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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1915-04-30 · 18 (30.4.1915) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
32 (1915)
Issue
18 (30.4.1915)
Date
1915-04-30
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seile 330 Dr. Bloch s Wochenschrift Jh. 18 aller Pietät leicht ihren Weg finden kann. Wir glauben, die ersten zu sein, die diesen Gedanken der Weihe erfaßten und zur Ausführung brachten; seitdem ^beginnt man, wie ich höre, auch in anderen Städten und bei den Bekennern anderer ^Religionen die (gefallenen Krieger ebenfalls damit Zu ehren, daß man sie an gesonderter Stelle zur ewigen Ruhe bestattet. Im Pester israelitischen Friedhof ist die Bestattung der im -Kriege gefallenen, im Dienst für das Vaterland gestorbenen Helden derart kontempliert, daß für sie eine neue Allee angelegt wird. Eine von Bäumen beschattete Allee einander frontal gegenüberliegender Gräber. Selbstverständlich kann, sich diese Allee nicht ins Unendliche dchnen; es sind ihr durch die Grenzen des Friedhofes Grenzen gezogen. Bei der großen Zahl von Opfern, die dieser Krieg aus unserer Gemeinde fordert, werden wir wohl gezwungen sein, hinter der ersten Front von Gräbern noch eine zweite, vielleicht noch »mehrere zu schichten. Eben deshalb lassen sich Grenzen und Aus-- dÄhnung des Heldenplatzes auf unserem Gottesacker erst dann angeben, wenn der Krieg zu Ende sein wird, wenn auch die letzten der jetzt in fremder Erde ruhenden Toten, welche die Pietät chrer Angehörigen heimzuholen trachtet, ihren Weg in den Boden des Vaterlandes gefunden haben werden. Der erste Tote, der in der Heldenallee unseres Friedhofes bestattet wurde, war Heinrich Kohn. Er wurde am 25. Januar dieses Jahres zur Ruhe gebettet. Sein iGrab hat seitdem zahlreiche Nachbarn bekommen, denn über sechzig gefallene Krieger schlummern bereits in diesem Telle des Friedhofs chren ewigen Schlaf. Es sind dies zumeist solche, die hier chren Verwundungen erlegen sind. Für einen späteren Zeitpunkt müssen wir wohl mit vielen Hunderten, wenn nicht mit Tausenden rechnen, die in die HeldeUallee kommen werden. Denn zweifellos werden nach Beendigung des Krieges alle, die es fich> leisten ckönnen, eine Exhumierung chrer in der Fremde bestatteten Angehörigen versuchen lassen. Man wird diejenigen heimbringen, die vor dem Fellrde gefallen sind, deren Grab sich aber ermitteln läßt, so daß eine Agnoszierung nicht außer dem Bereiche der Möglichkeit liegt. Ebenso wird man nach Ablauf einer gewissen Zell die irdischen Reste derjenigen hieherbringen lassen können, die im Feldzüge Opfer einer infektiösen Krankheit wurden und die chrer Leiden halber nicht minder Anspruch haben, als Helden gefeiert zu werden. Wir haben für jeden dieser vielen ein besonderes Grab vorgesehen, well ja die Pietät chrer Angehörigen den Zoll der Andacht an besonderer Stätte tilgen will, chrem Grabstein gern eine fromme Inschrift widmet. Mso kein Beinhaus, kein' Massengrab, wie es auf so manchem Gottesacker anderer Konfessionen vielleicht errichtet werden dürste. Wer ein gemeinsames Denkmal wird allerdings diese Gefallenen chren, den grandiosen Schmuck der Heldenallee bilden. Ueber die Gelder, die man der Verwirklichung dieses Denkmals widmen wird, über die Pläne dieser Veranlagung, über die Künstler, die mit chrer Ausführung betraut werden sollen, aller Wahrscheinlichkeit nach im Ergebnisse eines öffentlichen Wettbewerbes, über all das zu sprechen, wäre wohl heute noch verfrüht. Noch dauert das gewaltige Ringen des Weltkregies, noch ist sein^Ende nicht absehbar, noch läßt sich nicht anncchernd schützen, wieviele Opfer der grausame Krieg fordern wird. Heute wissen wir nur das eine, daß wir unseren gefallenen Helden'Dankbarkeit