Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1915-04-23 · 17 (23.4.1915) · page 9

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
32 (1915)
Issue
17 (23.4.1915)
Date
1915-04-23
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3020846-3022142-3022160--24068-3049298
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

9i r 17 Dr. Bloch's Wochenschrift 817 den Hintergrund treten müsse, insbesondere im Hinblick auf die hierher geflüchteten Glaubensgenossen, denen technisches Denken so sehr nottue. Herr Glück dankte namentlich dem Obmanne und dessen Stellvertreter, Herrn Kohn, für den Verein „Wien", Herrn Kommerzialrat Rosen zweig für den Verein „Eintracht" für deren Unterstützung, wodurch die schöne Schöpfung immer mehr gedeihe. Kais. Rat Dr. Ascher dankte namens der Baron Hirsch-Stiftung für die Einmietung von 140 Schülern, unter denen sich auch 40 christliche Kinder befinden, und bat Herrn Kart Freund, auch diesen unglücklichen Geschöpfen seine Fürsorge angedeihen zu lassen. Auch er rühmte, die Anstalt, der seitens der behördlichen Kommission ebenfalls die vollste Anerkennung zuteil geworden ist. Herr Pelz drückte für die galizischen Vereine seine Freude und Bewunderung über das in dem neuen Hause Gesehene aus und nannte diese „Organisation des Almosens" nachahmenswert. Schließlich wurde der neue Vorstand gewählt, und zwar folgende Herren: Dr. I. Samuely Obmann, Karl Freund 1. Stellvertreter, Prof. S. Ehr mann 2. S ellvertreter, Kommerzial at R o s e n z w e i g Bertheld G l ü ck, Schriftführer, Dr. K. S ch o r r Schatzmeister, Hcinr. Lederer, Wich. Neumann, I. Karpeles. Dr. Knöpflmacher, Alfred Zwerg, Rudolf Borges, Heinrich Men dl, Viktor Heim und Rich L i s s a u. Jahresversammlung des „Vereines zur Errichtung und Erhaltung 'von Horten für schulpflichtige Kinder", Wien. XX., Denisgafse 88. Diese fand am gleichen Orte wie die der „Toynbeehallr" statt und war beherrscht von der aufrichtigen An- , Erkennung der edlen Handlungsweise Heinrich M e n d l s. Der Obmann, Dr. I. Samuel y, legte an Stelle des eingerückten Schatzmeisters den Kassabericht vor, dem zu entnehmen ist, daß die Ausgaben 18.000 Kr. (um 1000 Kronen mehr als im Vorjahre) betragen haben. Nebst den regelmäßigen Mitgliedsbeiträgen wurde der Betriebsfonds durch Spenden des Herrn Rich. Wiener (5000 Kr.), vieler Jugendfreunde und der Ku.ltusgemeinde in der Gesamthöhe von 2050 Kr. gestärkt. Hiezu 'kam noch das Legat Gropper (16.500 Kr.) und die Zuwendungen des Vereines „Wien" (2700 Kr.). Der Hort ist von 192 Kindern besucht, von denen 61 Mädchen, 131 Knaben sind. Für die schönen Erfolge gebührt den Lehrern Huschak, Zwirn und Frau Zwirn volle Anerkennung. Herr Karl Freund gab ein Bild der Verwaltung und stellte hiebei fest, daß der eigentliche Gründer des Hortes Dr. Samuely ist. Nebst den täglichen zwei- Maligen Jausen gab es die festlichen „Kinderjausen", wobei fast 1800 Kinder beschenkt und 500 nahezu vollständig bekleidet worden sind. Für eifrige Betätigung im Horte verdienen besten Dank die Frauen Freund und Borges, sowie Herr Phil. Kohn, der 40 Kinder auf seine Kosten aufs Land gesandt hatte. Schließlich müsse der umsichtigen Mühewaltung des Verwalters Klein und dessen Frau dankend gedacht werden. Nun erfolgte die Wahl des neuen Vorstandes, und zwar: die Herren Dr. I. Samuely Obmann, Karl Freund erster Stellvertreter, Kommerzialrat Rosen zweig, zweiter Stellvertreter, Karl Goldschmidt, Schatzmeister, Dir. Jul. Bellak, Siegm. Bosch an, Kommerzialrat Jul. Freund, Dir. Alex, Hecht, Professor 'S. Kühner, Dr. Mor. Schnabl, Ernst Simon, E. G. Taussik