Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 32 (1915)
- Issue
- 17 (23.4.1915)
- Date
- 1915-04-23
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 318 Dr. Bkochs Wochenschrift. 19tr. 17 Freund suchend, der chm gerade, als er ihn küssen wollte, das Gesicht zerschnitt, doch er war verschwunden." In den höchsten und hohen Kreisen herrscht gegenüber den Flüchtlingen ein humaner, staatsmännischer, hochherziger Geist. Unzählige Werke voll unendlicher Menschlichkeit und spendender Liebe bezeugen es. Möge dieser Geist auch nach unten verpflanzt werden, damit wir nach unserer Rückkehr in die liebe Heimat, welche bald erfolgen möge, der Gesamtbevölkerung nach oben und unten ein dankbares Erinnern bewahren können. N. Lothringer. Aufruf! Trotz der Ungunst der Zeiten, trotz der schweren materiellen Opfer, welche der gigantische Krieg auch uns Oesterreichern auferlegt hat, tritt das gefertigte Komitee wieder einmal an die Oesfentlichkeit mit der ebenso innigen als herzlichen Bitte, desselben auch weiterhin zu gedenken, damit das Komitee nicht gezwungen ist, seine 'Tätigkeit einzustellen. Es wäre dies gerade jetzt ein umso härterer Schlag für die so bedauernswerten Flüchtlinge, als zwei andere Gratis-Frühstücksstuben in den letzten Tagen ihre Pforten zu schließen gezwungen waren, weil die beiden in Betracht kommenden Lokale seitens der bezüglichen Hausbesitzer für andere Zwecke in Verwendung gebracht wurden. Wir wollen uns bemühen, den Flüchtlingen so lange das ohnehin karge Frühstück zu verabreichen, bis es denselben ermöglicht sein wird, in ihre Heimat zurückzukehren: sollten die Mittel — was aufs tiefste zu beklagen wäre — nicht bis zu diesem hoffentlich recht nahen Zeitpunkte ausrcichen, so wollen wir wenigstens so lange durchhalten, bis die warme Jahreszeit eingetreten ist, wo der Mangel eines wannen Frühstücks für die Flüchtlinge nicht so empfindlich sein wird, wie dies jetzt der Fall wäre. Zur Erreichung dieses, ohnehin sehr bescheidenen Zieles, bitten wir um weitere Spenden, welche an den Obmann des Komitees, Bezirksrat Dr. Leopold B r a d h, Hof- und Gerichtsadvokaten in Wien, II., Praterstr. 24, gesendet werden mögen. Israelitische Feldkapellen. An die löblichen Vorstände der israelitischen Kultusgemeinden und Tempelvereine! Die Heeresverwaltung hat zu Beginn des Krieges für unsere Glaubensangehörigen im Felde Kapellen (bie zu einem Gottesdienste notwendigen Ritualien) bereitwilligst eingerichtet. Durch den Feldgebrauch jedoch wurden sie abgenützt, zum Teile unbrauchbar. Die Heeresverwaltung beabsichtigt nun, an Stelle der bisher verwendeten Kapellen handliche, an der Seite mittels Gurt zu tragende Taschenkapellen den Feldrabbinern beizustellen. Da die Beschaffung kleiner, leicht tragbarer, in die Tasche passender Thorarollen allzu geraume Zeit in Anspruch nehmen und größere Kosten verursachen würde, ergeht an die löblichen Vorstände die ergebenste Bitte, sie mögen die im Gemeindebesitze sich etwa befindenden Thorarollen kleinsten Formates (Marimalhöhe 33 bis 35 Zentimeter) der Heeresverwaltung leihweise zur Verfügung stellen. Es darf wohl erwartet werden, daß auch in diesem Falle, wie immer die Judenschaft unseres Vaterlandes ihre Ehrenpflicht gleich den anderen Konfessionen erfüllen wird, die in munifizentester Weise Feldkapellen für die Heeresverwaltung eingerichtet haben. Sendungen sind ehebaldigst zu richten: K. u. k. Israelitische Militärseelsorge in Wien, 1X 4, Latschkagasse 7. Feldrabbiner Dr. Arnold Frankfurter, Leiter der k. u. k. Israelitischen Militärseelsorge in 'Wien. Eröffnung des k. u. k. Rekonvaleszenterchaufes in Vorkloster Tifchinolvitz, Mähren, errichtet vom Verein „Ferienheim" in Wien. Das k. u. k. Militär-Stationskommando in Brünn hat durch Seine Exzellenz den FML. von P