Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 32 (1915)
- Issue
- 17 (23.4.1915)
- Date
- 1915-04-23
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Seite 822 Hr. Bloch's Wochenschrift Nr. 1? I. L. Perez gestorben. In Warschau ist, wie über Kopenhagen gemeldet wird, vor einigen Tagen einer der genialsten jüdischen Dichter, I. L. Perez, im Alter von 64 Jahren plötzlich gestorben. Perez, der in Russisch-Polen geboren wurde, war in seinem bürgerlichen Berufe Sekretär der Judengemeindc in Warschau. Er widmete sich frühzeitig der Schriftstellerei. Perez beherrschte die klassische hebräische Sprache ebenso wie das „Jiddisch", dessen er sich in seinen Gedichten, Novellen und Skizzen bediente. In seinen Werken beschäftigte er sich mit Vorliebe mit dem Leben des jüdischen Proletariats. Seine klassischen Schilderungen aus dem chassidischen Leben atmen Mystizismus und eine gewisse Feierlichkeit. Im Alltag bediente er sich der polnischen Sprache, die er wie die meisten europäischen Sprachen meisterhaft beherrschte. Seine Werke fanden große Verbreitung unter den Juden der ganzen Welt und wurden in die meisten modernen Sprachen übersetzt. Seiner politischen Gesinnung nach war Perez radikaler Sozialist, der der jungjüdischen Bewegung mit Sympathie gegenüberstand. Wer weih? Salomoa Nußbaum mit feiner Frau, Kindern und Enkeln aus Zbaraz werden gesucht von der Redaktion der „Oesterr. Wochenschrift". Viktor Keitfch rekte Bernstein, Einjahrig-Freiwilliger, k. u. k. Ersatzbataillon Nr. 90 in Szombathely, Ungarn, sucht seine Schwester Rifcia Gottdenker aus Wygoda bei Dolina und seine Schwester Manze, Frau des Hermann Wiselthier aus Stryj. Abraham Moses Spiegel aus Kolomea werden gesucht von S. Spiegel bei Fettner, Brooklyn N. P., 849 Myrtle av. Hermann Schwarzbard in Stadt Lauterbach bei Petschau, Böhmen, sucht seine Schwester Regina Schwarzbard und Herrn Leopold Livdner aus Boryslau, ferner Moses Wundermann aus Stryj, Mofes Kwartler, Jakob Kikon aus Stryj und Israel Findling aus Stryj. Aron Josef Rothfeld in Stadt Lauterbach sucht seinen Onkel Jsak Liebermann aus Stryj, sowohl Schwiegervater Benjamin Erdmann aus Lastowka, Bezirk Drohobycz. Mendel Zeichner, Sprinze Zeichner und Sarah Zeichner rekte Heller werden gesucht von Eh. Rebekka Zeichner bei M. Freund, . Brooklyn N. 9), 1654 Eastern Parkway. Giterl Babat geb. Aschkenassi aus Sanok; Golde Berger geb. Altschiler aus Rudki; Tanchum Altschiler aus Grodek. Gef. Adressen an die israelitische Kultusgemeinde NeubidLow. Böhmen. Jakob Rofenblöth, Eend.-Abt. 30, sucht seine Frau Chane Rosenblnth mit 3 Kindern aus Pustkow bei Dembica, Galizien. Moses Waller, Bruckenschutzk. 4/90, sucht seine Eltern Salamon Waller und Frau aus Belzecz, Bezirk Rawa-Ruska, Galizien, und seinen Bruder Samuel Waller und Frau aus Lezajsk, Bez. Lancut, Galizien. Auskünfte an Feldrabbiner Lemberger, Feldposramt Nr. 70, erbeten. Feuilleton. Die Hudru i« Polen wahrend der Kosaken, Tataren-, Ktsfle«- und Kchwedenkrrege (1648-1660). Vortrag, gehalten anl 11. Februar 1915 im Festsaale des Ingenieur- und Architekten-Vereines in Wien über Einladung des Vorstandes der israelitischen Kultusgemeinde Wien. Von Prof. Dr. Majer Balabau. Sehr verehrte Damen und Herren! Wir leben in einer historischen Zeit. Wir leiden sehr viel und wir sehen bei unseren Nächsten noch ein viel größeres Unglück, aber die kommenden Generationen werden uns beneiden