Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1915-04-23 · 17 (23.4.1915) · page 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
32 (1915)
Issue
17 (23.4.1915)
Date
1915-04-23
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3020846-3022142-3022160--24061-3049291
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Seite 310 Dr. Bloch's Wochenschrift Nr. 17 zweiflung ist in der alten Heimat zurückgeblieben und die Hoffnung auf Europa hat sich als trügerisch erwiesen. Aber wie gesagt, theoretisch ist der Gedanke an eine jüdische Weltkonserenz begreiflich Ob er auch gerade jetzt praktisch durchführbar sei, müssen wir bezweifeln. Unsere Brüder in Amerika überschen zunächst, daß eine solche Konferenz naturgemäß den europäischen Friedensverhandlungen vorangehen müßte. Sie müßte demgemäß zu einem Zeitpunkte stattfinden, da der Weltkrieg noch im vollen Gange ist. Zu einer Zeit also, wo alle internationalen Verbindungen der Judenschaft genau so zerstört und unterbrochen find, wie andere wissenschaftliche und humanitäre internationale Verbände. Sie übersehen, daß die Juden der verbündeten Zentralmächte ebenso wie die ottomanischen Juden bereit und entschlossen sind, ihr Leben hinzugeben für die Ehre ihres Vaterlandes und, wie jeder andere loyale Bürger, solange zu kämpfen und das Letzte zu opfern, bis ein Friede möglich wird, der für das Vaterland Ehrenvoll und dauernd ist. Es ist gar kein Zweifel, daß die Juden Englands und Frankreichs von den gleichen Gefühlen für chr Vaterland beseelt sind. Wie ist nun ein Zusammentreten und Zusammenwirken von Menschen denkbar, die einander noch als Feinde, als wirklich überzeugte Feinde gegenüberstehen? Mer auch in bezug auf den Effekt einer solchen Konferenz ist der Skeptizismus nicht unberechtigt. Wir glauben nicht an die Versprechungen Sir Edward Greys, auf welche Israel Zangwill und die anderen englischen Juden so viel bauen. An das Märchen der Zarenversprechungen hüben wir von vornherein nicht geglaubt. Die französische Regierung, welche chren russischen Verbündeten besser kennt, als Sir Edward Grey, war vorsichtig genug, sich aus Zusagen überhaupt nicht cinzulassen. Und die russische Regierung selbst weist uns ja heute schon den Weg, den sie auch nach dem Kriege zu wandeln entschlossen ist. Selbst aus den nur spärlich zu pns herüber 'gelangenden russischen Pressemeldungen ist es schon jetzt klar zu ersehen, daß in Rußland eine Stimmung gegen die Juden vorbereitet wird, welche zu den schrecklichsten Befürch!- tungen Anlaß gibt. Die russische Regierung und ihre Organe haben sich ein echt» russisches Mittel zurechtgelegt, um eine den Juden günstige Stimmung nicht aufkommen zu lassen. Dieses echt russische System teilt die russischen Juden ganz streng in Soldaten und Zivilisten. Während sie es einerseits nicht verhindert und auch nicht verhindern kann, daß das tapfere Verhalten der jüdischen Soldaten im Kriege öffentlich gepriesen werde, fördert sie selbst die Verbreitung der schauerlichsten Meldungen über das „verräterische" Verhalten der jüdischen Zivilbevölkerung. Das russische Volk wird schon jetzt gegen die Juden gehetzt, indem man schon heute die Juden für die Niederlagen verantwortlich macht, welche unfähige russische Heerführer und unverläßliche russische Soldaten verbrochen haben und noch verschulden werden. Aber selbst der jüdische Soldat genießt in Rußand nur io lange eine besondere Behandlung, als er im Felde steht. Kehrt er aber als Krüppel, als unbrauchbarer Invalide, als Bettler aus dem Kämpfe für die Herrschaft des Pogromzaren heim und legt den Waffenrock ab, so verschwindet er in jener großen dichten Masse der russischen Juden, gegen welche jetzt systematisch geschürt wird, und die Pogrome für die Zeit nach dem Kriege vorbereitet werden. Die wenigen liberalen Blätter in Rußland, welche schon in Friedenszeiten zu ohnmächtig waren, um