ö s ch m a n n das „Kaiser Franz, Josefs-Ferienheim" aufgefordert, seinen in Tischnowitz (Mähren) gelegenen Besitz dem k. u. k. Heere zur Etablierung eines Rekonvaleszentenhauses zur Verfügung zu stellen. Die Vereinsleitung hat in patriotischer Gesinnuitg dieser Aufforderung Folge geleistet und wird das Rekonvaleszentenhaus in Tischnowitz am 1. Mai für 200 kriegsverwundete Soldaten eröffnet. Die Oberleitung und Berwaltung des Hauses hat die Vereinspräsidentin Frau Sofie Grünfeld übernommen. Die Vereinsleitung bittet edle Menschenfreunde, ihr bei der Installierung dieses Spirales durch Spenden hilfreich zur Seite zu ftchien. Alle Arten von Lebensmitteln zur Aufbesserung der Kost, Konserven, Wäsche, Zigarren, Zigaretten, Zündhölzchen re. werden herzlichst erbeten und gegen Bestätigung im Vereinsbureau, Wien, IX., Türkenstraße 17, dankbarst entgegengenomwen. Bereits eingelaufene Geldspenden und Liebesgaben zu Händen des Vereines „Ferienheim", Wien, IX., Türkenstraße 17: Herr Leopold Pollack v. Parnegg 500 Meter Mollinos für Hemden und Unterhosen; Herr kais. Rat Julius Stern 120 Meter Kalikos für Hemden und Unterhosen; Herren B. Spiegler & Söhne 100 Meter Kalikos für Hemden und Unterhosen; Löbl. Komitee für den Haussammeldienst: diverse verschiedene Wäsche und Einrichtungsgegenstände, Kompot rc.; Herr Karl Heller 12 Dtzd. Pantoffeln; Löbl. Waitzner Wirkwarenfabrik durch Herrn Karl Heller 5 Dtzd. Socken; Herr I. Od elga, chirurgisches Instrumentarium; Herren Kahne mann und Krause Verbandstoffe; Frau Helene Fürth 30 Paar Pantoffeln; Frau Hermine Kaufmann 2000 Zigaretten; Frau Oberbaurat Fröhlich 100 Kronen; Herr Sigmund Barber 100Kronen; Herr Stefan Q u i t t n e r 50-Kronen; Frau Klara Qu i t tn e r (Troppau) 25 Kronen. Prag. Der. Phil, und Jur. Samuel Steinherz, Professor der historischen Hilfswissenschaften an der deutschen Universität Prag, der als Nachfolger des Hosrates Dr. Bachinamt zum Professor der 'östeii'eichischen Geschichte an unserer Universität ernannt wurde, ist am 16. Dezember 1857 in Güssing geboren. Nach Absolvierung des Gymnasiums in Graz bezog er die Universitäten Graz und Wien, wo er Geschichte des Mittelalters und der Neuzeit, sowie Rechtswissenschaften studierte. 1895 habilitierte er sich an der philosophischen Fakultät in Wien, wurde 1901 außerordentlicher und 1908 ordentlicher Professor der historischen Hilfswissenschaften an der deutschen Universität Prag. Professor St einherz, der — wie eingangs erwähnt —'1 das Doktorat der Philosophie und der Rechte innehat, gehörte in Wien zum Schülerkreise des berühmten Historikers Hofrat Sickel, Vorstandes des Instituts für jösterreichische Geschichtsforschung. Wenn das Gedächtnis uns nicht täuscht, wurde Doktor Steinherz durch diesen Gelehrten seinerzeit dem Papste vorgestellt, da er von seinem Lehrer dazu berufen war, archivalische Studien in der vatikanischen Bibliothek zu unternehmen. Wie ernst und wie gewissenhaft es Steinherz mit seinen geschichtlichen Forschungen nahm, dafür mag als Beweis gelten, daß er sich mit der italienischen und der spanischen Sprache bekanntmachte, um die einschlägischen Quellen im Original zu studieren. Professor S t e i n h e r z, der sich als Lehrer und Mensch bei den Kollegen und seinen Schülern hoher Sympathien erfreut, hat auch eine rege fachliterarifche Tätigkeit entwickelt und zahlreiche Abhandlungen aus dem Gebiete der Geschichte des Mittelalters und der historischen Hilfswissenschaften veröffentlicht. Im Vorjahre bekleidete er die Würde eines Dekans der philosophischen Fakultät. Die vielen Freunde, die Professor S t e i nherz nicht nur in Prag, sondern auch in Wien und Graz sein eigen nennt, werden gewiß, wit freudiger Genugtuung ob der Ernennung jzum Ordinarius für österreichische Geschichte erfüllt sein.