und Heinrich Men dl. Der Erlaß Sr. Exzellenz des Herrn Ministers des Innern betreffend die Behandlung der Flüchtlinge. „Die Flüchtlinge, ob es ihnen nun gelungen ist, noch rechtzeitig die Mittel für den Unterhalt zu sichern oder nicht, leiden durch die Trennung von der Heimat, sind von ihrer Wirkungsstätte, die ihnen, wenn auch mitunter noch so bescheiden, teuer ist, entfernt; sie sind im ungewissen über das Schicksal von Haus und Hof, oft auch der nächsten Angehörigen, die sie zu Beginn der Flucht verloren haben oder zurückiassen mutzten." Der Erlaß Sr. Exzellenz des Herrn Ministers des Innern vom 13. April, betreffend die Behandlung der Flüchtlinge, ist ein Dokument, durchtrünkt von rührender Menschlichkeir und herzerwärnlender Gerechtigkeit, der Anerkennung und des Dankes würdig. Auch für die Erfüllung der primitivsten bürgerlichen Pflichten, weil sie leider all' zu oft ignoriert werden, gebührt Dank. — Mögen die Gedanken Sr. Exzellenz ebenso schön verwirklicht werden, wie sie schön erdacht sind: mögen sie nicht bloß, wie die „Arbeitev-'Zeitung" bemerkt, „totes Papier" bleiben. Ein anderes Gesicht hat der Gedanke und ein anderes die Tat. Die Vollstrecker der Erlässe und. Verordnungen stehen eben nicht auf demselben Niveau der Intelligenz und der politischen Einsicht als die Schöpfer derselben. Die Flüchtlinge haben allen Grund, mit den: Erlasse Sr. Exzellenz zufrieden zu sein und werden sich seinen Weisungen fügen. Sie möchten aber wünschen, daß die humanen Ausführungen des Erlasses ins Bewußtsein der untersten Schichten der Bevölkerung dringen, damit auch diese von den Flüchtlingen so denken möchten wie man an oberster Stelle denkt. Erst dann wären sie vor gewissen „Nörgeleien" sicher, denen sie leider von unten in ungerechtfertigter Weise ausgesetzt find. Sehr weise lautet' der Antrag des Herrn Reichsratsabgeordneten Dr. Natan v. L o e w e n ft e i n in der jüngst stattgefundenen Sitzung des Polenklubs, daß die Regierung dafür sorge, die Bevölkerung darüber aufzuklären, daß Galizien im gegenwärtigen Kriege ein Bollwerk b'lde, welches die andern Staatsgebiete vor der Bedrohung des Feindes schützt. Die Flüchtlinge stellen sich weiter vertrauensvoll unter die Aegide ihrer „Wirte" und erwarten von ihnen Freundlichkeit und Charme. Möge es ihnen nicht so ergehen wie dem kuliurfremden Neger in der gedankenvollen, schönen Anekdote, welche folgendes erzählt: „Als unser Kaiser Jerusalem besuchte, bereiteten ihm die dortigen Juden einen so glänzenden Empfang, daß er entzückt zu seinem Begleiter, einem Juden, sagte: „Es muß Dich ein besonders angenehmes Gefühl beschleichen, da Du den Boden betrittst, wo fast noch die Fußstapfen Deiner großen Ahnen, der Patriarchen und Propheten, zu sehen sind. Palästina ist die Wiege der Menschheit, und es freut mich wahrzunehmen, daß die Juden sich hier der Liebe der Nationen und der Ebenbürtigkeit erfreuen." Darauf sprach der Jude: „Gestatten mir Euere Majestät ein Gleichnis, wie es wohl im Orient gang und gäbe ist. Eine Karawane zog durch die Wüste und ließ dort einen großen Spiegel zurück. Ein Neger, der aus dem Dickicht hergelaufen kam, erblickte — einen fremden Neger, lächelte ihn an, jener tat desgleichen; er machte ihm eine friedliche Geste, auch diese erwiderte der Fremde, und als er sah, daß der Fremde friedlich und freundschaftlich gesinnt ist, warf er sich hocherfreut in seine Arme und siche! sein Gesicht blutete aus vielen Schnittwunden. Der enttäuschte Neger schaute sich verblüfft nach allen Seiten um, den vermeintlichen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.