Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 32 (1915)
- Issue
- 18 (30.4.1915)
- Date
- 1915-04-30
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Lentralorgan für die gesamten Unteressen des Judentums. Dr. Bloch’s Jahrgang XXXII Wien, 30. April 1915 Lrscbeinr jeden Freitag. Brief-Adresse: Wien, II/i, Praterstraße 9. Telegramm-Adresse: Bloches Wochenschrift, Wien. OG P M. ft. pojffjtarfcaflrenantt Llearing-Verkebr Mr. S10.97S. Redaktion und Administration: w i e n 0-0 Q O oG II/i, Praterstraße 9. Telephon 45.359 £>o o (j — - - =00? Verugsprris für Oesterreich: Q Halbjährig 8 Kronen. Einzelexemplare 50 Heller. Für das Ausland: Halbjährig t0 Kronen. Ganzjährig 20 Kronen. Anzeigen: Die 2mal gespaltene Petitzeile 48 Heller. oO =Do Inhalt: Leitartikel: Der Burgfriede. — 'S ns Wort des Thronfolgers. — Das Hilfswerk für die österreichischen und ungarischen Gemeinden in Palästina. — Kriegsdekorationeil jüdischer Offiziere und Soldaten. — Enver Pascha über die jüdischen Soldaten in der türkischen Armee. Tie Heldenallee auf dein Bndapester jüdischen Friedhöfe. Ein 58jähriger freiwilliger Kriegsheld. Dr. Heinrich Sprinzels, Schiffsarzt — ein Opfer seines Berufes. Aus dem Felde der Ehre gefallen. Hauptmann Kellner. Silbernes Berdienstkrenz mit der Krone am Bande der Tapferkeitsmedaille. Friedrich Senders. Fürs Vaterland gestorben. Ernennung zum Feldrabbiner. Liebesgaben fiir Verwundete und Kranke im Felde. "Auszeichnungen jüdischer Krieger mit dem Eisernen Kreuze. Befördert. Sonstige "Auszeichnungen. Die Behandlung jüdischer Kriegsgefangener in Deutschland. Drangsalierung der Inden in Rußland. Sven Hedin und das Jndenmädchen. — Korrespondenzen: Plenarsitzung des Knltusvorstandes. Vorstandsmitglied kaif. Rat Jonas Weil. Das Flüchtlingsheim im l. Bezirk. Au die österreichische Iudenschaft. Karlsbad. Narziß Lewen. Jerusalem. Was dann'? — Vermischtes. — Feuilleton: Frauen im Gotteshause. — Die Juden in Polen während der Kosaken-, Tataren-, Ruisen- und Schwedenkriege. — Literatur. — Notizen. — Briefkasten. — Inserate. Der Wurgkriede. Von Dr. Heinrich Schreiber. Der Krieg hat sein eigenes Lexikon. Er beeinflußt daher auch unsere Umgangssprache. Er hat den Wortschatz bereichert, hat neue Laute geprägt und alte, abgestorbene Begriffe wieder zunr Leben geweckt. Verschiedentlich sind an die Stelle von Lehnworten und verpönten Fremdwörtern „Militarismen" getreten, die in unseren Verkehr übergegangen sind. Für den Sprachforscher ist es sicherlich interessant, diesen linguistischen Wirkungen des Krieges nachzugehen; uns liegt dieses Wissensgebiet ferne, aber doch nicht so weit entrückt, um nicht auch einen kleinen Beitrag einbringen zu können. Er gilt dem Worte, das an die Spitze dieser Zeilen gestellt ist. Es Hingt recht feudal, hat aber modernpolitische Bedeutung gewonnen und man hört und liest es allenthalben, bei uns freilich zumeist mit einem schielenden Seitenblicke auf uns Juden. Der Burgfriede im Kriege ist die Einstellung des innerpolitischen Kampfes, die Ausschaltung politischer Gegensätze und das Ruhen des häuslichen Zwistes. Der Friede im Innern ist ein köstliches und wertvolles Unterpfand für die Vollkraft in d».r Abwehr der äußeren Widersacher. Gerade unser großes Reich mit seinem üppigen Konglomerat von Nationen und Sprachen hat unseren Feinden zum Trotz und zur Ueberraschung der Welt bei Ausbruch des Krieges das herzbewegende und erhebende, ja wunderbare Schauspiel inniger Gemeinschaft und treuen Zusammenschlusses aller seiner Völker geboten als Ausdruck und Spiegelbild hingebungsvoller Liebe zum gemeinsamen Vaterlande. In seinem Lager war und ist Oesterreich, und der Ruf des obersten Kriegsherrn hat alle unter seine ruhmreiche Fahne geschart, welch' Stammes, Standes und Glaubens sie immer sein mochten. Alle Bürger dieses Staates haben in edlem Wetteifer sich überboten,. das Gepräge des einigen Volkes von Brüdern zu versinnlichen und alle Unkenrufe mißgünstiger Voraussagen zuschanden zu machen. Freilich. ein gleich, erquickendes Schauspiel hat das uns so fest und' treu verbündete Deutsche Reich dargeboten. Unvergessen ist und bleibt das aus dem Berliner Thronsaal aufgeflatterte Wort des deutschen Kaisers, daß es von heute an keine Parteiungen und keinen Zwiespalt, sondern nur Deutsche gebe. Auch dieser Appell an die Sendboten des deutschen Volkes hatte einen donnernden Widerhall gefunden; die ganze Nation hatte sich wie ein Mann zur Verteidigung des Reiches und Bezwingung der Feinde zusammengetan und sie führt in schimmernder Wehr und in verläßlicher Waffenbrüderschaft mit unseren Völkern sieghaft das Schwert gegen den Ansturm feindlicher Gewalten. Hier wie dort wurde die Streitaxt innerer Zwistigkeiten zwischen den politischen Parteien und Gesinnungen begraben. Nur ein Wille und nur eine Gesinnung sollte vorherrschen: der Wille, durchzuhalten und zu siegen. Im Innern Herrscht Eintracht zwischen den Bürgern, herrscht der „Burgfriede". Auch hierzulande haben unsere sonst so kampfbeflissenen politischen Gegner den Burgfrieden proklamiert; den Burgfrieden nicht allein in Beziehung zur sozialdemokratischen Partei, sondern offenkundig im Verhältnisse zu allen freisinnigen Richtungen und, wohlver-» standen, auch gegen die Juden.