und uns glücklich preisen, da wir so viel Großes mit eigenen Augen gesehen, miterlebt und mitgelitten haben. Besonders für uns Juden ist dieser Krieg von eminenter Bedeutung, denn er soll der Finsternis und dem blinden Eifer des Mittelalters ein Ende machen und Millionen unserer Brüder im Osten die Pforten der Luft und des Lichtes erschließen. Bevor aber die Erlösung kommt, bevor die Standarte der Freiheit auf dem Kreml im heiligen Moskau wehen wird, rnüssen die Völker Rußlands, und besonders die Juden, den Leidenskelch bis zur Neige trinken. Aus Galizien stieben Hunderttaufende unserer Brüder nach dem Westen unseres Staates und Millionen aus dem Königreich Polen in die inneren Gubernien des russischen Reiches. Die einen und die anderen retteten kaum das nackte Leben und ließen Hab' und Gut zurück. Ein gewaltiger Unterschied ist aber zwischen den galizischen und polnischirussischen Flüchtlingen. Während die ersten mit Sehnsucht den Sieg ihrer Truppen erwarten, um ruhig nach Hause zurückkehren zu können, schen unsere polnischen Stammesgenossen mit Furcht und Ungewißheit dem Ausgange des Krieges entgegen. Der Fall Rußlands bedeutet Tod und Verderben vieler Tausende und aber Tausende ihrer Brüder, Väter und Söhne auf den Schlachtfeldern an der Weichsel, Bznra und Nida, der Sieg Rußlands die Fortsetzung der Pogrome, Ansiedelungsraypne, Beschränkungen und Quälereien. Und fürwahr, an denen mangelt es in Rußland auch während des Krieges nicht. Viele Millionen unserer Glaubensgenossen leiden furchtbar unter dem Unheil des Krieges und dem Drucke der Regierung und schon scheint es kurzsichtigen Schwarzsehern, daß bereits das Ende des polnisch-östlichen Judentums gekommen sei und unsere Feinde — wohl in mancher Ratsstube — rufen mit Freude: Finis Judaeae. .... Aber >7.<-V';i2vrrrr'7"2 unser Volk geht nicht zugrunde, so lange ein Gott im Himmel waltet, und den Beweis dafür erbringt die Existenz des Judentums selber — der Fortbestand nach so vieler und trotz so vieler Verfolgungen und Leiden. Ein gewaltiger Krieg wütete vor zirka 250 Jahren eben auf demselben Territorium, wie der setzige, es war der große Kosaken-, Tataren-,, Russen- und Schwedenkrieg, der in den Jahren 1648 bis 1660 — also durch volle zwölf Jahre — Polen heimsuchte und unseren Vätern viel, sehr viel Unheil brachte. Auch damals hieß es wie heute, daß die große Masse der polnischen Juden unwiderruflich verloren gehe. . . und doch kam es anders; das Individuum ging zugrunde, die Art blieb, sie blieb bis auf heute. Die Geschichte, die alte Lehrmeisterin — die magistra vitae — wöge auch uns belehren und längst vergessene Zeiten uns vor Augen führen. * * „So erfahret denn, wenn ihr es noch nicht gehört Haber, ihr geretteten Gemeinden des Herrn, die ihr den Herrn Zebaoth anrufet und auf sein Wort mit Beben lauschet, ihr, die zerstreut seid in alle Enden der Welt und verjagt seid überall, wohin Gottes Wort und sein Gesetz gelangen!" „Eine große Trauer suchte uns Juden heim, Fasten, Weinen und 'bittere Klage nimmt man überall wahr, die Großen hüllten sich in Säcke und die Vornehmen streuten Asche auf ihr Haupt, da das Haus Israel, das Volk Gottes, gefallen ist vom Schwerte sündiger Feinde. Fromme Männer und biedere Frauen, gelehrte Rabbiner und würdige Forscher fielen zu Tausenden und Myriaden vom Schwerte fluchbeladener Frevler. . Also lautet der Anfang des Aufrufes, den verfaßt und in die Welt