weil die Worte zurufe: „Gesegnet sei Dein Andenken in Ewigkeit." Das Flüchtlingsheim, I., Wallncrstratze Nr. ,1. Unter den zahlreichen Stätten, an denen jetzt Weitherzigkeit der Regierung, vereint mit privatem Wohltätigkeitssinn, sich betätigt, verdient dieses Heim schon wegen der Großzügigkeit seiner Führung ganz besondere Würdigung. In zwei von Herrn kais. Rat Albert Frankl kostenfrei zur Verfügung gestellten monumentalen Nachbarhäusern, die für diesen Zweck vereinigt wurden, ist insbesondere dank, der hingebungsvollen Fürsorge des Herrn Hofrates Dr. von Twardowsky ein Heimwesen für unsere Flüchtlinge eingerichtet worden, welches — vom Empfangssalon des Herrn Ministers von Bilinski bis zum Kindergarten nach allen Anforderungen der Pädagogik und Hygiene — in muflergiltiger Ausführung den Plan eines „polnischen Hauses", einer interkonfessionellen nationalen Zentrale im Exil verwirklicht. Jeder Flüchtling, der in der Aufnahmekanzlei seine Krone monatlichen Beitrag eÄegt, erhält in einem von Damen der polnischen und der Wiener Gesellschaft geleiteten Sveisesaal für 80 Heller einen vortrefflicher bürgerlichen Mittagstisch, in einem Kaffeehaus, im dem zahlreiche Zeitungen aufliegen, für 10 Heller einen Kaffee. Eine reichhaltige Bibliothek, ärztliche Ambulatorien, auch ein zahnärztliches, stehen ihm kostenfrei zur Verfügung. Ebenso den Kindern vollständige polnische Volks- und Bürgerschule, in der übrigens auch den jüdischen Schülern jüdischer Religionsunterricht erteilt wird. In allen Räumen herrscht das regste Leben. Wohl selten wird ein Klubhaus so eifrig besucht und selten einem Speisehause so zahlreich zugesprochen. Bis ins einzelne macht alles, was hier dem Betrachter entgegentritt, den Eindruck der gediegensten Sorgfalt und einer Freundlichkeit, die geeignet ist, den armen Flüchtling — und Man begegnet hier Vertretern der besten Kreise, Beamten, Lehrern usw. — für Stunden über die Traurigkeit seines Loses hinwegzutrösten. Den edlen Herzen, die ein solches Werk -geschaffen und es unter schwersten Opfern erhalten, muß ein solcher Erfolg reichliche Genugtuung gewähren. Sie verdienen sich den Dank aller Menschenfreunde. An die österreichische Judenschost! Wir alle hoffen und glauben zuversichtlich, daß es unseren braven Truppen bald gelingen wird, auch das Kronland Galizien von der russischen Invasion zu befreien. Wir alle sind von der Ueberzeugung durch-- drungen, daß die hohe Regierung die Zusage unseres geliebten Kaisers einlösen und nach! Abschluß eines ehrenvollen Friedens nicht ermangeln wirb, die Kriegsopfer des Ostens in entsprechender Weise zu entschädigen. Nichtsdestoweniger ist zu befürchten, daß eine große Zahl jüdischer Familien vor die harte Frage gestellt sein wird, in welcher Weise ihre durch den Weltkrieg zerstörte Existenz neu aufgebaut, für die Zukunft dauernd gesichert werden soll. Die während des Krieges geschaffenen Fürsorgeaktionen, so gerne ihre Verdienstlichkeit anerkannt sei, waren von vorneher nur dazu bestimmt, eine vorübergehende Wirkung eben während des Krieges zu zeitigen. ' Eine dauernde Wirkung kann nur eine Aktion Hervorrufen, welche darauf ausgeht, den jüdischen Kriegsopfern aus dem Osten Existenzmöglichkeiten Zur die Dauer zu verschaffen, sei es hierzulande, sei es für jene, welche sich zur Auswanderung bestimmt fühlen, außer Landes. Eine Aktion zu diesem Zwecke wurde nun von den Vereinen „Keren Kajemeth Lejisroel" in Lemberg und in Wien gemeinschaftlich eingeleitet. Unter dem Namen ,,Kr i e g s-?L and spen d e" werden Kapitalien gesammelt, deren Zweckbestimmung ist, Grund und Boden in Palästina zu erwerben und denselben i M W e g e der C r b p a ch t (für die Dauer von 49 Jahren) jüdischen Kriegsopfern aus dem Osten zur Benützung zu überlassen. Der Durchschnittspreis eines Dunams (ungefähr ein Fünftel Joch) beträgt in Palästina 50 Kronen. Wer nun einen oder mehrere Dunam Land spendet, der schafft eine wirtschaftliche Grundlage zur Ansiedlung jüdischer Kriegsopfer aus dem Osten. Dem Spender steht überdies das Recht zu, eine ihm werte Person namhaft zu machen, zu deren Ehrung die Spende geleistet wurde; der, dank einer Spende, gekaufte Boden wird nämlich! für immerwährende Zeiten den Namen jener Person tragen. Auch kleinere Spenden sind zulässig. Die Wichtigkeit und Nützlichkeit der eingeleiteten Aktion ist so groß und klar, daß sie einer näheren Begründung nicht bedarf. Es ergeht somit an alle Juden in Oesterreich die dringende Bitte, sich an unserer Aktion der „Kriegs- Landspende" mit warmherzigem Eifer zu beteiligen, selbst nach Kräftenzu spenden und andere zur Mitwirkung anzuspornen. Alle Spenden sind ehetunlichst an untenstehende Adresse abzuführen. Sie werden allwöchentlich in der ebendort erscheinenden „Jüdischen Zeitung" veröffentlicht werden. Mit vereinter Kraft wollen wir ein Werk aufrichten, welches der österreichischen Judenschaft zur Ehre und unseren unglücklichen Brüdern, den jüdischen'Kriegsopfern aus dem Osten, zu Heil und -Segen gereichen soll! Mit'vvrMglicher'Hochachtung und.treujüdischem Gruß für den Verein „Keren Kajemeth Lejisroel", Wien, II., Zirkusgasse 33. Postsparkassenkonto Nr. 100208. Dr. Gerson Zipper. Dr. Egon Zweig. Dr. Wilhelm Beigel. Nyitra, 21. April 1915. An Se. Hochwürden Herrn Rabbiner Dr. I. Bloch, Redakteur der „Oesterreichischen Wochenschrift" Wien. . Hochverehrter Herr Redakteur! Der in Ihrem geschätzten Blatte erschienene Artikel über die hiesige orthodoxe Gemeinde bezüglich der Behandlung der hieber aeflüM-eten galizischen Flüchtlinge veranlaßt Mich. Sie höslichst zu ersuchen, genannten Artikel?zu dementieren. Ich bin nämlich auch einer dieser Flüchtlinge, bin seit dem' 22. November v. I. hier und hatte Gelegenheit Mit anzusehen, mit welcher Opferwilligkeit genannte Gemeinde — trotz ihrer ungünstigen finanziellen Verhältnisse — ihnen zur Seite stand. So bat die orthodoxe Gemeinde den Flüchtlingen ihre zu Gebote stehenden Lokalitäten als Wohnungen zur Verfügung gestellt: ferner hat sie ihnen Kost — Frühstück, Mittagmahl und Nachtmahl — in der von der orthodoren Gemeinde aufrechterhältenen Volksküche unentgeltlich verabreicht; selbst

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