und Ehrung schulden. Dieser heiligen Pflicht wird der Heilige Verein denn auch in würdiger Weise zu entsprechen trachten. Km 58Mriger freiwilliger Kriegsl-eld. Aus Budapest wird berichtet: In der Synagoge von Nyiregyhaza fiel während des letzten Pessachfestes ein hochgewachsener kräftiger, graubärtiger, alter Soldat auf. Lein vollständig weißes Haar, seine schlanke, kräftige Gestalt und sein eifriges Gebet zogen die Aufmerksamkeit der ganzen Betversammlung .auf sich. Des Morgens und des Wends war er tagtäglich beim Gottesdienste anwesenh. Einem Besucher des Tempels, der seine Neugierde nicht meistern konnte, erzählte der alte Soldat seine Geschichte. Er heißt Anton Schwarz, zog vor ungefähr dreißig Jahren nach! Nürnberg, wo er als Photograph seinen Unterhalt fand und seine Familie redlich ernährte. Seine ungarische Staatsbürgerschaft hat er nicht aufgegeben. Als er im August vorigen Jahres vom Ausbruch des Krieges hörte, entschloß er sich freiwillig, in das österreichisch-ungarische Heer einzutreten, um auf solche Weise seinem Vaterlande zu dienen. Erging nach Preßburg, wo er sich bei seinem Regiment meldete, und unter Berufung darauf, daß er vor vierunddreißig Jahren bei diesem Regiment diente, um seine Wiederaufnahme als Freiwilliger ansuchie. Seinem Ansuchen wurde Folge gegeben. So wurde aus dem alten grauhaarigen Freiwilligen der Zugsführer Schwarz. Mir der nächsten Marschkompagnie wurde er in die Karpathen geschickt. Seit Anfang September nahm er an den Kämpfen gegen die Russen teil. Immer in der vordersten Reihe, eiferte er die Jüngeren zur Ausdauer an. Seine Vorgesetzten gewannen ihn sehr lieb und verboten ihm, seinen grauen Bart scheren zu lassen, denn sein Hauptmann stellte ihm den Jüngeren stets als nachahmenswertes Muster vor. Als in den Karpathen strenge Winterkälte eintrat, wurde er der Skitruppe zugeteilt und auf dem Kemmering ausgebildet. Vor ungefähr eineinhalb Monaten richtete Hauptmann Selymessy im 13. Honved -Infanterieregiment an die Unteroffiziere die Frage, wer von ihnen es unternehmen möchte, die aus dem anderen Ufer des San befindlichen russischen Stellungen auszuspähen. Zugsführer Anton Schwarz meldete sich mit einem Kameraden zu diesem wichtigen Dienst. In der Februarkälte schwammen sie an das andere Ufer des San und spähten dort, auf dem Bauche kriechend, die feindlichen Stellungen aus. Sie waren schon fast in die Nähe der Russen gelangt, als sie von ihnen bemerkt und mit einem fürchterlichen Kugelregen überschüttet wurden,, so daß sie gezwungen waren, rasch wieder in das Wasser zurückzugelangen. Nur der Umstand, daß sie die ganze Zeit unter dem Wasser schwammen, rettete sie vor dem sicheren Tode. Sie gelangten glücklich in unser Lager und, obgleich sie von den Russen bemerkt worden, hatten sie ihr Ziel dennoch erreicht, denn auf Grund ihrer Meldungen hat unsere Artillerie das von den Russen, besetzte Dorf jenseits des San innerhalb einer Stunde in Trümmer geschossen und die Russen von dort vertrieben. Wählend dieses kühnen Unternehmens hat sich Schwarz im eiskalten Wasser eine schwere Krankheit zugezogen, wegen welcher er in die Beobachtungsstation nach Nyrethaza kam. In Anerkennung seines Heldenmutes hat ihn -sein Hauptmann zur Beförderung und für eine Auszeichnung vorgeschlagen. Anton Schwarz ist von seiner Krankheit wieder genesen und bereits an die Front in die Karpathen zurückgekehrt. Ar. Heinrich Sprirrzels, Schiffarzl — ein Apfer feines Berufes. Unter "den vielen Opfern, die das vaterländische Judentum infolge des Krieges zu beklagen hat, ist auch gewiß der Tod des Med. Dr. H. Sprinzels zu registrieren. Er war in Prag als der Sohn des Kaufmannes Jakob S p r i n z e t s, Begründer

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