das Unheil von den Juden abwenden zu können, verraten jetzt förmlich chre Angst vor den Ereignissen, die nach dem Kriege kommen werden. Sie bemühen sich, durch ausführliche wahrheitsgetreue Schilderung der Heldentaten jüdischer Soldaten auf die erregte Stimmung im russischen Volke beruhigend einzuwirken und darauf hinzuweisen, daß die russische Bevölkerung schon aus Dankvarkeit verpflichtet sei, chren Judenhaß in Judenliebe umzuwandeln. Wie wenig nützt dies jedoch gegenüber den zahllosen täglichen Hetzartikeln der alten "reaktionären Preßgarde der Regierung u,nd gegenüber dem russischen Zensor, der jeden Versuch!, die lügenhaften Meldungen der judenfeindlichen Presse zu widerlegen, mit unerbittlicher Strenge unterdrückt. Die russischen Juden befinden sich in einer furchtbaren Lage und die Lage der Juden in den von den Russen besetzten Gebieten ist nicht minder fürchterlich. Es besteht für uns kein Zweifel, haß nach diesem furchtbarsten aller Kriege in Europa ein Judenproblem entstehen wird, wie es tiefer, bedrückender und komplizierter gar nicht gedacht werden kann. Wir möchten dieses Problem folgendermaßen formulieren: Was soll mit jenen Millionen Juden geschehen, welche teils durch den Krieg entwurzelt, ihres Heimes beraubt, andernteils durch beu Krieg in noch schwerere Bedrückung und tiefere rechtliche und wirtschaftliche Not geraten sind? Es ist gar kein Zweifel, daß sich die Regierungen mit diesem Problem ernstlich werden befassen müssen. Und daß sie schließlich gezwungen sein werden, der Ueberzeugung Raum zu geben, daß die humanste' Art der Lösung dieses Problems die Abwanderung eines namhaften Teiles dieser Juden werde bilden müssen, welche in chren Aufenthaltsorten sich nicht werden erhalten können, für welche aber der betreffende Staat auch nicht wird sorgen können oder sorgen wollen. Es ist heute schwer, hierüber mehr oder etwas deutlicher zu sagen. Diese Ausführungen, haben ja auch nur den Zweck, das Problem anzudeuten und der Meinung Ausdruck zu geben, daß wenn die amerikanischen Juden schon an der Idee einer jüdischen Konferenz festhalten wollen, welche sich mit den aus dem Weltkriege, sjch ergehenden Judenproblemen zu befassen hätte, eine solche Konferenz/ die zunächst auf Amerika beschränkt bleiben könnte, vor allem die Regelung der nach dem Kriege zweifellos einsetzenden jüdischen Massenauswanderung aus Europa ins Auge fassen und ihr schon heute die Wege ebnen müßte. Die amerikanischen Juden müssen sich schon heute darauf gefaßt machen, daß Hunderttausende von Juden aus den östlichen Ländern Europas enttäuscht und in ihren Hoffnungen auf die Anerkennung der großen Opfer, die sie gebracht haben und noch bringen, betrogen, ihrer Umgebung zur Last, in sich selbst zerfallen, sich gezwungen sehen werden, dort Zuflucht zu suchen, wo bereits Hunderttausende vor ihnen Zuflucht gefunden haben. Nur wenn eine Konferenz amerikanischer Juden, rechtzeitig zustandegebracht, sich in diesen Bahnen bewegt und in dieser Richtung vorbaut und vorarbeitet, kann sie für die gesamte Judenschaft von Nutzen sein. Kriegsdekoralionen jüdischer Hffiziere und Sotdaten. Se. Majestät der Kaiser hat verliehen: das Militärverdienstkreuz 3. Klasse Mit der Kriegsdekoration für tapferes Verhalten den vor dem Feinde gefallenen 'Leutnants d. Res. Otto W e i ß e n st e i n, Infanterieregiment Nr. 28, und Robert Popper t, Landw.- Jnfanterieregiment Nr. 21; dem Leutnant d. R. Michael Fürst, Infanterieregiment Nr. 68; das Ritterkreuz des Franz Josef-Ordens am Bande des Militärverdienstkreuzes für aufopferungsvolle Dienste vor dem Feinde dem Oberstabsarzt zweiter Klasse Dr. Leopold Deutsch, Reservespital 5/12; das goldene Verdienstkreuz mit der Krone am Bande der Tapferkeitsmedaille für vorzügliche und aufopferungsvolle Dienstleistung vor hem Feinde dem Regimentsarzt

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.