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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1915-04-30 · 18 (30.4.1915) · page 2

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
32 (1915)
Issue
18 (30.4.1915)
Date
1915-04-30
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 326 Dr. Bloch's WochenjchrtN Nr. i« Und noch eines, um alle Deuteleien und Zischeleien mit einem Streiche zu - zerhauen: Wir sind - nicht blind gegen Auswüchse, welche der Krieg und seine gewaltigen Bedürfnisse auch unter uns Juden gezeitigt haben. Es haben sich auch unter uns Menschen und Dinge und Machenschaften des kaufmännischen Getriebes gefunden, die als arge Verirrungen gegen Sitte, Anstand und die Strenge des Gesetzes verworfen und verurteilt werden müssen. Wir halten mit dieser Verdammung nicht zwrück. Allein man vergesse nicht, daß drüben wie hüben gesündigt ward, daß der Krieg und die gewaltige Kriegskonjunkrur eine verführerische Lockung bieten, der schlecht veranlagte, hemmungslose Naturen leicht unterliegen, daß Not und Mühsal vielfach als Milderung dazugetreten sind und daß schließlich von solchen Individuen begangene Verschlungen nicht der Allgemeinheit zugerechnet werden dürfen. Im übrigen sind sie nur ein winziges Quentchen in der Fülle der schreckhaften Uebel, welche der Krieg über die jüdische Mache verhängt hat. Also nur keine versteckten Anspielungen, keine wegwerfende Geste, keine gnädige Herablassung. Damit möge man uns verschonen und in Frieden lassen. Wir beanspruchen die wolle Achtung mw Beachtung unserer Geltung und unseres Selbstbewußtseins, und das ist es vornchmlich, was wir unter „Burgfrieden" verstehen. Das Wart des Thronfolgers Unsere oberste Armeeleitung, in deren Händen das Schicksal aller Völker unserer Monarchie gegenwärtig ruht, ist auch jetzt der berufenste Faktor, über die patriotische Gesinnung der einzelnen Völker der Monarchie ein Urteil zu fällen. So oft unsere oberste Armeeleitung Gelegenheit hat, während dieser langen Kriegsdauer über das Verhalten der Juden in dieser schweren Zeit Mitteilungen zu verlautüaren, können wir mir denselben sehr zufrieden sein, denn sie sind lebendige Beweise dafür, daß, 'für uns Juden die Treue für unseren Kaiser und für unser Reich unser kostbarstes Gut ist, welches wir auch mit dem letzten Blutstropfen unseres Herzens zu schützen verstehen. Eine freudige Genugtuung bildet für uns die Tatsache, daß auch >unser Thronfolger, der jetzt die Gelegenheit hat, unser ganzes Reiche und seine Völker aus eigener Anschauung kennen zu lernen, für den Patriotismus der Juden ein herrlich Zeugnis ablegt. Während seines jüngsten Aufenthaltes in Czernowitz sagte der Thronfolger zum Repräsentanten der dortigen Kultusgemeinde, Abg. Pros. Dr. Neumann - W end er: „Ihre Glaubensgenossen haben wegen ihres Patriotismus unter der Russenherrschaft sehr gelitten. Die jüdische Bevölkerung ist sehr patriotisch. Wir werden chr das nie vergessen. Nach glücklicher Beendigung des Krieges werden hoffentlich alle Schäden gutgemacht werden." Wohl wurden alle Völker in den Staaten, in denen jetzt der größte Krieg aller Zeiten geführt wird, aus das härteste von ihm getroffen, aber an der Hand der offiziellen Mitteilungen, die wir sehr oft aus unserem Kriegspressequartier erhalten, können wir leider ersehen, welche bestialische Greueltaten an unseren Glaubensgenossen im galizisch-bukowinaischen Kriegsgebiet vom Feinde verübt wurden. Die gälizische und bukowinaische Judenschafl hat ihre Söhne im Felde, wo sie an Tapferkeit mit den Söhnen aller anderen Nationen Oesterreichs wetteifern, und sehr groß ist die Zahl ihrer heldenhaften Leistungen; ihr Hab' und Gut wurde vom grausamen Feinde, der übrigens auch in Friedenszeiten als der Henker der Juden gilt, schonungslos vernichtet. Damit allein will fick) das Moskowitertum nicht zufrieden geben, die wehrlose Judenschaft, die ihm in die Hände fällt, Mütter und Tücher, Greise und Kinder wurden von seinen Kosaken, deren-hauptsächlicher-Berus in- Friedens-- Zeiten darin besteht, den Zaren vor der nur zu sehr berechtigten Empörung seiner eigenen Untertanen zu schützen, geschändet und getötet. All' diese Greueltaten, hauptsächlich an Juden verübt, werden damit entschuldigt, daß die Juden es sind, die von ihrem österreichischen Patriotismus sich nicht lossagen können und deshalb für den Feind in den üon ihmi besetzten Gebieten als die 'größte Gefahr betrachtet werden. Wie groß sollte also die Teilnahme jedes Patrioten unserer Monarchie für diese vor dem Feinde geflüchteten Juden fein. Alle Wohltaten, die Staat und Gemeinde ihnen erweisen, müssen als selbstverständliche Pflicht aufgefaßt werden, unser Bestreben muß es sein, ihren Aufenthalt in unserer Mitte mindestens erträglich zu gestalten. Ihr Tun'und Lassen darf nicht von alteingewurzelten Vorurteilen beurteilt und sie für Einzelerscheinungen in der Gesamtheit verantwortlich gemacht werden. Die Seelengröße, die gerade sie in diesem Kriege bekunden, kann eher als ein nachahmenswertes Beispiel hingestellt werden. Wir wollen bei dieser Gelegenheit öffentlich dokumentieren, daß unsere Zentralbehörden, hauptsächlich das Ministerium des Innern, die Flüchtlingsfrage mit Verständnis und Takt behandeln, leider kann noch irmner nicht das gleiche von vielen Lokalbehörden gesagt werden, und nach? dieser Richtung müssen wir wiederum den jüngsten Erlaß des Ministeriums des Innern freudig hervorheben. Die Privat- Jnstitutionen in Wien und in einzelnen Städten Westösterreichs, wie z. B. jene von Prag, Brünn usw., sind sich ihrer Aufgabe den Flüchtlingen gegenüber voll bewußt, ihr Bestreben ist es, das traurige Schicksal derselben möglichst zu erleichtern. Groß ist die Zahl derjenigen Persönlichkeiten in Wien, welchen die Flüchtlinge stets in Dankesschuld bleiben und deren >zu gedenken, sie noch

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